Aus dem Leben einer Introvertierten: Telefonieren

Introvertierte Menschen richten ihre Energie meist stärker auf ihr Innenleben. In (größeren) Gruppen neigen sie dazu, zu Beobachten, statt sich aktiv mit einzubringen. So werden sie häufig als ruhig und zurückhaltend beschrieben. Viele bezeichnen sie auch als schüchtern. Allerdings ist Introversion nicht gleichzusetzen mit Schüchternheit, denn genauso wie es schüchterne extrovertierte Menschen gibt, so gibt es auch nicht schüchterne introvertierte Personen. Der wohl größte Unterschied zwischen Extrovertierten und Introvertierten ist der, dass introvertierte Menschen, wenn sie eine recht lange Dauer verbracht haben, ohne Zeit nur für sich selbst, sie sich oft energielos fühlen. Introvertierte Menschen bevorzugen daher oftmals ruhigere Umgebungen wie z. B. das eigene Zuhause oder Wälder. Irrtümlicherweise werden Absagen von Verabredungen etc. von Freunden und Bekannten oftmals so interpretiert, als hätten sie kein Interesse; als wäre ihnen die Freundschaft gleichgültig. Dem ist allerdings nicht so. Ebenso wie extrovertierte Menschen, sehnen sich auch introvertierte Menschen nach Freundschaften und Unternehmungen, eben nur auf eine andere Art und Weise und definitiv in einem anderen Umfang. Während laute, überfüllte Partys meist gemieden werden, verbringen sie aber dennoch gerne Zeit mit vertrauten Menschen; mit Freunden und Familie.

Introvertiert zu sein, bedeutet mithin nicht, sich von allem und jedem abzusondern, immer nur ruhig irgendwo dazusitzen oder all seine Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Ganz im Gegenteil. In Anwesenheit vertrauter Menschen können auch introvertierte Menschen gesprächig, aufgeweckt und laut, enthusiastisch, aktiv und abenteuerlustig sein.

Auch ich zähle mich eher zu den introvertierten Menschen. Viel Trubel; viele Menschen bringen mich oft aus der Ruhe. Ich habe dann ganz häufig das Gefühl, als hätte man mir all meine Energie entzogen. Manchmal schreit mein Kopf und mein Körper so laut nach Ruhe und ein wenig Zeit für mich, dass ich einfach eine Pause brauche, um wieder aufzutanken. Pause von all den Menschen um mich herum, Pause vom stressigen Alltag, Pause vom Leben. Ich liebe es alleine zu sein; Zeit nur mit mir selbst zu verbringen. Allerdings bedeutet dies nicht, dass ich mich an Unterhaltungen nie aktiv beteilige, dass ich meine Meinung immer für mich behalte, dass ich kaum etwas unternehme, mich quasi von allem abschotte. Wenn die “richtigen” Leute um mich herum sind, werde auch ich zum “extrovertierten” Menschen.

Und genau aus diesem Grund habe ich mir diese neue Beitragsreihe überlegt: Aus dem Leben einer Introvertierten. Vielleicht können sich ein paar von euch ja mit meinen Texten und Gefühlen identifizieren und vielleicht hilft es anderen Menschen, introvertierte Personen ein bisschen besser zu verstehen.


Telefonieren

Für die meisten Menschen vermutlich die einfachste Sache der Welt. Ganz egal ob im Privatleben oder im Berufsalltag. Telefonisch lässt sich so viel so schnell klären. Das persönliche Gespräch hilft auch oft dabei, die andere Person besser zu verstehen, ihre aktuelle Gefühlslage, Wünsche, Vorstellungen, Bedürfnisse, Probleme – Schwierigkeiten lassen ich so ganz häufig viel schneller aus der Welt schaffen, wohingegen Kommunikation via E-Mail oftmals Missverständnisse und jede Menge Rückfragen aufwirft.

Und dennoch meide ich das Telefonieren und greife – wenn ich denn die Möglichkeit habe – immer wieder zum schriftlichen Kommunikationsweg.

Für viele stellt das Telefonieren eine fast unüberwindbare Herausforderung dar. Sie haben Angst; Angst davor mit einem anderen Menschen per Telefon zu kommunizieren. Für die Menschen, für die es zum Alltag dazu gehört, die lieber telefonieren, statt ständig E-Mails hin und her zu schicken, klingt das vermutlich total bescheuert. All jene, die ebenfalls Unbehagen empfinden, wenn es darum geht, ein Telefonat zu führen, können diese Angst mit Sicherheit nachvollziehen. Auch wenn man es kaum glauben mag, die Angst vor dem Telefonieren ist sehr weit verbreitet; manchmal ist diese Angst sogar so intensiv, dass man hier – zumindest umgangssprachlich – sogar schon von einer Phobie spricht.

