REZENSION: SPIEGEL DES BÖSEN – BJÖRN SPRINGORUM

Ich muss zugegeben, Björn Springorum und seine Bücher wurden für mich erst zu einem Begriff, als ich den ersten Live Booktalk von Planetarium (Book Walk, Liberiarium & Papierplanet) mit verfolgte, in dem es um das neue Buch des Autoren Spiegel des Bösen ging. Ich war gleich von Anfang an begeistert, nicht nur von dem überaus sympathischen und amüsanten Autor, der seine Ängste in seinen Büchern verarbeitet, sondern auch von den Beschreibungen des Buches und den Eindrücken der oben genannten drei Blogger. Ich bin ein absoluter Fan von Grusel- und Horrorgeschichten und gerade Spukhotels haben es mir angetan, sodass ich gleich Feuer und Flamme war. Ich habe das Buch dann tatsächlich, weil ich so davon schwärmte, geschenkt bekommen und habe es gleich verschlungen, als ich es in meinem Briefkasten vorfand. Ob das Buch meinen Erwartungen entsprochen hat, könnt ihr nun in meiner anschließenden Rezension lesen.

Autor: Björn Springorum
Titel: Spiegel des Bösen
Verlag: Thienemann Esslinger Verlag
Erscheinungsdatum: 16. Februar 2017

Ein Grandhotel, in dem das Grauen herrscht, ein Zimmermädchen, das auf Rache schwört, drei Berghexen, die auf Seelen lauern, und eine Liebesgeschichte, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist … 

[Quelle: http://www.goodreads.com]

 

Gleich zu Beginn des Buches werden wir, ebenso wie Sophie, regelrecht in das Geschehen hineingeworfen. Wir wissen weder was geschehen ist, noch wie es geschehen ist, was es uns ermöglicht, das Abenteuer auf dieselbe Art und Weise wie Sophie zu erleben. Wir wissen nicht mehr und nicht weniger als sie selbst, was das Leseerlebnis sehr interessant und auch aufregend gestaltet hat. Ich mag solche schnellen Einstiege sehr, muss ich gestehen, auch wenn dies natürlich hier und da zu ein paar Verwirrungen führen kann, doch ich finde es großartig, wenn der Leser mit dem Protagonisten gleichgestellt wird und man sich hier mit den Figuren aus dem Buch auf einer Ebene befindet.

DER GRUSELFAKTOR BLIEB LEIDER AUS

Im Nachhinein muss ich sagen, dass sich die Geschichte stellenweise etwas langgezogen fand und der Autor die gesamte Geschichte hätte etwas kürzer fassen können. Leider blieb auch der Gruselfaktor bei mir aus und eine unheimliche Stimmung wollte einfach nicht aufkommen, was teilweise vielleicht auch damit zu tun hat, dass es sich hierbei um ein Buch, eher für das jüngere Publikum geeignet, handelt, sprich es natürlich gruselige Stellen gibt, allerdings nicht so gruselig, als dass es mir Angst eingejagt hätte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in diesem Genre einfach schon so „abgehärtet“ bin und schlicht mehr erwartet habe von einem Spukhotel, was allerdings in keiner Weise die Qualität des Buches in Frage stellt. Ob man etwas für unheimlich empfindet oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche fürchten sich schon vor einem dunklen Schatten, bei anderen braucht es ein bisschen mehr, bis sich Gänsehaut einstellt. Für Leser, die eine gruselige Stimmung ebenso gerne mögen wie ich, würde ich empfehlen, das Buch dann vielleicht doch eher abends bzw. nachts zu lesen, was ich ebenfalls getan habe. Es hatte zwar nicht vollends den gewünschten Effekt, doch hat die Geschichte dadurch nichtsdestotrotz ein bisschen gruseliger gewirkt.

Was mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Kapitelanfänge und hier nicht nur das wundervolle Design, das auch noch perfekt zur Geschichte passt, sondern auch die Namen der einzelnen Kapitel, die immer schon einen Hinweis und einen Vorgeschmack darauf gaben, wo genau sich die nächste Szene abspielen würde.

