REVIEW: UND DU KOMMST AUCH DRIN VOR – ALINA BRONSKY

Nach Jahren der vorablesen.de Abstinenz habe ich meinen Account dort vor Kurzem wieder aufleben lassen. Das letzte Mal war ich 2011 dort online, verrückt oder? Jedenfalls hat mich der Klappentext dieses Buches sofort angesprochen und auch das Cover fand ich sehr hübsch, es ist nicht besonders originell und wirklich zum Inhalt passt es auch nicht, doch es hatte gleich meine volle Aufmerksamkeit also dachte ich, wieso nicht einfach mal bewerben? Und schwupp, wurde ich ausgewählt und Tage später schon lag das Buch in meinem Briefkasten. Vielen Dank an dieser Stelle also an vorablesen.de und natürlich an den dtv-Verlag für die Bereitstellung dieses Vorableseexemplares.

Autor: Alina Bronsky
Titel: Und du kommst auch drin vor
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 8. September 2017


Kim, 15, leidgeplagtes Berliner Trennungskind, hat auf einer Schullesung ein Déjà vu: alles, was die Autorin da liest, scheint von Kim zu handeln und ihr Leben wiederzuspiegeln. Und leider geht die Geschichte gar nicht gut aus – vor allem nicht für ihren Klassenkameraden Jasper. Mit allen mitteln versuchen Kim und ihre Freundin Petrowna, die drohende Katastrophe abzuwenden – mit unabsehbaren Folgen. 

 

[Quelle: Klappentext]


Kim  ist ein ganz normaler Teenager, ein bisschen naiv vielleicht, sehr von sich selbst eingenommen und – auf gut Deutsch gesagt – nicht gerade die Klügste. Sie interessiert sich kaum für die Schule; generell interessiert sie sich kaum für etwas anderes als für sich selbst und im Grunde ist ohnehin alles irgendwie doof, was in ihrem Umfeld passiert und nichts mit ihr zu tun hat. Doch eines Tages passiert das Unfassbare: das Buch, aus der die Autorin auf der Lesung liest, handelt von niemand geringerem als ihr. Die Namen sind anders, die Leute sehen auch anders aus und die Details stimmen nicht zu 100 %, doch im Grunde wird in eben diesem Buch Kim’s Leben beschrieben, was das junge Mädchen unglaublich fasziniert und ihr gleichzeitig auch ziemliche Angst einjagt. Ihr Leben lang träumte sie davon, berühmt zu sein, im Mittelpunkt zu stehen, jetzt wo sie der Mittelpunkt dieses Buches zu sein scheint jedoch, ist sie gar nicht mehr so begeistert davon. Obwohl sie sich über diese Tatsache ärgert, kauft sie sich das Buch. Schnell findet sie hieraus, dass viele Dinge, die im Buch passieren auch in Wirklichkeit eintreten und um eine ganz bestimmte schreckliche Sache zu verhindern, bleibt ihr nur eine Möglichkeit: Sie muss ihr ganzes Leben umkrempeln.

Die Idee hat mir gleich von Anfang an gefallen, auch die Leseprobe gefiel mir, auch wenn ich mit dem Schreibstil der Autorin nicht ganz warm wurde. Doch wer von uns wollte nicht schon immer einmal die Hauptfigur in einem Buch sein? Die Geschichte klang spannend, originell und vor allen Dingen sehr amüsant, leider jedoch konnte das Buch in vielerlei Hinsicht meine Erwartungen nicht erfüllen. Ganz im Gegenteil, hin und wieder spielte ich sogar mit dem Gedanken, das Buch einfach abzubrechen.

Unsere 15 jährige Protagonistin verhält sich die ganze Zeit über wie eine kleine, verwöhnte Göre. Sie hat keine eigene Meinung, sondern schließt sich immer der ihrer angeblich besten Freundin Petrowna an, eine Freundschaft, die zwar hier und da irgendwie echt und ehrlich wirkt, hauptsächlich aber doch ziemlich oberflächlich scheint. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, die beiden können sich gar nicht leiden. Auch wenn Petrowna teilweise ebenfalls arrogant wirkt, mochte ich sie lieber als Kim, denn im Gegensatz zu Kim wirkt sie nicht ganz so oberflächlich und aufgesetzt. Sie hat nicht diesen Tunnelblick; sie wagt auch mal einen Blick über den Tellerrand. Vielleicht liegt es daran, dass Petrowna und Kim nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Kim’s Eltern sehr wohlhabend sind und sie als Einzelkind aufwuchs, wohnt Petrowna als Tochter eines türkischen und kirgisischen Elternteils in einer kleinen Wohnung zusammen mit lauter Geschwistern, Cousinen, Tanten und Onkeln. Kim hingegen hat nichts Besseres zu tun als sich darüber zu beschweren, dass ihr Vater nun eine „schwarze Frau“ als Freundin hat.