“Ruf doch einfach an …”

Mein gefühlt gesamtes Leben habe ich das Telefonieren vermieden. Als ich dann Ausbildung in einem Büro anfing und es hieß, dass ich auch Telefonate entgegennehmen müsse, klingelten bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich hasste es zu Telefonieren. Musste ich früher einen Termin beim Arzt vereinbaren, ließ ich jedes Mal meine Mutter anrufen. Glücklicherweise hat sich diese Angst mit den Jahren gebessert. Dazu beigetragen hat sicherlich auch mein Job. Telefonieren gehört im Berufsleben mittlerweile zu meinem Alltag. Und ich komme gut damit zurecht; sehr gut. Mittlerweile ist es sogar so, dass meine Mutter mich fragt, ob ich wichtige Anrufe für sie erledigen könne, sei es nun ein Anruf beim Finanzamt oder aber bei ihrem Telefonanbieter. Sie meint immer, ich könne mich besser ausdrücken, könne am Telefon besser mit den Leuten umgehen. Das war nicht immer so, wirklich nicht.

Und auch wenn ich mittlerweile gelernt habe, damit umzugehen, zumindest im Berufsalltag, so verbanne ich das Telefonieren dennoch fast vollständig aus meinem Privatleben.

Wenn mein Handy klingelt, gehe ich nicht ran. Okay, es gibt Ausnahmen. Ich gehe ran, wenn Freund, Eltern und Bruder mich anrufen, doch ansonsten lasse ich es meist klingeln; bei unbekannten Nummern erst Recht. Bei unbekannten Nummern spüre ich auch heute noch dieses Gefühl von Angst, das in mir aufkommt und mein Herz zum Rasen bringt.

Ich weiß, viele Menschen lieben das Telefonieren, hängen mit Freunden und Freundinnen stundenlang an der Strippe, quatschen so lange, bis der Tag schließlich zur Nacht wird. Eine Vorliebe, die ich in keiner Weise nachempfinden kann. Für mich stellt so etwas purer Stress dar. Aus diesem Grund meide ich auch Sprachnachrichten, die sich heutzutage bedauerlicherweise an immer mehr Beliebtheit erfreuen. Das geht teilweise so weit, dass ich sie nicht abhöre. Nie. Auch nicht von Freunden, was wiederum nicht böse gemeint ist. Die meisten wissen zum Beispiel auch, dass ich Sprachnachrichten und Telefonieren nicht mag, wenn sie es dennoch tun, müssen sie eben damit rechnen, dass ich nicht ran gehe oder Sprachnachrichten nicht abhöre.

Gibt es die Telefon-Phobie tatsächlich?

Bei der sogenannte Telefon-Phobie handelt es sich zwar (noch) nicht um eine klinisch bewiesene Angststörung, dennoch bedeutet dies nicht, dass diese Angst nicht real ist, dass die Angst vor dem Telefonieren bloß reine Einbildung ist. Es handelt sich dabei um eine Form der Sozialphobie, die jedoch wiederum klinisch bewiesen ist. Menschen haben Angst davor, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Diese Angst äußerst sich bei Betroffenen natürlich unterschiedlich. Die einen meiden Menschenmassen, andere verzichten auf Smalltalk und wieder andere haben einfach riesige Angst davor, ein Telefongespräch zu führen. Bei manchen zum Beispiel äußert es sich nicht auf die eine oder andere Weise, sondern die Sozialphobie ist so stark ausgeprägt, dass sie jeglichen Kontakt zu Menschen meiden, egal um welche Art und Weise der Kontaktaufnahme es sich handelt.

Ich denke dass auch dies bei mir eine große Rolle spielt. Auch ich leide unter Sozialphobie, es ist vermutlich keine sehr ausgeprägte Form dieser Angst, tritt sie auch nicht ständig auf, dennoch merke ich, wie mir der Kontakt zu Menschen teilweise wirklich die Luft um Atmen nimmt. Die Menschen sind so hektisch geworden, so laut, so rücksichtslos und manchmal, manchmal fühle ich mich in ihrer Anwesenheit einfach völlig Fehl am Platz. Manchmal fühle ich mich in einer Gruppe Menschen unglaublich einsam und verlassen, während ich zu Hause in meinen eigenen vier Wänden, ganz alleine, nicht glücklicher sein könnte. Es laugt mich einfach manchmal so sehr aus, dass ich Ruhe brauche. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in meinem Job den ganzen Tag über ständig Telefonate führen muss; mich mit den verschiedensten Charakteren herumschlagen muss. Vielleicht beansprucht das bereits meine ganze Energie, sodass im Privatleben fürs Telefonieren einfach keine Energie mehr übrig ist.

