4 Gründe weshalb “Spuk in Hill House” die beste Horrorserie ist

Aufmerksam auf die Serie Spuk in Hill House wurde ich am Times Square in New York, wo Spuk in Hill House (Originaltitel: The Haunting of Hill House) ziemlich intensiv beworben wurde als die “beste Horrorserie, die die Welt je gesehen hat”. Ich als kleiner Horrorfan habe mir natürlich gleich eine Notiz gemacht und dem Netflix Release der Serie aufgeregt entgegen gefiebert.

Bereits Serien wie Channel Zero, American Horror Story, Castle Rock und mehr konnten uns mehr oder weniger unterhalten. Ich muss zugeben, ich versuche – was Horrorfilme und -serien angeht – nicht ganz so enthusiastisch zu sein da, wie wir alle wissen, Horror meist eher trashig statt richtig gut ist. Ich habe meine Erwartungen daher entsprechend herunter geschraubt und stand dem vermeintlichen Höhepunkt, den Netflix mit dieser neuen Serie erreicht hat, erst mal etwas skeptisch gegenüber.

Spuk in Hill House ist eine erweiterte und überarbeitete Interpretation von Shirley Jacksons gleichnamigen Roman “The Haunting of Hill House” aus dem Jahre 1959 und konnte meiner Meinung nach all das halten, was versprochen wurde.

Mit einer Geschichte, die sich über zwei Generationen erstreckt, beginnt die Story rund um Hill House erst langsam, löst stellenweise eine Flut von Schrecken aus und wird schnell zu einer aufregenden, mysteriösen und dramatischen Achterbahnfahrt, auf der man immer und immer wieder eine weitere Runde drehen möchte.

Stimmt es, dass Spuk in Hill House der beste Horror ist, der das Fernsehen aktuell zu bieten hat? Meiner Meinung ja. Warum genau, habe ich euch in fünf Gründen zusammengefasst.

1A Familiendrama – This Is Us als Gruselgeschichte

Spuk in Hill House ist ein 1A Familiendrama – mit Geistern. Meist ist es ja so, dass in Horrorfilmen der Fokus auf ein bestimmtes Ereignis, Objekt (z. B. ein verfluchtes Haus) etc. gelegt wird, um drum herum eine Geschichte zu errichten, die sich in Form eines roten Fadens um diesen einen Mittelpunkt wickelt. Bei Spuk in Hill House scheint es allerdings fast so, als hätte Mike Flanagan (Serienautor) zuerst das Familiendrama ausgearbeitet, um diesem hinterher all die schrecklichen Elemente hinzuzufügen, wie zum Beispiel das Haus, was die Art und Weise, in der diese Geschichte erzählt wird, wirklich bereichert und zu etwas Einzigartigem macht.

In der Serie geht es um die siebenköpfige Familie Crain, die als glückliche und ausgelassene familiäre Einheit in das Hill House in Massachusetts einzieht, um es Instandsetzen und anschließend zu veräußern. Obwohl die von Angst geplagte Zeit der Familie im Hill House nur vorübergehend ist, hinterlässt sie ihre Spuren und wirkt auch Jahrzehnte später noch immer ihren Einfluss auf sämtliche der Familienmitglieder aus. Es ist fast so, als hätten sie das Haus nie verlassen.

Das Haus stellt die Psyche eines jeden Charakters auf die Probe, verändert ihre Wahrnehmung und beeinflusst ihr Leben bis hin ins Erwachsenenalter. Es baut Mauern zwischen den Familienmitgliedern auf und veranlasst sie, Geheimnisse hinter den verschlossenen Türen des Hauses zu bewahren.

Erzählt wird die Geschichte der Familie auf zwei Arten; wir springen hin und her zwischen Vergangenheit und Gegenwart, lernen mithin nicht nur die jungen sowie erwachsenen Versionen der einzelnen Charaktere kennen, sondern bekommen auch vor Augen geführt, wie das Haus sie damals beeinflusst und verändert hat und wie es sie auch heute, nach all den Jahren, noch immer nicht los lässt.

Spuk in Hill House ist quasi This is Us verpackt in einer gruseligen, Gothic angehauchten Geistergeschichte.

 

Spannung pur

Bei Horrorfilmen/-serien ist die größte Herausforderung es wohl, ein Gefühl von Spannung, Angst, Abscheu und/oder Hysterie für eine ziemlich lange Laufzeit aufrechtzuerhalten, bei einer Serie noch länger als bei einem Film. Ich habe keine Ahnung, wie er es gemacht hat, doch der Serienautor und Regisseur Mike Flanagan hat es tatsächlich geschafft, all dies miteinander zu verweben und zu einem großen Ganzen werden zu lassen; wie ein riesiges Puzzle, dessen Teile man erst einmal zusammen suchen muss. Kombiniert mit den großartigen Charakteren und deren Entwicklung über die 10 Episoden hinweg ergibt sich ein regelrechtes Kunstwerk.

