Harry Potter feiert sein 20-jähriges Jubiläum – Interview mit der Carlsen Pressechefin Katrin Hogrebe

Morgen ist es endlich soweit; die neuen Harry Potter Ausgaben aus dem Carlsen Verlag anlässlich des 20-jährigen Jubiläums sind ab Morgen überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt. Und auch wenn die Aufregung wahrscheinlich kaum mehr zu ertragen ist, habe ich, ein Tag, bevor das Warten endlich ein Ende hat, noch einen ganz besonderen Leckerbissen für euch.

Ich hatte die Ehre, die Pressechefin des Carlsen Verlages, Katrin Hogrebe, für euch interviewen zu dürfen.

 

Ich bin mir sicher, nicht jeder kann sich etwas unter der Berufsbezeichnung “Pressechefin” vorstellen. Worin liegt ihre Hauptaufgabe und was mögen Sie an Ihrem Beruf ganz besonders? Wie sehen Ihre Tätigkeiten insbesondere in Zusammenhang mit der Betreuung von Autoren, wie eben z. B. J. K. Rowling, aus?

Die Aufgabe der Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, Aufmerksamkeit für den Verlag, seine Bücher, die AutorInnen, IllustratorInnen und ÜbersetzerInnen zu erzeugen und zu verstärken. Das tun wir in vielfacher Weise: durch Kommunikation auf allen uns zu Verfügung stehen Kanälen, mit der Pflege guter Beziehungen zu JournalistInnen und anderen MultiplikatorInnen in und außerhalb der Buchbranche, mit der Organisation von Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Art – ein ungeheuer vielfältiges Arbeitsgebiet, in dem Teamwork eine große Rolle spielt.

Mit Blick auf die Organisation von Messebesuchen, Lesereisen oder anderen Veranstaltungen sind die Pressekolleginnen und ich Ansprechpartnerinnen der AutorInnen bzw. der sie vertretenden AgentInnen. Das reicht von der ersten Veranstaltungsanfrage über alle Abstimmungen unter den Beteiligten bis hin zu organisatorischen Detailfragen. Und schließlich gehört dazu die intensive Betreuung der AutorInnen während der Veranstaltungen und auf Reisen, insbesondere wenn es sich um ausländische Gäste handelt.

Die neuen Cover der Jubiläumsausgaben der Harry Potter Reihe von J. K. Rowling wurden kürzlich veröffentlicht und der Welt präsentiert, sie waren für eine Weile sogar Hauptthema unter den Bloggern und Influencern. Einige Stimmen behaupten sie seien zu „altmodisch“. Ich persönlich liebe die neuen Cover. Was gefällt Ihnen an den neuen Covern?

Das Ausstattungskonzept von Iacopo Bruno, das an alte Prachtbände erinnert und dabei Figuren und Motive aus den Geschichten aufgreift, unterstreicht den Rang des Klassikers, den die Harry-Potter-Serie mittlerweile beanspruchen kann. In ihrer detailreichen Gestaltung gleicht kein Band den anderen und in ihrer Gesamtheit ergeben sie – ob frontal nebeneinander oder in Reihe im Regal präsentiert – ein unverwechselbares Bild.

Sie hatten bereits die Ehre J. K. Rowling persönlich treffen zu dürfen. Wie war das für Sie? Konnten Sie aus dem Gespräch persönlich für sich etwas mitnehmen? Ist sie privat genauso inspirierend, offen und freundlich wie man sie aus Interviews und Erzählungen kennt?

Im März 2000 kam J.K. Rowling für eine Woche nach Deutschland, wir haben eine Rundreise mit Lesungen (zusammen mit Rufus Beck und ihrem Übersetzer Klaus Fritz), Signierstunden und Presseterminen gemacht. Ich habe sie während dieser gemeinsamen Lesetour als eine sehr professionelle, kluge und humorvolle Frau erlebt.

J. K. Rowling hat mit ihren Büchern eine ganz wunderbare Welt erschaffen. Ich bezweifle, dass es jemanden gibt, dem Harry Potter kein Begriff ist. Wie war es für Sie, mit einer Autorengröße wie J. K. Rowling arbeiten und Sie betreuen zu dürfen? Waren Sie aufgeregt vor Ihrem ersten Treffen? War es für Sie, wie für die meisten Fans, ein richtiger „Fangirl Moment“ oder sind Sie das Treffen mit ihr ganz gelassen angegangen?

