Rezension: All In – Tausend Augenblicke – Emma Scott

Kacey Dawson wollte immer nur Musik machen. Aber selbst der kometenhafte Aufstieg ihrer Band kann sie nicht über ihre innere Einsamkeit hinwegtäuschen. Nach einem desaströsen Konzert in Las Vegas wacht sie mit dem schlimmsten Kater ihres Lebens auf der Couch ihres jungen Chauffeurs Jonah Fletcher auf. Er bietet ihr eine Auszeit von ihrem Leben als Rockstar und den Halt, den sie immer gesucht hat. Schon nach kürzester Zeit verspürt Kacey eine tiefe Verbundenheit zu Jonah – es ist, als wäre er der Teil von ihr, der immer fehlte. Doch Jonah hat ein Geheimnis – so groß und herzzerreißend, dass es ihre Welt für immer auf den Kopf zu stellen droht …


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


Diese Rezension enthält Spoiler. 

Und wieder habe ich besseren Wissens mich hinreißen lassen und zu einem New Adult Roman gegriffen. Ich stehe mit diesem Genre einfach auf Kriegsfuß und habe eigentlich seit Jahren schon aufgegeben, es zu lesen. Hin und wieder kam dann doch mal ein NA Roman dazwischen, entweder, weil der Hype auf Instagram so groß war, dass ich einfach nicht widerstehen konnte und Hoffnung hatte, dass es diesmal anders wird oder weil Freunde/Bekannte mich bequatschten, dem Buch eine Chance zu geben. Ich bin jemand, der sich gerne eines Besseren belehren lässt. Ich blicke auch sehr gerne über den Tellerrand und begebe mich in unbekannte Gefilde. Ich bin jederzeit dazu bereit, mich überraschen zu lassen und meinen Horizont zu erweitern, auch was mein Leseverhalten angeht. Doch zwischenzeitlich bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mit 100%iger Sicherheit sagen kann, dass dieses Genre einfach nichts für mich ist. Denn auch All In von Emma Scott, ein Buch, das bereits so viele Herzen berührt und gleichzeitig zerstört hat, hat mir wieder bewiesen, dass New Adult und ich einfach keine Freunde werden. Warum? Das werde ich nun versuchen, so gut wie möglich in Worte zu fassen. 

Zunächst möchte ich damit beginnen, dass mir der Einstieg in die Geschichte wirklich unglaublich leicht gefallen ist. Es dauerte nur wenige Seiten und ich war verliebt, verliebt in die Charaktere des Buches, weil sie so anders wirkten; so locker flockig leicht und unfassbar sympathisch. Ein großer Pluspunkt sammelte Jonah, der männliche Protagonist, bereits in den ersten paar Kapitel als er deutlich machte, dass er Feminist ist. Ein weiterer Pluspunkt war es, dass er nicht einfach so zufälligerweise unverhofft oben ohne in der Eingangstür zu seiner Wohnung stand und Kacey – unsere weibliche Protagonistin – nicht in jedem zweiten Satz Jonah’s übermenschliche Muskeln erwähnt. Soweit so gut also. Die ersten 200 Seiten ließen sich unglaublich leicht lesen, ich hatte das Gefühl, tatsächlich einen New Adult Roman in den Händen zu halten, der nicht den typischen Klischees entspricht und der vor allen Dingen unglaublich emotional, dramatisch und berührend ist. Denn ja, die ersten 200 Seiten haben mich mitten ins Herz getroffen. Anfangs. Ich habe sogar die ein oder andere Träne verdrückt, hatte teilweise Angst davor, weiterzulesen, da ich fest davon überzeugt war, dass auch mich – wie viele andere vor mir – das Buch zerstören würde. Dass es mich emotional so aus der Bahn werfen würde; dass ich Tage brauchen würde, um darüber hinweg zu kommen. 

Doch dann, so ganz langsam, schwand diese anfängliche Begeisterung, die doch für meine Verhältnisse unglaublich lange angehalten hat. Es waren erst winzige Aspekte, die mich störten. Unter anderem zum Beispiel, dass das Buch unglaublich vorhersehbar war und mit jeder Seite vorhersehbarer wurde. Am meisten jedoch stießen mir die Andeutungen negativ auf, dass Theo, Jonah’s Bruder, im zweiten Teil zu Kacey’s Love Interest werden wird. Bereits als Kacey sich die Fotos in Jonah’s Wohnung anschaut und seinen Bruder Theo entdeckt und sie sagt, er sei vielmehr ihr Typ als Jonah war mir klar: wenn Jonah tot ist, wird es wohl auf eine Beziehung mit Theo hinauslaufen. Dafür dann wohl auch Teil zwei. Diese Andeutungen traten immer vermehrter auf; eine winzige Berührung, die Trennung von Theo und seiner Freundin, ein Lächeln hier, Augenkontakt, der eine kleine Sekunde zu lange andauerte… 

