Rezension: Everless – Sara Holland

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In the kingdom of Sempera, time is currency—extracted from blood, bound to iron, and consumed to add time to one’s own lifespan. The rich aristocracy, like the Gerlings, tax the poor to the hilt, extending their own lives by centuries. No one resents the Gerlings more than Jules Ember. A decade ago, she and her father were servants at Everless, the Gerlings’ palatial estate, until a fateful accident forced them to flee in the dead of night. When Jules discovers that her father is dying, she knows that she must return to Everless to earn more time for him before she loses him forever. But going back to Everless brings more danger—and temptation—than Jules could have ever imagined. Soon she’s caught in a tangle of violent secrets and finds her heart torn between two people she thought she’d never see again. Her decisions have the power to change her fate—and the fate of time itself.

[Quelle: www.goodreads.com]

Wisst ihr woran ich immer schnell merke, dass mich ein Buch emotional nicht erreicht hat? Wenn ich keine richtige Lust habe, eine Rezension zu schreiben. Ebenso bei Büchern, die mich absolut umhauen, fehlen mir auch in solchen Fällen dann immer die Worte und auch überhaupt die Lust, nach Worten zu suchen. Um welches Buch es sich handelt? Everless von Sara Holland, ein Buch, das ich gemeinsam mit drei anderen Mädels gelesen habe. 100 Seiten pro Woche hatten wir vereinbart, vergangenen Sonntag haben wir es dann gemeinsam beendet, doch irgendetwas fehlte … Ich konnte es bis zu diesem Zeitpunkt nicht richtig greifen, konnte nicht deuten, was es war, das mir fehlte um das Buch so zu lieben, wie es die meisten tun, doch Jacqui von Bookaholic. war es, die die richtigen Worte gefunden hat. Emotionen, es fehlten Emotionen. Und ich meine dabei nicht, dass ich bei Fantasy YA Büchern hochemotionale Werke erwarte, allerdings ist es mir wichtig, eine Verbindung zu den Figuren aufbauen zu können und das ist eben nur dann möglich, wenn Emotionen da sind, ganz gleich ob es sich nun um ein Fantasy Epos, ein Sci-Fi Roman oder eine Romance Novel handelt.

Und jetzt schreibe ich und schreibe und eigentlich bin ich mir noch immer noch gar nicht so richtig sicher, wie ich das Buch nun bewerten möchte.

Eins kann ich jedoch mit Sicherheit sagen: den vielen Lobeshymnen, die mir in letzter Zeit immer mal wieder über den Weg gelaufen sind, kann ich mich leider nicht anschließen.

Zeit ist Geld, das haben wir wohl alle schon mal gesagt oder jemanden sagen hören. Und nun stellt euch mal vor, es wäre tatsächlich so. Ihr geht in ein Lebensmittelgeschäft, doch ihr bezahlt nicht mit Geld, sondern mit eurer Lebenszeit. In Sempera ist die einzig gültige Währung Zeit. Während die Armen ihr Blut schröpfen müssen, um Ihre Pacht und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, mithin ihre Lebenszeit opfern, lehnen die Reichen sich zurück, lösen einen dieser Bluttaler nach dem anderen in ihrem Tee auf und gewinnen so immer mehr Lebensjahre. Allen voran die Familie Gerling, die in Everless, einem riesigen Palast in Sempera, residiert und gleichzeitig auch die Erzfeinde unserer Protagonistin, Jules Ember, sind. Vor langer Zeit einmal lebten Jules und ihr Vater selbst in Everless, wurden jedoch vertrieben und müssen seither ihr Leben in Armut fristen. Als die Lebensjahre jedoch knapper und knapper werden und nicht mehr viel Blut zum Schröpfen übrig bleibt, mithin nicht mehr viel Lebenszeit, beschließt Jules, um ihren Vater vor dem sicheren Tod zu bewahren, zurück nach Everless zu gehen, als Bedienstete, um sich dort ein paar der so dringend benötigten Bluttaler zu verdienen, denn auf Everless fällt die Bezahlung um einiges besser aus als in dem kleinen Ort, in dem sie leben. Ein paar Wochen, ein paar Monate vielleicht und sie hätte soweit ausgesorgt, um ihrem Vater ein paar mehr Lebensjahre zu verschaffen. Doch ihr Vater warnt sie vor Everless, vor den Gerlings und insbesondere auch vor der Königin. Jules jedoch macht sich dennoch auf den Weg nach Everless, still und heimlich schleicht sie sich davon und begibt sich dadurch in eine Gefahr, die ihr vorher gar nicht so bewusst war. Schnell stellt sie fest, dass ihr Vater all die Jahre Recht gehabt hatte … und das muss sie dann selbst auf schmerzvolle Weise erfahren.

