Rezension: Dear Evan Hansen – Val Emmich

Inhalt/Klappentext:

When a letter that was never meant to be seen by anyone draws high school senior Evan Hansen into a family’s grief over the loss of their son, he is given the chance of a lifetime: to belong. He just has to stick to a lie he never meant to tell, that the notoriously troubled Connor Murphy was his secret best friend. Suddenly, Evan isn’t invisible anymore–even to the girl of his dreams. And Connor Murphy’s parents, with their beautiful home on the other side of town, have taken him in like he was their own, desperate to know more about their enigmatic son from his closest friend. As Evan gets pulled deeper into their swirl of anger, regret, and confusion, he knows that what he’s doing can’t be right, but if he’s helping people, how wrong can it be? No longer tangled in his once-incapacitating anxiety, this new Evan has a purpose. And a website. He’s confident. He’s a viral phenomenon. Every day is amazing. Until everything is in danger of unraveling and he comes face to face with his greatest obstacle: himself.


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


Diese Rezension enthält Spoiler.


“No one deserves to be forgotten, no one deserves to fade away. No one should come and go and have no one know he was ever even here. No one should flicker out or have any doubt that it matters that they are here. No one deserves to disappear.” 

Dear Evan Hansen Musical – Song: Disappear

CW: Depressionen, Angst, Selbstmord, Drogenkonsum

Zunächst aufmerksam auf das Musical wurde ich – wie könnte es auch anders sein – durch die wunderbare Bookstagram Community. Ich verliebte mich sehr schnell in den Musical Soundtrack, hörte ihn rauf und runter und entschied mich dann schnell dazu, dass ich auch unbedingt den Roman dazu lesen muss, der auf dem Musical (welches ich im Übrigen unbedingt sehen möchte) basiert.

Leider muss ich sagen, dass ich ein wenig hin und her gerissen bin. Wieso weshalb warum werde ich versuchen, in meiner Rezension deutlich zu machen und auch, weshalb es das Buch trotz meiner inneren Zerrissenheit dennoch auf die Liste meiner Herzensbücher geschafft hat.

Evan als Charakter mochte ich von Beginn an. Ich empfand die Darstellung seines inneren Kampfes mit der Angst als wirklich gelungen; es fühlte sich einfach echt und real an. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, ihn als Person kennenzulernen und ihn auf seinem Weg zu begleiten. Insbesondere konnte ich mich in mancherlei Hinsicht sehr gut mit ihm identifizieren. Im Gegensatz zu Evan allerdings waren mir die Nebencharaktere teilweise ein wenig zu unausgereift. Obwohl ich sie allesamt in mein Herz geschlossen habe, waren sie meiner Meinung nach lange nicht so rund wie Evan. Zum Beispiel war ich absolut begeistern von Jared und Zoe, meiner Meinung nach jedoch hätte man ihnen viel mehr Aufmerksamkeit zu Teil kommen lassen müssen. Die beiden hatten das Potential, großartige Charaktere zu werden, leider jedoch wurden sie immer wieder zu sehr in den Hintergrund gedrängt.

Was mir weiter unglaublich gut gefallen hat, ist, dass die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird. Nicht nur Evan erzählt sie, sondern auch der verstorbene Connor, was für mich allerdings nicht unbedingt überraschend war, da Connor auch im Musical eine aktive Rolle hat. Dass dies auch in diesem Roman der Fall ist, hat mich absolut begeistert. Es hatte etwas unglaublich Spannendes, was wirklich sehr viel zu der Geschichte beigetragen hat. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass das Ganze etwas ausgewogener gewesen wäre, denn leider kam Connor ein wenig zu kurz. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass dies Evans Geschichte ist und dass der Fokus nun einmal auf ihm liegt, dennoch hätten mir ein paar weniger Kapitel aus seiner Sicht und dafür ein paar mehr aus Connors Sicht auch sehr gut gefallen. Einfach aus dem Grund, weil Connor in der Geschichte ohnehin irgendwie viel zu kurz kam.

Und genau das bringt mich nun auch zu dem Punkt, der mir an dem Buch nicht so gut gefallen hat. Ich hatte ein winziges Problem damit, wie Connors Selbstmord in diesem Buch dargestellt bzw. “ausgenutzt” wird. Im Rahmen seiner Therapie wird Evan von seinem Therapeuten dazu verdonnert, sich selbst Briefe zu schreiben. Einer dieser Briefe landet in den Händen von Connor, der kurz darauf Selbstmord begeht und zum Zeitpunkt seines Todes noch immer Evans Brief bei sich hat. Connors Familie glaubt, es sei sein Abschiedsbrief an seinen wohl einzigen Freund Evan. Automatisch gehen sie also davon aus, dass Connor und Evan beste Freunde waren und schnell bauen sie eine sehr intensive, tiefe und bedeutungsvolle Beziehung zu Evan auf. Und genau da fing es an. Evan verfälscht nach seinem Tod Connors halbes Leben. Er macht ihn zu einer Person, die er vermutlich nicht wahr. Er kannte ihn nicht, hatte kaum ein paar Wörter mit ihm gewechselt; lag vielmehr ständig im Clinch mit ihm und plötzlich gibt er sich als seinen einzig wahren besten Freund aus. Und das nicht nur vor Connors Familie, sondern vor der gesamten Welt.

