Rezension: Die Schwestern von Mitford Manor – Jessica Fellowes

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Inhalt/Klappentext:

London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Krieges jeder etwas zu verbergen hat. (Quelle)


Vielen Dank an den Pendo Verlag (Piper Verlag), der mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


Als ich von dem Verlag gefragt wurde, ob ich nicht Interesse hätte, das neue Buch von Jessica Fellowes zu lesen, war ich anfangs etwas skeptisch. Ich muss gestehen, ich war noch nie ein großer Fan von historischen Romanen, tue ich mich – aus irgendeinem Grund – immer schwer damit, in diese Geschichten einzutauchen. Doch die Mischung aus Krimi und Historischer Roman machten mich neugierig. Außerdem hatte ich mir dieses Jahr fest vorgenommen, meinen literarischen Horizont zu erweitern und mich auch mal in unbekannte Gefilde zu begeben und Genres auszuprobieren, die ich bisher immer gemieden hatte. Ich griff also die Gelegenheit beim Schopfe, nahm die angebotene Kooperation des Verlages an und freute mich auf ein mir neues, unbekanntes Abenteuer. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, dass die Mitford Schwestern tatsächlich existierten und auch der Mord an Florence Nightingale Shore nicht vollends der Fantasie der Autorin entsprungen ist, sondern sich dieser tatsächlich im Jahre 1920 zugetragen hatte.

Habt ihr schon mal ein Buch gelesen, das ein solch großes Interesse in euch geweckt hat, dass ihr, nachdem ihr es beendet hattet, stundenlang im Internet verbracht und recherchiert habt? Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht hat genau dieses Bedürfnis in mir ausgelöst. Sogar noch bevor ich das Buch beendet hatte, wollte ich mehr erfahren; wollte mehr wissen über die Familie Mitford, insbesondere über die sechs Töchter. Meine Befürchtungen, eventuell Schwierigkeiten sowohl mit dem Setting, als auch mit dem Schreibstil haben zu können, stellten sich bereits nach den ersten paar Seiten als unnötig heraus. Jessica Fellowes beschreibt alles ganz wunderbar bildhaft und lebendig. Wie ein Film spielen sich die Geschehnisse vor dem geistigen Auge ab und man sieht die schmutzigen und düsteren Gegenden Londons, das prachtvolle Anwesen der Mitfords, sowie die noblen Ferienorte an der Küste und die hübschen, kleinen, gemütlichen Cafés so deutlich vor sich, als wäre man selbst dort. Doch nicht nur die Orte und Geschehnisse beschreibt sie lebendig, auch die Emotionen der Menschen kommen so unglaublich gut rüber, dass es mir teilweise wirklich Gänsehaut verursachte, insbesondere die Gegensätze zwischen arm und reich, den Kriegsheimkehrern und den Daheimgebliebenen macht sie – dank offenbar intensiver Recherchen – in ihrer Geschichte um die Mitford-Schwestern sehr intensiv deutlich.

Und obwohl ich glaubte, den Überblick über all die Figuren zu verlieren, was in einem Buch mit so unglaublich vielen, unterschiedlichen Figuren gar nicht so abwegig ist, stellte sich auch dies schon nach den ersten Kapitel als nicht zutreffend heraus, da aufgrund der detaillierten Beschreibungen und der Abgrenzungen der verschiedenen Handlungsstränge es keineswegs schwierig war, die Figuren auseinanderzuhalten und den Figuren zu folgen, zumal sämtliche von Ihnen ganz wunderbar ausgearbeitet und dargestellt sind, mit ihren Eigenarten und Liebenswürdigkeiten.

Besonders angetan hat es mir hier Louisa, das Kindermädchen, das sich aufgrund ihrer Arbeit auf Mitford Manor ein besseres Leben erhofft. Nancy, die älteste der Mitford Töchter, ist nur zwei Jahre jünger als Louisa und möchte sie daher unbedingt als Freundin und Vertraute, statt als Kindermädchen und das obwohl sie, bis auf ihr Alter, nicht viel gemein haben. Die beiden jungen Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein, stammt Nancy aus einer ansehnlichen Familie, die auf so viele Bedienstete zurückgreifen kann, dass man es ihr nicht verübeln würde, würde sie all die Angestellten in ihrem Hause nicht mal beim Namen nennen. Louisa hingegen kommt aus ärmlichen Verhältnissen und teilte sich sogar ein Zimmer mit ihrer Mutter. Als Wäscherin ging sie ihrer Mutter zur Hand und versuchte so zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts beizutragen.

