Filmkritik: Captain Marvel oder Wieso ich jetzt weniger Angst vor Endgame habe. Danke Carol! Du rockst!

Endlich ist sie da, unsere neueste MCU Superheldin, Captain Marvel aka Carol Danvers bzw. Vers. Mit einem Soundtrack voller Vintage-Ohrwürmern aus den 90er Jahren und einem herrlich unbefangenen Sinn für Humor gelingt Captain Marvel eine ganz grandiose „Introduction“ der Heldin, die unsere Rächerin werden/sein könnte. Denn wenn jemand unsere Welt retten kann, dann ist es ganz sicher Captain Marvel.


Diese Filmkritik enthält Spoiler!


„Keep your friends close, but your enemies closer.“

Carol Danvers bzw. Vers, verkörpert von der großartigen und wunderschönen Brie Larson, lebt seit Jahren unter dem außerirdischen Volk Kree und hat sich unter der Führung von Yon-Rogg, gespielt von Jude Law, eine Position als Elitekriegerin der Kampfeinheit Starforce erkämpft, um gemeinsam mit den Kree Krieg gegen die Skrull zu führen. Allerdings passt sie nicht unbedingt ins Kree-Kollektiv. Mit ihrer unerklärlichen Begabung, unter anderem gleißende Energieblitze aus ihren Händen zu feuern, unterscheidet sie sich von den typischen Kree Kriegern. Außerdem wird sie von merkwürdigen Träumen geplagt, die immer mehr Fragen zu ihrer Herkunft aufwerfen, denn Carol bzw. Vers erinnert sie sich nicht an ihr früheres Leben. Bis auf die letzten sechs Jahre wurden sämtliche ihrer Erinnerungen ausgelöscht. Sie weiß nicht wer sie ist, wo sie her kommt. Lediglich Erinnerungsfetzen und Bilder aus der Vergangenheit lösen immer wieder Frustration in ihr aus. Yon-Rogg hingegen, ihr vermeintlich einziger Vertrauter und Mentor, bremst sie aus. Er fühlt sich bedroht von Carols ungewöhnlicher Macht, doch statt mit ihr daran zu arbeiten und ihr dabei zu helfen, sich weiterzuentwickeln und ihre Kräfte unter Kontrolle zu bringen, nutzt er jede Gelegenheit aus, um Carol im Zaum zu halten, dies indem er sie manipuliert und sie dem Glauben verfällt, ihre Fähigkeiten seien kein Geschenk, sondern Krücken, auf die sie sich stützt; die sie nutzt, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlt und sie zu einer weniger wertvollen Kree Kriegerin macht. Denn nur wer mit den Fäusten kämpfen kann, hat sich den Titel als Krieger auch verdient.

Marvel Studios’ CAPTAIN MARVEL
Carol Danvers/Captain Marvel (Brie Larson)
Photo: Chuck Zlotnick
©Marvel Studios 2019

Dieses Verhalten macht Yon-Rogg zu einem der hinterhältigsten, manipulativsten und gleichzeitig gefährlichsten Bösewichte, mit denen Carol es aufnehmen muss. Yon-Rogg macht einfach Spaß, vermutlich auch deswegen, weil Jude Law diese Arschloch Rollen einfach perfekt drauf hat.


Higher, Further, Faster

Während des Filmes trifft Carol immer wieder auf Personen, die glauben, dass sie der Macht, die ihr eins zu Teil wurde, nicht würdig ist, doch Carol findet immer wieder einen Weg, ihnen das Gegenteil zu beweisen. Sie kämpft immer weiter, higher, further, faster. Carol Danvers ist eine absolute Naturgewalt.

Marvel Studios’ CAPTAIN MARVEL
L to R: Leader of Starforce (Jude Law) and Carol Danvers/Captain Marvel (Brie Larson)
Photo: Chuck Zlotnick
©Marvel Studios 2019

Während Carol ihre Vergangenheit also immer mehr in Frage stellt, anfängt, die Erinnerungsstücke und Bilder aus ihrer Vergangenheit wie ein Puzzle zusammenzusetzen, scheinen sich die Geheimnisse so langsam zu lüften. Ihr Weg führt sie zurück zur Erde, etwa ins Jahr 1995, also lange Zeit bevor Tony Stark der Welt verkündet, dass er Iron Man ist. Plötzlich ist sie gezwungen, mit dem frisch gebackenen SHIELD-Agenten Nick Fury (gespielt von dem absolut genialen Samuel L. Jackson unter Zuhilfenahme grandioser De-aging-Effekten) zusammenzuarbeiten, nicht nur um die Wahrheit aufzudecken, sondern auch – wie sollte es auch anders sein – die Welt vor den Skrulls zu beschützen.