Ich weiß nur, dass ich am liebsten hunderte E-Mails oder WhatsApp Nachrichten hin und her schicken würde, statt ein Telefonat zu führen.


Wie ist das bei euch? Kennt ihr diese Angst; dieses Unbehagen auch? Oder macht es euch rein gar nichts aus, zu Telefonieren, egal ob Privat- oder Berufsalltag?

PIN IT ON PINTEREST

Loading Likes...
Schlagwörter: , , , , , ,

Related Posts

by
Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
Previous Post Next Post

Comments

    • Cara
    • 7. September 2019
    Antworten

    Hey Ivy,

    du sprichst mir echt aus der Seele. Ich hasse telefonieren. Selbst mit Bekannten oder Verwandten telefoniere ich nicht gern und wenn, dann ziehe ich mich dazu in mein Zimmer zurück, sodass niemand zuhört.
    Seit ich vor zwei Jahren meine Ausbildung begonnen hab, muss ich fast täglich telefonieren und es ist jedes Mal eine riesige Überwindung, die kaum einer nachvollziehen kann. Anrufe annehmen geht inzwischen, da ich die meisten Gespräche nur weiterleiten muss, aber selbst bei Kunden anzurufen ist für mich wirklich schwer. Da hilft auch kein aufmunterndes “Übung macht den Meister”.

    Vielen Dank für deine Worte!

    Liebe Grüße
    Cara

    1. Antworten

      Liebe Cara,

      ich kann dich da so gut nachempfinden. Obwohl ich mich mittlerweile sehr daran gewöhnt habe und mich das Telefonieren im Berufsalltag eigentlich nicht mehr sonderlich stört, hat es mich am Anfang sehr viel Überwindung gekostet und noch heute habe ich immer mal wieder Tage, an denen sich alles in mir absolut dagegen sträubt, Telefonate zu führen.

      Selbst irgendwo anzurufen finde ich ebenfalls schlimmer, als angerufen zu werden … in den meisten Fällen zumindest. Wenn es eine unbekannte Nummer ist, die auf mein Handy anruft, bekomme ich wie gesagt auch immer Herzrasen.

      Privat allerdings bekomme ich es wie gesagt noch immer absolut nicht hin. ich hasse es einfach – selbst wenn es eine Freundin ist, die anruft. Ich schreib dann lieber tausend WhatsApp Nachrichten hin und her, obwohl Telefonieren so viel einfacher wäre …

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

    • Sophie
    • 7. September 2019
    Antworten

    Ich kenne dieses Gefühl so gut. Gerade früher auf Klassenfahrt z. B. gab es bei mir immer den Punkt abends, an dem ich Abstand von den anderen gebraucht habe und mal alleine sein und ein paar Seiten lesen oder einfach nur Musik hören musste. Das heißt nicht, dass ich die Leute mit denen ich dort war nicht mag, sondern einfach, dass ich mal meine Ruhe gebraucht habe.
    Ich habe auch oft Angst davor, mit Freunden eine Verabredung auszumachen. Was, wenn sie meinen Vorschlag doof finden? Was, wenn ich mich komisch verhalte oder zu still bin? Beim Treffen (sofern ich mich dazu durchgerungen und doch ein Treffen ausgemacht habe) ist es dann nie so, wie mein Kopf es mir vorher einreden wollte. Ich habe Spaß, unterhalte mich und verhalte mich (zumindest weitestgehend, manchmal kommen doch wieder die Zweifel und “versauen” es) normal und verstelle mich nicht.
    Und obwohl ich das alles weiß, kommt es doch manchmal über mich und ich finde eine Ausrede, um abzusagen. Aber immer öfter in letzter Zeit finde ich einen Weg und genug Motivation, um nicht abzusagen, nicht zu kneifen und die Angst über mich bestimmen zu lassen. Wobei eine Pause manchmal auch einfach gut tut und gebraucht wird 🙂

    1. Antworten

      Liebe Sophie,

      ich danke dir so sehr für dein Kommentar! Ich finde es immer unglaublich erstaunlich solche Geschichten von Betroffenen zu hören. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich sich dieses “Sozialphobie” doch zeigt.

