Filmkritik: Der König der Löwen oder auch “Sind die Tiere echt?”

Titelbild: © 2019 Disney Enterprises

Vor 25 Jahren erblickte Der König der Löwen das Licht der Welt. Egal ob man sich nun als Disney Fan bezeichnet oder nicht, ich bin sicher, Der König der Löwen ist so ziemlich jedem ein Begriff. Nicht nur ein Film für Kinder, nein, gleichermaßen geeignet für groß und klein, erzählt er von Familie, Liebe, Tod, Verpflichtungen, dem Erwachsenwerden … Kein Auge bleibt bei diesem Film trocken. Meins zumindest nicht.

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Wisst ihr, ich kann meine Beziehung zu diesem Film immer nur sehr schwer in Worte fassen. Ich liebe ihn, ich liebe ihn wirklich. Allerdings stellt dieser Film jedes Mal irgendetwas mit meinem Kopf und meinem Herzen an, dass ich es nicht übers Herz bringe, mir den Film anzuschauen. Es ist einer der Disney Filme, die ich am meisten liebe, gleichzeitig aber auch der Disney Film, den ich am wenigsten gesehen habe. Während Arielle, Aladdin & Co. bei mir in Dauerschleife laufen, so besitze ich nicht mal die König der Löwen DVD. Dieser Film zerstört mich emotional gesehen jedes Mal wieder aufs Neue. Schon als Kind konnte ich ihn nicht anschauen und wenn, dann musste meine Mama jedes Mal den Teil mit Mufasa überspringen. Wie sagte mein Freund kürzlich “Du bist ein absolutes Papa-Kind, natürlich magst du den Film nicht.” Dabei mag ich ihn ja, nur irgendwie auch nicht. Wie ihr seht, ist es unglaublich schwer zu beschreiben und bevor ich mich nun vergesse und immer weiter versuche zu erklären, was das ist, zwischen mir und diesem Film, fange ich jetzt endlich damit an, wofür ihr überhaupt hergekommen seid: meine Kritik zu dem König der Löwen Remake.

Obwohl es keine Realverfilmung ist, so sieht es doch fast so aus. Ich gebe zu, diesen Gedanken hatte ich mehr als einmal. Es ist einfach unglaublich, dass dieser Film computeranimiert sein soll. Teilweise hatte ich wirklich das Gefühl, man beobachtet dort tatsächlich echte Löwen. Löwen, die eben sprechen und singen können. Absoluter Wahnsinn. Vielleicht ist auch das mit unter ein Grund, weshalb mich der Film immer wieder aufs Neue emotional zerstört; vielleicht liegt es an den Tieren, hege ich doch schon von kleinauf eine ganz besondere Beziehung zu Tieren; zu allen Tieren.

Es dauerte keine fünf Minuten und mir liefen die Tränen wie Sturzbäche über die Wangen. Das wohl berühmteste Lied des Soundtracks, Circle of Life, seinerzeit performed von Elton John, diesmal gesungen von Lindiwe Mkhize, sorgt schon in den ersten Filmsequenzen für eine riesige Portion Gänsehaut.

Wer hier großartige Änderungen oder Neuerungen erwartet ist hier Fehl am Platz, denn tatsächlich wurde die Zeichentrickversion von damals 1 zu 1 übernommen; okay, hier und da fehlten ein paar Szenen, die Dialoge wurden etwas abgeändert aber im Großen und Ganzen ist es eine computeranimierte Version des Zeichentrickfilms, den wir vor 25 Jahren kennen und lieben gelernt haben. Während manche dies vielleicht als langweilig oder einfallslos bezeichnen würden, so liebe ich die Tatsache, dass sie eben nichts verändert haben. Plötzlich fühlte ich mich wieder wie damals; im Kino wurde ich plötzlich wieder zum Kind und erinnerte mich daran, wie ich damals zusammen mit meiner Mama im Wohnzimmer gesessen, den Film angesehen und die Lieder mit gesungen habe.

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Was ich unglaublich mochte ist, dass der ganze Film nicht nur visuell unglaublich echt erscheint, sondern auch vom Verhalten der Tiere. Denn anders als im Zeichentrickfilm wird sich auch schon mal hinterm Ohr gekratzt oder übers Fell geleckt. Auch wurden Szenen, die im Zeichentrick unglaublich lustig waren (z. B. wenn Simba Nala ins Wasser schubst) weg gelassen, eben weil man Wert darauf legte, den Film, trotz der sprechenden Tiere, so echt wirken zu lassen, wie nur möglich und das ist Disney meiner Meinung nach auch absolut gelungen.

