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Rezension: Die Stille meiner Worte – Ava Reed | Eine Liebeserklärung

Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt. Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder. Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist …

[Quelle: www.ueberreuter.de]

Die Stille meiner Worte … ich habe dieses Buch vergangenes Wochenende gelesen und irgendwie ist es in meinem Kopf gerade auch ziemlich still, in meinem Herzen dafür aber umso lauter. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so aufgewühlt war, nach einem Buch und das noch Tage, nachdem ich es beendet hatte. Ich fühle mich fast so, als hätte ich selbst meine Stimme verloren. Mein Herz ist so voll mit Gefühlen aber irgendwie schafft mein Kopf es nicht, diese Gefühle umzuwandeln in Worte, Worte, die dem auch nur im Entferntesten gerecht werden würden, was ich während des Lesens empfunden habe. Die deutsche Sprache ist sehr umfangreich mit ihren doppelt und dreifachen Versionen eines jeden Wortes; eines jeden Begriffes, unsere Sprache verfügt über viel mehr Worte, als viele andere Sprachen und doch sitze ich hier und finde einfach nicht die richtigen Worte. Sie vergehen wie Asche im Wind immer dann, wenn ich sie ausspreche, verursachen mir Gänsehaut und ein Gefühl des absolut puren Glücks. Ich würde gerne sagen, dass ich das Buch geliebt habe, aber eigentlich stimmt das gar nicht, denn ich habe es so viel mehr als nur geliebt. Dieses Buch hat mich mitten ins Herz getroffen, hat mich ganz tief berührt, ging mir durch Mark und Bein. Ava Reed hat mit diesem Schmuckstück etwas ganz Besonderes geschaffen … etwas ganz ganz Besonderes.

Bevor ich allerdings nun mit meiner Rezension beginne, die wahrscheinlich eigentlich gar keine Rezension werden wird, zumindest nicht in dem Stil, wie ich sie sonst schreibe, möchte ich euch kurz erzählen, worum es in diesem Buch eigentlich geht, das mir so viel gegeben und mich so viel hat fühlen lassen. Manchmal waren es nur Worte, manchmal ein einziger Satz, manchmal auch eine winzige Geste, die mich hat aufschluchzen lassen und in ein kleines Häufchen Elend verwandelt hat. Und wieder einmal wurde mir bewusst, was Worte ausrichten können, Worte, einzelne Buchstaben die, wenn man sie zusammensetzt, erst so richtig Sinn ergeben …

Hannah ist stumm. Als ihre Zwillingsschwester Izzy starb, hat sie einen Teil von Hannah und ihre Stimme mit sich genommen. Es scheint fast so, als habe ihr Mund einfach vergessen, wie man Worte formt. Die Dinge, die Hannah sagen möchte, bleiben unausgesprochen, hängen fest in ihrem Kopf, in ihren Gedanken, in ihrem Herzen; sie scheint die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben, bis sie auf Levi trifft. Levi versucht ihr, neue Worte zu geben. Er versteht sie, auch ohne die Worte, die sie vor einiger Zeit verloren hat. Obwohl die zwei wohl verschiedener nicht sein könnten, sind sie wie zwei Magnete, die sich gegenseitig anziehen, die sich brauchen; brauchen, um zu überleben.

Zu behaupten, dieses Buch hätte mich zerstört, wäre falsch, denn das hat es nicht. Es hat genau das Gegenteil bewirkt. Dieses Buch hat mir so viel Hoffnung geschenkt, so viele Glücksgefühle beschert, es hat mir so viel gegeben, dass man es kaum für möglich halten würde, wenn man sich bewusst macht, um was es in diesem Buch geht, wie viel Traurigkeit es enthält und wie hochemotional es ist.

Obwohl ich schon einige Zeilen geschrieben habe, habe ich das Gefühl, immer nur um meine Gefühle drum herum zu schreiben, aber den Nagel nie wirklich auf den Kopf zu treffen. Wie wild schlage ich mit diesem dämlichen Hammer auf den Nagel ein, immer wieder, immer und immer wieder, nur um auch beim zehnten Mal daneben zu schlagen. Und auf einmal ist er da, dieser Gedanke, dass es mir vielleicht gerade einfach so geht wie Hannah, nur irgendwie anders herum. Denn sie hatte Worte; sie hatte jede Menge davon, hatte nur verlernt, sie laut auszusprechen. Ich hingegen weiß wie man spricht, ich erinnere mich sehr gut daran, wie meine Stimme klingt und wie meine Lippen meine Gedanken zu Worten formen, doch irgendwie finde ich keine Worte – zumindest nicht die richtigen. Keine Worte, die meinen Gefühlen Ausdruck verleihen könnten.

Die Stille meiner Worte ist ein Buch, dass einen nicht mehr los lässt, dass einen verfolgt – auf gute Art und Weise -, dass einen zum Nachdenken anregt, uns zweifeln lässt, gleichzeitig aber so viel Hoffnung schenkt, dass diese Zweifel einfach vergehen, wie Zuckerwatte auf der Zunge.

