Der Fluch der negativen Rezensionen

Long time no „böser“ Beitrag mehr. Okay, vielleicht nicht unbedingt böse, aber ein bisschen genervt (und eventuell etwas sarkastisch) schon. Worum es geht? Auch mal eine negative Meinung zu einem Buch zu akzeptieren. Selbst wenn es das eigene Lieblingsbuch ist.

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der „Lesen und lesen lassen“ ganz groß war und es überall Beiträge dazu gab? Gut. Wie wäre es denn, wenn man Lesern dann auch ihre eigene Meinung lässt? Okay, vielleicht ist das falsch ausgedrückt. Ich formuliere um: wie wäre es, wenn man die Meinung anderer endlich akzeptiert und sie nicht frech angeht, wenn sie das eigene Lieblingsbuch – auf gut Deutsch gesagt – scheiße finden?

Alleine in Deutschland leben ungefähr 82,79 Millionen Menschen. 82,79 Millionen Menschen mit unterschiedlichen Vorlieben, Geschmäckern, Interessen, Vorstellungen, Abneigungen, etc. pp.

Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte einfach mal, dass jeder von uns einen anderen Geschmack hat, was Bücher angeht. Natürlich überschneiden sich die Geschmäcker und Interessen auch mal hier und da, aber im Großen und Ganzen empfinden wir Bücher doch alle ein bisschen anders, selbst wenn es nur um Kleinigkeiten geht.

Es ist also nur logisch, dass Bücher von manchen geliebt, von anderen jedoch wiederum nicht geliebt werden.

In letzter Zeit habe ich oftmals die Erfahrung gemacht, dass anderen Lesern meine Meinung zu einem Buch offenbar nicht gefiel. Allesamt negative Meinungen. Okay? Was soll ich jetzt dagegen tun? Meine Meinung ändern, nur damit sie besagten Leuten gefällt? Dass mich besagte Leute mögen? Ich wurde angepampt und sah mich diversen Beschimpfungen und Beleidigungen ausgesetzt, da ich – ohja, ich habe es tatsächlich gewagt – die Bücher von Sarah J. Maas kritisiert und zuletzt ihr neuestes Werk „Catwoman“ mehr negativ, als positiv bewertet habe.

Liebe Menschen, wenn ich ein Buch lese, empfinde ich auch meist etwas dabei. Ich mache mir meine Gedanken, analysiere was mir gefällt oder was mir nicht gefällt, was ich gut finde und was ich eher weniger gut finde. Ich entscheide, ob ich den Schreibstil mag, ob mir die Charaktere sympathisch sind und ob mich der Plot unterhält. Das alles spielt sich in meinem Kopf ab und endet schließlich in meiner persönlichen Meinung zu einem Buch, die ich in 90 % der Fälle schriftlich in Form einer Rezension festhalte. Zusätzlich versuche ich noch zu erklären und zu erläutern, wieso, weshalb und warum mir entsprechende Dinge nicht gefallen haben. Es handelt sich mithin um meine ganz persönliche Meinung zu einem Buch; meine Rezension stellt weder die Meinung der Allgemeinheit dar, des Verlags, des/der Autor/in oder die anderer Blogger/innen oder Leser/innen.

Wenn die Bewertung eines Buches dann mal weniger gut ausfällt (und damit meine ich nicht Beleidigungen, Anfeindungen, Drohungen, Beschimpfungen etc. pp. gegenüber dem Autor – das ist ein ganz anderes Thema; sondern die reine Bewertung des Inhalts) gibt das Fans des Buches nicht automatisch einen Freischein mich zu attackieren oder andere zu attackieren, die das Buch eben nicht so gefeiert haben, wie man selbst.

Als ich kürzlich auf Instagram äußerte, dass ich die Bücher von Sarah J. Maas nicht mag und auch belegt habe, aus welchen Gründen (ja, ich habe einige ihrer Bücher gelesen und nein, ich fand sie nicht großartig) erreichten mich Nachrichten wie „Na und? Dafür hasse ich Cassandra Clare!“ Okaaaay? Und das interessiert mich, weil …? Weil ich ein großer Fan von Cassandra Clare bin?

Liebe Menschen, wenn ich (wie manche andere Leser/Fans dies offenbar gerne tun) wirklich jeden angreifen würde, der Cassandra Clare und/oder ihre Bücher schlecht redet, hätte ich keinen Job, keine Freunde, keine Familie und keine Hobbies mehr, weil ich schlicht 24/7 damit zu tun hätte und ganz ehrlich? Meine Zeit ist mir zu kostbar, um Leute dumm von der Seite anzumachen, nur weil sie eines meiner Lieblingsbücher nicht mochten. In dieser Zeit setze ich mich lieber noch mal hin, lese mein Lieblingsbuch noch ein zweites oder drittes Mal und erfreue mich daran. Wenn ihr also mein Lieblingsbuch, welches auch immer das sein mag, nicht mögt, dann ist das zwar schade, aber auch vollkommen in Ordnung. Ich werde den Teufel tun und versuchen, euch eine andere Meinung aufzuzwängen oder euch gar zu attackieren oder dumm von der Seite an zu machen, nur weil ihr das Buch anders empfunden habt als ich.

