Rezension: Anne auf Green Gables – Lucy Maud Montgomery

Inhalt/Klappentext:

Was sollen die Cuthberts nur mit der quirligen Anne anstellen? Der lebenslustige Rotschopf stellt ihr sonst so beschauliches Leben ordentlich auf den Kopf. Dank ihres hitzigen Temperaments stolpert Anne von einer Katastrophe in die nächste! Aber zum Glück schafft sie es, auch die unmöglichsten Situationen irgendwie zu meistern. 


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


So richtig angefangen zu lesen, habe ich erst im Teenageralter. Ich war 15 oder 16 Jahre alt. Zwar habe ich auch als Kind dann und wann mal ein Buch zur Hand genommen, meist handelt es sich dabei allerdings hauptsächlich um Geschichten rund um Janosh. Viel lieber verbrachte ich die Zeit mit dem Schreiben meiner eigenen Geschichten, die in den meisten Fällen von sprechenden Tieren handelten. Da ich erst so spät mit dem Lesen angefangen habe, sind viele Kinderbücher, darunter auch Klassiker, an mir vorbei gegangen. Obwohl dies so ist, ärgere ich mich wirklich selten darüber, nicht auch schon als Kind gelesen zu haben. Es ist nun mal wie es ist; wieso also der Vergangenheit nachhängen, wenn noch so viele wunderbare Bücher vor mir liegen? Doch trotzdem kommt es schon mal vor, dass ich mich eben doch ärgere, weil ich schon der Meinung bin, dass man Geschichten als Kind einfach ganz anders wahr nimmt und sie einen auf andere Weise beeinflussen. Bei Harry Potter ärgere ich mich noch heute, dass ich die Bücher nicht gelesen habe, als ich jünger war. Und jetzt gibt es noch ein zweites Buch bzw. eine zweite Reihe, bei der ich mich wirklich wahnsinnig ärgere, sie nicht schon früher in meinen Kindheitstagen gekannt zu haben. Die Rede ist von Anne auf Green Gables. Erstmals aufmerksam wurde ich auf die Netflix-Serie vor ein paar Wochen und seither hat sich eine Obsession entwickelt, die schon fast nicht mehr feierlich ist. Naturgemäß musste ich auch gleich zu den Büchern greifen und obgleich mich der erste Teil schniefend, mit tränennassen Augen und einem gebrochenen Herzen zurückgelassen hat, gedeiht meine Liebe zu der wundervollen Anne, zu Green Gables und Avonlea, jeden Tag ein bisschen mehr. Und ja, ich finde es einfach unglaublich schade, diese wunderschönen Geschichten nicht bereits als Kind gekannt zu haben.

Ich gebe zu, dass wenn man Anne das erste Mal kennenlernt, dass sie gewöhnungsbedürftig erscheinen mag, irgendwie ein wenig aufgedreht, hyperaktiv habe ich im Zusammenhang mit ihr sehr häufig gehört, doch eigentlich ist Anne nichts weiter als ein sehr fröhliches, lebendiges und entzückendes Mädchen, dass das Leben in all seinen Facetten lebt, liebt und wertschätzt.

In meinen Augen handelt es sich bei Anne Shirley um eine der interessantesten und reizvollsten Figuren, die jemals geschrieben wurden, insbesondere auch deswegen, weil sie nicht perfekt ist. Sie hat ihre Fehler und macht sie vor allen dingen auch, allerdings schafft sie es, all diese Fehler mit Humor zu nehmen und ihr Umfeld, aufgrund ihrer Liebenswürdigkeit, ihre Fehler ebenfalls mit Humor zu nehmen. Sie findet einfach in allem, noch etwas Positives. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Und genau dafür liebe ich Anne so wahnsinnig. Anne ist sich ihrer Fehler sehr bewusst und sie weiß, wie unglaublich wichtig es ist, aus ihnen zu lernen, über sie zu lachen und einfach weiterzumachen. Sie geht das Leben mit endloser Begeisterung an und das obwohl sie eine solch schreckliche und unschöne Kindheit hinter sich hat; obwohl ihr bis dato nie jemand das Gefühl gegeben hat, wirklich geliebt zu werden und etwas wert zu sein.

