Rezension: Girl Running, Boy Falling – Kate Gordon

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Inhalt/Klappentext:

Was tun, wenn der beste Freund Selbstmord begeht? Ein Buch, das tröstet und Mut macht! Ein schwieriges Thema, sensibel beschrieben. Therese liebt die kleine Stadt auf der Insel am Ende der Welt. Sie liebt Tante Kath, von der sie Tiger genannt wird, ihre Freunde, die sie Resey rufen, und vor allem ihren besten Freund Wally, für den sie nur Champ ist, und der sie endlich, endlich geküsst hat. Doch dann geschieht das Undenkbare. Der strahlende Wally, die nächste große Football-Hoffnung der Schule, nimmt sich das Leben und Thereses Welt fällt in sich zusammen. Sie versucht alles, um nicht selbst zu fallen. Zum Glück gibt es Tante Kath und ihre Freunde, die Therese auffangen und ihr helfen weiterzuleben.


Vielen Dank an den Carlsen Verlag, die mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


CW: Suizid, Trauerbewältigung, Depressionen, Verlust

Als ich in der Vorschau des Carlsen Verlages erstmals auf diesen Titel aufmerksam wurde, wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Ich mag Jugendbücher, die auch mal schwierige und ernste Themen behandeln und finde, dass solche Dinge viel häufiger in Büchern, insbesondere für junge Menschen, thematisiert werden sollten, um die jüngeren Generationen mehr für solche Themen zu sensibilisieren.

In Girl running, Boy falling geht es um die 16-jährige Therese, ein Mädchen nicht nur mit vielen unterschiedlichen Namen, sondern auch mit wahnsinnig vielen Facetten. Sie ist das Mädchen, das noch zur Schule geht, nebenbei aber bei Woolworth arbeitet, um sich ihr Taschengeld aufzustocken. Sie ist auch das Mädchen, dass gerne Gedichte liest, gerne backt, ab und an in der Mensa aushilft und in der Schule sogar die Hauptrolle in einem Musical spielt. Manchmal scheint es fast so, als verfüge sie über unterschiedliche Persönlichkeiten, abhängig davon, mit wem sie gerade ihre Zeit verbringt. Ihre Tante Kath nennt sie Tiger, ihre Freunde Resey und für ihren besten Freund Wally ist sie einfach nur Champ. Für Therese ist Wally allerdings mehr als nur ihr bester Freund. Seit langem empfindet sie tiefergehende Gefühle für ihn. Als er sie dann eines Tages endlich küsst, glaubt sie fest daran, dass ihr großer Traum endlich in Erfüllung gehen wird. Doch dann suizidiert sich Wally. Wally, der hellste Stern am Himmel; eine Persönlichkeit, die immer so hell gestrahlt hat wie die Sonne selbst, nimmt sich das Leben. Für Therese bricht eine Welt zusammen. Sie hat das Gefühl zu fallen und den Boden unter ihren Füßen zu verlieren. Doch dann ist da ihre Tante Kath und ihre Freunde, die ihr zur Seite stehen und die versuchen, ihr dabei zu helfen, den Verlust zu verarbeiten; Menschen, die sie auffangen und ihr helfen zu verstehen, dass die Erde sich trotz allem weiter dreht.

Girl running, Boy falling ist sicherlich keine leichte Kost, ganz im Gegenteil. Ich musste während des Lesens immer wieder eine Pause einlegen; brauchte mehrere Wochen, bis ich das Buch schließlich beendet hatte. Für Bücher, die solch schwere, gleichzeitig aber wichtige Themen behandeln, muss man einfach in der richtigen Stimmung sein. Ich fühlte mich teilweise sehr eingeengt und zerdrückt von all den Emotionen, die in diesem Buch aufkochen. Dabei sind es nicht nur die Themen an sich, die für diese emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle bei mir gesorgt haben, sondern auch der Schreibstil der Autorin, der irgendwie ganz ruhig, gleichzeitig aber wahnsinnig poetisch und unfassbar emotional ist. Ich hatte das Gefühl, jedes einzelne Wort auf der Zunge schmecken, die Gefühle fast schon mit den Händen greifen zu können.