Natürlich freut man sich darüber, wenn das eigene Lieblingsbuch auch bei anderen Lesern/Bloggern Anklang findet. Es gibt einem so viele Möglichkeiten zu fangirlen, das Buch zu hypen, Gedanken auszutauschen etc. pp. was unglaublich viel Spaß macht, aber wenn es mal darum geht, eine negative und positive Meinung auszutauschen, endet das noch viel zu häufig in einem Hahnenkampf und ganz ehrlich? Darauf habe ich einfach keine Lust mehr. Um es mit Roger Murtaugh Worten zu sagen: “Ich bin zu alt für den Scheiß”.

Gegenargumente sind schön und gut; der Versuch einen vom Gegenteil zu überzeugen ebenso, doch DER TON MACHT DIE MUSIK. Kann man nicht dennoch höflich und respektvoll miteinander umgehen? Heißt das tatsächlich, dass wenn man unterschiedliche Meinungen hat bezüglich eines Autors/einer Autorin, man keine Freunde mehr sein kann? Muss ich wirklich alles und jeden dumm von der Seite an machen, weil er/sie sagte, er würde das eigene Lieblingsbuch nicht mögen? Davon mal ganz abgesehen, ist es doch mehr als bekannt, dass wenn man auf böswillige Art und Weise versucht, die Meinung eines anderen zu ändern, meist nur auf taube Ohren stößt, oder nicht?

Ist es denn wirklich so schwer, die negative Meinung anderer zu akzeptieren? Wenn man substantiiert darlegt, was einen gestört hat und warum es einem nicht gefallen hat; man mache Dinge vielleicht sogar als problematisch empfindet etc. pp. ist das vollkommen legitim und sollte von allen anderen auch so akzeptiert werden. Vielmehr bietet dies ja eine hervorragende Möglichkeit, sich auszutauschen und sinnvolle Diskussionen zu führen, aus denen beide Parteien womöglich sogar noch etwas lernen und fürs Leben mitnehmen können.

Wenn ich also mal ein Buch lese, das mir – aus welchen Gründen auch immer – gegen den Strich geht, dann werde ich das auch äußern und nicht den Mund halten oder meine Meinung verfälschen, eben nur weil die ganze Welt das Buch zu lieben scheint. Und nein, auch wenn ein/e Bekannte/r und/oder Freund/in ein Buch liebt, das ich nicht mag, dann kündige ich ihm/ihr nicht gleich die Freundschaft. Mein Freund zum Beispiel liebt Game of Thrones über alles, ich hingegen kann es nicht ausstehen und stellt euch vor, wir sind immer noch zusammen – kein Scherz.

So wunderschön diese Community auch ist, genauso sehr kann ich manchmal einfach nur noch mit den Augen rollen und den Kopf schütteln. Es macht einfach keinen Spaß und es ist so unglaublich anstrengend sich immer und immer wieder rechtfertigen zu müssen, wieso man ein Buch nicht mochte, wo doch die ganze Welt es zu lieben scheint. Es ist anstrengend, ständig in irgendwelche Diskussionen hineinzugeraten, in denen nicht diskutiert, sondern nur rumgemeckert, geschimpft, beleidigt, etc. pp. wird. Können wir das nicht alle mal sein lassen?

Eventuell schon mal was von Doppelmoral gehört? Auf der einen Seite wird sich stark gemacht, dass doch jeder bitte lesen können soll, was er will, egal ob Vergewaltigung, toxische Beziehungen romantisiert werden oder was weiß ich, aber auf der anderen Seite wird man selbst ausfällig, wenn einem die Meinung anderer Leser nicht passt. Da bleibt einem doch nichts anderes mehr übrig, als mit den Augen zu rollen.

Es ist vollkommen okay, es anzusprechen, wenn einem problematische Aspekte in einem Buch auffallen; wenn man den Schreibstil nicht mag, man die Charaktere zu flach findet und den Plot zu langweilig. Es ist okay. Und es ist unglaublich schade, dass so viele Leser sich tatsächlich genau aus diesen Gründen mit ihrer Meinung zurückhalten: weil sie Angst davor haben, dafür angegriffen zu werden.  

Ich habe schon so viel aus solchen Diskussionen mitgenommen; habe schon so viel gelernt, weil andere Leser mich auf Dinge aufmerksam machten, die mir nicht aufgefallen wären und die ich so noch einmal überdenken konnte. Ich habe so unendlich viel dazu gelernt und bin dankbar für jeden, der in der Vergangenheit in der Lage war, eine vernünftige und anständige Diskussion mit mir zu führen. Und genau das ist es doch, wieso wir Rezensionen schreiben und Bücher bewerten; des Austauschs wegen. Doch wenn dieser Austausch nur noch aus Beleidigungen und Streitereien besteht, dann bin ich mir nicht sicher, ob ich noch so unglaublich viel Wert auf diesen Austausch lege.

Und zum Abschluss, bevor es hier Missverständnisse gibt: damit meine ich natürlich keine rassistischen oder anderweitige menschenverachtende Äußerungen, denn bei Menschenhass handelt es sich bekanntlich nicht um eine Meinung. Doch auch dazu habe ich mich schon so oft geäußert, dass ich diesen Gesichtspunkt hier jetzt mal außen vor lasse.

Loading Likes...