EINE LIEBESERKLÄRUNG AN DEN HERBST

Es sind die Tage zwischen Sonne und Regen, in denen sich der Herbst ankündigt, als wollte er sagen: „Genieß noch die letzten Sommerstunden. Bald bin ich wieder an der Reihe.“ Die Tage, die uns vorbereiten sollen auf die kältere Jahreszeit; an denen sich durch Regen und Stürme der Herbst uns allen in Erinnerung ruft. Die Tage, in denen uns der Sommer noch ein letztes Mal seine warme Temperaturen und angenehmen Sonnenstrahlen schenkt. Der Herbst löst die Trägheit des Sommers ab, lässt die Sonne hinter dichten Wolken verschwinden und verwöhnt uns mit frischer, regennasser Luft. Die Blätter färben sich bunt, die Straße lächelt uns feuchtnass entgegen während die restlichen noch grün gebliebenen Zweige sich in den immer stärker werdenden Windböen hin und her bewegen.

Unter anderem war es Rainer Maria Rilke, der mit seinem Gedicht Herbsttag der dritten Jahreszeit einen schlechten Ruf verlieh. Vielen gilt der Herbst als trist und nicht als golden. Der Herbst macht einsam sagen viele, müde und traurig; antriebslos sogar. Ab September etwa, dann wenn der Herbst Einzug hält, die Tage bereits wieder kürzer werden, das Wetter ungemütlich und kalt, sieht man immer weniger Menschen auf den Straßen in bunten, sommerlichen Kleidchen, wie sie durch die Innenstädte streifen, in der einen Hand einen Eiskaffee, in der anderen vollgepackte Einkaufstüten. An die Stelle leichter und dünner Stoffe treten Wolle und Flanell, statt offener Sandalen trägt man jetzt Stiefel und festes Schuhwerk. Auch auf den Eiskaffee verzichten nunmehr die meisten, lieber gönnen sie sich eine warme Tasse Tee, einen heißen Kaffee oder gar eine köstliche heiße Schokolade, die nicht nur von Innen wärmt, sondern auch glücklich macht.

Schon lange wirft sich keiner mehr Eiswürfel in das ohnehin schon viel zu kühle Getränk. Weißwein verwandelt sich schnell in Rotwein und statt eines Biers gönnt man sich auch schon mal einen Glühwein, wenn er gut gewürzt ist und schmeckt.

Die Menschen werden während der kälteren Jahreszeit fauler, bequemer, schieben alles auf das angeblich schlechte Wetter, das draußen herrscht, auf die triste Stimmung, die ohnehin keine gute Laune aufkommen lässt. Immerhin ist es schon früh dunkel draußen und der Wind weht viel zu stark und was richtiges zum Anziehen für diese Jahreszeit hat man ohnehin nicht im Schrank. Dabei verschließen die Menschen die Augen vor der wahren Pracht des Herbstes. Sie übersehen die bunten Blätter, die die Natur in alle möglichen Farben leuchten lassen. Statt sich den Farben des Blätterkleid des Baumes im Garten anzupassen, tragen sie lieber schwarze und graue Kleidung – immerhin ist der Herbst nun angekommen und der Herbst ist trist und düster und langweilig. Falsch.

Der Herbst ist bunt, lockt uns nach draußen mit seinen leuchtenden Farben, den reifen Früchten, der frischen Luft, die einen richtig durchatmen lässt und dem Duft nach kürzlich gefallenem Regen. Und wenn sich die Sonne nach draußen traut, genug Kraft aufbringt, um die dichten Wolken zu verdrängen und ein paar Strahlen auf die Erde hinab schickt, dann verwandelt die Welt sich ganz plötzlich in ein wahrgewordenes Märchen.

Die Welt lässt sich viel besser erkunden mit festem Schuhwerk und bequemer Kleidung, statt in offenen Sandalen oder Turnschuhen mit dünnen Sohlen. Die Natur lädt uns ein; breitet die Arme aus doch wir ignorieren es. Lieber reden wir uns immer wieder ein, wie trist und trüb der Herbst doch ist, dass er nichts zu bieten hat, außer kühler und regnerischer Tage.

Gemütlich auf dem Sofa sitzen, eingekuschelt in eine warme Decke im warmen zu Hause, eine Tasse dampfenden Tee in der einen Hand, ein gutes Buch in der anderen.

Der Herbst hat viele Seiten; ist ebenso vielfältig wie es die bunten Blätter an den Bäumen draußen sind. Er lädt uns ein auf einen gemütlichen Spaziergang oder auf eine warme Tasse Tee zu Hause auf dem Sofa.

Der Herbst ist weder trist noch trüb, er ist nicht traurig und macht nicht einsam – zumindest nicht, solange man es nicht zulässt und sich an den Wundern der kälteren Jahreszeit erfreut; sie wahrnimmt und sie nicht ignoriert und über die Wochen und Monate gar vergisst, bis schließlich der Winter vor der Tür steht und man wieder etwas Neues findet, worüber man sich auslassen kann.

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8 thoughts

  1. ich liebe alle Jahreszeiten, meist die am meisten, die wir gerade haben — ich finde es gibt immer besondere Schönheiten zu entdecken

    – am Herbst mag ich besonders das Rascheln der Blätter beim spazieren gehen
    – wenn in den Laubwäldern einzelne Blätter sich von den Bäumen lösen und zu Boden segeln — das kenne ich aus meiner Heimat nicht, da gibt es überwiegend Nadelwälder und als ich das zum ersten mal bewusst wahrgenommen habe, viel mir nur Lothlorien dazu ein!
    – ich liebe den Morgennebel, der in den Senken hängt
    oder manchmal hängt er auch richtig hoch, dann muss man weit hinauf um auf das Nebelbett herunter zu schauen
    – ich liebe die bunten Blätter …

    ich könnte noch lange weiter schreiben!

    LG Agnes

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    1. Hallo liebe Agnes,

      ich mag auch jede Jahreszeit und kann jeder ein paar schöne Dinge abgewinnen, wobei ich natürlich auch meine LIeblinge habe, Herbst und Winter zum Beispiel. Ich bin kein so großes Sommerkind, war ich noch nie und auch der Frühling langweilt mich etwas im Vergleich zum schönen Herbst wenn ich ehrlich bin, aber ja, jede Jahreszeit hat echt wunderschöne Dinge zu bieten ❤

      Ich mag deine Auflistung übrigens total gerne und kann dir in allem nur zustimmen ❤

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

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  2. Ich kann dir nur zustimmen. Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit und ich ich freue mich jedes Mal darauf. Es ist wieder Strickjacken und Pulli Zeit. Ich trage auch super gerne STrickkleider mit Leggins. Schals und Wintermäntel. Hach. Ich LIEBE es. Vorallem wird es immer zeitiger dunkel und überall brennen schon Lichter. Das mag ich sehr gern!

    xoxo Vera

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    1. Hallo Vera,

      genau das liebe ich auch alles so an dieser wundervollen Jahreszeit, besonders, wenn abends überall Lichter brennen und es so langsam auch in die Weihnachtszeit übergeht. Mich stört der Regen auch nicht, ganz im Gegenteil, ich liebe es, wie frisch es danach riecht, wenn es geregnet hat. Natürlich ist es schon blöd, wenn es den ganzen Tag nur regnet, dann kann man nicht so wirklich viel draußen unternehmen, aber das sind dann die perfekten Tage um zu Hause zu bleiben und ein gutes Buch zu lesen ❤

      Liebste Grüße
      Ivy

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