„Ein bisschen kam es ihr so vor, als würden sie die Hände nacheinander ausstrecken, ohne sich ganz berühren zu können …“

Während ich Louisa unglaublich lieb gewonnen habe, hatte ich so meine Schwierigkeiten mit Nancy muss ich gestehen. Obwohl sie wohl anscheinend die umgänglichste der Mitford-Schwestern war, kam ich mit ihrem Charakter nur sehr schwer zurecht. Ich empfand sie als aufmüpfig, manchmal sogar als respektlos und frech. Wahrscheinlich ist es auch genau das, was sie auszeichnet, hat sie sich schon immer gruselige Geschichten ausgedacht und zum Spaß jeden in ihrer Umgebung, besonders ihre Geschwister, „auf die Schippe genommen“. Dennoch erschien sie mir für ihr Alter teilweise zu unreif, was mich stellenweise wirklich in den Wahnsinn trieb. Louisas Zweifel, ob sie sich nun tatsächlich auf eine Freundschaft zu ihr einlassen sollte oder nicht, konnte ich daher sehr gut nachempfinden. Auch ich war mir in manchen Situationen einfach unsicher, ob man Nancy vertrauen konnte oder nicht.

Während Nancy also versucht, Louisa zu Dingen zu überreden, die sie ihren Job kosten könnten, und obwohl sie es tunlichst vermeiden möchte, ihre Stellung zu verlieren, lässt sie sich von Nancy doch zu den ein oder anderen Dingen überreden, was ihre Anstellung in Mitford Manor gefährdet.

Und obwohl ich Louisa wirklich gleich von Beginn an in mein Herz geschlossen habe, war sie dennoch nicht mein Liebling der zahlreichen Figuren, die wir in dieser Geschichte begleiten dürfen. Mein Liebling und der wahre Held dieser Geschichte ist in meinen Augen Guy, der Bahnpolizist. Er ist hartnäckig und verfügt über echtes Durchsetzungsvermögen. Er ist hin und wieder etwas schüchtern, zurückhaltend irgendwie und vielleicht auch das ein oder andere Mal etwas ungeschickt, aber dennoch verfügt er über die Kämpfernatur eines Löwen. War er einer der Polizisten, die zum Tatort des schrecklichen Mordes an Florence Nightingale Shore gerufen wurden, wurde er späterhin von dem Fall abgezogen, lässt sich davon aber nicht unterkriegen, noch nicht einmal, als er bewusst die Grenzen überschreitet und das ein oder andere mal sogar gegen die polizeilichen Vorschriften verstößt. Auf eigene Faust ermittelt er weiter. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Mord an Florence Nightingale Shore aufzuklären, nicht nur, um ihr Gerechtigkeit zuzuführen, sondern auch, weil er davon träumt, dem Geheimdienst beizutreten und durch das Aufklären des Falls eben auf eine solche Stellung hofft, um endlich aus seinem Elternhaus ausziehen und sich eine eigene Wohnung leisten zu können, um letztendlich dann auch eine Frau zu finden.

Der Mordfall der Florence Nightingale Share ist unglaublich komplex und im Laufe der Geschichte werden immer neue Aspekte aufgedeckt. So führt der Fall zum Beispiel zurück bis in den ersten Weltkrieg. Immer wieder tauchen neue Verdächtige auf, Motive und Alibis, in denen man sich als Leser nach einer Weile vollends verliert. Bis zuletzt lag ich mit meinen Vermutungen falsch. Ich war gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite, was nicht nur an dem wunderbar lebendigen Schreibstil der Autorin lag, sondern auch an dem überaus spannenden Plot und all den überraschenden Wendungen. Auch das Zusammenspiel der einzelnen Figuren, hat in mir das starke Bedürfnis geweckt, immer weiter zu lesen. Jessica Fellowes hat es mit ihrem Buch geschafft, mich in eine völlig fremde, neue Welt zu entführen, von der ich sehr gerne noch länger ein Teil geblieben wäre, denn obwohl das Buch mit seinen knapp 500 Seiten schon ein recht dicker Wälzer ist, hätte ich noch ewig darin weiter lesen und mich von der Geschichte der Familie Mitford berieseln lassen können.