Natürlich war es sehr aufregend, an einem frühen Morgen am Hamburger Flughafen zu stehen, um J.K. Rowling abzuholen, die in den folgenden Tagen quer durch die Republik große Veranstaltungshallen füllen würde. Aufregend vor allem auch deshalb, weil die Autorin zunächst einmal gar nicht auftauchte …! Sie war, wie sich dann herausstellte, im Sicherheitsbereich auf der Suche nach ihrem Koffer, der nicht in Hamburg angekommen war. Für den Vormittag war jedoch eine Pressekonferenz angesetzt, wir hatten daher wenig Zeit und mussten improvisieren. Die Kontaktlinsen, die mit dem Gepäck auf Abwege geraten waren, ließen sich natürlich nicht ad hoc ersetzen. Das ist der Grund, weshalb die Autorin auf den Bildern dieser Pressekonferenz eine Brille trägt. Am Abend kam dann aber endlich die Nachricht, dass der Koffer den Weg nach Hamburg doch noch gefunden hatte,

Wenn Sie J. K. Rowling mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Nur drei Worte? … – Bitte Nachsicht, wenn ich diese Frage überspringe.

Sie sind schon sehr lange beim Carlsen Verlag beschäftigt und haben daher auch die Anfänge von Harry Potter miterleben dürfen. Wie war das für Sie, als das erste Harry Potter Buch erschien? Waren sie von Beginn an Feuer und Flamme für die Bücher?

Als das erste Buch im Sommer 1998 in deutscher Übersetzung erschien, war ich noch nicht bei Carlsen beschäftigt. Eine befreundete Verlagsfrau gab mir das Leseexemplar mit einer Empfehlung – ich finde bis heute, dass sie Recht hatte.

Wie hat sich der Hype im Vergleich zu damals entwickelt?

Der erste Band erschien 1998 mit einer Startauflage von 8000 Exemplaren. Vom siebten Band wurden zum Erstverkaufstag 3 Millionen Exemplare gedruckt. Seither haben die Bücher sich allein im deutschsprachigen Raum über 34 Millionen Mal verkauft. Das sind die Zahlen … Damit verbunden – und anfänglich im Ausmaß ebenso unvorhersehbar – ist die Identifikationskraft, die in den Geschichten liegt und die LeserInnen weltweit nun schon generationenübergreifend begeistert, fasziniert und miteinander verbindet.

Wie war die Stimmung im Verlag, wenn es hieß, dass ein neuer Harry Potter Band erscheint? Haben Sie die jeweiligen Neuerscheinungen gemeinsam gebührend gefeiert? Wenn ja, wie liefen diese Feierlichkeiten ab? Gab es einen Harry Potter Kuchen oder Ähnliches?

Spannung – in vielerlei Hinsicht bezeichnet das wohl am besten die Stimmung im Vorfeld eines neuen Bandes. Zunächst ganz inhaltlich: Wie würde die Geschichte weitergehen? Dann organisatorisch: Wann würden wir den Originaltext bekommen, damit Klaus Fritz sich flugs ans Übersetzen machen und der Verlag die deutsche Ausgabe rasch veröffentlichen konnte. Auch gestalterisch: Wie würde die Coverillustration von Sabine Wilharm aussehen? Und planerisch: Wie würde es gelingen, eine Millionenauflage zu produzieren und so auszuliefern, dass alle Buchhandlungen zum Erstverkaufstag versorgt waren. Und was würden BuchhändlerInnen und BibliothekarInnen und auch private Lesekreise sich diesmal ausdenken, um den Start des neuen Bandes zusammen mit den LeserInnen zu feiern? – Gefeiert wurde schließlich auch im Verlag, jedes Mal anders, immer in besonderer Stimmung und stets mit all denen, die daran mitgewirkt hatten, das neue Buch auf seinen Weg zu bringen.

Haben Sie irgendwelche besonderen Erinnerungen in Bezug auf Harry Potter, die Ihnen ewig erhalten bleiben werden? Vielleicht ein Moment mit J. K. Rowling, ein Ereignis im Verlag oder irgendetwas anderes, an das Sie auch heute noch oft und gerne zurückdenken?

