Oy with the poodles already – Eine Liebeserklärung an die Gilmore Girls

Oy with the poodles already!

Ich war fünfzehn Jahre alt, als Gilmore Girls zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ich war imselben Alter wie Rory damals und dennoch war sie eine junge Frau, zu der ich aufsah, ganz zu schweigen von Lorelai, die mich immer ein bisschen an meine eigene Mutter und meine Beziehung zu ihr erinnerte.

Damals lief die Serie auf VOX. Mittags nach der Schule machte ich nicht als erstes meine Hausaufgaben, sondern meine Mutter und ich schauten uns gemeinsam die neueste Folge der Serie an. Immer wieder warteten wir gespannt auf die neuen Folgen, denn Netflix gab es damals noch nicht und binge watchen wurde nur dann zum Begriff, wenn man die Folgen auf Video aufnahm.

Und obwohl ich so ziemlich jede einzelne Folge bereits mindestens 100 Mal gesehen habe, werde ich nie müde, sie mir immer und immer wieder anzusehen. Und genau das ist es, was ich in den letzten Jahren immer wieder getan haben. Natürlich weiß ich ganz genau, was passieren wird. Es braucht nur die Anfangssequenz der Folge und ich weiß, in welcher Staffel wir uns befinden.

Meine Liebe zu dieser Serie wuchs mit jeder Folge ein bisschen mehr, bishin zu einem Punkt, an dem ich mir wünschte, selbst Teil dieser wundervoll verrückten Variation von Stars Hollow Einwohnern zu sein. Ich denke ich würde gut dort hin passen, nach Stars Hollow und ich bin mir sicher, dass sie mich auch mögen würden. Ich würde zwar mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wie Rory auf eine der Eliteschulen gehen, sondern eher gemeinsam mit Dean das staatliche Community College unsicher machen, dennoch gäbe es bestimmt genug Gelegenheiten, bei Rory im Studentenwohnheim zu übernachten, vorausgesetzt, Paris würde mich nicht gleich wieder vor die Tür setzen.

Es gab gute und schlechte Zeiten in meinem Leben und wann immer ich mich einsam fühlte, verlassen, irgendwie aus der Bahn geworfen, waren es Rory und Lorelai, die mir irgendwie aus dieser Phase wieder raushalfen. Wenn selbst Rory mal so von dem richtigen Weg abkommt, dass sie eine Yacht klaut, es aber dennoch wieder zurück auf den richtigen Weg schafft, dann kann ich das auch. Dann werde auch ich mein Leben meistern, ganz gleich welche Schwierigkeiten sich in Form von kleinen oder großen Felsbrocken mir in den Weg stellen. Manche Steine waren so klein, dass ich einfach über sie springen konnte, ohne mich zu verletzen, ohne den Stein überhaupt zu berühren. Andere jedoch waren so riesig, dass ich ohne Hilfestellung es niemals geschafft hätte, drüber zu klettern oder den riesigen Felsbrocken zur Seite zu schieben.

Rorys Lebensweg und ihre Entscheidungen interessierten mich früher genauso wie heute und ebenso wie damals, kann ich auch heute noch manchmal etwas davon für mein eigenes Leben mitnehmen. Doch es ist nicht nur Rory, sondern auch Lorelai, die mich irgendwie immer ein bisschen begleitet hat, als Vorbild; Idol. Wann immer ich versuche, meiner Liebe zu Gilmore Girls Ausdruck zu verleihen, habe ich das Gefühl daran zu scheitern, nicht die richtigen Worte zu fidnen. Es hat mir so viel gegeben; und noch heute gibt es mir so viel, dennoch fällt es mir manchmal einfach unglaublich schwer, all diese Empfindungen in Worte zu fassen. Es ist wie mit der Liebe zu Büchern, manchmal sucht man vergeblich im eigenen Umfeld danach; nach Gleichgesinnten, nach Menschen, mit denen man all das teilen kann, auch ohne Worte. War Gilmore Girls damals noch recht unbekannt, findet man Fans der Serie heute an jeder Ecke, was das Ausleben dieser Liebe um einiges einfacher gestaltet.

