Rezension: Catwoman: Diebin von Gotham City – Sarah J. Maas

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Inhalt/Klappentext:

Selina Kyle war die jüngste und gefürchtetste Straßendiebin von Gotham City – bis sie vor zwei Jahren verhaftet wurde. Nun kehrt sie unerkannt als mysteriöse Millionärstochter zurück. Während sie tagsüber als Partygirl Holly den Männern – allen voran ihrem verteufelt attraktiven Nachbarn Luke Fox – den Kopf verdreht, plant sie des Nachts den größten Coup aller Zeiten. Doch dann droht ihr Gefahr von unerwarteter Seite: Ein maskierter Unbekannter ist fest entschlossen, Selinas illegalen Aktivitäten den Garaus zu machen, und nimmt die Verfolgung auf. Ein faszinierendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Was Selina nicht weiß: Ihr Widersacher ist kein anderer als Luke Fox. (Quelle)


Vielen Dank an den dtv Verlag, der mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.

Diese Rezension enthält Spoiler.


Unsicher, womit ich anfangen soll, fange ich einfach mal so an: Ich liebe DC und – obwohl ich Batman als ein wenig schwächer als Wonder Woman empfand – mochte ich auch die DC Icons Reihe bisher unglaublich gerne. Als es schließlich hieß, dass auch Catwoman – eine meiner liebsten DC Charaktere – ihr eigenes Buch bekommen würde, geschrieben von Sarah J. Maas war ich anfangs etwas skeptisch. Sehr skeptisch um genau zu sein. Ich bin kein großer Fan der Autorin, mochte bisher eigentlich keines ihrer Bücher, die ich gelesen habe, und befürchtete daher, dass ich auch dieses hier eventuell nicht mögen könnte/würde, trotz meiner Liebe zu DC und Catwoman. Gleichermaßen jedoch hatte ich auch hohe Erwartungen an das Buch, eben weil ich ein großer Fan von Selina Kyle bin. 

Ich ging also nicht nur mit gemischten Gefühlen an das Buch heran, sondern beendete es auch genau so. 

Da es viele Punkte gibt, die mir nicht gefallen haben, und ich einfach viel zu viel zu sagen habe zu diesem Buch, habe ich das ganze versucht in 10 Punkte zu untergliedern. 

1. Selina Kyle

Selina Kyle brauchte Niemandes Hilfe, um Catwoman zu werden. Sie wurde als verwaiste junge Frau zur Prostitution gezwungen und machte sich einen Namen, indem sie selbst lernte, wie man kämpft und stiehlt. Sie ist eine Einzelgängerin und genau das ist es, was sie ausmacht. 

Sarah J. Maas jedoch verdreht ihre Herkunft völlig. Im Buch wird Selina im Alter von 17 Jahren von niemand Geringerm als Talia al Ghul rekrutiert und in die Liga der Assassinen aufgenommen, wo sie all das lernt, was sie im Buch als Catwoman auszeichnet.

Auch in den Comics hat Selina Kyle eine Schwester, doch sind sie entfremdet und nicht, wie in Sarah J. Maas Version ihrer Geschichte, ein eingespieltes Team. Im Buch scheint ganz alleine Maggie, ihre kleine Schwester, Selinas gesamte treibende Kraft zu sein; sie ist offenbar der Grund, weshalb Selina sich darauf einlässt, sich der Liga der Assassinen überhaupt anzuschließen. Maggie ist der Grund für all ihre Diebstähle, was ihr Einzelgängerdasein, was Catwoman eben ausmacht, ein wenig zerstört. Im Buch wird sie nicht einmal Catwoman genannt, weil sie sich wie eine Katze in die Häuser schleicht, sondern weil ihre Assassinnenkollegen und -kolleginnen sie ärgerten und Spitznamen wie „Kitty“ oder „Kitten“ nutzen, um sie aufzuziehen. 

Und obwohl ich ein großer Fan der Liga der Assassinen bin und mich zugegebenermaßen gefreut habe als ich las, dass sie ebenfalls Teil der Story sind, stört mich eben dadurch noch ein weiterer Punkt und zwar, dass Catwoman nun irgendwie gleichgestellt ist mit Batman, der bekanntlich ebenfalls von der Liga, bzw. vielmehr von Ra’s al Ghul persönlich trainiert und ausgebildet wurde. So wurde meinem Empfinden nach seine Entstehungsgeschichte doch etwas zu sehr kopiert, was ich als sehr schade empfand. Eben weil Catwoman eine ganz interessante und spezielle, eigene, Entstehungsgeschichte hat. Dazu muss man sich nun wirklich nicht der von Batman bedienen. Wieso auch? Wieso bleibt man nicht bei ihrer tatsächlichen Geschichte?

