Natur pur im Schwarzwald | Titisee, Triberg & Wutachtschlucht

Kuckucksuhren und Schwarzwälder Kirschtorte, mehr hat der Schwarzwald doch nicht zu bieten, oder? Außer vielleicht noch ein paar altmodischer Traditionen und hauptsächlich ältere Menschen, die dort einen Kurzurlaub verbringen. Viel zu sehr werden wir von diesen Klischees und Vorurteilen beeinflusst, dabei hat der Schwarzwald so viel mehr zu bieten, als die meisten von uns vielleicht vermuten.

Der Schwarzwald ist das größte Mittelgebirge Deutschlands und bekannt für seine dichten, immergrünen Wälder sowie malerischen Dörfer. Häufig bringen wir ihn auch mit den Märchen der Gebrüder Grimm in Verbindung. Und das nur zu Recht, denn märchenhaft ist der Schwarzwald allemal. Davon durfte ich mich nunmehr selbst überzeugen.

Raus aus dem Alltag brauchte ich ein paar Tage Ruhe und Entspannung. Ich wollte einfach nur raus hier, irgendwohin, wo es noch immer kalt ist und vielleicht sogar noch ein wenig Schnee liegt. Bergseen haben in der letzten Zeit dabei sehr stark mein Interesse geweckt, weshalb mein Reiseziel recht schnell gefunden war: Auf ging es zum Titisee.

Titisee-Neustadt

Titisee-Neustadt liegt im südlichen Naturpark Schwarzwald im Südwesten Deutschlands. Fernwanderwege führen vorbei am Titisee bis hinauf zum Hochfirst, von wo aus man die wunderschöne Aussicht genießen kann. Atemberaubende Natur, wohin das Auge reicht und mitten drin dieses unglaublich charmante und gemütliche Städtchen Titisee, das erinnert an die kleinen, schneebedeckten Kleinstädte aus den Weihnachtsfilmen, die wir so lieben. Obwohl es bereits Ende Februar/Anfang März war, hingen vereinzelt noch Weihnachtsdekorationen und der Schnee, der die Straßen und Dächer bedeckte, sowie der zugefrorene Titisee versetzten mich wieder in Weihnachtsstimmung.

Das Leben hier beginnt scheinbar erst zwischen 10 Uhr und 11 Uhr. Für mich als Frühaufsteher war es daher nicht immer einfach, in dem verschlafenen Örtchen einen Platz zum Frühstücken zu finden.

Wenn man schon einmal hier ist, sollte man es sich auch nicht nehmen lassen, einmal um den Titisee herum zu wandern. In nicht einmal 1,5 Stunden hatten wir den See einmal umrundet und während die eine Hälfte des Weges über Feldwege führte, führte die zweite Hälfte des Weges an einer Straße vorbei, die zwar nicht hoch frequentiert ist, dennoch aber nicht unbedingt angenehm zu Laufen war, besonders, wenn man eigentlich hier ist, um die Natur zu genießen.

Da es die Tage zuvor ziemlich stark geregnet hatte jedoch und die Temperaturen um den Nullpunkt waren, insbesondere nachts und am frühen Morgen, waren die Wanderwege nicht ganz ungefährlich. Die Rodelbahn war komplett geschlossen aufgrund Vereisung und auch das Wandern machte uns hin und wieder ein paar Probleme. Der Weg vom Aussichtspunkt zurück nach unten in das kleine Städtchen Titisee verwandelte sich schnell in eine reine Rutsch- und Schlidderpartie. Wahrscheinlich nur einer der wenigen Gründe, weshalb wir die einzigen dort waren und uns in all der Zeit kein anderer Wanderer begegnete. Es machte Spaß, war unglaublich anstrengend, ganz ungefährlich jedoch war es trotzdem nicht. Ich jedenfalls fand meinen Schnee, genoss das Knacken unter meinen Füßen mit jedem Schritt den ich tat und erfreute mich wie ein kleines Kind an den Schneebergen und daran, wie ich fast knietief im Schnee versank.