Die ersten Seiten zogen sich etwas in die Länge. Zum einen ist dies notwendig, um aufgrund des rasanten Einstiegs in die Geschichte einfinden zu können und die Charaktere kennenzulernen, auf der anderen Seite hat es mich teilweise auch wirklich gelangweilt. Abgesehen davon, dass ich mich kaum bis gar nicht gegruselt habe, war der erste Teil des Buches etwas langwierig, teilweise auch ereignislos. Hauptsächlich spielt sich die Handlung in den Kellern des Hotels ab, wo, gelinde ausgedrückt, kaum bis rein gar nichts passiert. Die Charaktere sitzen hier und warten; warten darauf, dass etwas passiert, bis schließlich Sophie in ihr Leben tritt, die ganze Situation zwar etwas aufwirbelt, aber im Endeffekt auch nicht viel ausrichtet, denn kluge Einfälle bleiben weiterhin rar und auch gestritten wird sich viel zu häufig. Obwohl ich Sophie als interessanten Charakter bezeichnen würde, zumindest teilweise, ging sie mir stellenweise mit ihrer Naivität und ihren Nörgeleien etwas auf die Nerven. Hierbei sollte man natürlich nicht aus den Augen verlieren, dass sie erst fünfzehn Jahre alt ist und ihr teilweise einige Dinge fremd sind und sie wahrscheinlich nicht die Einzige ist, die sich als 15-jährige Jugendliche so verhält bzw. verhalten hat. Ich denke bis zu einem gewissen Grad kann man sich, wenn man sich selbst in seine Jugend zurückversetzt, identifizieren, was allerdings nicht bedeutet, dass ich sie vollends ins Herz geschlossen habe.

Auch bei den anderen Charakteren bin ich mir nach wie vor nicht sicher, ob ich sie mag, oder doch nur nervtötend finde. Bei Margarete bin ich mir da sicher, sie ist eine traurige, fast schon armselige Gestalt, die wahrscheinlich unzufriedener mit sich selbst und trauriger über ihr Leben nicht sein könnte. Diese Emotionen kompensiert sie dadurch, dass sie nicht nur unhöflich, sondern auch unfreundlich, biestig und herablassend ist und sich als Boss der kleinen Truppe aufführt. Ludwig ist das genaue Gegenteil von ihr, lässt sich freiwillig unterbuttern und liegt ihr quasi zu Füßen. Mit Ludwig konnte ich mich weder identifizieren, noch fühlte ich mich ihm während des Lesens in irgendeiner Weise nahe. Er gehört zu der Sorte Mensch, die einfach mit dem Strom schwimmen, die sich keine eigene Meinung bilden, sondern lieber das nachplappern, was andere ihnen vorsagen, nur weil sie dazugehören möchten. Eine traurige Eigenschaft. Nichtsdestotrotz macht er eine kleine Entwicklung durch, die mir gut gefallen hat. Max mochte ich sehr gerne. Er war erfrischend, amüsant, freundlich, höflich, keiner dieser Badboys, wie es in Jugendromanen oft der Fall ist. Einen bleibenden Eindruck hat er allerdings dann doch nicht hinterlassen, da er nichts wirklich Besonderes an sich hat. Den Concierge hingegen mochte ich sehr, war er der Einzige, der dem Buch eine etwas unheimliche Atmosphäre verlieh. Ich mag solche Charaktere, bizarr, merkwürdig, unheimlich, gespenstig. Mein Liebling jedoch war der General. Ich wünschte er wäre Hauptfigur, statt Nebenfigur gewesen.

Ganz allgemein hätte ich mir bezüglich der Figuren etwas mehr Hintergrundwissen gewünscht, insbesondere bei Charakteren wie eben dem General oder Esmeralda oder auch dem Concierge. Ich bin mir sicher, dass hinter ihnen viele lange Jahre voller Abenteuer und Erfahrungen liegen; Ereignisse, die sie zu denen gemacht haben, die sie heute sind und nur zu gerne hätte ich einen Einblick erhalten in ihre Vergangenheit und natürlich hätte ich auch am liebsten noch mehr darüber erfahren, was passiert ist und wie es zu alledem hier erst gekommen ist und vor allen Dingen wie ihre Leben mit der ganze Geschichte zusammenhängen.

