REZENSION: FANATIC – ANNA DAY

Ist es nicht der ganz große Traum eines jeden Fangirls/Fanboys morgens aufzuwachen und festzustellen, dass man nicht mehr im heimischen Bett liegt, sondern sich ganz plötzlich mitten im eigenen Lieblingsbuch befindet? Ich persönlich hätte nichts dagegen, in Stars Hollow bei Luke mit Rory und Lorelai einen Kaffee zu trinken, mit Clary & Co. Dämonen durch ganz New York zu jagen oder gemeinsam mit Emma und Hook die Zeit in Storybrooke totzuschlagen. Haben wir nicht alle schon mal davon geträumt, als Schüler den Abschluss in Hogwarts zu machen oder Seite an Seite mit Daryl und Rick Zombies zu bekämpfen? Nun gut, das wäre weniger schön aber dennoch, klingt das nicht wie ein wahrgewordener Traum? Klingt dieses Buch nicht wie die ultimative Fanbibel für all uns Fangirls und Fanboys? Bei Fanatic handelt es sich allein vom Klappentext her um ein Buch, das ja schon förmlich verspricht, das neue Lieblingsbuch von uns Büchermenschen zu werden. Ob es tatsächlich auch halten kann, was es verspricht? Das könnt ihr nun in meiner nachfolgenden Rezension nachlesen, aber ACHTUNG, die Rezension enthält SPOILER. Ihr seid gewarnt. Und bevor ich nun los lege noch ein ganz großes Dankeschön an den Carlsen Verlag, der mir dieses Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Autor: Anna Day
Titel: Fanatic
Verlag: Chicken House
Erscheinungsdatum: 02. November 2017

Violet liebt »Galgentanz«. Sie liebt das Buch, sie liebt den Film, sie wäre gerne wie Hauptfigur Rose und an Willow, den männlichen Hauptdarsteller, hat sie ihr Herz verloren. Und plötzlich steckt sie mittendrin. In ihrer Lieblingsgeschichte! Doch nicht nur das – hier ist nichts so, wie sie es zu kennen glaubt. Denn Rose ist tot und Willow ist zwar attraktiv, aber der geheimnisvolle Ash ist viel interessanter. Jetzt muss Violet alles daran setzen, dass »Galgentanz« das richtige Ende findet. Wie soll sie sonst jemals in die Realität zurückkehren?

 

[Quelle: http://www.carlsen.de]

Als ich zum ersten Mal von dem Buch hörte, war ich hin und weg. Ich musste es lesen, habe sofort dem Verlag geschrieben ob die Möglichkeit besteht, es als Rezensionsexemplar zu erhalten und war Feuer und Flamme, vollführte sogar Freudentänze, als es endlich in meinem Briefkasten lag. Ich habe auch gleich mit dem Lesen begonnen, sprich noch vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum. Erst gestern, fast einen ganzen Monat später, bin ich damit fertig geworden, nicht weil ich in einer Leseflaute stecke, sondern weil mich das Buch leider nicht so unterhalten konnte, wie ich es anfangs gehofft hatte.

Alles was ich über das Buch wusste war, dass die Hauptfigur plötzlich in ihrer liebsten fiktiven Welt landet, mehr nicht. Erst als im ersten Kapitel unsere Protagonistin Violet, den Plot ihres Lieblingsbuchs „Galgentanz“ im Rahmen eines Schulreferats ihrer Englischklasse erläutert wurde mir bewusst, dass es sich um eine dystopische fiktive Welt handelt, mithin stand mir ein dystopischer Roman bevor, ein Genre, das nicht unbedingt zu meinen liebsten gehört. Ich bin kein sonderlich großer Fan von Dystopien und hätte ich gewusst, dass die Geschichte in einer dystopischen Welt spielt, hätte ich wahrscheinlich davon abgesehen, es als Rezensionsexemplar anzufragen. Es ist also nicht dem Buch geschuldet und dessen Qualität, dass ich mich von Beginn an nicht richtig daran erfreuen konnte, sondern eher an meiner nicht vorhandenen Liebe für Dystopien.