Triberg

Etwa 40 km von Titisee-Neustadt entfernt liegt Triberg, wo Deutschland höchste Wasserfälle beheimatet sind. Hier bekommt man wahrlich ein Naturschauspiel der besonderen Art geboten. Schäumend und tosend stürzt das Wasser 163 m hinab und bahnt sich seinen Weg entlang der sieben Fallstufen.

Im Winter kommt es sogar vor, dass die Wasserfälle einfrieren. Obwohl ich mir bewusst war, dass es dafür mittlerweile zu warm war, hatte ich dennoch darauf gehofft, die Wasserfälle eisig und zugefroren erleben zu können, was leider nicht der Fall war. Doch auch nicht gefroren sind die Wasserfälle ein wunderschönes Naturereignis. Die herabstürzenden Wassermengen sind enorm, der Geräuschpegel so immens hoch, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Ich habe eine Schwäche für Wasserfälle; so angsteinflößend sie auch sind, eine ebenso faszinierende Wirkung haben sie auf mich und ich hätte vermutlich Stunden dort verbringen und mir diese Schönheit der Natur ansehen können.

Das Städtchen Triberg an sich allerdings empfand ich nicht ganz so charmant und gemütlich wie Titisee. Es wirkte irgendwie ein bisschen industrieller und moderner und irgendwie nicht ganz so naturbelassen, wie Titisee.

Wutachtschlucht

Und dann trieb es uns auch noch in die Wutachtschlucht, ein Engtal im Verlauf der oberen Wutacht mit drei schluchtartigen Abschnitten. Gerade bei Wanderern ist dieses, teilweise zum Naturschutzgebiet, erklärtes Gelände unglaublich beliebt. Besonders achten sollte man hier unbedingt auf festes und gutes Schuhwerk. Schwindelfrei sollte man ebenfalls sein. Wir wanderten hauptsächlich auf dem Wanderabschnitt 5 und spazierten durch wunderschöne, naturbelassene Schluchten, über teilweise kaputte Brücken, direkt an Wasserfällen vorbei – es war einfach unglaublich. Es war teilweise zwar sehr kalt und auch hier befanden sich vereinzelt noch vereiste Stellen (Vorsicht ist geboten!), dennoch war es nicht nur aufregend, sondern auch unfassbar entspannend und so ruhig; ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ruhig und angenehm es dort war.

Die Wutachtschlucht erinnerte schon fast an einen kleinen Dschungel. Stromschnellen, versteckte Wasserfälle – der Schwarzwald hat im Sturm mein Herz erobert.

Ich kann mir vorstellen, dass gerade auch im Frühling und im Sommer die Wanderwege noch atemberaubender; noch wunderbarer zu begehen sind.

Leckeres Essen gab es natürlich auch. Klischees hin oder her, ein Stück einer originalen Schwarzwälder Kirschtorte musste ich mir natürlich trotzdem gönnen – zum Frühstück. Das Stück war zwar riesig und mächtig, aber unfassbar lecker. Und nach unserer Wandertour am Sonntag gab es dann auch eine richtig leckere, vegetarische (für mich) Pizza als Belohnung.

Niemals hätte ich gedacht, dass ich es hier so wunderschön finden würde. Natürlich gibt es im Schwarzwald noch so viel mehr zu entdecken und zu erleben. Das Gebirge ist riesig und hat so unglaublich viel zu bieten, dass dies sicherlich nicht mein einziger Besuch im Schwarzwald bleiben wird. Naturliebhaber und Abenteurer werden hier ganz sicherlich auf ihre Kosten kommen; insbesondere auch Wanderer und Fahrradfahrer. Die atemberaubende Natur hier hat so unglaublich viel zu bieten – also ich für meinen Teil bin verliebt.

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