HERZENSBUCH, REZENSIONEN
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Rezension: Dear Martin – Nic Stone

Justyce McAllister is top of his class and set for the Ivy League—but none of that matters to the police officer who just put him in handcuffs. And despite leaving his rough neighborhood behind, he can’t escape the scorn of his former peers or the ridicule of his new classmates. Justyce looks to the teachings of Dr. Martin Luther King Jr. for answers. But do they hold up anymore? He starts a journal to Dr. King to find out. Then comes the day Justyce goes driving with his best friend, Manny, windows rolled down, music turned up—way up, sparking the fury of a white off-duty cop beside them. Words fly. Shots are fired. Justyce and Manny are caught in the crosshairs. In the media fallout, it’s Justyce who is under attack.

[source: www.goodreads.com]

 

Eines der Ziele, die ich mir für 2018 (und alle zukünftigen Jahre) gesetzt habe ist es, mehr Bücher zu lesen, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch soziale und politische Themen behandeln, die das Denken verändern, die sich mit Tabus beschäftigen, die sonst nur totgeschwiegen werden. Dear Martin ist eines dieser Bücher, das sich mit politischen Aspekten, Rassismus und Polizeigewalt auseinandersetzt. Schon seit letztem Jahr Weihnachten liegt das Buch auf meinem SUB und wartete nur darauf, gelesen zu werden. Insbesondere nachdem The Hate U Give es mir so angetan hatte, wusste ich, ich möchte mehr solcher Bücher lesen; Bücher, die das Potential haben, das Denken der Menschen zu verändern und ihnen die Augen zu öffnen, sie herauszuholen aus dieser Blubberblase, in der sie leben, um auf Dinge aufmerksam zu machen, vor denen viele sonst nur die Augen verschließen.

“You ever consider that maybe you not supposed to ‚fit‘? People who make history rarely do.”

 

Vielleicht sind wir uns dessen nicht immer bewusst, doch Worte sind eine unglaublich mächtige Waffe und wir sollten sie nutzen. Genau das hat Nic Stone getan, sie hat Menschen eine Stimme gegeben, die ganz oft überhört werden.

POSITIV

Trotz der wenigen Seiten, gerade mal 210 Stück an der Zahl, verfügt dieses Buch über so viel Tiefgang, wie man es vielleicht nicht für möglich hält. Die Geschichte rund um Jystyce hat mich einfach nicht mehr los gelassen, unter anderem aufgrund der besonderen Erzählweise. Die Geschichte wird nämlich nicht bloß aus der Sicht von Justyce erzählt, sondern lässt die Autorin uns eintauchen in die Geschichte durch mehrere Arten von Erzählstilen, so gibt es zum Beispiel Briefe und Zeitungsartikel und auch Kapitel, die aus reinigen Dialogen bestehen.

Dear Martin schreckt nicht davor zurück, Rassenprofilierung, Rassismus und Polizeigewalt in Amerika zum Thema zu machen, auch die Themen Gangs und „toxic masculinity“ werden angesprochen. Dieses Buch hat es geschafft, harte und sensible Themen aus verschiedenen Perspektiven zu schildern, sie darzustellen anhand großartiger Charaktere, die selbst an sich wachsen. Unterhaltungen wie sie in diesem Buch geführt werden; Themen, wie sie in Dear Martin behandelt werden existieren wirklich, es gibt sie, diese schrecklichen Dinge, die überall auf der Welt passieren und sollten weder totgeschwiegen werden, noch sollten wir unsere Augen davor verschließen, nur weil es uns eben nicht betrifft.

Dieses Buch hat eine Wut in meinem Inneren ausgelöst, wie ich sie kaum greifen konnte. Ich war wütend und so voller Trauer, mein Magen zog sich zusammen, jedes Mal wenn ich eine neue Seite umblätterte und doch überkam mich immer wieder dieses warme Gefühl von Hoffnung, wenn die Charaktere auch ein wenig Menschlichkeit durchschienen ließen. Denn ja, es gibt auch Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, die sich dem Menschenhass in den Weg stellen, die kämpfen, ob es sie nun selbst betrifft oder nicht. Der Zusammenhalt einzelner Figuren in diesem Buch war einfach beeindruckend, so echt und real, wirkte weder erzwungen noch irgendwie künstlich hergestellt um ein wenig mehr Dramatik mit in die Geschichte einzubringen. Denn genauso ist das wahre Leben. Es ist traurig, aber es ist wahr.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Tatsache, dass sich die Figuren im Buch hier und da auch mal selbst in Frage stellen, sie zweifeln, reflektieren sich und ihre Taten, versuchen zu verstehen … die Dynamik zwischen den einzelnen Figuren war wirklich etwas ganz Besonderes.

Jystyce Geschichte hat mir das Herz gebrochen, insbesondere Zeuge zu werden, wie in manchen Situationen seine Hoffnung, sein Glaube an die Menschheit zu bröckeln begann. Er muss dabei zusehen, wie er und sein bester Freund schlecht behandelt werden von seinen privilegierten weißen Mitschülern, die die ganze Zeit nur davon sprechen, dass wir mittlerweile in einer Welt leben, in der Gleichberechtigung ganz groß geschrieben wird, dennoch, nur wenige Tage zuvor, wurde ein schwarzer Junge erschossen, festgenommen, weil Polizisten etwas annahmen, was gar nicht stimmte. Rassismus und Polizeigewalt ist ein sehr wichtiges und in unserer heutigen Zeit nach wie vor sehr präsentes Thema.

