Großstadtmädchen. Ein Wochenende im wunderschönen Amsterdam.

Großstadtmädchen. So werde ich oft von meinem Chef genannt, wenn ich ihm auf seine Frage, wohin die nächste Reise geht, wieder mit dem Namen einer Großstadt antworte. Ich bin in einem 2.000 Menschen Dorf aufgewachsen, irgendwo an der schönen Mosel, umringt von jede Menge (Wein-)bergen. Idyllischer hätte meine Kindheit nicht sein können. Das Landleben hat etwas Beruhigendes, etwas Schönes. Man steht morgens auf und hat das Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein. Ich mag dieses Gefühl, bin ich sehr gerne einfach für mich alleine und hänge meinen Gedanken nach oder träume einfach vor mich hin. Träumerin. So hat man mich früher auch schon immer genannt. Und irgendwie bin ich das noch heute.

Und obwohl ich in einem kleinen Kuhdorf aufgewachsen bin, mit einem halben Fußballfeld als Garten hinter dem Haus, einem Fluss praktisch direkt vor der Haustür, dort, wo man morgens noch den Hahn krähen hört, zieht es mich immer wieder in die Großstadt. Es sind weniger die Menschen, die mich immer wieder in den Trubel ziehen, denn eigentlich bin ich kein großer Fan von riesigen Menschenmassen. Ganz im Gegenteil, ich möchte sie lieber meiden, statt mich mitten hineinzustürken. Große Veranstaltungen lösen in mir ein Gefühl des Unwohlseins aus und im Kreise fremder Menschen ziehe ich mich meist einfach zurück.

Doch in einer Großstadt ist dies irgendwie alles vergessen. Ich bin zwar nach wie vor kein Fan von riesigen Menschenmassen, allerdings zieht mich diese wunderbar aufregende Atmosphäre immer gleich in ihren Bann. Vielleicht liegt es auch einfach an der Vielfalt, an den unterschiedlischsten Kulturen, die in einer Großstadt aufeinandertreffen und dort zu Hause sind. Alles befindet sich quasi direkt vor der Tür, man ist mitten drin im Geschehen. Auch dieses Gefühl mag ich; liebe es sogar. Immer auf Trab, immer unterwegs, das ist es, was mir gefällt. Vielleicht weil ich mich schon immer gerne auf Abenteuer begeben habe. Vielleicht, weil dieses Gefühl etwas in mir auslöst, das mich zu einem anderen Menschen macht. Zu eben genau diesem Großstadtmädchen, das ich doch so gerne wäre, aber eigentlich gar nicht bin. Vielleicht ist es auch die Sehnsucht nach etwas, was ich nicht habe. Ist es nicht irgendwie immer so? Man möchte immer genau das, was man nicht hat? Vielleicht würde ich anders denken, wäre ich in einer Großstadt aufgewachsen. Doch das bin ich nicht. Und genau deshalb zieht es mich immer wieder in die verschiedensten und interessantesten Städte der Welt.

Woran ich ausmache, ob und wie sehr ich eine Stadt lieben gelernt habe? Daran, ob ich mir vorstellen kann, dort zu wohnen. Amsterdam ist eine eben dieser Städte.

Das mit Amsterdam und mir, das war Liebe auf den ersten Blick.

Wir waren im Frühjahr dort. Das Wetter war traumhaft, alles war grün und die Sonne schien ununterbrochen. Es war herrlich warm, aber nicht zu heiß, es war das absolut perfekte Wetter um die Stadt auf eigene Faust wie Einheimische zu erkunden.

Es war eine eher spontane Entscheidung, für ein Wochenende nach Amsterdam zu reisen. Drei Tage, in denen wir Zeit hatten, die Stadt zu entdecken und zu erleben. Die Stadt der Fahrräder, wie wir sie gerne nannten. Amsterdam schien bereits auf den ersten Blick viel freundlicher und sportlicher, wie wir es von zu Hause gewohnt waren.

Eingebucht hatten wir uns ganz unspektakulär in einem Best Western Hotel: sauber, stadtnah, günstig. Mehr brauchten und wollten wir nicht.