Evan hat mithin als völlig fremde Person plötzlich die Kontrolle über Connors Leben und Connor, der nicht mehr für sich selbst sprechen kann, kann sich in keiner Weise dagegen wehren, sich rechtfertigen, die Dinge gerade rücken. Evan nimmt Connor irgendwie sein Vermächtnis weg. Irgendwie wurde ich dadurch das Gefühl nicht los, dass der Selbstmord von Connor zur Selbstfindung von Evan ausgenutzt wird. Ich finde es großartig, wenn sich Bücher über Mental Health an solcher Beliebtheit erfreuen; es wird heutzutage einfach noch viel zu wenig über diese Thematik gesprochen, doch irgendwie hatte das alles hier einen bitteren Beigeschmack.

Auf der anderen Seite jedoch hat auch Evan mit Depressionen zu kämpfen. Dieser Brief, der so stark nach einem Abschiedsbrief vom Leben klingt, stammte aus seiner Feder. Diese Worte sind seine, dass er dann natürlich nach einem Weg sucht, sich selbst zu finden, erscheint mir logisch und verständlich, doch fraglich ist, ob dies die richtige Art und Weise war, das Ganze anzugehen. Auch wenn man ihm natürlich zu Gute halten muss, dass er dies nicht absichtlich getan hat. Er wurde da irgendwie so mit reingezogen und hatte immer im Hinterkopf, Connors Familie nicht zu enttäuschen und sie nicht noch mehr zu verletzen, als sie es ohnehin schon waren.

Leider waren mir die Konsequenzen am Ende dann allerdings doch ein wenig zu harmlos. Natürlich wünsche ich Evan nichts Schlechtes. Ich finde nicht, dass er es aufgrund dieser Sache verdient hat, dass man sein Leben ruiniert. Er befindet sich selbst in einer Verfassung, die man nicht unbedingt als mental stabil bezeichnen würde, dennoch hat er einen Fehler gemacht; einen großen Fehler und die Auflösung am Ende war meines Erachtens nach einfach nicht ausreichend. Doch auch hier kann man das Ganze natürlich so sehen, dass – auch wenn es gelogen war – Evan auf diese Weise Connors Familie Trost gespendet und ihnen geholfen hat, über diese schwere Zeit hinweg zu kommen. Durch ihn haben seine Eltern Connor plötzlich mehr Wert geschätzt.

Und trotzdem hat mich das Buch emotional so sehr berührt, dass ich selbst jetzt noch, Tage nachdem ich das Buch beendet habe, ständig daran denken muss, an Evans und Connors Geschichte; die Geschichte von zwei Jungs, die unglaublich tragisch begonnen hat und irgendwie auch genauso geendet hat. Hinzu kommt, dass ich die Songs zu dem Musical nun noch viel intensiver wahrnehme. Allerdings möchte ich dazu sagen, dass das Musical ein wenig besser gelungen ist in der Umsetzung der Darstellung von Evans Ängsten etc.

Dieses Buch hat mich innerlich zerrissen und mich moralisch wirklich auf die Probe gestellt. Dieses Buch ist unfassbar intensiv, gleichzeitig aber auch ein wenig humorvoll und vor allen Dingen auch hoffnungsfroh. Es macht Mut; es motiviert und inspiriert teilweise auch. Es hat einfach dieses Gefühl in mir ausgelöst von dem ich weiß, dass ich hier gerade ein Buch in den Händen halte, dass mir – trotz meiner inneren Zerrissenheit – durch Mark und Bein gegangen ist und mich mitten ins Herz getroffen hat.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Für mich persönlich hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch jedem empfehlen würde, da es ein paar problematische Aspekte gibt und Themen behandelt, mit denen sicherlich nicht jeder klar kommt – was vollkommen okay ist. Mir hat das Buch allerdings wirklich sehr viel bedeutet und nachdem ich es jetzt gelesen habe und wirklich täglich das Musical höre, möchte ich es auch unbedingt noch live sehen.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Val Emmich
Titel: Dear Evan Hansen
Verlag: Little Brown
Seiten: 369
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2018
Preis: 13,48 [D]


TIPP: Am 02. September 2019 erscheint das Buch auf Deutsch bei Randomhouse bei cbj Jugendbuch.


KATEGORIE

[Die Erklärung zu meinen Bewertungs-Kategorien kannst du HIER nachlesen.]

WEITERE REZENSENTEN

Solltest du auch eine Rezension zu diesem Titel geschrieben haben, verlinke sie mir gerne in den Kommentaren. 

Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.



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Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
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Comments

  1. Antworten

    Hi Ivy!

    Ohh so ein ernstes Thema, das hab ich vom Cover her jetzt garnicht erwartet, aber es macht Sinn nachdem man deine Rezi gelesen hat. Ich finde es toll, dass immer mehr Jugendbücher mit ernsteren Thematiken vertraut gemacht werden. Danke auch für die deutsche Verlinkung. Ich denke ich werde es mir dann auch zulegen.

    Liebste Grüße, Stella

    1. Antworten

      Liebe Stella,

      dann wünsche ich dir schon mal viel Spaß mit dem Buch und bin gespannt, was du dazu sagen wirst hihi <3

      Liebste Grüße
      Ivy

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