„Ich war bei meinem Vater. Er hat eine Schwarze.“ – „Eine Frau mit dunkler Haut. heißt Alicia.“
„Und?“, fragte Petrowna. „Noch nie eine Schwarze gesehen?“
„Nicht so direkt bei mir zu Hause.“

[Seite 34]

„Und? Wie sieht sie aus?“
„Braun.“
„Wie bitte?“
„Braun.“
„Meinst du die Hautfarbe?“
„Was sonst.“

[Seite 42]

Auf der einen Seite finde ich es toll, dass die Autorin so viele verschiedene Charaktere in die Geschichte mit einbaut, auf der anderen Seite stört es mich ganz gewaltig, wie in dem Buch mit der Thematik umgegangen wird. Es zeigt natürlich Aspekte das wahren Lebens, so traurig es auch ist, aber gestört hat es mich dennoch, und zwar ganz gewaltig. Auch die Tatsache, dass Petrowna ständig als „das Mädchen mit dem Migrationshintergrund“ bezeichnet wird, hat mir negativ aufgestoßen. Wieso kann sie denn nicht einfach Petrowna sein? Wieso muss sie „das Mädchen mit dem Migrationshintergrund“ sein?

Auch störten mich Aussagen wie folgende:

„Du kannst deine Freundin, die asoziale Dicke, einladen.“

[Seite 149]

Das sagt die Mutter zur Tochter. Muss das denn wirklich sein? Sprechen die Menschen heutzutage so miteinander? Oder sehe ich das Ganze einfach zu streng; bin ich zu empfindlich? Ich weiß allerdings mit hundertprozentiger Sicherheit, dass meine Mutter noch nicht einmal im Traum daran denken würde, solch eine Aussage zu treffen, über Niemanden und gegenüber Niemandem.

Kim hingegen sorgt jedenfalls dafür, dass Petrowna viel sympatischer wirkt, dadurch, dass sie selbst so ein schrecklicher Mensch ist. Allgemein empfand ich die Charaktere als zu oberflächlich. Das Einzige was sie gut können ist es, über andere herzuziehen und sich über das Leben und alles andere zu beschweren. Im Nörgeln sind die beiden, insbesondere Kim, Weltmeister.

Auch der Schreibstil gefiel mir nicht. Zu plump. Zumindest wirkte es so auf mich. Ich konnte dem Stil wirklich nichts abgewinnen, von den Dialogen ganz zu schweigen, mit Ausnahme der Tatsache, dass es wie die Fast aufs Auge zu den Charakteren passte. Das muss man der Autorin wirklich lassen; sie hat den Schreibstil ihren Figuren und deren Alter/Lebenssituation angepasst.

Die Story an sich ließ allerdings leider ebenfalls zu wünschen übrig. Der Plot war wenig ausgearbeitet und ließ sehr viele Fragen offen. Hauptsächlich konzentrierte sich das Buch auf Kim und ihr Leben, allerdings hatte ich mir das Ganze etwas aufregender und spannender vorgestellt, immerhin wurde sie quasi zur Titelfigur eines Buches. Unrealistisch war es ebenfalls. Ohne irgendetwas verraten zu wollen passieren Dinge, die meiner Meinung nach viel zu weit hergeholt sind. Wieso wusste die Autorin so genau über Kims Leben Bescheid? Wie kam es dazu? Spannung wurde kaum bis gar nicht aufgebaut und im Grunde quälte ich mich durch die Seiten in der Hoffnung, dass doch noch etwas passieren würde, was meinen Erwartungen und Vorstellungen entsprach.

Die Message, die das Buch vermittelt, wurde dennoch deutlich: Nur man selbst kann Dinge verändern und sich glücklich machen. Man muss das eigene Leben selbst in die Hand nehmen, um etwas zu verändern und nicht nur mit dem Strom schwimmen, weil es eben so viel bequemer ist. Eine sehr schöne Message wie ich finde, leider war sie doch sehr versteckt hinter all den schlecht ausgearbeiteten und oberflächlichen Charakteren und der langweiligen Story. Dennoch konnte man zum Ende hin tatsächlich eine Entwicklung erkennen, keine sehr große, doch es machte den Anschein, als wäre Kim nicht mehr nur diese kleine verwöhnte Göre von vorher.

Das Ende hat mich sehr enttäuscht. Wie oben beschrieben bleiben sehr viele Fragen offen und auch das Buch spielt zum Ende hin keine sehr große Rolle mehr. Schade um das Buch; schade um das verschenkte Potential. Vorgestellt hatte ich mir etwas völlig anderes und meine Erwartungen offenbar viel zu hoch geschraubt.

Auf dem Buchrücken steht „Der neue Roman von Alina Bronsky: schräg, witzig, hintergründig.“ Leider kann ich nichts davon unterschreiben. Ich würde das Buch auch nicht weiterempfehlen, nicht weil es ungemein schlecht ist, sondern eher, weil es nicht mal ein Buch nur zum wegträumen ist. Ich habe das Buch erst vor wenigen Stunden beendet und schon habe ich die Hälfte vergessen; definitiv nichts, was hängen bleibt; einen berührt oder zum Nachdenken anregt. Allen die sich unsicher sind würde ich empfehlen, die Leseprobe zu lesen und vielleicht in ein paar andere Rezensionen reinzulesen, denn offenbar gehen die Leseeindrücke in ihren Meinungen hier ziemlich auseinander.

WEITERE REZENSENTEN

Buchschatzjägerin

 

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