Ich bin hin und her gerissen, muss ich gestehen. Auf der einen Seite ist es natürlich toll, etwas Neues und Frisches zu schreiben, doch wenn man es so sehr verdreht wie Sarah J. Maas es getan hat, bin ich mir nicht sicher, ob man es noch als frisch bezeichnen kann, oder aber einfach als „am Thema vorbei“. Die Darstellung von Selina Kyle ist so unglaublich out of character, dass die eigentliche Catwoman und die Catwoman aus diesem Buch scheinbar gar nichts mehr gemein haben, bis auf den Namen. 

2. Selina’s Alias

Als Selina nach ihrem Aufenthalt bei der Liga schließlich nach Gotham zurückgekehrt, benutzt sie – natürlich – ein Alias als Tarnung, um nicht gleich aufzufallen. Als wohlhabende Holly mit blond gefärbten Haaren tritt sie auf die Bildfläche. Zunächst alles schön und gut doch dann kam mir dieser Gedanke: Holly, blond – irgendwie kam mir das alles bekannt vor und dann fiel es mir plötzlich wieder ein: Holly Robinson. Sarah J. Maas hat sich eines anderen DC Charakters bedient, um genau zu sein, Catwoman 2.0. Holly Robinson ist nicht nur eine Freundin von Catwoman, sondern auch eine Verbündete und Handlanger – ihr sogenannter Sidekick wenn man so will. Statt Holly Robinson, ein meiner Meinung nach doch recht wichtiger Charakter, mit in die Geschichte einzubinden, hat Sarah J. Maas offenbar einfach nur sowohl ihren Namen, als auch ihr Aussehen „gemopst“ und einen völlig neuen Charakter kreiert, der Catwoman als Tarnung diente. 

Hierbei handelt es sich wohl um eine Tatsache, die entweder gefällt oder nicht. Die einen mögen es als geschickt bezeichnen, andere wohl eher als unnötig. Im Grunde ist die Idee meiner Meinung gar nicht so schlecht; vermutlich fällt es auch gar nicht auf, wenn man sich bisher noch nicht richtig mit Catwoman befasst hat, eingefleischte Fans jedoch könnten womöglich ein Problem hiermit haben. Immerhin hätte die Autorin auch einen ganz anderen Alias verwenden können, einen komplett neuen Namen; ein komplett neues Aussehen, was zuvor noch nie in Zusammenhang mit Catwoman gestanden hat. 

Ganz vielleicht wollte sie dies ja als kleines Easter Egg mit in die Geschichte einbauen, ein kleiner Scherz, den sie sich erlaubt hat; ein Scherz, der allerdings auch ziemlich nach hinten losgehen kann, je nach dem aus welcher Warte man das Ganze betrachtet.

Man kann es also mögen, muss es aber nicht. 

3. Anzug/Ausrüstung

Ein Grund weshalb ich Selina Kyle, aka Catwoman, so gerne mag ist die Tatsache, dass sie nicht viel Schnick Schnack braucht, um klar zu kommen. Sie ist weit entfernt davon, perfekt zu sein. Sie nutzt keine hoch technischen Waffen, um ihre Gegner auszuschalten. Sie ist trainiert und unglaublich talentiert darin. Im Buch jedoch gleicht ihre Figur bzw. ihr Anzug nebst ihrer Ausrüstung vielmehr einem weiblichen Iron Man, allen voran ihr Helm, der technisch so gut ausgestattet ist, dass man ihn tatsächlich mit dem von Iron Man vergleichen könnte. 

Auch hierdurch ist meiner Meinung nach viel von Selinas eigentlichem Charakter und den Eigenschaften, die sie aus machen, verloren gegangen. Vermutlich hat ihr etwas neueres Outfit mit der Tatsache zu tun, dass sie sich im Buch nicht selbst trainiert, sondern – ebenso wie Bruce Wayne aka Batman – von der Liga der Assassinen trainiert wurde und sie somit viel mehr (auch finanzielle) Möglichkeiten hatte.  

