Rezension: Die Töchter von Ilian – Jenny-Mai Nuyen

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Inhalt/Klappentext:

Vier magische Artefakte bestimmen das Schicksal der Welt:

Ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren.
Eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen.
Ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen.
Eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen.

Werden sie verschenkt, steigert sich die Macht der Artefakte, werden sie behalten, nimmt diese ab. Doch die magischen Artefakte sind verschollen. Die Weisen Frauen, die einst friedvoll mit ihnen regierten, sind in die Wälder geflohen, und Kriegsfürsten herrschen über Menschen, Zwerge und Elfen. Die Zeit ist gekommen, dass die Töchter aller Völker sich erheben, um die Macht zurückzugewinnen.


Vielen Dank an den Fischer Tor Verlag, die mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


TW: Vergewaltigung, Transphobie, Pädophilie

Auch in ihrem neuesten Roman bleibt Jenny-Mai Nuyen ihrem Schreibstil treu: sehr bildhaft und detailverliebt. Ihre Liebe zum Detail ist kaum zu verkennen, gibt sie sich unglaublich viel Mühe damit, die Welt so anschaulich wie möglich zu präsentieren. Egal ob es nun um die verschiedenen Völker und deren Kulturen oder die Legenden die magischen Artefakte betreffend geht – die Autorin beweist unglaublichen Ideenreichtum. Sie bricht diesbezüglich auch mit altbekannten Klischees, so hebt sich das Volk der Zwerge in diesem Buch zum Beispiel sehr von dem altbekannten und gängigen Zwergenvölkern in anderen Fantasyromanen ab.

Die Autorin hat eine sehr authentische und stimmige, von A bis Z durchdachte Welt geschaffen, die mit all ihren Mythen und Legenden unglaublich ausgereift ist.

Eine so große Welt, wie die Autorin sie hier geschaffen hat allerdings erfordert natürlich auch jede Menge Charaktere und Geschichten, wovon ich mich insbesondere am Anfang ein wenig erschlagen gefühlt habe. Ich hatte Schwierigkeiten, die Charaktere auseinander zu halten. Glücklicherweise gibt es im Buch ein Charakterverzeichnis, welches ich mir gerade auch am Anfang immer mal wieder zu Hilfe genommen habe.

Die Handlungsstränge sind mithin nicht weniger komplex als die Welt, in der die Geschichte spielt, was ich grundsätzlich wirklich toll finde, allerdings wurde es mir hier stellenweise doch ein wenig zu viel. Zum Beispiel erzählt die Autorin Walgretas Geschichte, in der es nicht nur um Selbstfindung, sondern auch um Verführung der Macht geht, aber es geht auch um Fayanús, der ein tragisches Schicksal erlitten hat. Es geht um Liebe und Schmerz, Misshandlung und Trauerbewältigung – alles wunderbare und vor allen Dingen wichtige Themen, die in ihrer Masse allerdings ein wenig erdrückend wirken können. Und natürlich haben wir da auch noch Mauskin und Rainon, in deren Geschichte es um Verlust und Liebe geht, um Kampf und Macht.

Tatsächlich war ich ein wenig erstaunt darüber, wie brutal, düster und hoffnungslos diese Geschichte stellenweise ist. Während man bei dem eher friedlich wirkenden Cover auch von einer solchen Geschichte ausgeht, geht es im Buch wider Erwarten wirklich richtig brutal zu, zu vergleichen zum Beispiel mit Game of Thrones. Der Leser sollte sich gefasst machen auf Vergewaltigungen, Transphobie, Pädophilie und auch einige Sexszenen, die definitiv nicht im Einvernehmen von Statten gehen. Einige dieser Szenen sorgen definitiv für einen Schockmoment. Während mir diese Szenen nicht allzu viel ausmachten, hatte ich allerdings ein winzig kleines Problem mit einer ganz bestimmten Tatsache. Bei einem der Hauptcharaktere handelt es sich um einen Trans-Manns, was ich absolut großartig finde. Allerdings hatte ich das Gefühl, das alle schlimmen Sachen und dazu wirklich die schlimmsten aller schlimmen Sachen immer nur ihm zustoßen.

Das Gute daran allerdings ist, dass am Ende all diese verschiedenen Handlungsstränge; all diese verschiedenen Fäden zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden; wie ein Puzzle, das langsam von Seite zu Seite zusammengesetzt wird.