Tatsächlich erschien mir das Buch so unglaublich real und echt, so wahnsinnig romantisch und gefühlvoll – bis es dann zur ersten Sexszene kam, die für New Adult Verhältnisse, zumindest meinem persönlichen Empfinden nach, sehr lange auf sich warten ließ und tatsächlich erwischte ich mich vorher schon dabei, zu hoffen, dass es vielleicht so bleiben würde und der Roman sich auch in dieser Hinsicht von anderen NA Romanen abheben würde. Leider war dem nicht so. 

Ab ungefähr Seite 200 rückte die eigentliche Story plötzlich in den Hintergrund und der Fokus lag nur noch auf dem Sex zwischen Kacey und Jonah, der nicht nur unfassbar plump, sondern auch unglaublich vulgär war und somit ziemlich tief runter auf Pornoniveau rutschte. Ganz zu schweigen von den Dialogen währenddessen. Hier haben sich meine Zehennägel aufgestellt – fremdgeschämt habe ich mich teilweise. Statt anziehend auf mich zu wirken, wirkten diese Sexszenen auf mich einfach nur billig und lachhaft. Und das Schlimmste war, dass sie sich gerade zum Ende hin häuften, was keinen Sinn ergab, denn von Seite zu Seite wurde Jonah schwächer, ihr Sexleben jedoch nahm von Seite an Seite Fahrt auf. 

Wo wir auch schon beim nächsten Punkt angelangt wären, der mir das Buch – auf gut Deutsch gesagt – einfach nur kaputt gemacht hat. Jonah ist herzkrank. Sein Herz ist nicht nur schwach, sondern es steht fest, dass er an Herzversagen sterben wird. Von Tag zu Tag wird er schwächer; er schafft es nicht mal, ein paar Treppenstufen hoch zu laufen, ohne halb ohnmächtig zu werden, aber Nacht für Nacht seine Freundin zu beglücken, sie „heftig, wild und rau“ ranzunehmen, egal ob an der Wand, im Bett, draußen im Freien etc. pp. schafft er? Manchmal sogar mehrere Male hintereinander? Es ist fast so, als gäbe es für die beiden nur noch Sex; als bestünde ihre gesamte Beziehung nur aus Sex, dabei ist eine Beziehung so viel mehr und auch ein Mensch ist so viel mehr als seine Geschlechtsorgane. Leider jedoch wurden beide genau darauf reduziert: Jonah auf seinen Penis und Kacey auf ihre üppigen Brüste. Natürlich kann ich verstehen, dass zwei Verliebte körperliche Nähe suchen, das ist auch gar nicht mein Problem, mein Problem ist, dass die Story völlig in den Hintergrund gerückt ist und das für Sex. Die Gefühlsduselei der ersten 200 Seiten wirkte dadurch auf einmal viel zu oberflächlich und aufgesetzt. Die Entwicklung ihrer Romanze war so schön, lief allerdings lediglich auf Geilheit hinaus. Die beiden trieben es am Ende wie die Karnickel, sie konnten die Finger nicht voneinander lassen und das obwohl er tatsächlich kurz vorm abnippeln war. 

Das allerschlimmste jedoch war Kacey’s Egoismus. Auf der einen Seite hatte sie große Angst, dass Jonah sterben würde; dass es ihm schlecht gehen würde, achtete darauf, dass er keinem Zigarettenrauch ausgesetzt war, dass er seine Medikamente regelmäßig nahm und er sich gesund ernährte, auf der anderen Seite jedoch ließ sie ihn einfach nicht in Ruhe und forderte ständig mehr Sex. Wenn er dann tatsächlich mal zu erschöpft war (oh Wunder) fing sie noch an zu schmollen, als wäre es nur sein Penis, den sie wollte, nicht aber ihn als Menschen. Und als es dann immer weiter bergab geht, er schon halb im Sterben liegt, macht sie sich Gedanken darüber, dass sie jetzt nie wieder Sex haben würden; dass das letzte Mal tatsächlich auch das letzte Mal bleiben würde. Entschuldigung aber ernsthaft? Jonah, die angebliche Liebe ihres Liebens, liegt im Sterben und sie interessiert nach wie vor nur dafür, nicht mehr mit ihm schlafen zu können? 