Das Hotel lag zwar etwas außerhalb, dennoch war die Stadt sehr gut zu erreichen, insbesondere mit der Tram, mit der wir uns hauptsächlich fortbewegten. Alles war sehr gut beschildert und übersichtlich und dank eines Stadt- und Straßenplans, der uns das Hotel freundlicherweise zur Verfügung stellte, fanden wir uns problemlos in Amsterdam zurecht. Auch zu Fuß war es kein Problem von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu gelangen. Auch die Menschen dort waren ungemein freundlich und hilfsbereit. Eine kurze Frage nach dem Weg stellte sich häufig als erfolgreicher heraus, als das stundenlange Studieren der Straßenkarte.

 

Die Stadt zu Fuß erkunden

Den ersten Tag verbrachten wir damit, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Es gibt einfach nichts schöneres, als eine fremde und faszinierende Stadt, wie Einheimische zu erkunden. Dadurch, dass wir wie immer so ziemlich alles zu Fuß abgelaufen haben, nur für längere Strecken hier und da mal auf die Traum zurück griffen, legten wir auch einige Kilometer zurück. Aber gerade das ist es, was ich so sehr daran liebe. Man lernt die Stadt auf eine ganz andere Art und Weise kennen, als wenn man bloß von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt, sich den ganzen Tag in der Metro verkriecht oder von einem Ort zum nächsten fährt, ohne wirklich auf die Umgebung zu achten. Wir sind tatsächlich kein einziges Mal mit der Metro gefahren. Wieso auch? Und auch wenn wir uns die Sehenswürdigkeiten gerne anschauen, erkunden wir doch lieber die Straßen und Gassen und halten Ausschau nach hübschen, fast unberührten Plätzen, nach interessanten kleinen Cafés und Restaurants, nach Orten und Plätzen eben, die man anders vielleicht nicht entdecken würde.

 

Ein absolutes Muss für mich war der „I amsterdam“ Schriftzug, den ich unbedingt sehen wollte, auch wenn es sich doch etwas schwierig gestaltete, diese Sehenswürdigkeit zu finden. Manch einer, den wir nach dem Weg befragten, wusste nicht, wovon wir sprachen und schaute uns lediglich fragend und schockiert an, was mich letztendlich ebenso fragend und schockiert drein blieben ließ. Kennt das nicht jeder?, dachte ich mir und machte schließlich einen Luftsprung, als wir die riesigen weißen und roten Buchstaben endlich fanden. An zentraler Stelle auf dem Museumsplain hinter dem Rijksmuseum befinden sich die besagten „I amsterdam“ Buchstaben, die seither nicht nur zu einem wahren Symbol der Stadt, sondern auch zu einem beliebten Fotomotiv wurden. So tummelten sich Besucher nicht nur vor und in den Buchstaben, sondern auch oben drauf. Sportlich konnte man sich also auch noch betätigen, wenn man sich an den Buchstaben hinauf hangelte oder einfach hoch kletterte. Über zwei Meter hoch sind die roten und weißen Buchstaben. Insgesamt ist der Slogan 23,4 Meter breit und sieht, sowohl aus der Ferne, als auch aus der Nähe, einfach unglaublich schön und beeindruckend aus. Insbesondere mit dem Museumsgebäude im Hintergrund macht dieses Symbol einfach richtig was her.

 

Grachtenrundfahrt

Ebenfalls ein Muss war die Grachtenrundfahrt, auf die ich mich schon die ganze Zeit gefreut hatte. Da wir nicht zur Hauptsaison in der Stadt unterwegs waren, sondern eher in der Nebensaison, war der Andrang auch gar nicht so groß. Wir konnten noch vor Ort Tickets ergattern was, wie sich im Nachhinein nach mehreren Gesprächen mit anderen Touristen herausstellte, wohl gar nicht so einfach war. Gerade in der Hauptsaison sind die Rundfahrten durch Amsterdam wohl so beliebt, dass sie immer gleich ausverkauft sind. Wir hatten demnach Glück und freuten uns auf die ungefähr 1,5 Stunden lange Fahrt, die eine wirklich sehr schöne Sightseeing Tour darstellte. Man bekommt einen richtig guten Einblick in die Gassen, Grachten und alten Gemäuer Amsterdams. Vor allem die wunderschönen, alten Häuser haben es mir angetan, waren die meisten zum Beispiel vollkommen schief gebaut, was uns mit staunenden und verwunderten Blicken zurück ließ. Während der Fahrt jedoch wurde uns erklärt, auch wenn es nur vermutet wird, dass die Häuser wohl absichtlich so gebaut wurden, um die Fenster vor Regen zu schützen bzw. damit man die Häuser besser sehen kann.