      Bei mir ist es dann zum Beispiel weniger die Angst davor, dass die anderen meinen Vorschläge nicht toll finden würden, sondern vielmehr der Gedanken daran, den ganzen Abend unter so vielen Menschen verbringen zu müssen. Das ist natürlich nicht immer so und es kommt auch immer auf die Menschen an. Mit meiner Familie z. B. habe ich nie das Problem, dass ich mich irgendwo nicht wohl fühle aber sobald “fremde” Personen dabei sind, oder Menschenmassen um mich herum, merke ich, wie sich irgendetwas in mir zurückzieht. Ich kann es nicht mal kontrollieren oder steuern – es ist total verrückt.

      Aber auch so merke ich, dass ich zwischendurch einfach meine Ruhe brauch – ich brauch dann einfach eine Pause. Von allem.

      Es freut mich sehr, dass du gelernt hast, in vielen Fällen deine Angst zu überwinden und genug Motivation aufzubringen. Ich drücke dir die Daumen und hoffe sehr, dass es in Zukunft bei dir noch besser klappen wird 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

    • Lisa
    • 7. September 2019
    Antworten

    Hey Ivy,

    du sprichst mir aus der Seele…ich hasse…hasse….HASSE (!!!) telefonieren. Ich bekomm Ausschlag beim Gedanken daran….ich weiß noch als ich in der Ausbildung wochenweise in unsere telefonische Geschäftsstelle musste….so lieb alle da waren hätte ich niemals da arbeiten können….noch heute bin ich fast jedes Mal froh wenn ich Kunden anrufe und es geht niemand ran….ich habe immer gedacht ich bin da echt unnormal! Schön dass ich nicht alleine bin. Ich schicke lieber 1000 Nachrichten als einmal zu telefonieren….

    LGLisa

    1. Antworten

      Liebe Lisa,

      ich kann dich da so gut verstehen und auch so gut nachempfinden. Zwar geht es bei mir mittlerweile, aber es kommt bei mir tatsächlich auch auf die Stimmung an. Ich habe auch noch Tage auf der Arbeit, an denen ich mich einfach davor scheue, irgendwo anzurufen. Bei Menschen, mit denen ich häufiger telefonieren, geht es etwas besser – aber wenn ich z. B. bei Behörden oder so anrufen muss, dann sträubt sich manchmal echt alles in mir.

      Früher war es bei mir viel schlimmer, dank meinem Job hat sich das wie gesagt gebessert, aber im privaten Umfeld schaffe ich es einfach nach wie vor nicht, dass Telefonieren für mich “normal” wird. Vielleicht irgendwann ja.

      Jedenfalls bist du damit nicht alleine <3 Fühl dich gedrückt!

      Liebste Grüße
      Ivy

  1. Antworten

    Liebe Ivy,
    das hast du so schön geschrieben!
    Erst vor ein paar Tagen habe ich auf der Station, auf der ich arbeitete, mit einer Krankenpflegeschülerin genau über dieses Thema gesprochen. Doch sie wollte es leider absolut nicht begreifen. Der Auslöser für unsere Unterhaltung war meine Aussage, dass ich mündliche Prüfungen in Schulen nicht gut heiße, allein, da gewisse Gruppen dabei benachteiligt wären und es kein Ausdruck ihrer fachlichen Kompetenz darstellt, worum es im Schulunterricht ja eigentlich gehen sollte. Mein Argument, dass es nun einmal introvertierte Menschen, ja gar Menschen mit Angststörungen gibt, die mit solchen Konfrontationen (jeder ist in der Hinsicht natürlich anders!) nicht umgehen kann, wehrte sie entschieden ab, mit den Worten: Man muss etwas nur oft genug machen, dann kann man das auch. Einigen Menschen kann man nicht begreiflich machen, dass das nicht so ist. Wir sind nicht alle gleich. Nicht jeder kann sich in der Gesellschaftsform, die als “normal” betitelt wird, integrieren und mit den Konfrontationen positiv umgehen. Ich selbst bin extrovertiert, kenne aber einige Menschen, die introvertiert sind und eben z.B. mit diesem Problem des Telefonierens immer wieder zu kämpfen haben. Und ich sehe, wie schwer es denen fällt und wie viel Erleichterung mir entgegen kommt, wenn ich diesen Part übernehme. Ich kann das verstehen. Ich sehe es ihnen an.

    Nicht alle Menschen sind gleich. Das ist gar nicht möglich und wäre so furchtbar langweilig. Je mehr Beiträge dieser Art geschrieben werden, desto bewusster werden diese Themen unter die anderen gebracht.

    Danke dafür Ivy.

