Rezension: Clean – Juno Dawson

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Inhalt/Klappentext:

Lexi ist reich, cool, ein It-Girl – und heroinsüchtig. Nach einer Überdosis landet sie in der Clarity-Klinik. Ihr Entzug ist hart, die Therapie schier unerträglich, vor allem die Treffen mit den „Mitinsassen“: Aufputschmittel-Junkie Saif, Trans-Mädchen Kendall, Guy mit der Zwangsneurose, Bulimikerin Ruby, Ex-Kinderstar Brady. Doch ausgerechnet diese fünf werden zu echten Freunden. Und Brady vielleicht mehr. Lexi öffnet sich vorsichtig, beginnt ihr zerstörerisches Leben zu hinterfragen. Aber ist ein anderer Weg überhaupt möglich? (Quelle)


Vielen Dank an den Carlsen Verlag, der mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


Diese Rezension enthält Spoiler.

“Ein Buch, das unter die Haut geht: scharfsinnig, scharfzüngig und schmerzlich realistisch”, so bewirbt der Carlsen Verlag dieses Buch. Ich habe noch nie ein Buch über Drogenmissbrauch gelesen; generell bin ich sehr wenig darüber informiert. Das einzige Mal, dass ich irgendwie mit Drogen in Berührung kam war, als damals ein Mädchen an unserer Schule glaubte, es sei cool, Ecstasy mit in die Schule zu bringen. Ihr könnt euch vorstellen, wie das geendet hat. Ich halte mich generell davon fern, trinke kaum bis gar kein Alkohol und habe in meinem fast 30-jährigen Leben noch nie eine Zigarette angefasst. Dieses Buch war für mich mithin eine komplett neue Erfahrung; eine Geschichte, wie ich sie noch nie gelesen habe und wahrscheinlich auch nie gelesen hätte, wäre es nicht überraschenderweise in meinem Briefkasten gelandet. Jetzt aber zu der wichtigsten Frage: konnte mich das Buch überzeugen?

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir irgendwie schwer, im positiven Sinne. Es hatte diese bedrückende Wirkung auf mich. Schnell wurde mir klar, dass die Begriffe scharfsinnig, scharfzüngig und auch schonungslos ziemlich genau den Nagel auf den Kopf treffen, zumindest was Lexi angeht. Dieses Buch hat ein richtig merkwürdiges Gefühl in mir ausgelöst; irgendwie ein beengendes Gefühl in meiner Brust, weshalb ich das Buch tatsächlich auch erst einmal wieder zur Seite gelegt habe. Ich war nicht in der Stimmung und wollte es nicht riskieren, es vielleicht aus diesem Grund nicht zu mögen.

Nach ein paar Tagen Pause habe ich dann wieder zu dem Buch gegriffen und dann ging es los; dann war ich plötzlich drin in der Geschichte.

Das Buch beginnt schon recht klischeehaft, muss ich gestehen. Lexi, eine keine verwöhnte Göre aus reichem Hause, ein richtiges It-Girl, dessen Leben aus nichts weiter außer Shoppen, Partys, Alkohol, Geld und Drogen besteht. All das erinnerte mich sehr stark an Gossip Girl. Leider trifft man während der Geschichte immer mal wieder auf eben diese Klischees. Neben Drogensucht, werden in der Enzugsklinik, in die Lexi zu Beginn unfreiwillig eingeliefert wird, auch andere Süchte behandelt wie zum Beispiel Esssucht, Magersucht, Sexsucht, Zwangsstörungen, etc. pp. Von A bis Z ist eigentlich alles dabei. Im Grunde klärt das Buch somit sehr vielfältig über die verschiedenen Süchte auf; auch darüber, dass man von allem süchtig werden kann, von Drogen, Alkohol, aber auch von Sex, Glücksspielen, etc. pp.

Dennoch erschien mir die Behandlung dieser Süchte und Lexis gesamter Aufenthalt in der Enzugsklink irgendwie zu harmlos? Ich bin mir unsicher, ob ich das überhaupt beurteilen kann, da ich – wie bereits oben erwähnt – bisher keine ähnlichen Bücher gelesen habe und auch im wahren Leben noch keinerlei Berührung mit Drogen bzw. mit Menschen, die süchtig waren/sind (wovon auch immer) hatte. Ich kann mir aber irgendwie beim besten Willen nicht vorstellen, dass – gerade junge Erwachsene – so bereitwillig einem kompletten Entzug zustimmen. Natürlich gibt es Zwischenfälle und ich möchte damit auch gar nicht behaupten, dass Jugendliche nicht dazu in der Lage sind, zu urteilen, ob sie sich damit schaden oder nicht. Doch meist ist es ja genau das, was Drogen einem vorspielen oder nicht? Nämlich, dass alles in Ordnung ist; das alles super läuft. Meistens bedarf es ja doch eines gravierenden Vorfalls, bis sich die Menschen bewusst werden, was da gerade mit ihnen passiert.

In der Klinik war es mir teilweise zu Friede-Freude-Eierkuchen. Die ersten Tage des kalten Entzugs sind großartig dargestellt und hier trifft es schonungslos eigentlich ziemlich perfekt. Besonders der ehrliche und direkte Schreibstil hat gerade diese ersten Tage unglaublich realistisch dargestellt. Ich musste teilweise wirklich pausieren zwischen den Seiten, weil es mich wirklich mitgenommen hat. Aber danach … sobald dieser kalte Entzug vorbei ist, scheint es so, als seien all diese Jugendlichen “geheilt”. Ist das wirklich so? Bei manchen bestimmt, doch bei den meisten Menschen könnte ich mir vorstellen, dass es eben nicht so ist, sondern, dass sie auch selbst nach dem ersten Entzug noch große Schwierigkeiten haben mit ihrer Sucht zu leben und damit richtig umzugehen. Bei Lexi und all den anderen “Insassen”, wie sie sie immer nannte, sieht einfach alles so leicht aus. Als wäre das Schlimmste nach dem ersten Entzug geschafft, aber ist es nicht eigentlich umgekehrt? Ist nicht das Schlimmste, den Rest seines Lebens mit einer solchen Sucht zu leben und gegen einen möglichen Rückfall zu kämpfen?