Anne ist so herrlich unkompliziert und ehrlich, sei es nun in Bezug auf das Leben oder eben auch in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen. Sie nimmt die Dinge so wie sie sind, akzeptiert die Menschen, so wie sie sind. Sie ist kühn und offen, sie geht auf die Menschen zu und scheut sich nicht davor, neue Bekanntschaften zu machen.

Anne ist eine mutige junge Frau, die sich weigert, sich in irgendeine Schublade stecken zu lassen und das ist nur einer von vielen Gründen, weshalb mich dieses Buch von Anfang bis Ende absolut überzeugt hat.

Es gab eigentlich nur einen winzigen Aspekt, woran ich mich während des Lesens ein wenig störte und zwar die Tatsache, dass Anne vieles bzw. das meiste wahnsinnig romantisiert. In ihren Augen ist alles unglaublich romantisch, mithin nicht nur der freundliche Augenaufschlag eines jungen Mannes, sondern auch der Tod. Sie schwärmt schon fast davon, wie romantisch es doch wäre, zu ertrinken oder am Bett für eine kranke Freundin zu sorgen, nur um sich kurz darauf selbst bei dieser Freundin anzustecken und dieser Krankheit zu erliegen. In meinen Augen ist dies doch recht problematisch, zumindest habe ich es so empfunden. Allerdings erkennt man eben auch genau hieran, wie Anne sich im Verlauf der Geschichte weiterentwickelt.

Ein weiterer Punkt, der mir sehr gut gefallen hat. Man begleitet Anne in diesem Buch über mehrere Jahre hinweg, man merkt kaum, wie sie langsam immer reifer und erwachsener wird. Erst mit der Zeit fällt einem auf, dass das redegewandte Mädchen von früher, dass stets so wahnsinnig große Worte benutzte, sich davon träumte und mit den Gedanken ständig woanders war, ruhiger wird. Allerdings nur äußerlich, innerlich ist sie noch immer die Anne von früher, vielleicht nicht mehr unbedingt mit denselben Träumen und Wünschen, doch mit Träumen und Wünschen, die mindestens genauso groß sind.

Doch es ist nicht nur Anne, die mit ihrer aufgeweckten Art überzeugt, sondern auch all die anderen Figuren, die teilweise ihrer Zeit ein wenig voraus, teilweise aber auch völlig in ihrer Zeit festgefahren zu sein scheinen. Es handelt sich um eine bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Figuren, die allesamt interessant und faszinierend zugleich sind.

Emotional gesehen war dieses Buch für mich eine reine Achterbahnfahrt. Es gab Momente, in denen konnte ich mich vor Lachen kaum halten und dann gab es noch Momente, die mir regelrecht das Herz aus der Brust gerissen haben. Besonders das Ende hat mich in ein wahnsinnig tiefes Loch gestürzt.

Das Buch ist unglaublich charmant und zauberhaft. Das Setting ist einfach wunderbar, spielt sich die Geschichte auf einer idyllischen Insel in Kanada ab mit einer wunderschönen Landschaft, die zum Träumen einlädt. Dieses Buch steckt voll von so viel Gefühl, voll von unglaublicher Lebensfreude und ganz viel Optimismus, verabsäumt es aber auch nicht, auf die Schattenseiten des Lebens aufmerksam zu machen.

LOHNT SICH DAS BUCH?

In meinen Augen handelt es sich bei diesem Klassiker um ein Buch, dass auf jede Liste der „Klassiker, die man unbedingt gelesen haben sollte“ gehört. Annes Lebensfreude ist unglaublich ansteckend und ich bin sicher, dass sich jeder hier und da etwas aus dem Buch mitnehmen kann, sei es nur ein Stück Optimismus, ein Stück mehr Lebensfreude oder einfach ein wenig Fantasie. Mich hat dieses Buch, allen voran Anne, Matthew und Marille bis in die tiefsten Tiefen meines Herzens berührt und ich kann es kaum erwarten, auch all die anderen Geschichte rund um Anne zu lesen.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Lucy Maud Montgomery
Titel: Anne auf Green Gable
Verlag: Loewe Verlag
Preis: 7,95 [D]


KATEGORIE

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WEITERE REZENSENTEN

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