    Alles Liebe,
    Sarah

    1. Antworten

      Liebe Sarah,

      tatsächlich ist Thema “mündliche Prüfungen” auch ein Punkt, über den ich in dieser Reihe gerne sprechen möchte, denn ich gehöre auch zu denjenigen, die mündliche Prüfungen hassen. Ich habe nächstes Jahr im Mai meine mündliche Abschlussprüfung und schon jetzt habe ich Albträume deswegen. Bei mir äußert sich diese “Angst” meist in einem Ausschlag, den ich bekomme. Aus diesem Grund trage ich auch immer Rollkragenpullover, wenn ich zu einer mündlichen Prüfung muss. Ich vergesse immer super viel, habe das Gefühl, nichts zu können und im Endeffekt verfälscht es immer meine Punktzahl/Note und das nicht aus dem Grund, weil ich es nicht kann oder zu wenig gelernt habe, sondern einfach, weil mich diese Prüfungssituation richtig fertig macht. Ich habe kein Problem damit mehrere schriftliche Prüfungen hintereinander zu schreiben, doch sobald es ans Mündliche geht … grauenhaft.

      Ich finde es daher richtig toll, dass du dich dafür stark machst und versucht, anderen Menschen die Beweggründe und Ängste Betroffener zu erklären und näher zu bringen, und das obwohl du gar nicht selbst betroffen bist. Schade nur, dass es noch immer viel zu viele Menschen gibt, denen es offensichtlich nicht möglich ist, sich in solche Situationen oder Menschen mit diesen Ängsten hineinzuversetzen.

      Ich danke dir sehr für dein Kommentar!

      Liebste Grüße
      Ivy

      1. Antworten

        Bei einigen meiner Freunden ist es mit den mündlichen Prüfungen ganz genauso wie bei dir. Einige kriegen richtig Herzprobleme Tage zuvor, müssen bestimmte Medikamente nehmen, um sich zu beruhigen. Und das ist so ungerecht, denn so etwas sollte keinen Einfluss auf die mündliche Note haben. Die meisten, mit denen ich rede und die ich davon überzeugen will, dass mündliche Prüfungen ungerecht sind, bringen immer wieder als Argument hervor, dass es in der “wirklichen Welt” schließlich auch nicht gerecht zugehe und man niemanden in Watte packen kann. Doch damit hat das alles doch gar nichts zu tun. Und es geht ja eben darum, ein neues Denken anzustoßen. Ich bin auf diesen Beitrag bei dir wirklich sehr gespannt! 🙂

        Alles Liebe,
        Sarah

        1. Antworten

          Das kann ich so gut nachvollziehen. Ich habe in meinem Kurs tatsächlich auch noch eine Teilnehmerin, die ganz panische Angst vor mündlichen Prüfungen hat. Mit ihr habe ich auch vor Kurzem noch genau über dieses Thema gesprochen …

          Schade, dass es noch immer so viele Menschen gibt, die das einfach nicht verstehen können/wollen!

          Liebste Grüße
          Ivy

    • Eileen
    • 7. September 2019
    Antworten

    Liebe Ivy!
    Auch mir spricht du aus der Seele. Ich kann telefonieren nicht leiden. Früher konnte ich nicht mal beim Arzt, einem Geschäft, der Bibliothek anrufen ohne eine halbe Panikattacken zu bekommen. Ich musste mir Wort für Wort überlegen was ich sage während gleichzeitig meine Gedanken darum kreisten, was alles Schlimmes passieren könnte. Das klingt echt ein wenig seltsam, aber sogar heute schreibe ich liebe eine Whats App oder SMS. Ich kann deine Aussage nur unterstützen, dass Introvertierte bei den richtigen Leuten richtig aufblühen können. Ich fühle mich viel sicherer, wenn ich meinen Gegenüber kenne und bis zu einem gewissen Grad einschätzen kann. Bei neuen Leuten bin eh eher vorsichtig…

    1. Antworten

      Liebe Eileen,

      damit hast du so Recht. Ich finde es schade, dass introvertierte Menschen meist einen “schlechten” Ruf haben; man ständig von ihnen behauptet, sie würden sich abschotten/absondern und das Leben nicht richtig leben, Möglichkeiten nicht nutzen. Das stimmt nicht. Wir leben unser Leben genauso; genießen es ebenfalls in vollen Zügen nur eben auf andere Art und Weise. Es ist okay, wenn man sich im Kreise fremder Menschen nicht wohl fühlt – es braucht eben einfach nur die richtige Gesellschaft oder manchmal auch gar keine Gesellschaft.

      Das ist definitiv ein Vorteil: wir kommen sehr gut damit zurecht, alleine zu sein, genießen es sogar. Das können nicht alle Menschen. Gerade auf Reisen z. B. kommt einem genau das ganz häufig zu Gute.

