Geierlay – Ein Ausflug zur ehemals längsten Hängeseilbrücke Deutschlands

Obwohl die Geierlay Hängeseilbrücke bereits im Oktober 2015 eröffnet wurde und ich nur gut eine Autostunde Fahrt von dort entfernt wohne, hatte ich es bis letztes Wochenende noch nie dort hin geschafft.

Mit 360 Metern war die Geierlay bis Mai 2017 die längste Hängeseilbrücke Deutschlands und überspannt das wunderschöne Mörsdorfer Bachthal, ein Seitenthal der Mosel. Zigtausende Menschen zieht es täglich zu dieser wunderschönen Brücke, verständlich, allerdings können sich diese Menschenmassen auch in einen regelrechten Albtraum verwandeln, wenn man nur im Schritttempo die Brücke überqueren kann, ein Körper an den anderen gepresst, und man vor lauter Menschen diese wunderschöne Aussicht nicht richtig genießen kann. 

Aus diesem Grund habe ich mich nicht nur vorab bei der Touristeninformation erkundigt, wann die ungefähren Stoßzeiten sind, sondern habe mich sehr früh am Morgen bereits auf den Weg dorthin gemacht. Einmal natürlich aus dem Grund größere Menschenmengen zu vermeiden und dann auch deshalb, weil ich die Aussicht auf einen Wald genießen wollte, der im Nebel liegt. 

Obwohl die meisten dies wohl anders sehen, liebe ich die Natur im Winter. Irgendwie wirkt auf mich alles so ruhig und friedlich, gar nicht traurig und trist, wie die meisten es oftmals bezeichnen. Gerade auch die frühen Morgenstunden, wenn es tatsächlich noch etwas nebelig ist, der Reif auf den Blättern liegt und der Boden feucht ist, das ist es, was ich unglaublich liebe. Kein Wunder also, dass es mich bereits so früh zu diesem hübschen Ort gezogen hat. Noch vor acht Uhr früh waren wir dort und hatten die Brücke fast ganz allein für uns. Neben uns waren noch vier andere Besucher dort, alle bepackt mit Kamera und Stativ, die ebenfalls die Frühe am Morgen nutzen wollten, um ein paar Fotos zu schießen, ohne eine Horde Menschen im Hintergrund. 

Copyright: IvyBooknerd

In Mörsdorf angekommen bietet sich direkt der Parkplatz P1 am Besucherzentrum an, um dort das Auto abzustellen. Mit 2,00 € pro zwei Stunden ist das Parken dort eigentlich noch recht günstig. Da wir allerdings so früh vor Ort waren, haben wir einen der eingezeichneten Parkplätze am Straßenrand bekommen und konnten mithin kostenfrei unser Fahrzeug dort abstellen. Im Besucherzentrum lohnt es sich dennoch, kurz vorbeizuschauen, auch aufgrund der Tatsache, weil sich hier die letzten öffentlichen sanitären Anlagen vor der Brücke befinden. Die Gelegenheit sollte man daher noch nutzen. 

Vom Besucherzentrum aus sind es ungefähr 1,8 km Fußweg bis zur Brücke. Der Weg führt einen über einen teilweise geteerten Feldweg. Hinweisschilder zeigen einem dabei immer den richtigen Weg an. Auch gibt es am Rand des Weges einige Informations- und Wissenstafeln zum Thema Windkraft. 

In der Nacht und am Morgen hatte es geregnet, daher war der Weg, trotz dessen dass dieser geteert ist, ein wenig matschig, mit Pfützen und anderem Dreck übersäht, der wohl aus dem nahegelegenen Wald angespült wurde. Der Weg lässt sich super begehen, allerdings sollte man doch ein wenig auf das Wetter achten und sich dann entsprechendes Schuhwerk anziehen. 

Die Strecke entlang zur Brücke zu gehen, war unglaublich entspannend, wenngleich auch etwas kalt, so früh am Morgen. Wir waren ganz alleine auf der Strecke, bewunderten die wunderschöne Gegend und freuten uns auf den Ausblick von der Brücke. Nichts, aber auch wirklich gar nichts des Weges lässt irgendetwas von dieser Attraktion erahnen. Und doch ist sie da, befindet sich gleich hinter der nächsten Ecke. Wie aus dem Nichts erscheint sie plötzlich, reicht über dieses wunderschöne Tal hinweg und der erste Eindruck ist: WOW

Langezogen und eindrucksvoll hängt die Brücke über dem Moseltal und bietet eine ganz wundervolle Aussicht. Und tatsächlich entdeckte ich auch schnell die von mir erhofften Nebelschwaden, die sich über den Wald gelegt haben. Es war kalt und feucht, das Geländer der Brücke eisig kalt und nass, die Brücke an sich so rutschig, dass mein Freund fast auf die Nase gefallen ist, aber all das war beim ersten Schritt auf die Brücke schnell vergessen. Wie ein Vogel fühlt man sich, so weit hoch oben steht man auf dieser Brücke, um einen herum nur Freiheit und eine der wohl schönten Aussichten, die ich jemals gesehen habe. 

