7 Gründe, weshalb die Truly Devious Reihe (Ellingham Academy) ein absolutes Muss ist

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Rezensionen zu Fortsetzungen weniger gelesen werden, als andere. Ich merke das auch an mir selbst. Vielleicht liegt es daran, dass wenn man eine Reihe erst einmal begonnen hat und sie mochte, man sich die Fortsetzungen so oder so kauft, weil man eben wissen möchte, wie es weiter geht, unabhängig davon, wie das Buch in den meisten Rezensionen weg kommt. Und da Leser, die den ersten Teil schon nicht kennen, wohl kaum eine Rezension zum dritten Teil lesen werden, bleiben Rezensionen zu Fortsetzungen – meinem persönlichen Empfinden nach – immer ein wenig auf der Strecke.


Am 21. Januar 2020 ist endlich der dritte Teil der Truly Devious Reihe von Maureen Johnson unter dem Titel The Hand on the Wall erschienen. Der erste Teil der Reihe ist im Loewe Verlag bereits auf Deutsch erschienen und zwar unter dem Titel Ellingham Academy – Was geschah mit Alice? Teil 2 steht ebenfalls bereits in den Startlöchern. Ellingham Academy – Die geheimnisvolle Treppe erscheint am 11.03.2020 endlich auch auf Deutsch, ebenfalls im Loewe Verlag.

Und aufgrund vorgenannten Gründen und auch aufgrund der Tatsache, dass nun bald der zweite Teil dieser großartigen Reihe auch auf dem deutschen Buchmarkt erhältlich sein wird, gibt es heute eben keine Rezension zu The Hand of The Wall, sondern 7 Gründe, weshalb es sich lohnt, mit dieser Reihe zu beginnen.

Zunächst möchte ich an dieser Stelle noch einmal dem Loewe Verlag danken, da ich nur durch diesen auf die Reihe aufmerksam geworden bin. Den ersten Teil erhielt ich seinerzeit als Überraschungs-Rezensionsexemplar. Nachdem ich den Klappentext überflogen hatte, musste ich es sofort anfangen zu lesen. Und so kam es, dass eine unendliche Liebe zwischen mir und der Truly Devious Reihe entstand. The Hand on the Wall, der dritte und finale Band der Reihe, gehörte zu meinen most anticipated releases dieses Jahr und nun, nachdem ich auch diesen finalen Band beendet habe, sehe ich mich in meiner Meinung, dass es sich bei dieser Reihe um eine der besten YA Crime Reihen unserer Zeit handelt, mehr als bestätigt.


Klappentext/Inhalt (Teil 1):

Versteckt in den Bergen Vermonts ist die Privatschule der ideale Ort für die begabtesten Schüler des Landes – Bestsellerautoren, YouTube-Stars, Künstler, Erfinder. Doch das Internat umgibt eine tragische Geschichte. Vor mehr als 80 Jahren wurden Frau und Tochter des Schulgründers entführt. Genau deshalb wird Stevie Bell an der Akademie aufgenommen: Sie soll die bisher ungeklärte Ellingham-Affäre lösen. Und schon bald erhält sie eine mysteriöse Botschaft, die einen Mord ankündigt. Als ein Schüler kurz darauf tot aufgefunden wird, ist Stevie überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Todesfall und den Verbrechen aus der Vergangenheit gibt. Stevie Bell ist großer Fan von Sherlock Holmes und Agatha Christie. Aber noch viel mehr begeistern sie reale Kriminalfälle – wie die bisher ungelöste Ellingham-Affäre. Als Schülerin der exklusiven Ellingham Academy kann sie endlich selbst am Schauplatz der legendären Entführung ermitteln. Doch als ein Mitschüler ums Leben kommt, muss Stevie nicht nur das Verbrechen von damals aufklären. [Loewe Verlag]


Und deshalb hoffe ich, dass ich mit diesem Beitrag vielleicht noch ein paar mehr Leser überzeugen kann, zu dieser Reihe zu greifen, denn es lohnt sich und das aus so vielen Gründen. Sieben von diesen Gründen findet ihr nachfolgend:

1. Stimmungsvolle Atmosphäre und ein großartiges Setting

Die Geschichte spielt sich in einem in den 1930er Jahren hoch oben auf einem abgelegenen Berg, mitten im Nirgendwo, erbauten Internat in Vermont ab. Der Millionär Albert Ellingham, dem die Ausbildung junger Menschen schon immer sehr am Herzen lag, hat das Internat seinerzeit erbauen lassen. Im Jahre 1936 wurden Ellinghams Frau und seine Tochter plötzlich entführt und eine Schülerin ermordet, wodurch das Internat zum Schauplatz des wohl berühmtesten und größten ungelösten Kriminalfalls aller Zeiten wurde.