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

    • geri
    • 8. September 2019
    Antworten

    wow was für ein mega spannender beitrag ivy! ich selber würde mich als schüchterner extrovertierer mensch bezeichnen… danke dass du das so angesprochen hast. alle haben immer das gefühl, ich sei so offen und extrovertiert aber das bin ich eben nicht so ganz. ja unter freunden bin ich das, ja, wenn ich mich wohl fühle bin ich das, aber grundsätzlich bin ich nie irgendwo die erste die auf andere zugeht. ich hab schiss in einen laden, ein gebäude, ein restaurant hineinzugehen. auf menschen zugehen, einen vortrag halten,gehört und gesehen werden.. der horror! aber weil ich immer bei freunden so lustig und offen und laut bin, glaubt mir nie jemand, dass ich eigentlicb sehr schüchtern bin. und hei- telefonieren!!!!!!!! geht gar nicht! den arzttermin und den termin beim friseur bekomm ich hin. alles andere geht nicht. auf der arbeit telefon abnehmen geht knapp. ich vermeide immer und auf jede art zu telefonieren und wie du nehm ich nur ab wenn es familie oder kevin oder einer meiner sehr engen freunden ist. sprachnachrichten gehen allerdings. (ich frage mich gerade wieso… sehr spannend!)

    so genug gelabert!
    hab einen schönen abend!

    geri

    p.s. ich freu mich übrigens immer über deine kommemtare!! leider hat jimdo immer noch keine antwort funktion… aber ich lese sie alle und freu mich!!

    1. Antworten

      Liebe Geri,

      ich danke dir so sehr für dein liebes Kommentar! Ich weiß genau was du meinst. Genau das finde ich so schade, dass man dann ständig in eine Schublade gesteckt wird. Bei Introvertierten z. B. heißt es ja auch super häufig, dass die Leute sich nur verschanzen, ihr Leben nicht genießen etc. pp. – wir haben teilweise einen richtig schlechten Ruf und super häufig macht man sich über uns lustig. Dabei stimmt das alles gar nicht. Wir leben unser Leben genauso, genießen es in vollen Zügen, eben nur auf eine andere Art und Weise.

      Ich finde es toll, das Ganze auch mal aus der Sicht einer anderen Person zu erfahren. Ich kann deine Ängste teilweise richtig gut nachvollziehen, da es mir manchmal genauso geht. Vermutlich ist man manchmal auch einfach eine Mischung aus beidem, eine Mischung aus introvertiert und extrovertiert – schade, dass viele dieses schwarz-weiß-Denken aber noch immer nicht ablegen können. Es gibt halt nicht immer nur das eine oder das andere …

      Fühl dich gedrückt liebe Geri, ich mag dich einfach so gerne und jetzt mag ich dich sogar noch ein bisschen mehr (falls das überhaupt noch möglich ist) Du bist einfach toll!!!

      Liebste Grüße
      Ivy

  2. Antworten

    Huhu Ivy,

    das kann ich so unterschreiben. Ich hasse Telefonieren, bin durch den Job aber auch gezwungen den Hörer in die Hand zu nehmen. Ich schreibe viel lieber E-Mails, da kann man sich Gedanken machen, bevor man es abschickt, während man dieses Nachdenken am Telefon nicht hat. Dank meiner Ausbildung saß ich auch eine Zeit lang in der Zentrale, am Anfang die Hölle! Mittlerweile geht es, aber ich telefoniere immer noch sehr ungern. Muss beispielsweise wieder einen Zahnarzttermin abmachen, was ich schon seit sechs Wochen vor mir herschiebe.
    Mit Freunden habe ich eigentlich immer ganz gerne telefoniert, aber mit fremden Menschen ganz und gar nicht!

    Liebe Grüße
    Chianti

    1. Antworten

      Liebe Chianti,

      ich danke dir sehr für dein Kommentar!

      Ohja, als ich in meinem jetzigen Job anfing, musste ich auch an vereinzelten Tage für ein paar Monate an der Zentrale sitzen, weil wir zu der Zeit Personalmangel hatten. Es war richtig ätzend. Wenn jemand auf meiner Durchwahl anruft, dann ist das okay für mich. In 99 % der Fälle will die Person ja zu mir, d. h. für gewöhnlich kenne ich die Person, weiß, wie ich mit ihr umzugehen habe, worum es geht, etc. pp. aber wenn es darum geht an der Zentrale zu sitzen und sämtliche Anrufe entgegenzunehmen, die man dann ggf. auch noch an Mitarbeiter durchstellen muss, die man gar nicht richtig kennt … grauenvoll! Ich würde diesen Job auch nicht freiwillig machen.