Für mich war die Grachtenrundfahrt ein absolutes Highlight. Es war nicht nur angenehm, in der Sonne über die Kanäle zu schippern und die Stadt von einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen, es war auch ebenso schön, die Menschen, die mit ihren eigenen kleinen Bootchen über das Wasser schipperten oder auf ihren Hausbooten frühstückten zu beobachten bzw. die alten, wunderschönen Gemäuer zu bestaunen.

Die Grachtenrundfahrt kann ich wirklich nur jedem empfehlen. Sie ist das Geld auf jeden Fall Wert und so viel spannender als die roten Hop on, Hop off Busse.

 

Rotlichtviertel & Shopping in Amsterdam

Auch das Rotlichtviertel stand auf unserer Agenda. Auch das muss man einfach gesehen haben, auch wenn es nicht unbedingt aufregend ist, sondern eher ein beklemmendes Gefühl in einem auslöst, das aber nicht unbedingt, weil man vielleicht zu prüde veranlagt ist, sondern einfach, weil man so etwas noch nie gesehen hat und man es einfach nicht gewohnt ist. Die Prostituierten stehen in den Schaufenstern, tänzeln, lächeln, und bieten sich potentiellen Kunden an. Klassische Fleischbeschauung also. Definitiv nicht mein Fall.

Neben all den Sehenswürdigkeiten jedoch, kann man in Amsterdam auch einfach wunderbar shoppen. Neben den großen Ketten, die natürlich auch hier vertreten sind, gibt es auch ganz wundervolle Vintage Stores, Unikate und wunderschöne Concept-Stores. Insbesondere finden sich diese in der Haarlemmerstraat, die auch als Shopping Straße bekannt ist. Aber wie es natürlich bei Vintage- und auch Secondhandläden so ist, muss man hier auch einfach ein bisschen Glück haben. Entweder man findet ein Schnäppchen, oder eben nicht. Doch selbst wenn nicht, lohnt es sich, die Straße einfach mal hoch und runter zu laufen.

Mir hat Amsterdam unglaublich gut gefallen. Es ist definitiv eine Stadt, in der ich mir vorstellen könnte, längere Zeit zu leben. Ich möchte unbedingt noch einmal dort hinreisen, diesmal aber für länger als nur ein Wochenende. Wart ihr auch schon mal dort? Wie hat es euch gefallen?

 

 


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9 Comments

  • Liebe Ivy,
    Wenn ich das lese bekomme ich direkt Fernweh. Eigentlich ist im kleinen Flensburg für mich alles super aber so ein klein bisschen Großstadt steckt wohl auch immer noch in mir.
    Irgendwie sind Großstädte einfach magisch obwohl es jetzt schon ewig her ist das ich in der Heimat war. Wenn es dann im Oktober nach Frankfurt geht wird das für mich ein Riesen Abenteuer

    Alles Liebe Nessi

    • Liebe Nessi,

      hach ich liebe Frankfurt. Für mich ist Frankfurt ja das New York von Deutschland irgendwie, mit dieser tollen Skyline, den Hochhäusern, den vielen verschiedenen Kulturen und Menschen… mein Patenonkel lebt dort, leider waren wir ihn auch schon etwas länger nicht mehr besuchen. Ich glaube dafür wird es mal wieder Zeit hihi

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Ich war da leider noch nie das wird dieses Jahr das erste mal. Ich bin super aufgeregt und freue mich wahnsinnig alles zu sehen vor allem natürlich auf sie Messe aber auch sehr auf die Stadt.
    Wäre dann doch ein guter Zeitpunkt für dich mal wieder die Stadt zu besuchen.