Mir persönlich hat dies nicht unbedingt gefallen, da ich Catwoman eben deshalb so sehr bewundere und liebe, weil sie ohne viel Technik & Co. auskommt – im Gegensatz zu vielen ihrer Superheldenkollegen.

4. Poison Ivy

Poison Ivy ist nicht nur eine meiner liebsten DC Ladies, sondern gleichzeitig auch eine meiner liebsten DC Bösewichte und das aus so vielen verschiedenen Gründen. 

Sarah J. Maas jedoch verwandelt die abgrundtief böse Poison Ivy in ein kleines, schwaches Schoßhündchen. 

Sie wirkt nicht nur schwach, sondern auch unglaublich weinerlich, lässt sie sich im Buch einfach zu sehr von ihren Gefühlen beeinflussen und leiten. Sie wirkt gar etwas unsicher. Die Autorin beschreibt Poison Ivy fast noch mehr out of character, als es bei Selina der Fall ist. Es scheint fast so, als hätte sich Sarah J. Maas, zumindest was Poison Ivy betrifft, eine komplett neue, eigene Figur erschaffen, deren Charakter sie biegen und wenden konnte, wie ihr gerade der Kopf danach stand und wie es eben nun mal in die Story passte (eine Story, die meiner Meinung nach kaum vorhanden war, hierzu allerdings unten mehr). 

Seien wir ehrlich, egal wie stark, klug und gewitzt Catwoman auch ist, Poison Ivy könnte sie wahrscheinlich im Nu zerstören, stattdessen jedoch hängt sie sich an ihren Fersen und macht sich praktisch von ihr abhängig. Poison Ivy kann nicht nur Pflanzen, sondern auch Menschen kontrollieren, es wäre für sie also ein Leichtes, Catwoman in einem Kampf zu besiegen. Stattdessen rennt Ivy nicht nur vor Batwing davon, sondern hat auch tierische Angst vor dem Joker – ernsthaft? Während des Lesens fragte ich mich tatsächlich mehr als einmal, ob Sarah J. Maas überhaupt schon jemals von Poison Ivy gehört hat. 

Ein weiterer Punkt der mich etwas störte ist die Tatsache, dass Poison Ivy im Buch an nichts anderes denkt, als die Welt bzw. die Umwelt zu retten. Natürlich liebt sie Pflanzen, sie liebt sie nicht nur, sie glaubt sogar, sie seien besser als Menschen, was größtenteils natürlich mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt und der Tatsache, dass sie als Kind/Teenager nie Freunde hatte und sie daher ihre Liebe zur Botanik entwickelte. Doch egal wie sehr sie Pflanzen liebt, Poison Ivy möchte nicht die Welt retten. Sie möchte auch keine Wälder wieder neu anpflanzen oder Ähnliches. Die Poison Ivy im Buch hat rein gar nichts mit der eigentlichen Poison Ivy zu tun. Im Buch hat sie noch nicht einmal Ambitionen, jemanden zu töten. In einer Situation bittet sie Harley sogar darum, nicht zu töten. Als ob sie das tun würde. Niemals. 

Sarah J. Maas Version von Poison Ivy wurde der echten Poison Ivy in keinster Weise gerecht; hat sie sie in ein hilfloses, schwaches, weinerliches, ängstliches, eingeschüchtertes und schüchternes kleines Mädchen verwandelt die wirklich nichts, aber auch rein gar nichts, gemein hat mit der echten, wahren, großartigen Poison Ivy. 

Allerdings, dies möchte ich nicht unerwähnt lassen, bemühe ich mich immer – ebenso wie ich es bei Buchverfilmungen tue – nicht zu große Vergleiche anzustellen und appelliere an mein Hirn nicht zu vergessen, dass es natürlich so etwas wie künstlerische Freiheit gibt und natürlich die Autorin die Charaktere auf ihre eigene Art und Weise dargestellt hat und eventuell diese Veränderungen sogar gewollt und wissentlich vorgenommen hat. Ich muss ebenfalls gestehen, dass ich Poison Ivy, zumindest wenn ich all das, was ich über Poison Ivy weiß, kurzzeitig aus meinem Hirn lösche, sogar mochte. Die Poison Ivy im Buch ist liebenswert und höflich, ich mochte es, dass sie so eine Weltverbesserin ist und der Planet ihr so am Herzen liegt. Eigentlich könnte man sagen, dass sie ein toller Charakter ist, wenn man sie eben nicht als die Poison Ivy sieht, die man über die Jahre hinweg kennen und lieben gelernt hat. Für mich war es nach einer Weile einfach nur Ivy, nicht aber Poison Ivy, eine meiner liebsten Bösewichte aus dem DC Universum. 