POSITIV

Bereits mit dem Grundkonzept wirft das Buch sehr interessante und moralische Fragen auf, die mich wirklich unglaublich beschäftigt und in ihren Bann gezogen haben. Die makabre Thematik verursachte einen Knoten in meiner Magengrube, der sich einfach nicht mehr lösen wollte. Die Vorstellung daran, wie es wäre, wenn wir tatsächlich nicht mit Geld, sondern mit unserer eigenen Lebenszeit für unseren Lebensunterhalt zahlen müssten, trieb mich an meine Grenzen und verursachte mir regelmäßig ein Gefühl von Gänsehaut. Natürlich ist die Thematik nichts Neues, für mich in Buchform jedoch war es das schon.

Die Story an sich und diese gesamte Thematik konnten mich unglaublich fesseln. Ich war fasziniert davon, überrascht von den genialen Plottwists, mit denen ich teilweise überhaupt nicht gerechnet habe und unterhalten von der gesamten Geschichte, auch beeindruckt von den Worldbuilding, das mir wirklich sehr gut gefallen hat. Ich mochte zumindest einen Großteil der Figuren, Liam ganz besonders, der mir gleich von Beginn an wirklich interessant erschien und mich neugierig machte. Ebenso hatte es mir Ina Gold gleich von Anfang an angetan, mit ihrer unschuldigen und naiven Art. Auch wenn ich mir bis jetzt noch immer nicht sicher bin, was man von ihr noch alles zu erwarten hat, bin ich neugierig darauf, was mit ihr in der Fortsetzung noch so alles geschehen wird. Das Zusammenspiel zwischen ihr und Jules hat mir zum Beispiel sehr gefallen, ich mochte die freundschaftliche Beziehung, die sich zwar übermäßig schnell entwickelte, dennoch nicht erzwungen wirkte.

Während mir die Emotionen in diesem Buch tatsächlich viel zu kurz kamen, war die Spannung dafür umso deutlicher vorhanden; mit den Händen fast greifbar und ich habe es geliebt. Ich war so gefesselt von der Geschichte, dass ich stellenweise das Buch wirklich nicht mehr zur Seite legen konnte, weil ich so beeindruckt war, so drin in dieser Welt in der man mit seiner eigenen Lebenszeit bezahlen muss, wenn man irgendwie überleben möchte. Was für eine Ironie …

Den Schreibstil mochte ich auch. Mal ganz abgesehen davon, dass er mir teilweise einfach zu nüchtern war, zu – wie bereits erwähnt – emotionslos, ließ sich das Buch jedoch sehr flüssig und schnell lesen. Wenn die Autorin eins versteht dann ist es, Spannung zu erzeugen und ihre Leser durch geniale Plottwists zu verwirren.

Besonders zum Ende hin nimmt die Geschichte dann noch mal richtig Fahrt auf und ich kam gar nicht mehr raus aus dem Staunen, so viele Überraschungen, so viele Wendungen, ich war begeistert und fasziniert und beendete das Buch in totaler Aufregung und mit Neugierde auf den zweiten Teil.

NEGATIV

Dennoch kann ich mich der extremen Euphorie dieses Buch betreffend einfach nicht anschließen.

