REVIEW: LIEBER DADDY-LONG-LEGS – JEAN WEBSTER

Der Königskinder Verlag war für mich immer etwas ganz Besonderes, handelt es sich hierbei um einen Verlag, der absolute Schmuckstücke unter die Menschen bringt – richtige Königskinder eben. Wie wir sicherlich zwischenzeitlich alle mitbekommen haben, macht der Königskinder Verlag traurigerweise bald seine Schotten dicht, was nicht nur mich, sondern auch viele andere Blogger unfassbar traurig stimmt. Aus gegebenem Anlass möchte ich also heute ein Buch aus dem Königskinder Verlag vorstellen, das ein eben solches Schmuckstück ist. Schade, dass es diese hübschen Büchlein bald nicht mehr geben wird. Vielen Dank an den Königskinder Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares. Wenn ihr jetzt auch noch wissen möchtet, wie mir das Buch gefallen hat, dann lest auf jeden Fall weiter.

 

Autor: Jean Webster
Titel: Lieber Daddy-Long-Legs
Verlag: Königskinder Verlag
Erscheinungsdatum: 29. September 2017 (erstmals erschienen 1912)


Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.

[Quelle: http://www.carlsen.de]


Jerusha Abbot, 18 Jahre jung, Bewohnerin eines Waisenhauses, kann ihr Glück kaum fassen, als ein geheimnisvoller Mann namens Mr John Smith sich dazu entschließt, ihr Treuhänder zu werden und sie zum Studieren aufs College schickt. Die einzige Gegenleistung die der mysteriöse Mr Smith erwartet ist es, ihm monatlich Briefe zu schreiben und ihn über ihre Fortschritte auf dem Laufenden zu halten. Was uns in diesem Buch also erwartet? Jede Menge von Jerusha „Judy“ Abbot handgeschriebene Briefe an den geheimnisvollen Mr John Smith, den sie liebevoll Daddy-Long-Legs nennt.

Die liebe Judy hat mit ihrem wunderbar ehrlichem Geschreibsel mein Herz im Sturm erobert. Sie ist so erfrischend ehrlich und herrlich amüsant, dass es fast schon unmöglich ist, sie nicht zu mögen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, schafft es dennoch in ihren Briefen unheimlich charmant zu sein und den lieben Mr Smith um den Finger zu wickeln. Was mir an ihr jedoch am besten gefallen hat ist die Tatsache, dass sie dem lieben Mr Smith so richtig die Stirn bietet. Sie lässt sich ungerne den Mund verbieten, geschweige denn irgendetwas vorschreiben und obgleich Mr Smith derjenige ist, der ihr das Studium finanziert und ihr monatlich Taschengeld zukommen lässt für Verpflegung, Bücher, Hüte und Kleider, hält sie dies nicht davon ab, ihm auch schon einmal zu sagen, wie grässlich und herrisch er doch ist.

Aufgrund ihrer Briefe hatte man während des Lesens die Gelegenheit, Judy richtig gut kennenzulernen. Sie berichtet über die Möglichkeiten, die sich ihr auf dem College bieten, erzählt von ihren gemachten Erfahrungen, von ihren Erlebnissen und lässt dabei das Studium meist gänzlich unbeachtet, obwohl es ja eigentlich genau das ist, worüber sie berichten soll. Hier und da fällt mal ein Wort über etwas, was sie am Tag zuvor in den Vorlesungen und Seminaren gelernt hat, doch im Grunde benutzt sie die Briefe an den unbekannten Mr Smith, der nie antwortet und wenn dann höchstens über seinen Sekretär, als Tagebuch.

Sie erzählt dem lieben Mr Smith von den großartigen Büchern, die sie gelesen hat, schimpft über ihre hochnäsigen Mitstudentinnen, schwärmt von der Freiheit, die sie dank ihm erfahren darf und lässt sich über verhasste Hausarbeiten und schwierige Prüfungen aus.

Obwohl es „nur“ Briefe sind, die man liest, fühlt man mit Judy mit, als wäre man selbst der Empfänger der Briefe. Man schwärmt, man lacht, man hofft, man weint, man ist enttäuscht – man fühlt während des Lesens mit ihr mit, als wäre man selbst dabei; als würde man Judy kennen aus einer lang vergangenen Zeit.

Das schönste an diesem Buch ist jedoch seine Botschaft. Freiheit. Lebe dein Leben, so wie du es möchtest. Finde etwas, was dir Spaß macht und lebe danach. Kämpfe dafür, es zu erreichen und mache dich nicht abhängig von irgendwelchen Dingen oder Leuten.

Jean Webster war 1912, als ihr Briefroman veröffentlicht wurde, ihrer Zeit schon sehr voraus, allerdings bin ich mir sicher, dass sie damals mit ihrer Geschichte vielen Frauen die Augen geöffnet und ihnen womöglich sogar zu einem besseres, aufregenderen und glücklicheren Leben verholfen hat. Dieser Roman bestärkt Frauen das zu tun, was sie möchten; ihr Leben so zu leben, wie sie es sich schon immer erhofft haben.

Das Ende war etwas vorhersehbar muss ich gestehen, dennoch hat es dem Buch nicht das Gefühl und die Faszination genommen. Es war eine wundervolle Reise durch das junge Leben der Judy Abbot auf der Suche nach sich selbst und ich bin unglaublich dankbar, dass ich auf dieses Goldstück aufmerksam wurde.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Lieber Daddy-Long-Legs ist eine zeitlose Geschichte über das Glücklichsein, über Selbstfindung und Freiheit. Gepaart mit dem locker leichten Erzählstil und der unglaublich charmanten und humorvollen Protagonistin ist dieses Buch ein absoluter Genuss.

WEITERE REZENSENTEN

Born from the Sky | Skyline of Books | Bücherwanderin

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