Ich denke man kann sich also drum streiten; streiten darüber, ob man sie mag oder nicht, ob man ihre Darstellung gut findet oder nicht. Ich bin hier etwas zwiegespalten. Wenn ich ehrlich bin jedoch muss ich sagen, dass die negativen Gefühle überwogen, und so gerne ich Ivy im Buch auch mochte, ich es um einiges besser gefunden hätte, hätte Sarah J. Maas nicht einen komplett neuen Charakter geschaffen und nur ihren Namen und ihr Aussehen übernommen, sondern wenn sie sich auch Poison Ivy’s wahrem Charakter angenommen hätte. 

5. Die Beziehung zwischen Harley & Ivy

Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass Sarah J. Maas zumindest die Beziehung zwischen Harley und Ivy canon dargestellt hat. Harley ist so ziemlich der einzige Mensch, für den Ivy etwas übrig hat; um den sie sich sorgt, den sie mag – und umgedreht ist es ebenso. Harley und Ivy führen eine der meiner Meinung nach interessantesten und gleichzeitig komplexesten Beziehungen im ganzen DC Universum. Angefangen als Freunde, entwickelte sich ihre Beziehung immer weiter und wurde schnell zu einer viel tieferen, romantischeren Verbindung, was Sarah J. Maas glücklicherweise ganz gut im Buch wiedergegeben hat, auch die Spannung, die immer mal wieder herrschte, sobald es um Joker ging. 

Und obwohl Ivy und Harley beides Charaktere aus der LGBQT Community sind, so lässt die Repräsentation meiner Meinung nach dennoch zu wünschen übrig. Es ist eben nicht so, dass sobald ein diverser Charakter auch nur erwähnt wird bzw. Teil eines Buches ist, das Buch gleich zu einem diversen Buch macht. Es geht nicht nur darum, diverse Charaktere mit in die Geschichte einfließen zu lassen, sondern auch darum, eine gute Repräsentation zu schaffen. Nur weil ein schwules Paar ein Kind adoptiert, was auf zwei, maximal drei, Seiten thematisiert wird, ist das Buch nicht gleich divers und bietet eine gute Repräsentation.

Und auch wenn Harley und Ivy im Buch eine Beziehung führen, so ist sie doch sehr schwach und oberflächlich dargestellt. Während Ivy unsterblich verliebt zu sein scheint in die gute Harley, ist Harley offenbar nur auf der Suche nach einer Affäre, nach ein bisschen Spaß, da ihr Herz noch immer am guten alten Joker hängt. Natürlich kann man ihre Beziehung so darstellen, um ein wenig Spannung in die Situation zwischen Ivy und Harley zu bringen, doch wenn man doch schon ein gleichgeschlechtliches Pärchen und somit die Möglichkeit hat, für eine gute LGBQT Repräsentation zu sorgen, wieso úm Himmels Willen nutzt man diese Gelegenheit nicht, zumal Harley und Ivy, wie oben erwähnt, eine ganz grandiose, wenngleich spezielle und komplexe Beziehung führen? Es gibt keinerlei romantische Momente; keine Herzklopfmomente, keine richtige Romanze, bloß eine immerzu traurige Ivy, die Harley wehmütige Blicke zuwirft, weil sie nicht dasselbe empfindet wie sie und eine total auf den Joker versessene Harley. 

6. Freundschaft zwischen Selina, Harley & Ivy

Girlpower yay. Mal ganz abgesehen davon, dass Poison Ivy nicht unbedingt ein starker Charakter ist und auch Selina ziemlich OOC und insgesamt die Charaktere alle etwas flach geschrieben sind, mochte ich das Trio unglaublich gerne. Sie geben ein wirklich geniales Team ab und ich kann sagen, dass ich mich in sie als Dreiergespann wirklich ein wenig verliebt habe, mal ganz außer Acht lassend, dass Selina eigentlich eine Einzelgängerin ist. Ich mochte auch, wie Harley immer ein wenig aus der Reihe tanzt. Sie ist wohl die Figur, die ihrem wahren Ich am nächsten kommt, ein bisschen verrückt, ein bisschen aufbrausend, böse, kriminell und rücksichtslos. Ich mochte sie und allgemein die Freundschaft zwischen den drei Ladies. 