Wir verbringen nur wenig Zeit in der realen Welt; was uns allerdings genug Zeit verschafft, die Charaktere ein bisschen besser kennenzulernen und uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Der Fokus liegt auf den vier Freunden Violet, Nate (Violets kleiner Bruder), Katie und Alice. Violet ist eine Protagonistin, die zwar nicht unbedingt das Bedürfnis in mir ausgelöst hat, sie mit der Stirn gegen eine Wand zu klatschen, allerdings gehört sie auch nicht zu denjenigen (weiblichen) Buchcharakteren, die ich als interessant, stark oder einprägsam bezeichnen würde. Ich habe akzeptiert, dass sie da war, nicht mehr und nicht weniger. Bei Nate und Katie sah das Ganze allerdings etwas anders aus. Nate war mir gleich symphatisch mit seiner aufgeweckten Art, ein 14-jähriger Junge, der immer das ausspricht, was ihm durch den Kopf geht. Ein kleiner Klugscheißer, dem man seine Kommentare allerdings nie übel nimmt. Katie ist eine richtig gute Seele, ehrlich und amüsant, es macht einfach Spaß ihr zuzuhören. Sie lässt sich nicht beeinflussen, nicht davon, wie beliebt oder gar wie hübsch jemand ist. Ganz im Gegensatz zu Violet, die irgendwie immer im Schatten ihrer vermeintlich besten und wunderschönen Freundin Alice steht. Immer wieder wird die ach so enge Bindung zwischen den beiden Freundinnen in den Fokus gesetzt. In meinen Augen allerdings handelt es sich bei Violet und Alice nicht um Freundinnen, sondern um Rivalinnen. Neid und Missgunst beherrscht ihre Beziehung, treiben es sogar so weit, dass sie bereit wären, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen, sogar bereit wären, den anderen sterben zu lassen. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft die beiden ihre Freundschaft aufgegeben und sich keine fünf Minuten später wieder vertragen haben. Wahre Freundschaft sieht für mich ganz anders aus. Weder war die Darstellung von Freundschaft plausibel, noch auf emotionaler und menschlicher Ebene gut dargestellt. Die anderen Charaktere sind bereits verblasst und nur in Form von dünnen Schatten in meinem Gedächtnis haften geblieben. Ich kann mich kaum mehr an ihre Namen erinnern. Wie Rauch durch ein Schlüsselloch sind sie an mir vorbeigezogen und haben keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht einmal Ash und schon gar nicht Willow.

Es gab nur eine winzige Sache, die mich zum Beispiel in Bezug auf Nate ziemlich gestört hat, was allerdings weniger mit ihm selbst, sondern mehr mit Violet zu tun hat. Nate ist 14 Jahre alt und somit gerade einmal drei Jahre jünger als Violet, dennoch wird er stets wie ein kleines Baby behandelt, wie ein Kleinkind, ein fünfjähriger Junge. Violet ist seine große Schwester, natürlich macht sie sich Sorgen, dennoch bemuttert sie ihn auf eine Art und Weise, wie es für gewöhnlich tatsächlich nur eine Mutter tut. Violets Verhalten gegenüber ihrem jüngeren Bruder verleiht dem Leser irgendwie das Gefühl, als wäre Nate tatsächlich ein fünfjähriger Junge, und kein 14 Jahre alter Teenager.

Was die Geschichte an sich betrifft, mag ich die Idee, die hinter dem Ganzen steckt, unglaublich gerne. An der Umsetzung hat es meiner Meinung nach allerdings etwas gehapert. Eigentlich geht es um die Welt des Lieblingsbuches unsere Protagonistin. Im Buch selbst wird allerdings lediglich auf die dazugehörige Buchverfilmung Bezug genommen und lediglich von dem Skript des Films und den Schauspielern gesprochen. Selten wird das eigentliche Buch erwähnt. Warum stützt man das Ganze dann nicht gleich auf ein Movie Franchise, wieso geht man diesen Umweg über ein Buch?

Was mir allerdings tatsächlich sehr gut gefallen hat ist die Tatsache, dass ständig Vergleiche gezogen wurden zwischen der eigentliche Plotline des Buches/des Films und dem, was passiert, nachdem Violet und ihre Freunde in dieser Welt landen. Violet nimmt hier praktisch die Rolle der weiblichen Hauptfigur Rose aus „Der Galgentanz“ ein und orientiert sich an dem, was in der eigentlichen Geschichte passiert. Allerdings ersetzt sie die Figur nur und weitere Figuren (Nate, Katie, Alice) werden der Geschichte hinzugefügt; Figuren, die nicht in diese Welt gehören und natürlich Probleme verursachen. Chaos ist also vorprogrammiert und es ist fast unmöglich zu vermeiden, dass die Geschichte ihren Lauf ändert und sich eben nicht so entwickelt, wie es im eigentlichen Buch/Film der Fall ist. Ich fühlte mich etwas an Zurück in die Zukunft erinnert, wenn Marty sich zurück in die Vergangenheit begibt, um die Zukunft zu ändern. Auch er hält sich sozusagen an ein Drehbuch, ebenso wie Violet. Die Geschichte wurde bereits geschrieben und wenn sie heil aus der Sache raus wollen, müssen sie sich an das Skript halten. Dieser Aspekt war meiner Meinung nach sehr clever umgesetzt und hat unglaublich viel Spaß gemacht und Spannung aufgebaut.