    Genieß den Tag <3

  • Hach Ivy, was für ein wunderschöner Reisebericht! Ich kann dir in allen Punkten einfach nur ausgiebig zustimmen. Wir waren 2014 eine ganze Woche im Sommer im Amsterdam und das war einfach wunderschön! Wir haben die Stadt hauptsächlich mit dem Fahrrad erkundet und das war so so aufregend und so toll!

    Dort Fahrrad zu fahren kam mir zb viel viel sicherer vor, als hier in Deutschland. Hier wird leider kaum Rücksicht auf Fahrrad fahrende Menschen genommen, dass war in Amsterdam definitiv ganz anders.

    Eine Grachtenrundfahrt hatten wir auch gemacht und die fand ich auch einfach so so toll! Gegen ein Hausboot in Amsterdam hätte ich ja auch nichts 😀 Das stelle ich mir einfach so so aufregend und irgendwie einfach cool vor.

    Ich fand auch allgemein die Gebäude in Amsterdam super beeindruckend! Ich war damals nur sehr traurig, dass wir keine Tickets für das Anne Frank Haus bekommen hatten, denn da wollte ich unheimlich gerne hin.. Amsterdam ist aber definitiv auch für mich eine Stadt, die ich nochmal besuchen möchte und werde 🙂 Oh und deine Bilder sehen super schön aus! <3

    • Liebe Alina,

      Amsterdam ist wirklich so eine tolle Stadt, ich freue mich immer wieder, wenn ich mich mit Leuten darüber unterhalten kann, die ebenso empfinden 🙂

      Und es stimmt, die Leute dort sind tatsächlich um einiges vorsichtiger, wahrscheinlich eben weil dort so viele mit Fahrrad unterweges sind. Das ist ja gefühlt schon Hauptverkehrsmittel haha

      Gegen ein Hausboot hätte ich auch nichts, das wäre ein richtiger Traum – überhaupt würde ich wirklich sehr gerne mal eine Weile dort leben, ich liebe diese Stadt einfach unglaublich!

      Es freut mich wirklich unglaublich, dass dir der Beitrag gefällt 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,

    ich war zwar selbst noch nie in AMsterdam, nach deiner Schwärmerei könnte ich mir aber gut vorstellen, das irgendwann mal nachzuholen 😉
    Es freut mich, dass ihr dort so ein weundervolles Wochenende hattet.
    Ich selbst habe meine Kindheit auch auf dem Dorf verbracht, bin dann aber allerdings mit 17 ausgezogen und ab in die Hauptstadt. Es hat auf jeden Fall beides seine Vor- und Nachteile.

    Liebste Grüße <3 Jill

    • Liebe Jill,

      Amsterdam ist auf jeden Fall einen Besuch Wert, schon alleine wegen all der freundlichen Menschen <3 es ist richtig toll dort und die Stadt ist wunderschön =)

      Manchmal würde ich auch gerne in eine Großstadt ziehen, aber mich zieht es eher in Städte außerhalb Deutschlands 🙂 außer Frankfurt und München konnte mich in Deutschland noch keine andere Stadt so richtig begeistern. Frankfurt, da könnte ich mir vorstellen zu leben. Ansonsten zieht es mich doch eher in internationale Großstädte 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,
    ein wirklich schöner Bericht <3
    Ich war letztes Jahr mit meiner Mutti dort, hatte ihr das zum Geburtstag geschenkt.
    Die 4 Tage waren unglaublich schön. Zu meinen Highlights gehörte auch die Grachtenfahrt, es war einfach super cool sich umschauen zu können, vor allem die schiefen Häuser fand ich toll, hihi.
    Dass du dort leben wollen würdest kann ich verstehen, die Stadt ist wahrlich etwas ganz besonderes.
    Wir waren noch im Madame Tussaud, das war toll.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Liebe Nicci,

      wie toll, dass es dir auch so gut dort gefallen hat <3 Ich finde Amsterdam ist eine richtig tolle Stadt und wie du schon sagst, etwas ganz Besonderes hihi <3

      Im Madame Tussauds waren wir dort auch 🙂 Mein Freund war noch nie in einem und wollte unbedingt mal in eins rein haha 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

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