Die Geschichte um die vier magischen Artefakte hat mir wirklich sehr gut gefallen: ein Becher, um die Vergangenheit zu bewahren, ein Spiegel, um sich selbst zu erkennen, eine Flöte, um mit Tieren zu sprechen und eine Sternenscheibe, um die Zukunft zu sehen. Die Artefakte müssen in Liebe verschenkt werden, sodass sich ihre Macht steigert. Behält man sie jedoch, nimmt die Macht ab. Wie ihr seht, sind der Kreativität und dem Ideenreichtum der Autorin keinerlei Grenzen gesetzt.

Die Geschichte ist voll mit Magie, Zwergen, Elfen und Menschen – eben genau den Dingen, die ein gutes High Fantasy Buch braucht. Es geht um Macht und Krieg, um Liebe und Verlust … in diesem Buch steckt so viel, dass es schwierig ist, wirklich alles dieser Welt zu entdecken. Aus genau diesem Grund musste ich auch ein paar Stellen zwei Mal lesen und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich einiges auch schon wieder vergessen habe, obwohl es noch gar nicht so lange her ist, dass ich das Buch beendet habe.

Was mir wirklich ganz besonders gefallen hat, ist die bewegende Liebesgeschichte, die die Autorin mit all diesen unglaublich tollen Fantasy Elementen erzählt. Man leidet praktisch mit den Charakteren, die man über die Seiten hinweg fast allesamt ins Herz geschlossen hat. Die Charaktere sind vielschichtig, haben Ecken und Kanten, was sie zu wirklich interessanten Wegbegleitern macht. Gerade auch die Entwicklung der Charaktere steht hier im Fokus, nimmt die Autorin sich für alle genug Zeit. Insbesondere auch die Tatsache, dass das Buch aus verschiedenen Sichten geschrieben ist, erleichtert es dem Leser, eine engere Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, sie zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen.

Auch ein Pluspunkt: Vieles kommt völlig unerwartet. In den meisten Büchern ist es ja so, dass man zumindest eine Ahnung hat, wo die Geschichte hingeht, und oftmals liegt man damit auch richtig, doch, in in diesem Fall hat mich die Autorin mehr als einmal überrascht, was nicht nur zur Spannung beigetragen hat, sondern auch die Neugierde geschürt hat.

Nichtsdestotrotz muss ich auch dazu sagen, dass mir all das zwar wunderbare Lesestunden beschert hat, mir gleichzeitig aber auch den Einstieg in die Geschichte ein wenig erschwert hat und auch wenn ich ein Fan ihres Schreibstils bin, wurde ich einige Male durch die Detailverliebtheit abgelenkt, was dazu führte, das ich mit meinen Gedanken irgendwo anders gelandet bin, nicht aber dort, wo sie hingehörten, nämlich bei der Geschichte.

Abschließend möchte ich noch einmal kurz auf den Schreibstil der Autorin eingehen, der in meinen Augen wirklich unglaublich besonders ist. Bereits bei ihren anderen Büchern war es ihre Art zu Schreiben, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Es scheint fast so, als würde sie jedes Wort, dass sie nieder schreibt, innig lieben und mit ein klein bisschen Magie versehen. Ihre Worte sind so mächtig, so gefühlvoll und emotional. Man kann sich einfach so davon träumen, was einfach wundervoll ist.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Zu meinem neuen Lieblingsbuch der Autorin wurde Die Töchter von Ilian leider nicht (Nocturna ist nach wie vor auf Platz eins) und auch wenn ich mich nicht zu 100 % in der Geschichte einfinden konnte und immer mal wieder Schwierigkeiten hatte, die Geschichte wirklich zu fühlen und zu leben, so handelt es sich bei ihrem neuesten Werk dennoch um ein Fantasy-Epos, das in das Bücherregal eines jeden Fantasy-Fans gehört. Das Worldbuilding ist grandios, die Charaktere ganz wundervoll und der Schreibstil einzigartig – die Geschichte berührt und fesselt nicht nur, sondern hat auch einige Überraschungen parat. Jeder sollte sich unbedingt selbst ein Bild von dieser Geschichte machen.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Jenny-Mai Nuyen
Titel: Die Töchter von Ilian
Verlag: FISCHER Tor
Seiten: 656
Erscheinungsdatum: 13. März 2019
Preis: 16,99 [D] 17,50 [A]
Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

[Die Erklärung zu meinen Bewertungs-Kategorien kannst du HIER nachlesen.] 