Irgendwie hat sich diese schonungslose Geschichte vom Anfang in eine eher harmlose Romanze entwickelt, was mir ebenfalls einfach viel viel zu schnell ging. Es war fast so, als gäbe es nur zwei Lager, die Süchtigen und dann die Nichtsüchtigen, kein dazwischen, nur schwarz und weiß. Dabei gibt es doch dieses dazwischen oder? Erst als Lexi entlassen und rückfällig wurde, war diese schonungslose Realität wieder da und auch wenn ich mich selbst dabei erwischt habe, ihr vorzuwerfen, wie sie, nach all dem was sie durchleben musste während des Entzugs, so dumm sein konnte, das Zeug noch mal zu nehmen und rückfällig zu werden.

Lexi als Charakter allerdings fand ich großartig. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, Zeuge ihrer Entwicklung zu sein. Auf sie trifft “schonungslos” wirklich sehr gut, denn das ist sie. Außerdem liebe ich sie dafür, dass sie ihren Gegenüber kaum bis gar keine Vorurteile hegt und wenn doch, merkt sie es selbst. So verurteilt sie ein Mädchen zum Beispiel dafür, dass sie zu dick ist, ist sich aber kurz darauf bewusst, wie falsch das doch war. Lexi ist ein richtig toller Charakter, den ich gleich ins Herz geschlossen habe. Besonders gut gefallen hat mir ihre Rückkehr ins Leben; ihren alltäglichen Kampf damit ihrer Sucht zu widerstehen.

Auch wenn ich mir das Ganze doch noch etwas schonungsloser gewünscht hätte mit etwas mehr Realität, konnte mich das Buch absolut fesseln. Es hat mich teilweise geschockt, es hat mich wütend gemacht, hat mich Dinge hinterfragen lassen und mir in einigen Punkten definitiv die Augen geöffnet.

Und auch wenn mich das Buch nicht komplett überzeugen konnte, so empfinde ich die Botschaft, die es vermittelt unglaublich wichtig. Es zeigt sehr deutlich, dass das Leben kein Ponyhof ist, dass es eben auch manchmal einfach nur schlichtweg scheiße ist; das Menschen Probleme haben, von Trauer und/oder Zweifeln zerfressen und einfach keinen anderen Ausweg mehr sehen. Oder aber sie kommen einfach nur durch ihre unbändige Neugierde auf den falschen Weg. Das Buch zeigt deutlich, dass es mehr als nur eine Sucht gibt und das jeder einmal auf die schiefe Bahn geraten kann. Aber ebenso zeigt das Buch, dass es doch einen Ausweg gibt, wenn man gewillt ist, dafür zu kämpfen und hart dafür zu arbeiten. Es schenkt Hoffnung.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Juno Dawson hat mit Clean ein wirklich wichtiges Buch geschrieben, das auf die Süchte der heutigen Zeit aufmerksam macht. Das Buch regt zum Nachdenken an und fesselt. Insbesondere der schonungslos ehrliche und direkte Schreibstil lässt einen förmlich durch die Seiten fliegen. Und auch wenn es mir teilweise zu viel Einhörner und Zuckerwatte, zu viele rosa Wolken, war, bin ich dennoch der Meinung, dass dies ein Buch ist, dass man insbesondere Jugendlichen empfehlen sollte.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Juno Dawson
Titel: Clean
Verlag: Carlsen Verlag
Seiten: 400
Erscheinungsdatum: 28. Juni 2018
Preis: 17,99 [D] | 18,50 [A]
Buch beim Verlag: KLICK*

 

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8 Cover
6.5 Handlung
8.5 Charaktere
8 Setting
8 Suchtfaktor
7.8
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4 Comments

  • Liebe Ivy, tolle Rezension.
    Ich habe es auf der Wunschliste bin mir aber was den Kauf angeht noch unsicher. Ich kaufe eher selten Bücher ganz bei wenn ich den Autor so gar nicht kenne 😡

    Ich finde das Thema auch viel zu selten. Wenn Drogen einen Bestand haben dann ist das meisten normal. Und wirnmeiberndinung nach immer als relativ normal dargestellt. Außer bei Jessica Sorensen in der “Nova & Quinton” Reihe. Da wird sehr echt und schonungslos gezeigt wie drastisch es Berg ab gehen kann und wie wenig Menschen mit Drogensucht wirklich bereit sind sich helfen zu lassen weil die sucht sie voll inn Griff hat. Sie sehen auch längst nicht mehr blendend aus sondern der Leser erlebt den Zerfall mit. Hat mich wirklich so mitgenommen das ich Band 2 in der Mitte beiseite gelesen habe und bis jetzt nicht weiter gelesen habe. Sie schreibt großartig aber heftig!

    Schwafel. Wall of Text.

    Hab es schön
    Xoxo nessi

    • Liebe Nessi,

      danke dir vielmals für dein Kommentar! “Nova & Quinton” sagt mir tatsächlich gar nichts, aber ich werde mir die Bücher auf jeden Fall mal etwas näher anschauen. Das klingt wirklich sehr vielversprechend; als würde es genau die Sachen enthalten, die mir bei Clean gefehlt haben 🙂 Danke dir für den Tipp!

      Liebste Grüße
      Ivy

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