Ich konnte weder die Story (die zu dem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr vorhanden war), noch die Charaktere mehr Ernst nehmen. Selbst die ersten 200 Seiten waren zwischenzeitlich mit einem solch negativen Gefühl behaftet, dass ich keinerlei Verbindung mehr zu dem Buch aufbauen konnte und sogar auf den letzten dreißig Seiten noch mit dem Gedanken spielte, das Buch einfach abzubrechen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass, hätte ich es getan, nun wirklich nicht viel verpasst hätte. Denn – Überraschung Überraschung – das Buch geht natürlich genau so aus, wie man es erwartet. 

Leider hat sich das Buch in einen billigen Porno verwandelt mit Darstellern, die zwar gut aussehen, aber einfach nicht schauspielern können. Ich habe nichts gegen Sexszenen, doch wenn der Sex die eigentliche Story verdrängt und auf so vulgäre Art und Weise beschrieben wird dann – sorry – bin ich einfach raus. Für mich braucht ein Buch mehr als nur Sex, um mich zu begeistern. Das Buch hätte so großartig werden können; es hätte einfach so gut sein können … Es fühlte sich fast an, als hätte man ein billigere Version von „Me Before You“ oder „A Walk to Remember“ ins New Adult Genre gequetscht und mit jede Menge pornografischem Sex versehen, was einfach nicht passte. Wenn ich zu Beginn eines Buches so große Gefühle auffahre, sollte ich das eventuell auch beibehalten. 

Es tut mir wirklich sehr Leid das sagen zu müssen, doch für mich war das Buch einfach nur billig, vulgär, plump, vorhersehbar … selbst das Ende hat mich völlig kalt gelassen und eigentlich weine ich bei solchen Geschichten wie ein Baby. Ich bin ein unglaublich emotionaler Mensch, ganz oft bringen mich sogar Werbungen im Fernsehen zum Weinen, doch bei diesem Ende habe ich nicht eine Träne vergossen, weil es für mich nur noch lächerlich und nicht mehr Ernst zu nehmen, ganz egal wie sehr ich mich angestrengt habe. Die Geschichte war für mich einfach futsch. Ich habe es wirklich versucht; ich wollte es mögen, habe die Sexszenen sogar überflogen, doch die zweite Hälfte des Buches bestand fast nur noch daraus und ich konnte ja nicht alle Seiten nur überfliegen, dann hätte ich mir das Lesen auch ganz ersparen können. 

LOHNT SICH DAS BUCH?

Ich kann hier nur ganz klar sagen: Nein. Für mich persönlich haben sich im Nachhinein nicht mal mehr die ersten 200 Seiten gelohnt, die mir eigentlich echt unglaublich gut gefallen haben, doch für mich persönlich bedarf es eben einfach mehr, als eine gute erste Buchhälfte. Und wenn die zweite dann noch so ausartet, dass es mir die ganze Story zerstört dann – sorry – wirkt sich das eben auf das gesamte Buch aus. Ich wurde diesen negativen Beigeschmack einfach nicht mehr los. Für mich war das Buch ein Reinfall und ein erneuter Beweis dafür, dass dieses Genre einfach nichts für mich ist. Das nächste Mal werde ich mich ganz sicherlich nicht noch einmal bequatschen lassen. Und nachdem ich – natürlich (mit den Augen roll) – Teil zwei schon gekauft hatte, werde ich das Buch direkt umtauschen gehen, denn Teil Zwei (ich kann mir schon ausmalen, wie sich die Geschichte abspielen wird) werde ich mir ganz sicherlich nicht antun. 


INFOS ZUM BUCH

Autor: Emma Scott
Titel: All In – Tausend Augenblicke
Verlag: LYX
Seiten: 425
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2018
Preis: 12,90 [D]
Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

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4 Comments

  • Hey liebe Ivy,

    es ist so witzig, wie krass die Meinungen bei dem Buch auseinander gehen. Ich schätze man muss das Genre einfach abgöttisch lieben, um hier voll auf seine Kosten zu kommen. Ich selbst tue mich auch sehr schwer mit NA, weil mich genau wie auch bei dir, diese “billigen” Sexszenen so stören. Und aiaiai was eine schlimme Prota. Da fragt man sich, was sich die Autorin dabei gedacht hat, das Ende so zu verhauen? Da kann einem der Typ echt einfach nur leid tun.
    Danke für deine Ehrlichkeit.