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Verwundert allerdings hat mich tatsächlich ein wenig die Stabilität der Brücke. Auch wenn mein Freund mich dafür auslachte, stellte ich mir sie mehr vor wie eine dieser Dschungelbrücken, die man oft im Fernsehen sieht. Wunschdenken vielleicht oder doch eher die Angst? Natürlich war mir klar, dass eine solche Brücke viel zu unsicher wäre, um sie allen Menschen so mir nichts dir nichts zugänglich zu machen. Trotzdem war ich erstaunt, wie wenig die Brücke wackelte. Ungefähr 100 Meter über dem Boden wird die Brücke mit dicken Windabspannseilen stabilisiert. Die Brücke ist ungefähr 85 Zentimeter breit und bietet damit eigentlich sehr viel Platz, vorausgesetzt, es tummeln sich nicht gerade hunderte Menschen gleichzeitig auf der Brücke. Auch mit Hund ist die Brücke einwandfrei begehbar. An den Seiten ist die Brücke von dichtem Maschendraht gesäumt, sodass ein Gefühl der Sicherheit stets vorhanden ist und man sich voll und ganz auf die Aussicht konzentrieren kann und keine Angst vor möglichen Abstürzen oder Verletzungen haben muss.  

Unter und neben einem befindet sich nichts weiter als Natur; Wald, der sich wie ein grüner Teppich unter den Füßen ausbreitet. Die Aussicht ist wunderschön und mit Worten kaum zu beschreiben. Eine Weile standen wir einfach dort und genossen den wundervollen Ausblick und ließen uns berieseln von dieser Faszination, die die Geierlay mit sich bringt. 

Aufgrund der Tatsache, dass wir zu der Zeit als wir dort waren auch nur insgesamt zu sechst auf der Brücke waren, konnten wir uns auch ganz gut abwechseln, was das Schießen von Fotos anging. Die Leute dort waren nicht nur freundlich, sondern allesamt rücksichtsvoll. Fragen wie „Stehen wir euch im Bild? Sollen wir ein Stück zur Seite? Passt das so mit dem Foto? Seid ihr soweit fertig?“, etc. pp. fielen mehr als einmal. Jeder ließ dem anderen Zeit, den Moment zu genießen und nicht nur die Aussicht zu bewundern, sondern auch diese in Form von Erinnerungsfotos festzuhalten. 

Ich habe mich verliebt, in diesen wunderschönen Ort und beschlossen, zu jeder Jahreszeit diese Brücke einmal zu besuchen. 

Wenn ich mir etwas für das neue Jahr vorgenommen habe, dann ist es die Natur noch ein wenig mehr wertzuschätzen; noch mehr Zeit in ihr zu verbringen und den Planeten noch ein wenig mehr zu bewundern. Wir sehen all das hier leider viel zu häufig als selbstverständlich an, dabei ist es das nicht. Wir müssen auf unseren Planeten Acht geben; müssen auf ihn aufpassen und ihn beschützen und wunderschöne Orte wie diese hier erhalten. 

Copyright: IvyBooknerd

Ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch in Mörsdorf und bin gespannt, wie die Umgebung im Frühling, Sommer und Herbst auf mich wirken wird. 

Ich kann euch einen Besuch dort auf jeden Fall wirklich nur ans Herz legen. Da mich auch schon viele gefragt haben, wie es ist, wenn man unter Höhenangst leidet: hierzu kann ich leider nicht so viel sagen. Auch wenn mir manchmal bei extremen Höhen etwas mulmig in der Magengegend wird, leide ich nicht unter richtiger Höhenangst. Allerdings habe ich mir von vielen, die tatsächlich unter Höhenangst leiden, sagen lassen, dass es – gerade weil die Brücke so stabil und sicher ist – gar nicht so schlimm ist, sie zu überqueren. Abgesehen davon ist eine Überquerung natürlich auch kein Muss, man kann die Aussicht auf die Brücke und die Umgebung auch genießen, während man festen Boden unter den Füßen behält. An alle Wanderfreunde lohnt es sich auch, das Ganze mit einer kleinen oder auch größeren Wanderung zu verbinden.

Für mich war der Besuch dort ein ganz wundervolles Erlebnis und hat mich wieder einmal daran erinnert, dass ich nicht immer weit reisen muss, um solch wunderschönen Orte zu finden – manchmal befinden sie sich direkt vor unseren Augen.

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4 Comments

  • Liebe Ivy,

    was für ein toller Beitrag und was für wundervolle Fotos.

    Das sieht ja wirklich richtig genial aus. Ich habe sofort Lust, ebenfalls dort hin zu fahren. Ich habe direkt mal geschaut und so weit ist es von mir auch gar nicht weg. Ich habe mir den Ort direkt mal vorgemerkt für einen meiner Ausflüge. Es sieht einfach wunderschön aus und wie du das alles beschreibst ist einfach richtig toll.

    LG
    Sarah

    • Liebe Sarah,

      ich danke dir vielmals. Wenn es die Zeit dir erlaubt und du Lust auf einen kleinen Ausflug hast, solltest du die Geierlay Brücke definitiv in Betracht ziehen – es ist einfach so unglaublich schön dort.

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,

    das ist ein sehr toller Beitrag. Am liebsten würde ich sofort zu dieser Brücke fahren, um sie auch zu besichtigen. Leider wohne ich viel zu weit weg. Dein Beitrag hat alles noch viel lebendiger wirken lassen, als es auf den Fotos eh schon scheint. Die Fotos sind zudem echt wunderschön geworden, besonders mit dem Nebel. Da hat sich das frühe Aufstehen wohl gelohnt.

    Liebe Grüße, Laura

    • Liebe Laura,

      ich danke dir sehr, es freut mich riesig, dass dir der Beitrag so gut gefällt. Schade, dass du etwas weiter weg wohnst, aber vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal die Gelegenheit und du kommst hier in unsere Gegend 🙂 Aber soweit ich weiß – je nach dem wo du wohnst – gibt es auch im Harz eine ähnliche Brücke, was sogar die Brücke ist, die die Geierlay als längste Hängeseilbrücke Deutschlands abgelöst hat und in Österreich – meine ich mich zu entsinnen – gibt es auch eine Ähnliche 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

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