Ebenso großartig empfand ich es, dass sie Batwing so richtig in den Hintern getreten und ihn so richtig alt haben aussehen lassen. Auch wenn er mir tatsächlich ein wenig Leid tat, weil er wirklich jedes Mal verlor und fast schon hingestellt wurde, wie ein Verlierer, so habe ich die drei Ladies absolut gefeiert und habe ihnen jede Menge Jubelrufe entgegen kommen gelassen mit jedem Sieg, den sie einräumten. 

7. Luke Fox/Batwing 

Ich habe mich riesig gefreut als ich gelesen habe, dass auch Batwing eine Rolle in diesem Buch spielt. Er ist ein großartiger Charakter und wird auch so im Buch dargestellt. Allerdings hatte ich ein paar winzige Probleme mit den Kapiteln, die aus seiner Sicht geschrieben sind, da es teilweise nicht authentisch wirkte. 

Womöglich liegt es daran, dass die Autorin seine Erzählperspektive nutzt, um auf Vorurteile aufmerksam zu machen, mit denen er als schwarzer Mann zu kämpfen hat, insbesondere zum Beispiel auch auf Polizeigewalt gegen Schwarze anspielt. Wer mich kennt weiß, dass ich mich sehr stark einsetze gegen Rassismus. Ich empfinde es als unglaublich wichtig, diese Themen anzusprechen und das nicht nur in irgendwelchen Sachbüchern, Artikeln, Essays etc. pp. Der Grundgedanke von Sarah J. Maas empfinde ich daher als großartig, allerdings bin ich auch der Meinung, dass sie als weiße, weibliche Autorin eventuell die falsche Person ist, die Geschichte eines schwarzen Mannes zu erzählen, zumindest konkret aus seiner Sicht. Vielleicht war dies auch der Grund, weshalb es sich teilweise so falsch anfühlte; vielleicht hätte sie hier mehr recherchieren sollen; vielleicht – keine Ahnung ob sie das getan hat oder für gewöhnlich tut – diesen Teil der Geschichte einem Betroffenen zum sensitive Reading überlassen sollen. Ich möchte damit nicht sagen, dass weiße Autoren, ganz gleich welchem Geschlecht sie angehören, niemals über solche Themen schreiben sollen, ganz und gar nicht. Es ist wichtig, dass auch wir als Weiße uns gegen Rassismus aussprechen und laut sind, doch aus Sicht eines schwarzen Mannes zu schreiben und eben auf solche Themen anzusprechen sollte vielleicht Betroffenen überlassen bleiben, da wir uns als Weiße einfach niemals in diese Situationen hinein versetzen können und ganz gleich wie mitfühlend wir sind; ganz gleich wie hilfsbereit etc. pp. werden wir niemals in eine solche Situation kommen, nicht als Weiße, und sie daher auch nicht beurteilen/durchleben/beschreiben können. 

8. Beziehung zwischen Selina und Luke

Wenn ich alles vergesse, was ich weiß, über Catwoman, über Batman, über Batwing, könnte man die Romanze, die sich zwischen ihnen anbahnt eventuell als süß oder romantisch bezeichnen. 

Leider konnte ich das nicht. Ich shippe Catwoman und Batman schon seit einer Ewigkeit und verstehe absolut nicht, wieso Sarah J. Maas Selina und Luke zusammen bringen musste. Diese ganze romantische Beziehung, diese Gefühle, die sich viel zu schnell entwickelten, fühlten sich so falsch an, zumal es überhaupt keine Basis gab, auf der diese Gefühle hätten entstehen können. Batwing versucht Catwoman seit Wochen hinter Gitter zu bringen. Catwoman hat ihn bestohlen, mehr als einmal, ihn vorgeführt, ihm den Hintern versohlt (ebenfalls mehr als einmal) und dann sieht er sie kämpfen und ist verliebt? Augenblicklich fühlt er sich zu ihr hingezogen? Und Selina, die Einzelgängerin, der Antiheld, die Diebin von Gotham City, schließt sich ihm am Ende an und gehört plötzlich zum Team Fledermaus? Nein. Nein und nochmals nein. Absolut nein. 