      Ich drücke dir die Daumen, dass du das mit dem Zahnarzttermin noch schaffst <3 fühl dich gedrückt!!

      Liebste Grüße
      Ivy

  3. Antworten

    Eine sehr spannende Reihe, bin gespannt was du noch für Themen aufgreifst. Ich finde es ja immer nervig, dass wir intro- oder extrovertiert, egal was man nun ist, sofort mit bestimmten Klischees und Stereotypen behaftet. Ich glaube meine Freunde würden mich, weil ich jemand bin der immer am Reden ist, extrem gut im Smalltalk und stundenlanges Telefonieren mit Freunden mir auch nicht schwer fällt, als klar extroviertiert einstufen. Aber auch ich brauche ab und an dann auch mal Zeiten für mich und bin froh, wenn ich mal ein Wochenende habe, wo ich zuhause bleibe, mich in mein Zimmer zurückziehe und Serien schaue oder Bücher lese.

    Das mit dem Telefonieren kann ich aber nachvollziehen, dass es da viele gibt die das nicht mögen und ich weiß auch, dass es Menschen gibt die davor Angst haben. Ich habe meine Ausbildung ja als Kauffrau für Dialogmarketing im Kundenservice eines Telekommunikationsanbieter gemacht und musste da jeden Tag telefonieren, somit habe ich keine Angst davor, aber meine Freude daran hat in der Zeit etwas abgenommen :D. Da habe ich echt auch privat dann weniger telefoniert, weil ich die Schnauze voll hatte. Jetzt wo ich studiere hat sich das wieder etwas gewandelt, da telefoniere ich ab und an echt stundenlang mit Freunden und genieße das auch wieder.

    Aber ich kenne es auch, dass man Anrufe hat vor denen man Angst hat. Ich glaube die kennt jeder, diejenigen wo man unangenehme Dinge klären muss und die dann lieber vor sich herschieben würde oder jemanden anderen bitten würde.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Ivy,
    der Gruselfaktor ist beim ersten Teil auch mein Manko, da hat mich der Film so enttäuscht und das obwohl ich ja eigentlich kein Fan von Clowns bin :D. Mal gucken, ob der zweite da mehr zu bieten hat. Musst du mir unbedingt mal ein Feedback geben, wenn du ihn gesehen hast.

    Uih ist ja spannend, dass du die Buchvorlage gelesen hast. Weil ich kann die nämlich nicht mal, die ist irgendwie komplett an mir vorbei gegangen, aber wie gesagt: In den Kommentarspalten von Youtube waren da auch alle begeistert von. Schaust du dir denn den Film dann im Kino an?

    Wie Brad Pitt hängt die Schauspielerei an den Nagel? Wann hat er das denn verlauten lassen und wieso? Ich sehe den auch total gerne und fände das nämlich auch schade.

    1. Antworten

      Liebe Nicole,

      ich danke dir vielmals für dein Kommentar!

      Ich finde es auch super schade, dass es für die meisten Menschen immer noch nur schwarz und weiß gibt, entweder man ist extrovertiert oder introvertiert. Zu beidem hat man dann bestimmte Vorstellungen oder Stichpunkte im Kopf und schwupp, schon wird man in eine Schublade gesteckt, in die man eigentlich gar nicht rein gehört.

      Es trifft nicht immer alles auf jeden zu; jeder empfindet anders, nimmt Dinge anders wahr/auf. Es nervt mich auch tatsächlich ein bisschen, dass introvertierte noch immer so einen “schlechten” Ruf haben, von wegen wir würden uns nichts trauen, würden uns nur absondern und abschotten, uns vor der Welt verstecken – was ja absolut nicht stimmt. Wir leben und genießen unser Leben genauso wie alle anderen, nur eben auf etwas andere Art und Weise. Hinzu kommt, dass man als introvertierter Mensch vielleicht sogar viel eher damit zurecht kommt, alleine zu reisen, was ja auch sehr von Vorteil sein kann, da wir eben nicht immer Menschen um uns herum brauchen, sondern auch sehr gut und gerne alleine zurecht kommen, ohne gleich “einsam” zu sein.

      Aber nun ja, vermutlich müssen sich extrovertierte mit ähnlichen Vorurteilen rumschlagen – wie du selbst ja schon sagst, hat man selbst als extrovertierter Mensch auch mal das Bedürfnis nach Ruhe und menschenfreier Zone.