Aus heutiger Sicht ganz unwirklich erscheint ein Moment während der Leipziger Buchmesse im März 2000, als meine Pressekollegin und ich mit J.K. Rowling durch Leipzig spazierten und auf einer sonnigen Terrasse mitten in der Innenstadt eine kleine Kaffeepause einlegten. Wir hatten viel Spaß, ohne dass jemand aufmerksam geworden wäre. Das wäre heute ganz sicher nicht mehr möglich.

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an Harry Potter? Wieso ist es J. K. Rowling gelungen, so viele Menschen weltweit mit ihrer Geschichte zu begeistern? Was macht Ihrer Meinung nach Harry Potter aus?

J.K. Rowling erzählt Geschichten aus der Zaubererwelt – voller origineller Einfälle und kunstvoll geponnener Intrigen, spannend, ungeheuer detailreich und sehr witzig. Und sie erzählt uns dabei Geschichten auch über uns. Vieles aus der Welt der Hexen und Zauberer hat seine Entsprechung in der Muggelwelt. In Harrys Abenteuern geht es um große Themen: Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Schuld und Verantwortung. Harry und seine Freunde sind HeldInnen, doch sie sind nicht perfekt und sie müssen sich mit den Grenzen ihrer Welt und ihrer Fähigkeiten auseinandersetzen, darum finden wir uns in ihnen wieder. In den Kämpfen, die sie austragen, in den Entscheidungen, die sie treffen, in den Widerständen, die sie erfahren, in dem Glück, das sie erleben: immer scheint da auch ein Fenster zu sein, das uns hindurchblicken lässt in eine andere Welt oder uns den Spiegel vorhält (je nachdem, wie hell oder dunkel es auf der anderen Seite gerade ist).

Hand aufs Herz, wie oft haben Sie die Harry Potter Bücher schon gelesen? Gehören Sie selbst auch zu denjenigen, die Bücher mehrmals lesen oder reicht es Ihnen, Sie einmal gelesen zu haben?

Alle jeweils vorm Erscheinen der Übersetzung in englischen Original, dann auch auf Deutsch und hier und da ein Hörbuch. Für mehr ist keine Zeit, da stehen andere Titel schon wieder Schlange … Umso glücklicher das Leseerlebnis im letzten Urlaub: einmal alle sieben Bände direkt hintereinander weg – echtes Abtauchen!

Glauben Sie, es macht einen Unterschied, ob man die Bücher als Kind oder erst als Erwachsener liest?

Ja, ich denke, es macht einen Unterschied. Die Fähigkeit, sich einem Text total zu überlassen, eine naive Leserin zu sein, weicht zunehmend einer reflektierteren Lektüre, bei der alles bis dahin Erfahrene und Gelesene mitläuft, und das wird mit der Zeit eben immer mehr. Mit dreiunddreißig ist man nicht mehr so leicht zu überraschen wie mit zehn. J.K. Rowling ist aber eine Erzählerin, der genau das gelingt, weshalb ihre Bücher auch auf sehr viele erwachsene Leser einen Zauber ausüben. Mittlerweile gibt es außerdem bereits eine ganze Generation von Erwachsenen, für die die Harry-Potter-Bücher unabtrennbarer Teil ihrer Kindheit und damit so etwas wie ein Stück Heimat sind.

Welcher Band der Harry Potter Bücher ist Ihr liebster und wieso?

Band 3 – Es wird kompliziert und Sirius Black tritt auf den Plan!

Und nun zur letzten Frage – was bedeutet Ihnen Harry Potter? Sind Sie auch, wie die meisten von uns, von Herzen ein waschechter Potterhead?

Was braucht es dazu? Vielleicht eine Hauszuordnung? Dann ganz klar: Ravenclaw!


Ein ganz großes Dankeschön natürlich an den Carlsen Verlag, der dieses unglaublich interessante Interview erst möglich gemacht hat und natürlich auch an Katrin Hogrebe, die alle Fragen so wunderbar und ausführlich beantwortet hat!

Werbekennzeichnung: Trotz der Namensnennung und Verlinkung des Carlsen Verlages handelt es sich bei diesem Beitrag nicht um Werbung. Weder wurde dieser Beitrag bei mir beauftragt, noch habe ich dafür ein Entgelt erhalten. Das Interview wurde mir auf Nachfrage hin freundlicherweise von dem Carlsen Verlag ermöglicht. Dieser Beitrag wurde daher, zur Feier des Harry Potter Jubiläums, aus freien Stücken verfasst.

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