Das Schlimmste war es wohl mit anzusehen, wie seine angeblichen Freunde ihn behandelt haben, ihn mit Aussagen wie „Sei nicht so sensibel. Ist doch nur Spaß.“ abgespeist haben. Das Problem ist nur, dass es für Jystyce eben kein Spaß ist. Als weißer privilegierter Junge aus gutem Hause weiß man eben nicht was es bedeutet, schwarz zu sein. Wo nehmen sich Weiße das Recht her, zu behaupten, es sei doch gar nicht so schlimm, wenn nicht sie diejenigen sind, die unter Rassismus leiden? Besonders wütend machte mich auch die Tatsache, dass einer der Figuren den Spieß umdrehte, behauptete Schwarze hätten in unserer Zeit viel mehr Vorteile aufgrund der geschichtlichen Ereignisse, dass sie zum Beispiel eher in eine Ivy League School aufgenommen werden, weil jede Schule eben einen „Quotenschwarzen“ haben muss, um nicht als rassistisch zu gelten und das obwohl sie es eigentlich gar nicht verdient haben. Nur zu Recht fragt sich Jystyce darauf hin, wie viele Menschen sich um ihn herum wohl fragen, ob er es eigentlich verdient hat, dort zu sein wo er ist, oder ob es nur Almosen waren, die man ihm vor die Füße geworfen hat, eben wegen seiner Hautfarbe.

Es ist schrecklich; es ist grausam und dieses Buch hat mich so viel fühlen lassen, hat mich unglaublich viel weinen lassen. Ich konnte nicht aufhören, ich konnte teilweise einfach nicht aufhören zu weinen, nicht nur, weil es mir das Herz zerbrochen hat, sondern auch weil es mich so endlos wütend gemacht hat. Dies mag bloß eine fiktive Geschichte sein mit fiktiven Figuren, doch dort draußen gibt es tatsächlich Menschen, die eben genauso denken, die sich selbst für etwas Besseres halten, nur weil ihre Hautfarbe weiß ist; die glauben, sie hätten Erfolg; das Leben mehr verdient; dass nur ihre Hautfarbe die einzig richtige ist. Und dann gibt es auch solche, die es einfach nicht verstehen; die glauben, nur weil sie eventuell einen Schwarzen in ihrem Freundeskreis haben, nicht rassistisch zu sein, weil sie es „dürfen“. Nur weil man miteinander befreundet ist, hat man nicht gleich einen Freipass respektlos zu sein; nur weil ein Weißer einen Schwarzen zum Freund hat, bedeutet das lange nicht, dass es okay ist, rassistische Bemerkungen zu machen und den anderen zu verletzen – Freundschaft hin oder her. Auch hier sollte man Grenzen ziehen.

Die Geschichte und Erinnerungen an damals gehen so tief; so tief, dass sie fast nicht zu greifen sind und es ist einfach traurig, dass manche Menschen diese Themen noch immer einfach so mit der Hand weg wedeln, als wären es lästige Fliegen. Wir dürfen die Augen nicht verschließen, wir müssen den Mund auf machen, ja, auch als Weißer darf man den Mund auf machen, darf sich einsetzen für seine Mitmenschen, füreinander einstehen und kämpfen gegen Menschenhass und Ungerechtigkeit.

„In that moment, when I thought I was dying, it hit me: despite how good of a dude Martin was, they still killed him, man.“

 

NEGATIV

Etwas Negatives über dieses Buch habe ich nicht zu sagen. Man könnte eventuell über die Länge meckern, ein paar mehr Briefe an Dr. King wären toll gewesen, aber dies hätte nichts an der Tiefgründigkeit geändert, über die das Buch auch so verfügt. An diesem Buch gibt es meiner Meinung nach rein gar nichts zu meckern.

It’s short and yet so deep …

LOHNT SICH DAS BUCH?

Auf jeden Fall. Dieses Buch lohnt sich so unglaublich sehr, dass ich es am liebsten jedem, den ich kenne, kaufen würde, nur damit sie es lesen … Dear Martin ist ein Buch, das meiner Meinung nach in allen Schulen gelesen werden sollte, vielleicht sogar noch eher als THUG, nicht weil es irgendwie besser ist, allerdings haben Schüler teilweise bekanntermaßen Probleme mit dicken Wälzern und dieses Buch mit seinen knapp 200 Seiten ist einfach perfekt; kurz aber unglaublich wichtig und tiefgründig, es ist herzzerreißend und traurig, steckt an manchen Stellen aber auch voll von Hoffnung. Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Leseempfehlung. Ein absolutes Muss.

INFOS ZUM BUCH


Autor
: Nic Stone
Titel: Dear Martin
Verlag: Crown Books for Young Readers
Seiten: 210
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2017
Preis: 14,99 [D]

 

 

 

KATEGORIE

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