Gleich von Beginn an ist es mir unglaublich leicht gefallen, mich fallen zu lassen; wegzuträumen in dieses wunderschöne Land. Meine Liebe zu den einzelnen Charakteren wuchs von Sekunde zu Sekunde und Timon & Pumba, das absolute Disney Kultduo, wirkte hier noch witziger, noch liebenswürdiger. Insbesondere Seth Rogan, der Pumba seine Stimme leiht, hat hier einen unglaublich großartigen Job gemacht.

Während man Songs wie Hakuna Matata und Kann es wirklich Liebe sein auch in diesem Remake wieder ungehindert mitsingen kann (die Songtexte wurden glücklicherweise nicht großartig verändert, was mir persönlich immer sehr wichtig ist) kam ein Lied meiner Meinung nach ein wenig zu kurz und zwar Seid bereit, gesungen von dem wohl bösesten Disney Bösewicht aller Zeiten, zumindest wenn ihr mich fragt. Obwohl Scar der von mir am meisten verhasste Disney Charakter ever ist, war es gerade sein Lied, das mir früher als Kind immer einen eiskalten Schauer über den Rücken gejagt hat. Von einem Gänsehaut Moment war diesmal allerdings leider keine Spur. Die ganze Zeit hat man darauf gewartet, dass er richtig los legt, doch das Lied verlor nicht nur an Intensität, sondern auch an Melodie hatte ich das Gefühl, denn gesungen wurde irgendwie nicht wirklich, sondern vielmehr einfach nur etwas melodischer gesprochen. Allerdings ist das mein einziger Kritikpunkt. Die Umsetzung von Scar an sich fand ich überaus gelungen, auch dass seine Mähne eben nicht schwarz ist. Wie gesagt, Disney hat hier unglaublich viel Wert darauf gelegt, das Ganze so echt und authentisch darzustellen, wie möglich und nun ja, einen Löwen mit schwarzer Mähne gibts im echten Leben nun einmal nicht.

Mein absolutes Highlight? Lumière schaut ebenfalls vorbei. Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich diesen Moment gefeiert habe aber hey, schaut einfach selbst, wenn ihr euch den Film anseht.

Das Besondere an diesem Film ist wohl einfach das CGI. Ich kann einfach noch immer nicht fassen, dass es keine echten Tiere sind. Laut Jon Favreau gibt es eine Szene, die echt ist, doch welche? Keine Ahnung. Alles wirkt so echt, dass man den Unterschied nicht erkennt. Zumindest ich nicht. Welche Szene es nun genau ist, hat der Regisseur Jon Favreau leider bisher nicht verraten. Neugierig bin ich ja aber schon ein bisschen, wenn ich ehrlich bin.

Für mich, die mit diesem Film aufgewachsen ist, war es eine Reise zurück in die Vergangenheit; eine Reise zurück in meine Kindheit und vielleicht ist auch genau das es, was den Charme dieses Films aus macht. Aber auch jetzt, nach diesem wundervollen und sehr gelungen Remake, muss ich sagen, dass meine Beziehung zu dem Film sich nicht unbedingt gebessert, aber auch nicht verschlechtert hat. Ich habe fast den gesamten Film weinend verbracht; hatte ständig einen Tränenschleier vor den Augen, weil es einfach der Disney Film ist, der mich emotional am meisten berührt. Vielleicht liegt es an Mufasa, vielleicht an dieser ganzen Erwachsenwerden-Sache, vielleicht aber auch daran, dass es ein Tierfilm ist – ich weiß es selbst nicht, ich weiß nur, dass ich jedes Mal, nachdem ich den Film angeschaut habe, ein nervliches und emotionales Wrack bin und das war ich auch nach diesem Film wieder. Für mich ein absolut gelungenes Remake.

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Und noch kurz zum Abschluss: Ich muss wirklich gestehen, dass ich den Song “Spirit” von Beyonce nicht unbedingt mag, dafür habe ich mich allerdings unsterblich in “Never too late” von Elton John verliebt. Der Song läuft bei mir aktuell in Dauerschleife.


Habt ihr den Film auch schon gesehen? Wenn ja, wie hat er euch gefallen? Erzählt es mir gerne in den Kommentaren!

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