REZENSION: 5 DINGE, DIE STERBENDE AM MEISTEN BEREUEN – BRONNIE WARE

In diesen 349 Seiten erzählt die Australierin Bronnie Ware über das Leben und berichtet über ihre Erfahrungen mit Sterbenden und über das, was Sterbende am meisten bereuen. Dennoch: viel zu viel Leben und viel zu wenige Einsichten der Sterbenden. Das Leben der Bronnie Ware, das wäre ein guter Titel für dieses Buch gewesen, nicht aber 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.

Was zählt am Ende wirklich? auf dem Sterbebett, wenn klar wird, dass das Leben sich dem Ende zuneigt? Nach vielen Reisen durch die ganze Welt, auf der Suche nach dem, was dem Leben Sinn gibt, findet die Australierin Bronnie Ware eine neue Aufgabe. Sie begleitet Sterbende in den letzten Wochen ihres Lebens. In ihrem Buch erzählt sie von wunderbaren Begegnungen und berührenden Gesprächen, die ihr Leben tiefgreifend verändert haben. Die Menschen, die sie trifft, stellen viel zu oft fest, dass sie ihre eigenen Wünsche hinten angestellt und zu viel gearbeitet haben, dass sie sich zu wenig Zeit für Familie und Freunde genommen und – vor allem – sich nicht erlaubt haben, glücklich zu sein. Es sind Erkenntnisse, die nachdenklich machen und in Erinnerung rufen, worauf es wirklich ankommt, wenn wir mit einem Lächeln aus dem Leben treten wollen. Für sich selbst hat Bronnie Ware nach diesen Erfahrungen entschieden, dass sie nur noch das macht, was sie wirklich will. Ihr ermutigendes Buch hat die Kraft, Veränderungen anzustoßen, um wirklich das Leben zu führen, das wir wollen.

 

[Quelle: http://www.goodreads.com]

Lange habe ich mich davor gedrückt, diese Rezension zu schreiben. Es ist schon ein paar Monate her, seit ich das Buch gelesen habe. Seither steht es zusammen mit meinen anderen Büchern in meinem Regal und hin und wieder höre ich es rufen, wie es mich daran erinnert, dass ich noch eine Rezension zu schreiben habe. Wieso ich das Schreiben dieser Rezension so lange vor mir her geschoben habe? Ich wusste einfach nicht, wie ich es bewerten sollte. War es gut? War es schlecht? Irgendwas dazwischen? Ich wusste es nicht. 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, ein Buchtitel, der unter die Haut geht. Meine Erwartungen waren demnach sehr hoch. Je älter ich werde, desto nachdenklicher werde ich auch. Früher war einem gar nicht bewusst, wie schnell die Zeit an uns vorbei zieht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Was ist uns wirklich wichtig im Leben? Die Idee darüber zu schreiben, was Sterbende am meisten bereuen, verursachte mir im ersten Moment etwas Gänsehaut, im zweiten Moment dann aber wirkte es unglaublich faszinierend auf mich. Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, wir sterben alle irgendwann. Worauf möchten wir dann zurückblicken? Auf ein Leben voll verstaubter Träume oder auf ein Leben, in dem Träume zur Wirklichkeit wurden?

Das Buch legt den Fokus auf zwei Themen: Bronnies eigene Lebenserfahrungen und die Einsichten Sterbender, die sie als Sterbebegleiterin betreut und auf ihrem letzten Weg begleitet hat. Statt von den Sterbenden und ihre Einsichten zu erzählen, wie es der Titel des Buches eigentlich verspricht, geht es in dem Buch hauptsächlich um die Erfahrungen, die Bronnie selbst gemacht hat, immer bezogen auf diese fünf Dinge, die Sterbende angeblich am meisten bereuen. Sie beginnt mit ihren Erzählungen tatsächlich immer bei den Sterbenden, schweift allerdings nach wenigen Sätzen bereits wieder ab und erzählt umfangreich von ihrem eigenen Leben, ihren Erlebnissen, ihrem Werdegang, ihren Gefühlen und Emotionen, ihren Erwartungen an das Leben und und und. Im Grunde hat sie, so schlimm es auch klingen mag, die sterbenden Menschen ausgenutzt, um ihre eigene Geschichte zu erzählen, womöglich um so mehr Leser zu erhalten, da eine Geschichte über fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, vermutlich häufiger gekauft und gelesen wird, als die Biografie einer Frau, die keiner kennt.

POSITIV

Das Buch hat mich jedoch nicht völlig kalt gelassen, ganz im Gegenteil. Immerhin gibt es trotz allem diese fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, seien sie nun eben so oder so erzählt. Das Buch regt zum Nachdenken an, es ließ mich diverse Dinge mein eigenes Leben betreffend in Frage stellen. Es hat mich motiviert, mich gelehrt und mir die Augen geöffnet. Auch hat es mich emotional berührt, denn die Menschen, von denen Bronnie Ware in ihrem Buch erzählt, haben allesamt noch ihren Frieden finden können, bevor sie für immer die Augen schlossen. Sie hatten Familie um sich, Freunde, Bekannte, geliebte Menschen, die sie auf ihren letzten Wegen begleiteten. Es waren allesamt interessante Menschen mit interessanten Leben, über die ich wirklich gerne noch so viel mehr erfahren hätte.