Hannah mochte ich gleich von Beginn an. Ich kann mich glücklich schätzen, das Schicksal meinte es bisher gut mit mir und noch nie musste ich einen Schicksalsschlag, der dem von Hannah’s ähnlich käme, erleiden, es schien mir daher anfangs unmöglich Hannah überhaupt zu verstehen, eine Verbindung zu ihr aufzubauen – wie auch? Doch gleich nach den ersten Seiten wurde klar, dass ich mich absolut geirrt hatte. Es fiel mir nie leichter, eine Verbindung zu einer Figur eines Buches aufzubauen. Es fiel mir nie leichter, eine Figur eines Buches zu mögen, so zu mögen, wie ich Hannah gelernt habe zu mögen.

Es ist die Autorin, die es uns so einfach macht, eine Verbindung aufzubauen. Mit ihren Worten, mit ihrem Fingerspitzengefühl, mit ihrer Art und Weise Gefühle auszudrücken und das obwohl die Person, von der wir sprechen, eigentlich gar nicht spricht. Ava Reed ist ein absolutes Schreibtalent; ein Schreibwunder würde ich fast behaupten; ich weiß nicht, ob ich jemals ein so hochemotionales Buch gelesen habe. Schon viele Bücher haben mich emotional an meine Grenzen gebracht, viele Bücher brachten mich zum Weinen, zum Schluchzen, zum Schreien … doch irgendwie war es diesmal ganz anders. Ich würde euch so gerne sagen, was anders war oder wie es war aber ich kann es nicht. Ich kann es einfach nicht. Es geht nicht, weil mir einfach die Worte fehlen. Auf einmal bin auch ich stumm, dabei würde ich so gerne reden, ich würde euch so gerne mein Herz offenlegen, euch einen Einblick ermöglichen in meine Gefühlswelt aber es geht nicht. Vielleicht ist es auch Absicht; vielleicht möchte sich mein Herz dieses Gefühl ja bewahren, vielleicht hat es Angst, dass dieses wunderbare Gefühl verschwindet, wenn ich es zu Papier bringe, wenn ich es laut in die Welt hinausschreie. Vielleicht hat es Angst, dass es dann weg ist und macht es mir deshalb so schwer, die richtigen Worte zu finden.

Dieses Buch steht für so viel, für Liebe und Hilfsbereitschaft, vor allen Dingen aber auch für Akzeptanz und Selbstlosigkeit. Dies ist ein Buch, das es absolut verdient, hoch in den Himmel gelobt zu werden, ein Buch, das es verdient, auf den Bestsellerlisten dieser Welt ganz weit oben zu stehen. Es ist ein Buch, das jeder lesen sollte; ein Buch, das unbedingt gelesen werden und unter die Leute gebracht werden muss. Es ist nicht nur ein Buch für Zwischendurch, das man liest, weil es unterhält und einen erfreut, es ist ein Buch, das trotz der ernsten Thematik und der Traurigkeit so viel Hoffnung schenkt; Hoffnung und Glück. Es zeigt uns, dass es sie doch noch gibt: Menschlichkeit, dieses füreinander da sein, den Willen, anderen zu helfen. Und jede einzelne dieser Figuren beweist dies auf seine ganz eigene und besondere Art.

Die charakterliche Entwicklung der Figuren ist immens, aber nicht überstürzt, nicht erzwungen, sondern einfach so echt und es hat mich nachhaltig so beeindruckt, dass – selbst wenn ich wöllte – Hannah, Levi, Sarah und Lina einfach nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Irgendwie sind sie zu einem Teil von mir geworden, zu einem Teil meines Denkens und ich wünschte, in jedem Buch gäbe es so viel Akzeptanz, so viele unglaublich tolle und vielschichtige Charaktere, die auf ihrem eigenen Weg etwas mitnehmen, die lernen, die gewillt sind zu lernen.

Dieses Buch zeigt uns, dass Worte nicht immer notwendig sind, um sich zu verständigen und vor allem auch, dass jemand, der nichts sagt, nicht auch automatisch nichts zu sagen hat. Manchmal ist da etwas in uns, das uns blockiert, dass uns das Sprechen erschwert, es vielleicht sogar einfach unmöglich macht.

Dieses Buch ist so wertvoll, so besonders, so einzigartig.

Liebe Ava, du hast da etwas ganz Großes, etwas ganz Besonderes geschaffen und ich möchte dir danken; danken dafür, dass du uns zeigst, wie viel ein Mensch in der Lage ist, zu fühlen und das es unsere Gefühle sind, die uns erst so richtig lebendig, so richtig menschlich machen.

 

INFOS ZUM BUCH


Autor
: Ava Reed
Titel: Die Stille meiner Worte
Verlag: Ueberreuter
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 09. März 2018
Preis:16,95 [D]
Buch bei Ueberreuter: Deutsch

 

 

KATEGORIE

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