      Zu deiner Frage bezüglich Brad Pitt: Er hatte in einem Interview, ich glaub in der Vanity Fair? … bin mir nicht mehr sicher, verlauten lassen, dass er glaubt, dass “seine Zeit gekommen sei” und es definitiv andere Wege gibt, auf die er sich mehr konzentrieren möchte. Auf der Premiere zu seinem neuen Film hat er auch etwas ähnliches verlauten lassen, nämlich, dass er ja auch z. B. morgen tot umfallen könnte, dann wäre er auch direkt raus aus dem Showbiz … 100 % angekündigt, dass er aufhört, hat er allerdings noch nicht. Als Produzent etc. wird er weitermachen, das sind auch diese anderen Wege, die er intensiver einschlagen möchte, ich hoffe aber dennoch, dass er die Schauspielerei noch nicht ganz aufgibt und vielleicht noch in ein, zwei, drei oder hundert neuen Filmen zu sehen sein wird haha 😀

      Liebste Grüße
      Ivy

  4. Antworten

    Liebe Ivy,
    vielen Dank für diesen Beitrag, ich habe mich stellenweise sehr darin wiedergefunden! Das mit dem Telefonieren ist wirklich schlimm, vor allem, wenn man anderen, denen es nicht so geht, versucht zu beschreiben, warum man einfach nicht gerne telefoniert. Ich bin damit schon so oft auf Unverständnis gestoßen. Mittlerweile ist es etwas besser geworden und Anrufe beim Arzt zum Beispiel stören mich gar nicht mehr, weil ich das jetzt schon öfter gemacht habe und weiß, wie das Gespräch abläuft, aber wenn ich nicht weiß was mich am anderen Ende erwartet schiebe ich so ein Telefonat gerne ewig vor mir her. Notizen machen um besser vorbereitet zu sein hat mir irgendwie auch geholfen und damit geht telefonieren für mich auf jeden Fall besser, aber ich glaube gerne werde ich das nie tun. Da graut es mir tatsächlich auch schon etwas vor dem späteren Berufsleben, wo telefonieren ja irgendwie immer dazu gehört, aber das wird schon irgendwie.
    Jedenfalls finde ich es immer richtig schön zu lesen, dass es nicht nur einem selbst so geht, wenn es um solche Sachen wie nicht gerne telefonieren geht, besonders wenn man im Umfeld größtenteils auf Unverständnis stößt. Ich wurde eigentlich immer als schüchtern beschrieben und es ist noch gar nicht so lange her, dass ich realisiert habe, dass ich nicht schüchtern, sondern introvertiert bin, einfach, weil ich mit diesem Begriff ganz lange nichts anzufangen wusste.

    Alles Liebe,
    Katharina

    1. Antworten

      Hallo Katharina,

      ich finde es immer super erstaunlich, wie unterschiedlich die Ängste und Gefühle in diesem Zusammenhang sind. Ich habe tatsächlich keine richtige Angst davor, sondern es ist mir eher unangenehm und zu viel – Menschen sind mir manchmal einfach zu viel und wenn ich dann weiß, dass ich mit diesen kommunizieren muss, fehlt mir manchmal einfach die Energie.

      Im Job wirst du das ganz bestimmt hinbekommen. Zumindest drücke ich dir ganz fest die Daumen, dass es klappt <3 Mir fällt das mittlerweile auch überhaupt nicht mehr schwer 🙂 Ich habe für mich festgestellt, dass mir Telefonate, in denen es nicht um mich geht, sondern um Berufliches oder auch, wenn ich z. B. Telefonate für meine Mutter führe etc. viel viel leichter fallen. Dieses unangenehme Gefühl tritt bei mir tatsächlich immer nur dann auf, wenn ich in eigenen Sachen telefonieren muss. So gehe ich auch total selten ans Telefon, wenn mein Handyanbieter anruft, meine Krankenversicherung, das Finanzamt, Freunde etc. pp. Ich kann daher gar nicht richtig deuten, was jetzt bei mir das eigentliche Problem ist - ob es doch Angst ist oder was auch immer.

      Aber ich stimme dir zu, ich finde es auch jedes Mal schön zu wissen, dass man nicht alleine ist. Und all die Kommentare zeigen ja auch, wie unterschiedlich die Menschen empfinden und damit umgehen, was wieder einmal nur beweist, dass es eben mehr als schwarz und weiß gibt. Das Schubladendenken muss endlich aufhören.

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich bin einverstanden

0 shares

DIe Bloggerin

Willkommen auf meinem Blog!

Willkommen auf meinem Blog!

Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
Willkommen auf meinem Blog!

Folge mir auch auf