Die 5 Reue-Punkte:

  1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet
  3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen
  4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten
  5. Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt

Bronnie Ware schreibt von Ehrlichkeit und Authentizität; sie schreibt von Aufrichtigkeit, davon, der Welt und den Menschen gegenüber offener zu sein/werden. Sie schreibt darüber freundlicher zu werden den Mitmenschen gegenüber. Im Bus oder der Bahn einfach mal ein Lächeln tauschen, statt ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter zu ziehen. Sie schreibt davon, das Leben zu genießen und es so zu leben, wie man es leben möchte, ganz gleich, was andere davon denken oder halten mögen. Man lebt immerhin nur einmal; man hat nur dieses eine Leben, das ohnehin viel zu kurz ist. Wieso die Zeit mit Dingen verschwenden, die einen nur unglücklich machen?

NEGATIV

Die Autorin bezeichnet sich selbst als sehr spirituell, differenziert allerdings nicht, sondern stellt ihre Ansichten stets als Tatsachen hin. Man fühlt sich bemuttert, bevormundet irgendwie und eventuell auch ein wenig in die Enge getrieben von ihren hartnäckigen Ansichten. Teilweise wirkte es nicht so, als würde die Autorin den Leser inspirieren, sondern ihm lieber Vorschriften machen wollen, wie man das Leben „richtig“ lebt.

Sie lebt nach dem Motto, sich nur auf das Gute im Leben zu konzentrieren, das Schlechte auszublenden, den Verstand zu überwinden und auf sein Herz zu hören.

Es mag Menschen geben, die ihre Auffassung und Meinung teilen, dennoch liegt das Problem meiner Meinung nach darin, dass sie all diese Meinungen, Ansichten und Auffassungen, die sie vertritt, nicht als eben solche hinstellt, sondern als einzig richtigen und wahren Weg verkaufen möchte. Alle anderen, die eben nicht nach diesem Motto leben, leben ihr Leben falsch. Glaubt sie. Natürlich ist es wichtig und lohnenswert, sich auf die eigenen Ziele zu konzentrieren, einfach mal auf das Herz zu hören, immerhin tun wir das viel zu selten, allerdings ist es sicherlich auch nicht ganz unbedenklich, den Verstand einfach komplett auszuschalten. Auch Probleme zu umgehen, ihnen einfach auszuweichen, statt eine Lösung zu finden, ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Das Leben ist nicht immer Friede Freude Eierkuchen, es ist nicht immer perfekt. Manchmal bekommt man eben Steine in den Weg gelegt, manchmal kleine Steinchen, die man einfach weg kicken kann, manchmal aber auch riesige Felsbrocken, die man alleine nicht bewegt bekommt. Wenn man nie lernt, mit Problemen umzugehen, was passiert denn dann, wenn man tatsächlich mal vor einem Berg an Problemen steht, den man sich nicht einfach so weg wünschen kann? Das Einfachste Beispiel sind wohl Geldschulden. Natürlich kann man dieses Problem vermeiden, in dem man einfach keine Schulden macht, doch man weiß nie, wie das Leben einem spielt und wenn man diese Schulden erst einmal hat, kann man sie nicht mehr umgehen und sie lösen sich auch nicht in Luft auf, nur weil man eben bloß an das Gute im Leben glaubt.

Die Autorin stürzt sich hier und da immer wieder in irgendwelche Extreme, meist auf spiritueller Ebene, was sie meiner Meinung nach alles andere zu einer guten Lebensberaterin macht.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Die Kapitel über die Sterbenden und deren Einsichten deren Leben betreffend sind empfehlenswert, sehr sogar. Die Lebensgeschichte der Autorin eher weniger, wird sie mit der Zeit doch immer langweiliger, langatmiger und unnötiger. Ich musste mich teilweise regelrecht durch die Seiten quälen. Sie erzählt ihre Geschichte willkürlich, teilweise zusammenhangslos. Von Kapitel zu Kapitel wird deutlich, dass sie sich selbst offenbar für eine Heilige hält. Sie meditiert, sie betet, sie lebt nach ihren ganz eigenen Überzeugungen und ist offenbar fest der Meinung, dass nur ihr Weg der Richtige; der einzig Wertvolle ist.