Szenen, die sich in früheren Episoden abspielen, werden später entweder in einem vollständig neuen oder anderen Kontext erneut besucht. Das was man glaubt zu wissen, stellt sich hinterher doch als falsch heraus. Jede Szene, jeder Moment, jede Handlung, jede Erfahrung, wird aus so vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Es ist erstaunlich und absolut beeindruckend, wie viel Planung offenbar in die Ausarbeitung der Erzählung investiert wurde. Jedes noch so kleine Detail zählt. Es ist unglaublich wichtig, hier die Augen offen zu halten und auf alles zu achten.

Man wird ständig überrascht. Entweder kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus oder erschreckt sich halb zu Tode. Die Spannung ist kaum zu ertragen. Spuk in Hill House ist eine der Serien, bei der man ständig erwartet, das etwas extrem Gruseliges passiert. Man sitzt da, mit weit aufgerissenen Augen und rasendem Puls, starrt in den Fernseher, das Kissen vor dem Gesicht und wartet und wartet und wartet – bis die Szene vorbei ist und doch nichts passiert ist. Doch dann, wenige Augenblicke später, BÄM, haut es einen wieder aus den Socken.

 

Ein großartiges Setting

Spukgeschichten die sich in Spukhäusern, -villen oder -hotels abspielen, sind ja schon fast klischeehaft und doch gibt es nichts, was mich im Horrorgenre mehr begeistern kann. Deshalb empfinde ich es schon fast als schwierig, eine wirklich gute Horrorgeschichte rund um ein Spukhaus zu schreiben, da es einfach schon so viel gibt, meistens das eine abgedrehter als das andere.

Das weitläufige, massive und prächtige Hill House ist allerdings irgendwie anders; hat es seinen ganz eigenen Charme. Mit seinen höhlenartigen Räumen lädt es förmlich zum Erkunden ein und es verführt jedes Familienmitglied auf ganz unterschiedliche und spezielle Weise; immer ihren Vorlieben und Charakter entsprechend, was den Zuschauer auf eine Weise fasziniert, die schwer mit Worten zu beschreiben ist.

Hütet euch vor den unheimlichen Statuen, die irgendwie lebendig zu sein scheinen, verlauft euch nicht in den unendlich langen Fluren, die von Phantomen heimgesucht werden und verliert euch nicht in den wunderschönen Räumen und Zimmern, in denen ihr womöglich schreiend und um Ruhe bettelnd aufwacht. Ebenso wie die Charaktere entdecken auch die Zuschauer die Annehmlichkeiten eines solchen riesigen Hauses; bekommen aber auch ebenso die Gefahren desselben zu spüren.

Und dann wäre auch noch das rote Zimmer, diese geheimnisvolle rote Tür, die niemand aufzubekommen scheint. Es ist der einzige Raum, für den niemand einen Schlüssel hat.

 

Tiefgründig

Niemals hätte ich gedacht, dass Horror so tiefgründig sein kann. Es ist eine Gruselgeschichte, in der es um ein Spukhaus und Geister geht, doch ebenso liegt die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder im Fokus. Von Folge zu Folge werden die intimsten Dinge und Geheimnisse aufgedeckt, die es nur in einer Familie geben kann.

Die Serie ist unglaublich emotional und versucht uns immer wieder wichtige Botschaften zu vermitteln und das ganz oft auf eine so total abgedrehte Art und Weise, dass einem das, was tatsächlich in den gesprochenen Worten steckt, erste nach einer Weile klar wird. Man muss die Worte, die Geschehnisse, all das erst verarbeiten und das nicht nur, weil einem die Horrorgeschichte tief in den Knochen steckt.

Diese Serie mag eine Horrorserie sein, doch gleichzeitig ist sie auch so viel mehr als das.

 


Spuk in Hill House ist eine absolute Serienempfehlung. Endlich mal Horror, der nicht trashig ist. Spannend, fesselnd, mysteriös, gruselig, tiefgründig, dramatisch, emotional – ein großartiger Plot genial erzählt mit fantastischen Charakteren. Macht es euch auf dem Sofa gemütlich, zündet ein paar Kerzen an, kuschelt euch ein in eine warme Decke, stellt Süßigkeiten und Popcorn bereit und lasst euch nicht nur gruseln, sondern auch berauschen von dieser absolut grandiosen Serie.

Da mich in den letzten Tagen sehr viele Nachrichten erreicht haben von Follower die mich gefragt haben, ob die Serie auch was für diejenigen ist, die Horror nicht so gut vertragen, hier noch eine kurze Anmerkung von mir. Auch wenn nicht nur die Horrorgeschichte an sich, sondern auch das Familiendrama im Fokus der Serie steht, handelt es sich immer noch um eine Horrorserie. Ja, es ist gruselig, wie gruselig, lässt sich schwer messen, da jeder ein anderes Empfinden hat. Ich habe definitiv schon Schlimmeres gesehen, habe mich aber auch hier teilweise richtig erschreckt. Die Serie hat mich auch die letzten Nächten beschäftigt, nicht unbedingt weil ich Angst hatte, sondern weil die Serie wirklich unglaublich intensiv ist. Wenn ihr Horror mögt, Go for it, tut euch den Gefallen und schaut euch diese super gute Serie an. Wenn ihr ohnehin schon sagt, dass ihr “Angsthasen” seid und Gruselgeschichten nicht so gerne mögt, weil ihr schnell Angst bekommt, dann lasst es. Nur weil jeder die Serie guckt heißt das nicht, dass ihr sie auch schauen und euch damit eventuell etwas Schlechtes tun müsst. Überstrapaziert eure Nerven nicht, nur weil ihr Angst habt, etwas zu verpassen. Das ist ungesund und sicherlich nicht Sinn der Sache. Sucht euch dann lieber eine andere Serie, von der ihr glaubt, dass sie euch gut unterhält.

