REZENSION: Das Paket von Sebastian Fitzek

Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Das Paket
Verlag: Droemer HC
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2016


Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet. Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen. Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt …

[Quelle: http://www.goodreads.com]


German„Was ist in dem Paket? WAS IST IN DEM PAKET?“ Gibt es sonst noch jemanden, der bei dem Titel des neuesten Fitzek Thrillers immer an den Film „Sieben“ mit Brad Pitt und Morgan Freeman denken muss? Ich muss zugeben, es war also nicht nur der Klappentext, der mich dazu veranlasst hat, das Buch zu kaufen, sowohl Titel als auch Cover haben ebenfalls zu meiner Kaufentscheidung beigetragen. Die vielen wunderschönen Fotos auf Instagram waren dabei auch nicht ganz unschuldig, muss ich gestehen. Es ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal einen Psychothriller, gar einen Fitzek Roman, gelesen habe, weshalb meine Vorfreude insbesonderes auf dieses Buch mit jedem Tag größer wurde. Nach einem kurzen Sprint zu unserer ortsansässigen winzigen Buchhandlung hielt ich das Schmückstück dann endlich in meinen Händen. Zu Hause angekommen, habe ich gleich begonnen zu lesen und das Buch erst wieder zugeklappt, als ich es schließlich beendet hatte. Ja richtig gehört, seit langem habe ich ein Buch mal wieder innerhalb eines Tages gelesen, weil ich einfach nicht davon los gekommen bin.

Purer Nervenkitzel wäre wohl noch zu gelinde ausgedrückt, um dieses Buch zu beschreiben. Das Paket ist eine rasante Achterbahnfahrt, eine regelrechte Hetzjagd durch die intimen Gedanken einer vermeintlich „Verrückten“.

Fangen wir doch mit dem Aufbau des Buches an. Das Buch beginnt mit einem Rückblick in das Leben eines jungen Mädchens; ein Mädchen, scheinbar vernachlässigt von ihren Eltern, terrorisiert von ihrem Vater; ein Mädchen, das Zuflucht findet in den Armen ihres imaginären Freundes, der in ihrem Kleiderschrank wohnt und es immer wieder schafft, ihr die Angst zu nehmen, die ihr Vater ihr eingejagt hat. Darauf folgt ein kurzer Einblick in das Leben eben dieses jungen Mädchens, 28 Jahre später, heute eine junge Frau, Anfang Dreißig, erfolgreiche Psychologin, die einen Vortrag hält auf einem Kongress zu brutalen Behandlungsmethoden in Psychiatrien, die trotz des Fortschritts auch noch im heutigen 21. Jahrhundert in diversen Psychiatrien angewandt werden. Wir lernen eine nach außen hin starke, eindrucksvolle Frau kennen, die im Inneren allerdings strotzt vor Unsicherheit. Nach diesem kurzen Einblick in Emmas Leben werden wir quasi hineingeworfen in die Geschichte und landen als Zuhörer bei einem Gespräch zwischen Anwalt und Mandantin; einer Frau, die wegen zweifachem Mordes auf der Anklagebank sitzt: unsere Hauptprotagonistin Emma.

Wir befinden uns mithin in der Gegenwart und erleben die Geschichte so, wie Emma sie ihrem Anwalt, der gleichzeitig auch ihr engster Vertrauter und bester Freund ist, erzählt. Wir springen in der Zeit umher, von einem Ereignis zum anderen, bekommen ein Puzzleteil nach dem anderen vor die Füße geworfen, immer nur so viel, dass es den Leser förmlich in den Wahnsinn treibt bei dem Versuch, den Fall aufzulösen und einen Sinn hinter all dem zu erkennen, was Emma in den letzten Wochen erlebt hat.

Stück für Stück versuchen wir also als Leser gemeinsam mit Konrad, dem Strafverteidiger, den Fall aufzuklären; versuchen herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist. Dabei werden wir verstrickt in ein Geflecht voller Lügen und Geheimnisse, wir werden irre geführt – immer und immer wieder und ebenso wie Emma scheinen auch wir als Leser langsam verrückt zu werden.

Ich habe so ziemlich jeden in diesem Buch vorhandenen Charakter als Täter verdächtigt und irgendwie klang auch alles ziemlich logisch und ich war mir immer wieder aufs Neue sicher, dass ich den Fall gelöst habe; das ich wusste, wer der Täter war und was geschehen ist und dann BOOM belehrt mich Sebastian Fitzek eines Besseren, schmeißt mir erneut ein Häppchen vor die Füße, das gerade groß genug ist, meine gesamte Theorie auf den Kopf zu stellen. Und wieder fange ich von Vorne an, ebenso wie Emma, die langsam glaubt wahnsinnig zu werden.

