Rezension: Der Heimweg – Sebastian Fitzek

Inhalt/Klappentext:

Es ist Samstag, kurz nach 22.00 Uhr. Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon. Ein ehrenamtlicher Telefonservice für Frauen, die zu später Stunde auf ihrem Heimweg Angst bekommen und sich einen telefonischen Begleiter wünschen, dessen beruhigende Stimme sie sicher durch die Nacht nach Hause führt – oder im Notfall Hilfe ruft. Noch nie gab es eine wirklich lebensgefährliche Situation. Bis heute, als Jules mit Klara spricht. Die junge Frau hat entsetzliche Angst. Sie glaubt, von einem Mann verfolgt zu werden, der sie schon einmal überfallen hat und der mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht in nicht einmal zwei Stunden an …


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


CW: häusliche Gewalt, psychischer/physische Gewalt gegenüber Frauen, sexueller Missbrauch, Verstümmelung

Es gibt einige Autoren, deren Neuerscheinungen ich nicht nur sehnsüchtig erwarte, sondern auch gleich vorbestelle, und zwar ohne auch nur den Klappentext gelesen zu haben. Sebastian Fitzek ist einer davon. Für mich gehört er zum Herbst, wie die sich langsam verfärbenden Blätter und kühlere Temperaturen. Auch wenn wir uns in diesem Jahr einigen neuen Herausforderungen und Veränderungen ausgesetzt sahen, so gab es doch auch wenige Konstante, die blieben und das Jahr, in dem #stayhome zum Motto wurde, ein wenig erträglicher und unterhaltsamer machte. Das neue Buch von Sebastian Fitzek zum Beispiel. Trotz Corona versorgt er uns auch in 2020 mit neuem Lesestoff und ich kann euch sagen: haltet euch besser fest, denn Der Heimweg ist meiner Meinung nach sein bisher brutalstes Buch. 

Fitzek Fans wissen für gewöhnlich, was sie erwartet, wenn sie nach seinem neuen Thriller greifen. Brutalität, Spannung, Blut und jede Menge Twists und Turns. MitDer Heimweg allerdings schafft Sebastian Fitzek es, sogar mich zu schockieren und mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengrube zurückzulassen. Dieses Buch ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Natürlich sind das viele seiner Bücher nicht, doch das hier ist irgendwie schlimmer, brutaler, gefährlicher … Womöglich liegt es an der Thematik der häuslichen Gewalt, vielleicht auch an der sehr detailreichen und bildhaften Darstellung eben solcher Szenen, die mir nicht nur ein Gefühl des Ekel verursacht, sondern mich auch wütend gestimmt und schockiert zurückgelassen haben. Mit der Schilderung dieser grausamen und brutalen Szenen hat er nicht nur für Spannung, sondern auch für Gänsehaut gesorgt. Es ist wie ein Film, der sich vor dem inneren Auge abspielt; ein Film, den man am liebsten ausschalten würde oder während dem man sich zumindest die Hände oder ein Kissen vor Gesicht halten würde, um den Anblick dieser schrecklichen Szenen nicht ertragen zu müssen, doch das geht nicht, wenn sich diese Worte erst einmal in die Netzhaut eingebrannt haben. 

Bei Der Heimweg handelt es sich um einen absoluten Pageturner. Es war mir unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen, trotz der grausamen Bilder, die sich in mein Hirn gebrannt haben und dort bis heute kleben geblieben sind, wie ein alter Kaugummi unter einem Schuh. 

Und obwohl mich das Buch emotional wirklich aufgewühlt, teilweise auch mit einem angeekelten Gefühl im Inneren zurückgelassen hat, so muss ich dennoch sagen, dass mich das Buch nicht zu 100 % überzeugen konnte und ich glaube, das Ganze lag irgendwie ein bisschen in der vorgenannte Brutalität begründet. Stellenweise erschien mir das Ganze ein wenig zu gewollt; als wäre die Hauptintension des Autors es gewesen, zu schockieren. Das hat er auch geschafft, allerdings frage ich mich, zu welchem Preis? Für mich hat es ein wenig an Tiefe gefehlt; an ein bisschen mehr Story und im Gegenzug dafür dann ein kleines bisschen weniger Brutalität und Perversion. Ich möchte damit nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, überhaupt nicht. Mir persönlich hat es einfach nur an etwas gefehlt, während es von anderen Dingen ein wenig zu viel gab und deshalb übertrieben wirkte. So ein bisschen over the top.

Die Twists und Turns, besonders zum Ende hin, eben genau das, wofür Fitzek bekannt ist (er schafft es einfach immer wieder, den Leser in den Wahnsinn zu treiben – zumindest schafft er das bei mir) haben mich auch diesmal wieder erstaunt, aber auch ein wenig verwirrt, wenn ich ehrlich bin. Nachdem ich das Buch beendet hatte, musste ich meiner Freundin, die das Buch zeitgleich mit mir begonnen, aber schon früher fertig war, erst einmal eine Sprachnachricht schicken und die Gedanken in meinem Kopf sortieren, wer jetzt mit wem wann wieso etc. pp. Vieles war nicht ganz so eindeutig oder nachvollziehbar, wie ich finde, was die Auflösung für meinen Geschmack daher auch nicht ganz so spektakulär bzw. schlüssig gemacht hat. 

LOHNT SICH DAS BUCH?

Trotz der kleinen Kritikpunkte kann ich nur sagen, ja! Das Buch schockiert – und zwar ganz gewaltig. Nichts ist, wie es scheint. Es ist kaum möglich, das Buch aus der Hand zu legen. Der Heimweg ist ein richtiger Pageturner, der zwar nicht zu 100 % überzeugen bzw. mit seinen anderen Büchern mithalten kann, aber dennoch für schlaflose Nächte sorgt, wenn man denn möchte. Fitzek Fans werden ganz sicher auf ihre Kosten kommen. Für mich stellt das Buch zwar kein Highlight dar, aber dennoch ein gelungener, neuer Thriller, dem ich jedem (zumindest denen, die die behandelte Thematik in diesem Buch nichts ausmacht) Thriller-Fan wirklich empfehlen kann.


INFOS ZUM BUCH

Autor*in: Sebastian Fitzek
Titel: Der Heimweg
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 400
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2020
Preis: 22,00 [D]

Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

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Letterheart | Zeilenfluch

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