WEITERE REZENSENTEN

My Library of Dreams | Letterheart | Zeilenwanderer | Ney Wonderland

Solltest du auch eine Rezension zu diesem Titel geschrieben haben, verlinke sie mir gerne in den Kommentaren.

Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
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Comments

  1. Antworten

    Liebe Ivy,
    es freut mich, dass dich das Buch – auch wenn es nicht dein Lieblingsbuch der Autorin ist – überzeugen konnte. Zumindest klingt es für mich danach 🙂 Ich mag ihre Jugendbücher (Nijura und Nocturna) auch lieber, hatte mit Die Töchter von Ilian aber auch großen Spaß.
    Ich kann dir aber recht geben: Ich habe am Anfang auch etwas gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden und alle Figuren zuzuordnen.
    Am besten haben mir auch die Überraschungen und der Schreibstil der Autorin gefallen. Das hat sie einfach drauf 🙂 Danke dir für deine Verlinkung!
    Alles Liebe
    Janika

    1. Antworten

      Liebe Janika,

      Nocturna ist bis heute mein Lieblingsbuch von ihr und Nijura liebe ich auch unglaublich – es sind so wunderschöne Geschichten. Meiner Meinung nach kommt dieses leider nicht an ihre alten Bücher heran, aber es war dennoch – wie auch nicht anders zu erwarten – richtig toll, anders, aber gut. Und über den Schreibstil müssen wir glaube ich gar nicht erst sprechen, der ist einfach etwas ganz Besonderes!

      Sehr gerne 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

    • Lisa
    • 15. Juni 2019
    Antworten

    Huhu Ivy,

    das hört sich nach einer spannenden Geschichte an. Ich frage mich ja manchmal was die Autoren nehmen um auf solche Geschichten zu kommen 😀
    Dank deiner Rezi hab ich mir das direkt mal aufgeschrieben.
    Übrigens finde ich die bunten Elemente in deinem Blog echt schön. Coole Idee von dir!

    LG Lisa

    1. Antworten

      Liebe Lisa,

      ohja, das frage ich mich auch 😀

      Und vielen Dank! Schön, dass es dir gefällt 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

  2. Liebe Ivy,

    eine wirklich schöne Rezension!
    Für mich war es ja das erste Buch der Autorin und auch, wenn ich durch einzelne Aspekte sehr fasziniert war, konnte es mich leider nicht gänzlich überzeugen. Aber auf jeden Fall eine wirklich besondere Geschichte!

    Liebe Grüße
    Jill

    1. Antworten

      Liebe Jill,

      ich kann sehr gut verstehen, dass es dich nicht 100%ig überzeugt hat. Mir ging es da ja ganz genauso. Ihre älteren, Fantasy-Jugendbücher sind richtig gut. Die kann ich dir absolut empfehlen, solltest du Lust drauf haben, noch ein paar ihrer anderen Bücher zu lesen 🙂 Insbesondere Nijura und Nocturne gehören zu meinen Lieblingen <3

      Liebste Grüße
      Ivy

  3. Antworten

    Hallo Ivy,
    ich bin über deine Rezension gestolpert. Ich lese gerade das Buch. Bin erst am Anfang und freue mich schon sehr auf diese vielen Handlungsstränge, die sich am Ende so toll zusammenführen. Als ich das Namensverzeichnis gesehen hatte dachte ich auch, oh je, das kann was werden. Bin sehr gespannt. Ich hoffe, dass ich den Überblick behalten werde.
    Insgesamt mochtest du das Buch ja sehr. Das ist schonmal viel Wert. 🙂
    GlG, monerl

    1. Antworten

      Hallo Monerl,

      jaaa all diese Namen und die Menge an Charakteren kann wirklich irgendwie erschlagend wirken. Mir hat das Namensverzeichnis aber tatsächlich sehr geholfen 😀

      Ich hoffe du hast weiterhin ganz viel Freude mit dem Buch! Viel Spaß!

      Liebste Grüße
      Ivy

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Willkommen auf meinem Blog!

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