(Quelle sämtlicher Fotos)

Wenn ihr die Serie schon geschaut hat, wie hat sie euch gefallen? Falls ihr sie noch nicht gesehen habt, möchtet ihr sie euch anschauen oder ist Horror eher nichts für euch?

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6 Comments

  • Liebe Ivy, ich habe bisher die ersten vier Folgen der Serie geschaut und bin ebenso begeistert wie du. Sie ist wirklich alles andere als trashig und ich finde es unglaublich spannend, von Folge zu Folge mehr über die einzelnen Figuren zu erfahren. Die sind mir übrigens auch alle auf gewisse Art sympathisch und unsympathisch zugleich. Das find ich super 🙂
    Ich muss aber auch zugeben, dass ich sie teilweise echt gruselig fand. Nicht die Art, was sie gezeigt haben, sondern wie sie es gezeigt haben. So plötzlich und laut. Argh! Diese Jumpscares.
    Ich habe vor Beginn der Serie gelesen, dass auch in ungruseligen Szenen Geister im Hintergrund zu sehen sind. Mal schaut ein Gesicht unter einer Treppe hervor, mal steht eine Person im Hintergrund verschwommen, mal sieht man weiße Hände unter einem Tisch. Seitdem achte ich in jeder Folge auf jedes Detail und bin immer auf Geistersuche. Das macht richtig Spaß, ist aber auch gruselig, wenn man dann mal einen entdeckt 😀
    Alles Liebe,
    Ivy

    • Liebe Janika,

      das freut mich, dass dich die Serie auch so begeistern (und gruseln) kann haha Ich kann dir wirklich in allem nur zustimmend. Und es stimmt, man sollte auf jeden Fall seine Augen überall haben – manchmal entdeckt man Geistern, die sich irgendwo im Hintergrund verstecken haha mein Freund meinte irgendwann so zu mir “Ich guck echt nur noch in den Hintergrund, da passiert manchmal mehr als im Vordergrund” 😀 Wo er Recht hat …

      Gruselig ist die Serie aber echt tatsächlich. Ich konnte, wie im Beitrag erwähnt, zwei Nächte lang nicht schlafen. Nicht unbedingt, weil ich Angst hatte, sondern einfach, weil mich die Serie mental total mitgenommen hat. Richtig unheimlich 😀

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,
    das klingt doch echt super, vor allem weil es scheinbar nicht trashig ist.
    Ich finde die meisten Horrorfilme eher albern und null gruselig, habe also eh meist so gar keine Erwartungen.
    Und wenn du die Serie empfiehlst und so feierst, kann sie ja nur gut sein 🙂
    Ich werde demnächst auf jeden Fall mal rein schauen, passt ja richtig gut in den Monat. Jetzt muss es draußen nur noch kälter und trister werden, hihi.

    Liebe Grüße und danke für den Tipp,
    Nicci

    • Liebe Nicci,

      ich kenne zwar einige Filme, die ich tatsächlich gut und nicht trashig finde, aber ich kann dich wirklich verstehen – bei manchen Filmen kann man echt nur lachen. Da frag ich mich manchmal echt, wo der Gruselfaktor sein soll haha aber bei dieser Serie ist der Gruselfaktor definitiv vorhanden. Ich hab mich teilweise richtig gegruselt 😀 Mein Freund sogar noch mehr als ich hahaha Aber auch unabhängig davon ist die Serie halt richtig genial, besonders auch was Plot und Charaktere betrifft. Ich hoffe, dass du sie auch mögen wirst. Ich wünsche dir jetzt schon mal viel Spaß beim Gruseln 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Hallo Ivy =)
    Dein Post macht mir so viel Lust auf die Serie, dass ich mir die wohl heute Abend mal anschauen werde ^^ Ich liebe ja Horrorfilme & Serien und wie du schon sagst, kann es manchmal auch nach hinten los gehen, doch auf diese Serie bin ich echt gespannt =)

    Liebe Grüße
    Anni

    • Liebe Anni,

      na dann bin ich ja mal gespannt, was du dazu sagen wirst 🙂 Ich kann dir jedenfalls garantieren, dass diese Serie richtig richtig gut ist. Ich hoffe sie trifft deinen Geschmack – trashig ist sie aber auf gar keinen Fall.

      Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Schauen!

      Liebste Grüße
      Ivy

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