Zunächst sorgt das abgelegene Setting auf einem Berg, inmitten von tiefen Wäldern, abgeschottet von der Außenwelt, für jede Menge Mysterien. Es ist das perfekte Setting für eine YA Krimi Reihe mit jede Menge versteckten und unentdeckten Winkeln, mysteriösen Nachrichten, die mitten in der Nacht auftauchen, gespenstiger Dunkelheit …. Maureen Johnson hat mit diesem Internat einen ganz wundervollen Schauplatz geschaffen, der unendlich viele Geheimnisse birgt, auf die man sich, sobald man die erste Seite aufgeschlagen hat, gerade zu stürzen möchte, um selbst herauszufinden, was hinter all dem eigentlich steckt.

2. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen miteinander

Diese Reihe bietet nicht nur einen Handlungsstrang, nein, sondern gleich  zwei. Eine davon spielt sich im Jahre um 1936 ab, die andere in der Gegenwart, also in unserer heutigen Zeit. Dabei geht es um diverse Mordfälle und Entführungen, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart, die irgendwie alle miteinander zusammenhängen und unsere Protagonistin, Stevie, hat es sich – als großer Sherlock Holmes und Agatha Christie Fan – zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, was es damit auf sich hat und wie all diese Vorfälle miteinander in Verbindung stehen. Außerdem hätte sie nichts dagegen, den größten Kriminalfall aller Zeiten zu lösen.

Wir verfolgen mithin nicht nur die Geschehnisse in der Gegenwart, sondern erhalten im Laufe der Geschichte auch immer wieder zusätzliche Hinweise darauf, was 1936 denn nun wirklich geschehen ist. Neben Protokollen, Interviews und Zeitungsartikeln, wird die Geschichte auch immer wieder durch Rückblenden in die 30er Jahre aufgepeppt, die zum Beispiel Szenen aus der Nacht der Entführung bzw. aus der Zeit davor und danach zeigen.

Am Ende ist es also nicht nur Stevie, die versucht, all diese Zusammenhänge aufzudecken, nein, auch der Leser wird mit in das Geschehen hineingezogen und man erwischt sich mehr als einmal dabei, selbst zu ermitteln, verdächtige Personen auszumachen und Beweisstücke zu bewerten.

3. Vielfalt

Außerdem ist dieses Buch in Bezug auf seine Charaktere herrlich vielfältig. Mit zum Hauptcast gehören unter anderem Vi und Janelle. Janelle ist schwarz und lesbisch, Vi ist asiatischer Abstammung und nichtbinär, was ganz wunderbar dadurch heraussticht, dass hier die richtigen Pronomen, nämlich they/them verwandt werden und eben nicht he/she (wie sich das Ganze in den deutschen Übersetzungen darstellt, kann ich an dieser Stelle leider nicht beurteilen).

Doch neben Janelle und Vi begegnen wir im Verlaufe der Geschichte immer mal wieder den unterschiedlichsten Charakteren mit den verschiedensten Hintergründen, Rassen und Sexualitäten. Unter anderem werden auch Ängste und Panikattacken thematisiert, unter denen unsere Protagonistin Stevie zum Beispiel leidet und auch eine Art von „Sozialphobie“, mit der Nate zum Beispiel zu tun hat.

4. Twists and Turns

Maureen Johnson hat es geschafft, im Laufe der Trilogie eine wahnsinnig komplexes Mysterium aufzustellen, das sich über einen sehr langen Zeitraum erstreckt, das quasi Mitte der 30er Jahren beginnt und bis heute anhält.

Selten habe ich, zumindest im Jugendbuchbereich, ein solch großes, wahnsinnig cleveres und gut durchdachtes Rätsel gesehen, das voller Hinweise steckt und den Leser von Seite zu Seite in Atem hält. Für mich hat es stellenweise schon fast eine Art Gehirnjogging dargestellt, die vielen aufeinanderfolgenden Rätsel zu lösen. Obwohl alles irgendwie so offensichtlich scheint, würde man zumindest meinen, kommt es am Ende doch ganz anders als gedacht.