Mich persönlich hat dieses Buch tatsächlich in den Wahnsinn getrieben; nicht nur die grandiose, verworrene Storyline hat dazu beigetragen, sondern auch Sebastian Fitzeks detaillierter und spannungsgeladener Schreibstil. Erinnert ihr euch noch damals in der Schule an den unglaublich langweiligen Deutschunterricht, in dem unsere Lehrer uns zu erklären versuchten, was eine sogenannte Spannungskurve ist? Ich erinnere mich noch ziemlich genau an die Worte unseres Deutschlehrers damals. Die Spannungskurve bezeichnet die Darstellung des Steigens und Fallens der Spannung in einem literarischen Text. Klingt einleuchtend oder? So beginnt alles mit der Exposition, der Vorgeschichte. Die Spannung steigt langsam weiter zu einem sogenannten erregenden Moment an und erreicht kurz darauf den Höhepunkt (Peripetie). Fitzeks neuester Psychothriller jedoch scheint aus einem einzigen Höhepunkt zu bestehen, bzw. aus gefühlt 100 Höhepunkten die kein Ende nehmen. Die Spannung steigt von Anfang an drastisch und steigt immer weiter mit jedem einzelnen Kapitel, die immer wieder aufs Neue mit einem gemeinen Cliffhanger enden. Die Spannung steigt weiter, treibt einen förmlich in den Wahnsinn, lässt einen selbst am eigenen Verstand zweifeln und selbst zum Ende hin lässt die Spannung nicht nach, selbst dann nicht, als man glaubt, die Geschichte habe nun tatsächlich ihr Ende gefunden; selbst dann nicht als man glaubt, DAS ist es, das Ende, das ist die Lösung; Fall aufgeklärt, Sache beendet. Pustekuchen. Kurz darauf erfolgt dann der richtige Knall, der alles, was vorher gewesen ist noch ein letztes Mal auf den Kopf stellt.

Und dann, mit dem Lesen der letzten Seite sitzt mein einfach nur da, atemlos mit Herzrasen, kopfschüttelnd sogar und braucht erst mal einen Augenblick, alles zu verarbeiten und im Kopf noch einmal sämtliche Puzzlestücke durchzugehen und zusammenzusetzen. Das wirklich Grandiose dabei ist, dass Fitzek kein Detail auslässt und einfach nichts vergisst, selbst das kleinste Detail, dass irgendwann einmal am Anfang nebenbei erwähnt wurde und so unwichtig erschien, wird am Ende noch einmal aufgegriffen und trägt gravierend zur Auflösung des Falls bei; eine Tatsache, die mich nicht nur unendlich beeindruckt, sondern richtig auf Trab gehalten hat. Jeder der schon mal in den Genuss eines Fitzek Buches gekommen ist, weiß wie grandios Fitzek schreibt. Sebastian Fitzek ist ein absoluter Meister seines Fachs; er schafft es mit seinen Worten nicht nur seine Leser bis ins Unermessliche zu verwirren, sondern auch sie bei Laune zu halten, sie süchtig zu machen – einfach immer mehr zu wollen. So ist es offensichtlich auch mir ergangen, immerhin habe ich das Buch nicht ohne Grund an einem Tag innerhalb weniger Stunden gelesen. Ich konnte mich einfach nicht losreißen von Emmas Geschichte und bin auch jetzt noch immer fasziniert von dem, was Fitzek hier aufs Papier gebracht hat. Der Versuch, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden geht hier gleich gegen Null; auch einen kühlen Kopf zu bewahren ist selbst mir als Leser schwer gefallen. Ich glaube rasante Achterbahnfahrt trifft es als Beschreibung dieses Buches ganz gut.

Dieses Buch hat einfach alles, was ein guter Psychothriller braucht. Regelrechte Abgründe werden am Ende des Buches aufgedeckt; Dinge, die mir mehr Gänsehaut verursacht haben, als eine Geistergeschichte. Dinge, die mich am Ende mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurückgelassen haben; Dinge, die mich letzte Nacht tatsächlich haben schlecht schlafen lassen.

Ich kann dieses Buch wirklich nur jedem ans Herz legen, ganz gleich ob man das Thriller-Genre mag oder nicht. Dieses Buch ist ein absolutes Meisterwerk und definitiv eines meiner Jahreshighlights.

fuenf

 

4 thoughts

    1. Ich hab gesehen in den Insta-Stories, dass du es jetzt auch hast? und, schon angefangen? Hach ich finde dieses Buch einfach so großartig, es hat mich förmlich wahnsinnig gemacht haha bin schon sehr gespannt, was du dazu sagst 🙂 ❤ ich wünsche dir sehr viel Spaß damit!

      und danke für deine lieben Komplimente!

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  1. Mein erster Gedanke:“Was sind das für wundertolle Funkos auf den Bildern? 😍“ Die Funkos sind wirklich total schön, insgesamt die Bilder 😊
    Die Rezension hat mir jetzt total Lust gemacht, noch einmal etwas von Fitzek zu lesen. Ich habe mal Passagier 23 angefangen, aber irgendwie nie beendet….

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    1. Ich liebe die Funkos auch total ❤ und Dankeschön, schön dass dir die Fotos gefallen hihi ❤ also ich habe bisher drei Bücher von Fitzek gelesen und fand sie allesamt super, aber "Da Paket" kann ich wirklich nur empfehlen! Es ist einfach großartig!

      Gefällt 1 Person

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