Jules, unsere Protagonistin, ist eine Figur, wie wir sie auch schon aus vielen anderen Jugendbüchern kennen. Auch wenn sie in mancherlei Hinsicht den Eindruck einer starken Persönlichkeit macht, so ist sie doch tief drinnen noch immer ein naives Mädchen, das die Augen vor dem verschließt, das wichtig ist und sich zu sehr beeinflussen lässt, sei es nun von der Romanze, die irgendwie völlig fehl am Platz war, oder von ihrer Umgebung. Es war Jules, die mich mehr als einmal dazu veranlasst hat, genervt die Augen zu verdrehen. Irgendwie war sie für mich einfach nicht greifbar; blass, emotionslos, ohne wirklich viel Tiefgang. Es fiel mir unglaublich schwer, mich in sie hineinzuversetzen, konnte Gedankengänge und Handlungen nicht immer verstehen, dennoch muss man ihr zu Gute halten, dass sie nicht immer die nervige kleine Protagonistin war. Sie hat auch ihre guten Seiten und Eigenschaften, die sie mir dann glücklicherweise im Laufe der Geschichte doch ein Stück weg symphatischer haben werden lassen. Auch mit Roan konnte ich leider nicht sonderlich viel anfangen. Der vermeintliche Love Interest, gutaussehend, stark, höflich und nett, immer gut zu den Menschen … gleichzeitig aber aalglatt, ohne Ecken und Kanten; ohne etwas, das ihn irgendwie zu etwas Besonderem gemacht hätte. Wäre sein Name nicht so häufig gefallen, hätte ich ihn wahrscheinlich schon im Laufe der Geschichte vergessen und wenn man sich im Nachhinein das Ende mal vor Augen führt, war er wohl ohnehin bloß ein Mittel zum Zweck; einfach da, um für ein wenig Liebesdrama zu sorgen.

Die Charaktere waren irgendwie alle vorhersehbar. Ein Bösewicht wird plötzlich zum Helden, etwas, womit ich schon nach den ersten Seiten gerechnet hatte. Ich mag es, wenn Hinweise fallen, wenn man selbst als Leser rätseln muss, doch wenn besagte Hinweise so offensichtlich sind, dass man zumindest bezüglich der Charaktere bereits zu Beginn der Geschichte weiß, worauf es hinauslaufen wird, dann kommt ein wenig Langeweile auf und das Überraschungsmoment bleibt auf der Strecke, was sehr schade war.

Womit wir auch schon bei der Romanze wären, die eigentlich zwar nur am Rande etwas angekratzt wird, mich aber dennoch ziemlich genervt hat und einfach erzwungen, überflüssig und vollkommen fehl am Platz wirkte. Nicht einmal hatte ich das Gefühl, dass es hier tatsächlich um echte Gefühle geht; um wirkliche Zuneigung, sondern machte es mir von Anfang bis Ende den Anschein, dass die Autorin einfach bloß noch ein bisschen was fürs Herz mit in die Geschichte einbringen wollte, dabei hätte es dieses Buch gar nicht gebrau cht. Nicht nur, weil ohnehin irgendwie keine Emotionen vorhanden waren, sondern weil die Geschichte auch ohne sehr gut funktioniert; wahrscheinlich gar viel besser funktioniert hätte.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch wirklich jedem empfehlen würde, da es mich persönlich nicht wirklich vom Hocker hauen konnte. All den 5-Sterne Bewertungen im Internet jedoch nach zu urteilen, scheine ich mit meiner Meinung ja doch zur Minderheit zu gehören. Die Thematik ist wirklich toll, die Autorin weiß es auch, Spannung aufzubauen, auch das Worldbuilding hat mir sehr gut gefallen, jedoch fehlte es mir einfach an Emotion und Tiefgang, an Charakteren, zu denen ich irgendwie eine Verbindung hätte aufbauen können. Ein spannender Plot ist dann leider doch nicht immer alles; da braucht es schon ein bisschen mehr. Das Gesamtpaket muss einfach stimmen. Es ist ein Buch für zwischendurch, nichts, was einem ewig lange im Gedächtnis hängen bleibt. Allein wegen der Spannung jedoch und wegen der genialen Plottwists würde es sich allerdings lohnen, dem Buch eine Chance zu geben.

 

INFOS ZUM BUCH


Autor: Sara Holland
Titel: Everless
Deutscher Titel: Everless: Zeit der Liebe
Verlag: HarperTeen
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 2. Januar 2018
Preis: 8,99 [D]

 

KATEGORIE

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