Das Buch steckt voller aufregender Twists und Turns, was einen im Verlauf der gesamten Geschichte unglaublich in Atem hält und einen dazu bringt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. Insbesondere die wirklich fiesen Cliffhanger nach Teil 1 und 2 machen es einen fast unmöglich, nicht gleich zur Fortsetzung zu greifen.

5. Interessante Charaktere

Wie oben bereits erwähnt treffen wir in diesen Büchern auf ganz wundervolle, spezielle, spannende, interessante und komplexe Charaktere, die alle ihre Ecken, Kanten und Fehler haben. Besonders beeindruckt hat mich die Komplexität von Davids Charakter, den ich persönlich nie so richtig einschätzen konnte. Stevie ist die absolute Queen dieser Geschichte und aufgrund ihrer Angstzustände konnte ich mich wahnsinnig gut mit ihr identifizieren. In Nate und Janelle verliebt man sich gefühlt von der ersten Seite an (insbesondere in Nate – so ein großartiger Charakter) und Ellie hat eine so verrückte und wilde Natur, dass es mir auch bei ihr teilweise wirklich schwer fiel, sie wirklich einzuschätzen.

Doch nicht nur der Cast der gegenwärtigen Handlung ist unglaublich speziell, eigensinnig und interessant, auch die Charaktere der Mystery-Segmente aus den 1930er Jahren haben mich von dem ersten Moment an fasziniert. Sich hier für einen Liebling zu entscheiden, fällt nicht unbedingt leicht.

Diese Reihe lebt nicht nur von ihren Mysterien und Rätseln, nein, sondern auch von ihren großartigen und super genialen Charakteren. 

6. Angstzustände und Panikattacken

Wie oben bereits erwähnt hat unsere Protagonistin Steve mit Angst- und Panikattacken zu kämpfen. Die Autorin hat diese, meinem persönlichen Empfinden nach, da ich selbst unter solchen leide, wahnsinnig gut dargestellt, gleichzeitig aber auch gezeigt, wie es eben ist, mit diesen Attacken leben und den Alltag bewältigen zu müssen. Auch verhält sich das Ganze sehr positiv gegenüber einer Medikation, sofern diese notwendig ist und verurteilt sie nicht. Ganz besonders kann Stevie hier auch auf ihre Freunde zählen, die sie wo sie nur können, unterstützen und mit der ganzen Sache ziemlich „normal“ umgehen, was ich einfach großartig empfand, werden Menschen mit psychischen Erkrankungen leider heutzutage noch viel zu häufig belächelt und nicht wirklich Ernst genommen, was hier absolut nicht der Fall ist.

Maureen Johnson beweist hiermit nämlich, dass auch eine Jugendbuchheldin mit psychischen oder Ähnlichen Problemen zu kämpfen haben kann. Es macht sie noch greifbarer, noch echter und auf keinen Falls zu einer weniger heldenhaften Heldin. Es gibt einem selbst ein wahnsinnig gutes Gefühl, wenn eine solche Erkrankung in einem Jugendbuch auf so großartige Art und Weise thematisiert und behandelt wird.  

7. Das Rätselraten

Ich hatte bereits zuvor erwähnt, was für ein geniales mysteriöses Konstrukt voller Rätsel Maureen Johnson hier erschaffen hat und genau dies ist mit unter einer der Hauptgründe, weshalb mir diese Reihe so sehr gefällt. Wer Sherlock Holmes liebt und eine Schwäche für die Romane von Agatha Christie hat, wird hier sicherlich auf seine/ihre Kosten kommen.

Das Ganze ist natürlich, was man nicht vergessen sollte, im Jugendbuchstil gehalten, aber dennoch kann Stevie es als junge Detektivin meiner Meinung nach auf jeden Fall mit Sherlock Holmes aufnehmen.

Als Leser hat man jedenfalls seinen ganz eigenen Spaß beim Lösen der Rätsel und beim Mitfiebern. Es macht einfach nur verdammt viel Spaß und in Kombination mit diesem genialen Setting, der tollen Handlung und den super spannenden Charakteren wird diese Reihe zu einer großartigen YA Krimireihe.

Und damit hoffe ich sehr, ein paar von euch vielleicht überzeugt zu haben, euch diese Reihe mal etwas genauer anzuschauen und vielleicht sogar zu kaufen und zu lesen!

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