GUTE ANSÄTZE, VIEL POTENTIAL, LEIDER ABER FEHLTE AN TIEFE

Bei der Geschichte hat mir definitiv an Tiefe gefehlt. Natürlich werden jetzt viele sagen, es ist doch „nur“ ein Kinderbuch; es ist doch „nur“ ein Jugendroman, aber ich zum Beispiel bin ein sehr großer Fan von speziellen, sehr gut ausgearbeiteten Charakteren und mithin auch Charakter Development, was in diesem Buch leider kaum vorhanden war, was ich als sehr schade empfinde, denn sämtliche Charaktere hatten definitiv das Potential, zu großartigen Figuren zu werden, hätte man ihnen nur ein paar Sekunden mehr im Rampenlicht gegönnt.

Das was mich am meisten an der Geschichte gestört hat, war die Liebesgeschichte, die in meinen Augen nicht nur viel zu überstürzt, sondern auch irgendwie Fehl am Platz, inszeniert und erzwungen wirkte. Meiner Meinung nach wäre das Buch um Längen besser, hätte man einfach auf die Romanze verzichtet und die vier Hauptfiguren einfach Freunde in Not sein lassen, die gemeinsam versuchen einen Weg zu finden, das übernatürliche Böse zu besiegen und das Hotel zu verlassen.

In der zweiten Hälfte des Buches, insbesondere zum Ende hin, wurde die Geschichte dann sehr spannend. Dinge passierten Schlag auf Schlag, man hatte kaum mehr Zeit, Luft zu holen und man fühlte sich, als säße man in einem schnellen Auto oder auf einer rasanten Achterbahn, die gar nicht mehr zum Stehen kam. Plötzlich tauchten so viele Hinweise auf, Geheimnisse wurden gelüftet und es passierten auch tatsächlich ein paar Dinge, womit ich in der Form nicht gerechnet hatte. Andere Dinge wiederum konnte ich mir bereits zu Anfang der Geschichte denken.

Alles in allem war es ein angenehmes Lesevergnügen; meine Erwartungen konnte das Buch allerdings nicht erfüllen, was sehr schade ist. Als schlecht würde ich das Buch dennoch nicht bezeichnen, es entsprach nur nicht meinen Vorstellungen bzw. meinen Vorlieben. Ich bin mir sicher, dass das Buch, gerade von dem jüngeren Publikum oder auch von Lesern, die, was Horrorgeschichten angeht, ohnehin etwas empfindlicher sind, als gruselig empfunden wird. Ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass die Geschichte gut ist, das ist sie, teilweise nur etwas langgezogen mit – meiner Meinung nach – zu wenigen Hintergrundinformationen. Der Schreibstil hat mir auch sehr gefallen; dieser war nüchtern und der Stimmung des Buches und auch dem Alter der Charaktere angepasst. Es ließ sich flüssig lesen und man hatte definitiv das Gefühl, inmitten der Geschichte zu sein. Dennoch konnte mich das Buch nicht zu hundert Prozent überzeugen. Es war eine nette Geschichte für zwischendurch mit guten Ansätzen und viel Potential, mehr allerdings nicht.

WEITERE REZENSENTEN

Miss Foxy Reads | his and her books | Büchersüchtiges Herz³

3 thoughts

  1. Hey Ivy❤

    Ach, wie schade! Ich freue mich selbst schon so sehr auf das Buch, gerade wegen der erhofften Stimmung und war dadurch eben absolut Feuer und Flamme, als ich gesehen habe, dass deine Rezension online ist!
    Aber, dass ausgerechnet der Gruselfaktor zu kurz kommt, finde ich sehr schade. Aber wenn meine Erwartungen jetzt nicht mehr so hoch sind, wird es mich ja vielleicht positiv überraschen können 😉
    Hoffentlich kann ich mir bald selbst ein Bild über die Geschichte machen.
    Eine wirklich tolle Rezension, vielen lieben Dank dafür ❤

    Liebste Grüße ❤ Jill

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    1. Hallo Jill,

      ich hoffe sehr, dass dir das Buch trotzdem gefällt ❤ Ich fand es auch richtig schade, dass es mich nicht zu 100 % überzeugen konnte. Ich wollte es lieben, wirklich, ich habe es wirklich versucht, aber es wollte einfach nicht klappen 😦 Sehr schade drum, aber begeistert von dem Autor bin ich trotzdem nach wie vor und ich werde auch ganz bestimmt seine anderen Bücher noch lesen 🙂

      Ich bin gespannt, wie dir das Buch am Ende gefällt!

      Liebste Grüße
      Ivy ❤

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