Ein richtiger Pageturner. Ich konnte es einfach nicht aus den Händen legen.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Ein mysteriöser Mord, den es aufzuklären heißt, jede Menge Verwicklungen unter den Figuren, Krieg, Freundschaft und Liebe – dieses Buch hat alles, was ein Buch braucht, um den Leser von Anfang bis Ende zu unterhalten. Eine Familiensaga, die nicht nur brillant, sondern auch spannend und unterhaltsam umgesetzt ist. Schon jetzt freue ich mich auf die Folgebände. Jede der Schwestern wird ihr eigenes Buch bekommen. Und jetzt, nachdem wir wissen, dass ein paar der Schwestern sich tatsächlich zum Faschismus, sprich zu Adolf Hitler, hingezogen fühlten, bin ich noch neugieriger darauf, wie die Autorin dies umsetzen wird. In einem Interview sagte sie bereits, dass sie gerade hiervor sehr viel Respekt hat.

Ich für meinen Teil kann gar nicht genug von den Mitford Geschwistern bekommen und habe mit diesem Genre nun auch ein neues Genre gefunden, in das ich in Zukunft sicherlich noch häufiger abtauchen werde, dank Jessica Fellowes, die es geschafft hat, mich absolut in ihren Bann zu ziehen.

Im Übrigen ist der Mord an Florence Nightingale Shore, wie oben bereits erwähnt, tatsächlich passiert, im Gegensatz zu der Geschichte im Buch wurde er in Wirklichkeit allerdings leider nie aufgeklärt.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Jessica Fellowes
Titel: Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
Verlag: Pendo Verlag (Piper)
Seiten: 496
Erscheinungsdatum: 04. September 2018
Preis: 16,99 [D] | 17,50 [A]
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10 Cover
10 Handlung
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10 Suchtfaktor
9.8
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4 Comments

  • Liebe Ivy,
    danke dass du auf dieses Buch aufmerksam machst, ich wäre vermutlich sonst nicht drauf gekommen.
    Zwar hatte mich der Verlag auch angeschrieben, aber so wie du kann ich sonst nicht viel mit historischen Romanen anfangen und habe abgelehnt – jetzt bereue ich das ein wenig, aber ich kann mir das Buch ja auch kaufen 🙂
    Dein Fazit klingt wirklich großartig. <3

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Liebe Nicci,

      ach das kenne ich zu gut, ich habe z. B. Kyss abgelehnt, weil ich dachte, mir würden die Bücher nicht gefallen. Nach den positiven Stimmen zu Redwood habe ich es dann der bereut haha okay, jetzt wo ich die anderen Bücher sehe, bereue ich es nicht mehr ganz so stark, aber manchmal weiß man vorher eben einfach nicht, ob ein Buch was für einen ist oder nicht. Bei diesem hier hätte ich es auch wirklich nicht geglaubt, aber ich bin so verliebt in die Geschichte und in die Charaktere und vor allen Dingen auch in das Setting … die 20er Jahre sind richtig toll!

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,

    wow, was für eine ausführliche Rezension! Ich muss gestehen, ich hatte das Buch schon öfters auf Instagram gesehen und schon öfters überlegt ob ich es mir kaufen soll. Denn das Cover hat mich sofort angesprochen! Den Klappentext hatte ich mir bis dato allerdings nicht genauer angesehen. ABER, dass wird sich jetzt eindeutig ändern. Deine Rezension zu dem Buch klingt so vielversprechend und für meinen Geschmack einfach optimal! London, 1920, historisch, ein Mordfall, ein großes Anwesen, Reichtum, Armut, etc. – All das zusammen klingt so interessant und spannend! Und das auch noch zu jeder Schwester ein einzelner Band erscheinen soll klingt ja wirklich mega spannend! Den ersten Band werde ich mir auf jeden Fall ganz schnell kaufen und ihn ganz schnell lesen 😀

    Dankeschön für diese tolle Inspiration <3

    • Liebe Alina,

      es freut mich sehr, dass dir meine Rezension gefällt und dass ich dein Interesse wecken konnte 🙂 mir hat das Buch so unglaublich gut gefallen, ich war richtig überrascht, wie gut es mir gefallen hat 🙂 Wenn du all diese Dinge liebst, dann bin ich mir sicher, dass du es ebenfalls mögen wirst 🙂 Ich hoffe es jedenfalls 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

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