9. Schreibstil 

Ich mochte den Schreibstil. Ich würde ihn jetzt nicht in den Himmel loben, doch würde ich ihn definitiv als gut bezeichnen. Sarah J. Maas ist keine schlechte Autorin, sie hat ein Gefühl für Worte, ganz klar, ansonsten wäre sie wohl nicht so erfolgreich, wie sie es heute ist, dennoch ist es nichts Besonderes. Nichts, was mir den Atem raubt. Leider. Aber hey, das ist immerhin alles Geschmackssache und sagt rein gar nichts über ihr Talent aus.

10. Story

Auch wenn ich den Schreibstil mochte muss ich gestehen, dass mir ein solider Plot, eine gute Story, gefehlt hat. Während des Lesens hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, als würde ich von einem Kampf zum nächsten springen und als wäre dazwischen nichts, als gähnende Leere. Im ersten Drittel des Buches war keinerlei Story erkennbar, nichts. Selina zog um die Häuser und klaute irgendwas, traf immer wieder auf Batwing, trat ihm in den Hintern und floh. Ich muss gestehen, dass ich hierdurch leider gerade in der ersten Hälfte des Buches ziemlich schnell gelangweilt war und ich mich teilweise wirklich dazu zwingen musste, weiterzulesen. Es ist Catwoman, sagte ich mir immer, du musst es lesen, spornte ich mich selbst an. Dass meine Gedanken zwischendurch immer mal wieder abgedriftet sind und ich so Seiten doppelt, manchmal sogar dreifach, lesen musste, konnte ich nicht verhindern.

In der zweiten Hälfte oder vielmehr im letzten Drittel sodann nahm die Geschichte endlich Form an. So langsam erkannte man, worum es ging. Im Grunde war somit, wie oben bereits erwähnt, lediglich Maggie die treibende Kraft; sie war der Grund für all das, was geschehen ist, was im Grunde keine schlechte Idee ist, aber auch irgendwie ein wenig einfallslos erscheint, ist Catwoman doch so viel mehr als bloß die große Schwester eines kranken Mädchens. 

Dennoch muss ich mir eingestehen, dass ich einige Szenen am Ende als unglaublich emotional empfand. Und so schwierig es mir am Anfang gefallen ist, mich von den ursprünglichen DC Charakteren zu lösen, die ich über all die Jahre hinweg kennen und lieben gelernt habe, fiel es mir zum Ende hin leichter, mich auf diese neuen, völlig anderen Versionen von Sarah J. Maas einzulassen, wenngleich es zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon ein wenig zu spät war. 

Es ist einfach nun mal so, dass ich mit Batman, Robin, Catwoman, etc. pp. groß geworden bin und sie mir deshalb so sehr am Herz liegen und es mir daher auch sehr schwer fällt, mich von diesen völlig anderen Versionen überzeugen zu lassen. Die Tatsache, dass es jüngere Versionen sind, stört mich hierbei nicht, sondern mehr die Tatsache, dass ihre Charaktereigenschaften und sogar ihre Entstehungsgeschichten völlig verzerrt wurden.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Wie vermutlich an der ein oder anderen Stellen erkennbar, tue ich mich etwas schwer damit, dieses Buch zu bewerten. Es gab durchaus ein paar Dinge, die mir gefallen haben und die ich mochte, aber ebenso – davon leider eine ganze Menge – gab es auch Punkte und Aspekte, die mich überhaupt nicht überzeugen konnten, die allerdings wiederum nicht zwingend schlecht sind, sondern einfach meinem persönlichen Geschmack nicht entsprochen haben. Ich finde Sarah J. Maas hat sich hier einfach ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt. Ich habe nicht recherchiert, ich habe keine Ahnung, inwiefern ihr freie Hand gelassen wurde, was sie schreiben und was sie nicht schreiben durfte, an welche Vorschriften sie sich halten musste, etc. pp., für meinen Geschmack allerdings war alles ein bisschen zu sehr out of character, es fehlte an Story und vor allen Dingen an Tiefgang, was mir auch bei solchen Büchern, wichtig ist. Ich kann verstehen, dass man hin und wieder ein Buch einfach nur so liest, um sich berieseln zu lassen, aber bei mir ist es eben so, dass ich eine greifbare Story, einen soliden Plot und zumindest so viel Tiefgang brauche, dass ich mich auf welche Art und Weise auch immer mit den Charakteren identifizieren kann. Leider hat die Autorin all das vorhandene Potential verschenkt und nicht genutzt bzw. es falsch genutzt. Ganz von dem Buch abraten würde ich allerdings dennoch nicht, die zweite Hälfte des Buches hat mir immerhin ganz gut gefallen und ich bin mir sicher, dass Leser, die noch nie in Berührung gekommen sind mit Catwoman und ohnehin Fans der Autorin sind, dieses Buch großartig finden werden.