Zum Ende hin wurde es allerdings immer unrealistischer. Plötzlich kam noch Magie mit ins Spiel, ein Teil dieser Welt, die deutlich mehr Ausarbeitung benötigt hätte. Es wird zwar ganz kurz angekratzt, wie die vier in dieser Welt gelandet sind, wirklich erklärt, wie eine Geschichte, die einst in der Fantasie einer Frau entstand, plötzlich zu einer realen Welt in einer Art Paralleluniversum wird, wurde allerdings nie. Es bleiben sehr viele Fragen unbeantwortet und damit, dass es sich nicht nur – wie angenommen – um eine fiktiven Welt handelt, in die unsere vier Hauptfiguren durch einen Zauber, durch einen Riss in der Außenwand des Universums oder was weiß ich gelangt sind, sondern um eine tatsächlich reale Welt die sich dazu auch noch in einer Zeitschleife befindet und Kontakt hat zur eigentlichen realen Welt, hat die Autorin meiner Meinung nach etwas übers Ziel hinausgeschossen.

Ich muss gestehen, ich habe viel mehr erwartet, viel mehr erhofft und wurde leider enttäuscht. Das Buch wurde meinen Erwartungen alles andere als gerecht, weder konnten mich die Charaktere überzeugen, noch die Umsetzung einer eigentlich grandiosen Idee, aus der man so viel hätte rausholen können, wenn man es richtig gemacht hätte. Die Tatsache, dass ich kein großer Fan von dystopischen Romanen bin, sei es nun Jugendromane oder Erwachsenenliteratur, werde ich in meine Bewertung nicht mit einfließen lassen. Sollte es eine Fortsetzung geben, werde ich sie wohl eher nicht lesen.

WEITERE REZENSENTEN

Booknerds by Kerstin | Kathaflauschi Books

Das Buch bei Amazon: Fanatic*
Das Buch bei Carlsen: Fanatic

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9 thoughts

  1. Liebe Ivy,
    (habe wie fast immer nur das Fazit gelesen)
    ich finde es sehr schade, dass dir das Buch nicht so gut gefallen hat.
    Das war jetzt die erste Rezension, die ich zu Fanatic lese, ich bin nun umso gespannter wie es mir gefallen wird.
    Im Gegensatz zu dir bin ich ein großer Fan von dystopischen Geschichten.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt mir

    1. Hallo Nicci,

      dann hoffe ich sehr, dass dir das Buch besser gefallen wird als mir hihi ❤

      Ich habe im Deutschen tatsächlich bisher nur positive Rezensionen dazu gefunden, im englischsprachigen Raum scheinen die Meinungen da doch bisschen auseinander zu gehen, was das Buch angeht – worüber ich echt froh bin haha so bin ich wenigstens nicht die Einzige, die die Idee hinter dem Buch als schlecht umgesetzt empfunden hat 🙂

      Aber ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dem Buch und bin gespannt auf deine Meinung!

      Liebste Grüße
      Ivy

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Ivy,

    vielen lieben Dank für deine ehrliche Rezension!
    Als du das Buch vorgestellt hattest war ich ja zuerst auch hin und weg. Vorher ist mir die Geschichte gar nicht so aufgefallen, aber dann fand ich den Klappentext doch sehr vielversprechend.
    Wahrscheinlich würde ich aber auch mit viel zu hohen Erwartungen rangehen.
    Schade, aber nicht jedes Buch kann den persönlichen Geschmack treffen.

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt mir

      1. Ach Ivy,

        Damit hast du vollkommen Recht 😉
        Aber nein, da es bisher noch nicht bei mir eingezogen ist und ich genügend Bücher gerade habe, auf die ich mich schon unendlich doll freue, werde ich diese Geschichte wohl auslassen.

        Liebste Grüße ❤ Jill

        Gefällt 1 Person

  3. Liebe Ivy
    Ich habe jetzt durch Zufall gesehen, das du meine Rezi verlinkt hast. Dankeschön ❤
    Die Meinungen zu dem Buch gehen echt auseinander. Aber wie sagt man so schön, jeder hat seinen eigenen Geschmack 🙂 Es ist spannend wie du das Buch siehst, habe deine Rezension durchgelesen und an so manchen stellen musste ich grübeln und nochmal über meine Rezi nachdenken 😀
    Liebe Grüße Kathaflauschi

    Gefällt 1 Person

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