Frauenpower & Chemistry

Ebenso genial wie Samual L. Jacksons digitale Verjüngungskur, sind auch die visuellen Effekte. Von formwandelnden Skrulls, über farbwechselnde Militäruniformen, bis hin zu aufwendigen Raumschiffen ist alles dabei und begeistert die Zuschauer gleichermaßen.

Die Actionszenen sind aufwendig und spannend, gleichzeitig aber auch sehr verspielt und mit Hits aus den 90er Jahren hinterlegt. Carols Körperlichkeit und Beweglichkeit stehen ganz klar im Mittelpunkt. Carol ist keine Heldin, die sich in Watte packen lässt, oder sich auf ihre Waffen bzw. ihre Rüstung/ihren Anzug verlässt, die es ihr leichter machen. Selbst mit gefesselten Händen stürzt sie sich in den Kampf, wenn es denn sein muss. 

Marvel Studios’ CAPTAIN MARVEL
Left: Talos (Ben Mendelsohn)
Photo: Chuck Zlotnick
©Marvel Studios 2019

Das absolute Highlight ist jedoch nicht nur Brie Larsons grandiose Leistung, sondern insbesondere auch die Chemie zwischen ihr und Samuel L. Jackson. Brie Larson gelingt es, ihren Charakter nicht nur mit einem verspielten, sondern mit einem feurigen Humor darzustellen und dabei gekonnt die Klischees zu vermeiden, die man eventuell erwarten würde, wenn ein „Außenseiter“ zum ersten Mal Kontakt mit Menschen aufnimmt. Ich muss gestehen, ganz häufig habe ich hier Diana Prince’ (Wonder Woman) Unwissenheit und Neugierde erwartet, doch davon keine Spur. Carol ist schlagfertig und frech, sie ist gewitzt und unglaublich klug – Carol Danvers ist eine absolute Powerfrau. Ganz gleich ob sie das, was sie sagt oder tut in Schwierigkeiten bringt, sie tut genau das, wonach ihr der Kopf steht, lässt sich von Niemandem rein reden und verfolgt ihre Ziele mit einem Ehrgeiz, von dem wir uns ganz gewiss alle eine Scheibe abschneiden können.

Für ein bisschen emotionales Drama ist natürlich auch gesorgt und zwar in Form der Beziehung zwischen Carol und ihrer menschlichen Freundin Maria Rambeau, gespielt von Lashana Lynch. die mit ihrer ernsten und sorgenvollen Art das perfekte Gegengewicht zu Carols frechen, teilweise vielleicht sogar überstürzten Heldentaten ist. Sie bringt ein wenig Ruhe und Ernsthaftigkeit in den Film und beweist uns nur wieder, wie wunderbar eine Freundschaft zwischen Frauen sein kann.


Miau, miau

Der heimliche Star des Films jedoch scheint Goose, die außerirdische Katze zu sein, die die ein oder andere Überraschung auf Lager hat und bei der sogar der knallharte Nick Fury plötzlich ganz weich wird. Nostalgisch wird’s bei dem Soundtrack aus den 90er Jahren. Ich als 90s Kid bin hier absolut auf meine Kosten gekommen.


Fazit

Captain Marvel ist erfrischend neu und herrlich frech mit einem ganz wunderbaren Humor und einem weiblichen Superheld, der nicht nur Hoffnung auf ein gutes Ende in Endgame macht, sondern allen Frauen dort draußen (egal ob jung oder alt) das Gefühl gibt, alles erreichen zu können. Dieser Film strotzt nur so vor Frauenpower. Als der Film zu Ende war hatte ich das Gefühl, die ganze Welt verändern zu können und genau so sollte es sein. (Junge) Mädchen und Frauen sollten ebenso wie Jungs mit solch großartigen Vorbildern aufwachsen, wie Carol Danvers es ist und nicht bloß mit Prinzessinnen in hübschen Kleidern, die von ihrem Prinzen in goldener Rüstung gerettet werden müssen. Carol Danvers braucht Niemanden, der sie rettet. Ganz im Gegenteil, ich bin mir ziemlich sicher, dass sie diejenige sein wird, die Thanos so richtig in seinen unschönen Hintern treten wird.

Danke Carol Danvers, danke, dass du allen Frauen dieser Welt das Gefühl gibt’s, unbesiegbar zu sein und danke dafür, dass du mir die Angst vor Endgame ein wenig genommen hast. Mit dem Wissen, dass sie unser Trumpf im Ärmel ist, bin ich mir fast sicher, dass Endgame doch nicht ganz so schlimm enden wird, wie ich all die Zeit vermutet habe. Captain Marvel ist eine willkommene Ergänzung zum Team der Avengers und ich bin mir sicher, dass sie eine strahlende (Wortspiel) Zukunft vor sich hat.

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Titelbild: ©Marvel Studios 2019 | Carol Danvers/Captain Marvel (Brie Larson)

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