Obwohl ich Buffy ebenso liebe; auch diese Serie zu meinen absolut liebsten Serien gehört, hat es mich emotional doch nie so berührt, wie es die Gilmore Girls getan haben. Sagen wir einfach, es hat mich auf einer anderen Ebene berührt, musste ich bis dato immerhin (glücklicherweise) nie einen Vampir pfällen, oder einen Dämon bekämpfen. Gilmore Girls berührt gefühlt jeden Aspekt meines Lebens. Es ist einfach so echt und wirklich, es ist so absolut relatable.

Stars Hollow ist ein Ort, an den man immer zurückkehren kann. Es geht dir schlecht? Mach Gilmore Girls an, lass dich berieseln von dieser gemütlichen Atmosphäre, die diese Kleinstadt ausstrahlt und schalte deinen Kopf einfach mal aus. Stars Hollow ist eine dieser Städte, in der man selbst gerne leben würde. Gerade wenn es im echten Leben mal schief läuft, braucht man ein Ventil, eine Möglichkeit, abzuschalten – Gilmore Girls ist die perfekte Möglichkeit, dies zu tun. Und da stellt sich mir die Frage: Was machen all die Menschen, die keine Serien oder Filme schauen, bzw. Bücher lesen? Was machen die Menschen, die nicht Teil irgendeines großartigen Fandoms sind? (kleiner Scherz, natürlich gibt es auch andere Mittel und Wege den Kopf freizubekommen)

Manchmal ist die Liebe zu dieser Serie, von der ich mir sicher bin, dass sie viele nachvollziehen können, so präsent, dass es mir selbst richtig bescheuert vor kommt. Was würde Rory tun? Was würde Lorelai tun? Das habe ich mich früher häufiger gefragt, auch heute noch. Aber auch wenn es früher mehr Rory war, mit der ich mich identifizieren konnte, ist es heute Lorelai, die mir in manchen Dingen so unglaublich ähnlich ist, dass es mir beinahe Angst einjagt.

Und nachdem so viele Serien eine Reunion gefeiert und viele einen zusätzlichen Film (oder zwei) bekommen haben, blieb Gilmore Girls irgendwie immer auf der Strecke, ebenso wie andere meiner Lieblingsserien (jaaa an diejenigen, die verantwortlich sind für eine mögliche Buffy und Friends Reunion, ich spreche mit euch) doch dann passierte es. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe und ich weiß noch, wie ich fröhlich auf und ab gehüpft bin als ich hörte, dass wir nicht nur vier weitere Folgen bekommen, sondern vier Folgen in Filmlänge. Vier mal 90 Minuten Gilmore Girls zum krönenden Abschluss der Serie. Denn obgleich das Serienfinale der siebten Staffel ein großartiges Finale war, fühlte es sich nie an wie ein richtiges Ende.

Und irgendwie fühlt sich auch das Ende von A Year in the Life nicht an wie ein richtiges Ende, was mich hoffen lässt. Ja ja, man soll aufhören wenn es am schönsten ist aber was Gilmore Girls betrifft, müsste es meiner Meinung nach niemals ein Ende geben.

Doch immerhin haben wir vier zusätzliche Folgen bekommen, die mich haben weinen lassen wie ein Schlosshund. So viele (Kindheits-)erinnerungen; so viel Gefühl, so viel Herz, so viel Emotionalität. Selten hat mich eine Serie so berührt, wie es Gilmore Girls, insbesondere die Reunion, getan hat.

Es gibt so viel, mit dem ich mich in dieser Serie identifizieren kann, seien es nun Dinge/Figuren aus den ersten sieben Staffeln, oder aus den neuen vier Folgen. Es scheint fast so, als würde es irgendwie immer auf meine aktuelle Lebenssituation passen. Vielleicht suche ich auch gezielt danach, ich weiß es nicht.


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