INFOS ZUM BUCH

Autor: Sarah J. Maas
Titel: Catwoman: Diebin von Gotham City
Verlag: dtv Verlag
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 30. November 2018
Preis: 18,95 [D] | 19,50 [A]
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KATEGORIE

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WEITERE REZENSENTEN

Papierplanet | Letterheart | Lovin Books


Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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8 Cover
4 Handlung
3 Charaktere
7 Setting
2 Suchtfaktor
4.8
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2 Comments

  • Liebe Ivy,

    zwar eine sehr lange, aber dafür eine unglaublich treffende Rezension. Ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob mir das Buch nun gefallen hat, oder nicht.

    Ich kenne die Comics, habe sie fast alle gelesen und bin auch seit meiner Kindheit Fan von Catwoman, Batman, Batwing, Poison Ivy, etc. pp. Genau wie du hatte ich Probleme damit, mein Vorwissen zu vergessen. Je mehr man weiß und je mehr Jahre man damit verbracht hat, die Comics zu lesen und die Filme zu schauen, desto schwerer fällt es einem.

    Ich kann dich absolut verstehen und die Rezension so unterschreiben. Das Buch ist nicht schlecht, allerdings hat es auch nicht meinem Geschmack entsprochen, dafür wurde einfach viel zu viel verändert. Was sie mit Poison Ivy allerdings gemacht hat … dazu sag ich jetzt einfach mal nichts. Diese verweichlichte Version von ihr hat mir das Herz gebrochen.

    Vielleicht hätten wir das Buch auch einfach nicht lesen sollen, eben weil wir schon so viel Zeit mit Catwoman und ihren Geschichten verbracht haben? Ich weiß es nicht … Das Buch so richtig zu bewerten, finde ich fast unmöglich.

    Trotzdem hast du sehr gut auf den Punkt gebracht, was auch mir während des Lesens immerzu durch den Kopf gegangen ist.

    LG
    Melli

    • Liebe Melli,

      vielen Dank für dein Kommentar!

      Schön zu hören, dass es doch noch einigen Fans so ergangen ist. Wirklich schade, dass uns das Buch nicht vollends überzeugen konnte – leider. Ich hatte doch recht hohe Erwartungen, obwohl die Autorin nicht zu meinen liebsten Autorinnen gehört. Vielleicht hätte ich die Erwartungen einfach etwas runter schrauben sollen, was natürlich nicht immer so einfach ist.

      Ich bin bei den Vergleichen jetzt hauptsächlich von den Comics ausgegangen, die Filme finde ich zwar auch großartig, allerdings entspricht die Catwoman hier auch nicht immer 100% der Original Catwoman aus den Comics. Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, diese Figuren zu interpretieren, aber ich finde es immer sehr schwer, Superhelden, die es schon seit gefühlten Ewigkeiten gibt, komplett neu aufzulegen. Die einen mögen gerade das super finden; das Neue, andere wiederum finden das sicherlich nicht so cool – ich gehöre definitiv zu Letzteren.

      Es war nicht schlecht, das sagt auch keiner, allerdings hat es einfach nicht meinen Vorstellungen und vor allen Dingen nicht meinem Geschmack entsprochen. Wenn vielleicht ein bisschen mehr Story da gewesen wäre, die mich gefesselt hätte, vielleicht hätte ich dann über die Charaktere und deren Darstellung hinwegsehen können, vielleicht wäre ich dann davon etwas abgelenkt gewesen, doch selbst vom Plot her konnte mich das Buch ja leider nicht richtig fesseln.

      Schade, ich hätte das Buch wirklich gerne ein bisschen mehr gemocht, es hat mich aber einfach nicht überzeugt.

      Jetzt hoffe ich sehr, dass ich von Superman nicht genauso enttäuscht sein werde haha das wäre mein Ende, ihn mag ich nämlich noch lieber als Catwoman 😀 wir dürfen gespannt sein.

      Liebste Grüße
      Ivy

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