Das Buch hat mehr von einer Biografie, als von dem, was der Titel verspricht. Dennoch lohnt es sich, die 5 Reue-Punkte der Sterbenden zu kennen, jedoch muss man dafür nicht das ganze Buch lesen. Hier reicht auch die Inhaltsangabe. Von einem Kauf des Buches würde ich daher abraten, ich würde eher dazu raten, es sich eventuell auszuleihen, falls Interesse besteht, es zu lesen. Die Autorin sagt, das Buch hätte ihr Leben verändert. Meins hat es nicht verändert.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Bronnie Ware
Titel: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum: Mai 2015
Seiten: 352
Preis: 9,99 [D] | 10,30 [A] | 13,90 [CHF]
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10 thoughts

    1. Tatsächlich finde ich auch, dass eine ausführliche Rezension ausreicht, da braucht man dieses Buch nicht unbedingt lesen – so hart es auch klingt. Sehr traurig, dass es mich nicht überzeugen konnte, freut mich aber, dass ich dir mit meiner Rezension behilflich sein konnte hihi ❤

      Liebste Grüße
      Ivy

      Gefällt 1 Person

  1. Hallöchen,
    mir ist das Buch vor einer Weile aufgefallen und wie du, war ich fasziniert davon. Ich wollte es eigentlich sehr gern lesen, aber nach deiner Rezension jetzt … mich interessiert das Leben der Autorin ehrlich gesagt nicht wirklich und wenn sie sich selbst so heilig darstellt, dann ist das sowieso nichts für mich.

    Also vielen Dank für die Rezension! Sie hat mich wahrscheinlich vor einem Fehlkauf bewahrt.
    Liebste Grüße
    Kate ♥

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    1. Hallo Kate,

      das freut mich sehr, dass ich dir mit meiner Rezension behilflich sein konnte. Es ist wirklich schade, dass das Buch nicht hält, was es verspricht 😦 Ich habe mir so Vieles darunter vorgestellt, letztendlich aber doch nur eine lahme Biografie der Autorin erhalten. Sehr schade drum.

      Ganz liebe Grüße
      Ivy ❤

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  2. Liebe Ivy,

    ich höre dank dir tatsächlich das erste Mal von dem Buch. Jetzt habe ich deine Rezension gelesen und leider auch nicht das Bedürfnis es mir zu holen. Ich glaube, die Dinge, die du ansprichst würden mir auch fehlen, mich nerven oder oder oder. Danke für die tolle Rezension, die trotz negativer Kritik stets sachlich und freundlich bleibt.

    Liebe Grüße,
    Ava

    Gefällt mir

    1. Hallo liebe Ava,

      danke dir für das liebe Kompliment. Ich persönlich finde auch, dass es fast schon reicht eine Rezension zu lesen bzw. die fünf Punkte zu kennen, man muss das Buch dafür tatsächlich nicht lesen, viel zu langatmig und am Thema vorbei. Sehr schade drum. Das Buch hätte so gut werden können.

      Liebste Grüße
      Ivy

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  3. Liebe Ivy,
    wie schade! Der Titel klingt so melancholisch schön… direkt bahnte sich mir eine ganze Geschichte zusammen und dann ist es doch eine Enttäuschung geworden. Das tut mir vor allem für deine Lesezeit leid!
    Gerade die Erfahrung mit Sterbenden kann so tiefgründig gehen, so unfassbar bereichernd sein, dass es fast schon unverschämt ist, wie sie daraus einfach eine Lebensgeschichte gemacht hat, anstatt sich mit dem eigentlich Thema zu beschäftigen.

    Ich finde es schön, dass du die 5 Punkte herausgeschrieben hast.
    Allerdings muss ich gestehen, dass es mir etwas „wenig“ erscheint. Beziehungsweise, ich glaube irgendwie hätte man sich nicht auf eine Zahl beschränken sollen. Auf mich wirkt das gesamte Buch, obgleich der wichtigen Thematik, wie eine miese Marketing-Masche.

    Vielen lieben Dank für deine ehrliche Rezension!

    Alles Liebe,
    Sarah

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    1. Liebe Sarah,

      danke für dein liebes Kommentar. Ich empfinde es auch als unverschämt, dass sich die Autorin an eben diesen sterbenden Menschen „bedient“ hat nur um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Wie du sagst, sind gerade solche Begegnungen unfassbar tiefgründig und können tatsächlich Menschenleben verändern … sehr schade, aber leider kam es mir tatsächlich so vor, als wollte die Autorin ihre Geschichte erzählen, sie aber Angst hatte, dass niemand das Buch kaufen würde.

      Ich finde fünf Punkte auch sehr wenig. Ich denke sie wollte sich hier zwar auf das Wichtigste beschränken, aber diese fünf Dinge sind eben auch nicht wirklich was Neues. Ich finde man hätte da wirklich so viel draus machen können; wenn man wirklich gewollt hätte. Leider macht es tatsächlich nur den Anschein, als wollte sie lediglich ihre eigene Geschichte erzählen. Sehr schade.

      Liebste Grüße
      Ivy

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