    Liebe Grüße, Stella

    • Liebe Stella,

      jaaaa ich denke auch, dass man dieses Genre schon echt lieben muss. Ich Prinzip hab ich ja nichts dagegen (mit Ausnahme der Tatsache, dass die Sexszenen hier wirklich super billig sind und einem Porno entsprungen sein könnten), allerdings ist es einfach so unfassbar unrealistisch, dass ich nicht begreife, wie man das als Leser nicht bemerken kann. Wenn man es bemerkt und es einem einfach egal ist, dann okay, dagegen sage ich nichts, aber viele haben mir geschrieben und gemeint, dass das ja gar nicht stimmen würde etc. pp.

      Wenn man so herzkrank ist, dass man im Sterben liegt, dann gehe ich davon aus, dass man auch nicht mehr in der Lage ist, fünf Mal in einer Nacht seine Freundin zu beglücken … ich kam aus dem Augenrollen wirklich nicht mehr raus. Für mich definitiv ein ganz schreckliches Buch.

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

  • Hallo liebe Ivy,

    ich mag sehr gerne New Adult Bücher und mir hat auch “All in” echt gut gefallen, aber ich kann deine Kritik absolut verstehen. Ich fand auch, besonders zum Ende hin, dass die Protagonsitin sich sehr verständnislos gegenüber Jonahs Krankheit verhalten hat. Ich sehe es aber eher als ihre Art, das Ausmaß der Krankheit zu verdrängen. Sie hatte ja auch lange noch Hoffnung, dass es ihm wieder besser gehen würde. Für sie fühlte es sich so an, als ginge es Jonah gut, solange er eben noch mit ihr schlafen konnte. Entsprechend war die Erkenntnis für sie schlimm, als er nun mal keinen Sex mehr wollte. Für Jonah war das ja auch ein wichtiger Punkt.
    Nichts desto trotz fand ich auch einige Sex Szenen sehr überflüssig. Die Beschreibung und teilweise Begriffe (zumindest ist mir einer ganz deutlich im Kopf geblieben) fand ich auch nicht angemessen oder zumindest nicht so, dass mich hier irgendwelche Gefühle packen würden außer vielleicht ein leichter Brechreiz. Ich frage mich auch, warum so tolle Bücher, die mit Tiefe und Gefühlen beginnen oft durch unnötige Sex Szenen schlechter gemacht werden müssen. Es geht ja nicht darum, dass die Protagonisten keuch bleiben, aber muss man diese Szenen immer beschreiben? Ich persönlich bevorzuge da eine Andeutung und benutze meine Fantasie.

    Ich hatte auch bezüglich Theo schon die gleichen Gedanken, hoffe aber, dass Band 2 mich dann überraschen wird. Wir werden sehen.

    Geweint habe ich übrigens trotzdem wie ein Baby und war emotional sehr zerstört 🙂

    Liebe Grüße
    Mona

    • Liebe Mona,

      es freut mich sehr, dass dir das Buch gefallen hat. Es ist immer schade, wenn man ein Buch nicht mag und es dann eher negativ, statt positiv bewertet.

      ich stimme dir absolut zu, dass die Figuren in einem Buch natürlich nicht keusch leben müssen – allerdings gehöre ich lieber zu denjenigen, die lieber ihre eigene Fantasie benutzen. Ein “Und dann schliefen sie miteinander … – Kapitel Ende” würde mir da vollends reichen haha Ich fand das leider absolut übel in diesem Buch; es hat mir das ganze Buch so versaut … und die Prota konnte ich da leider auch überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn jemand kurz vorm Sterben ist, denke ich, gibt es Wichtigeres, als an Sex zu denken oder daran, dass man keinen Sex mehr haben kann. Und das sie davon abhängig gemacht hat, dass er noch einigermaßen “gesund” war finde ich leider auch völlig bescheuert.

      Wie du siehst, kann ich mich bei diesem Buch so richtig schön in Rage reden haha ich fand es einfach so übel und so schlecht recherchiert und alles in allem so niveaulos, dabei hatte es so gut angefangen. Ich glaube deshalb ärgere ich mich auch so sehr darüber, weil ich wirklich geglaubt hatte, ein NA Buch gefunden zu haben, dass endlich endlich endlich mal richtig gut und anders ist.

      Naja, das Genre ist einfach nicht mein Ding, deshalb halte ich mich jetzt erst mal von weiteren Büchern dieser Art fern 🙂 Ich wünsche dir aber ganz viel Spaß mit Teil 2 und hoffe sehr, dass er dich ebenso begeistern kann, wie auch schon der zweite Teil 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

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