Diese Geschichte geht regelrecht unter die Haut. Sie berührt nicht nur das Herz, sondern auch die Seele und regt zum Nachdenken an. Die Autorin stellt wahnsinnig viele Dinge in Frage und veranlasst den Leser, über den Tellerrand zu blicken, sich selbst eben diese Fragen zu stellen und sich womöglich mit Themen auseinanderzusetzen, die man sonst von sich schiebt. Ich bin so ein Mensch. Ich schiebe das Thema Tod und Verlust immer sehr weit von mir weg, da ich alleine den Gedanken daran nicht ertragen kann. Vielleicht ist mir das Lesen dieses Buches teilweise auch genau deshalb so schwer gefallen; einfach weil ich nie einen richtigen Umgang mit diesen Themen gelernt habe, sondern vielmehr immer davor zurückschrecke, wenn sie aufkommen.

Das Besondere an diesem Buch ist allerdings, dass es trotz dieser unglaublich ernsten Themen auch etwas herrlich Leichtes hat. Immer mal wieder bringt einen die Geschichte zum Schmunzeln, außerdem gibt sie Hoffnung. Und zwar wahnsinnig viel davon.

Was mir wahnsinnig gut gefallen hat, ist die Erzählweise der Geschichte. Zwar wird die eigentliche Handlung aus Sicht von Therese erzählt, jedoch befindet sich zwischen den Kapitel immer mal wieder einer von Wallys Briefen, die er an seinen verstorbenen Vater geschrieben hat, aus denen hervorgeht, wie schlecht es ihm vor seinem Tod ging. Diese teilweise sehr kurzen Briefe waren so wahnsinnig emotional, dass sie mir selbst jetzt, nachdem ich das Buch schon eine gewisse Zeit beendet habe, noch immer Gänsehaut bescheren. Diese Briefe machen deutlich, dass egal wie hell ein Mensch nach außen hin leuchtet, man nie weiß, wie es wirklich tief in ihm drinnen aussieht.

Doch nicht nur im Hinblick auf die glaubwürdige Beschreibung der Trauerbewältigung und von Therese Gefühls- und Gedankenwelt hat die Autorin echtes Können bewiesen, sondern auch im Hinblick auf die Ausarbeitung ihrer Charaktere. Angefangen bei der liebenswerten Therese, die manchmal unglaublich mutig, hin und wieder aber auch schon mal wahnsinnig ängstlich ist, bis hin zu dem herzensguten Wally, der unglaublich witzigen und lieben Tante Kath und dem fürsorglichen Rhino – ich habe sie allesamt in mein Herz geschlossen und konnte mich auf gewisse Art und Weise mit jedem von Ihnen identifizieren. Die Autorin hat eine ganz wunderbare Truppe an unterschiedlichen Charakteren zusammengestellt, bei denen man sich gleich wohl fühlt; die vielleicht nicht alle unbedingt perfekt sind, aber extrem menschlich und genau das ist es, was mir so unfassbar gut gefallen hat.

Die Autorin schafft es, auf sehr ehrliche, einfühlsame, authentische, aber auch bedrückende Art und Weise, zu verdeutlichen, wie schwer die Bewältigung von Trauer und Verlust ist bzw. sein kann und das unterschiedliche Menschen auch einfach unterschiedlich damit umgehen. Es gibt hier kein richtig oder falsch, kein schwarz oder weiß, es gibt so viele Möglichkeiten damit umzugehen und das hebt die Autorin in ihrer Geschichte ganz wunderbar hervor. In diesem Zusammenhang muss ich gestehen, dass mir das Ende allerdings ein wenig zu abrupt kam. Hier hätte ich mir gut und gerne noch ein paar Seiten mehr gewünscht; vielleicht noch ein wenig mehr Zeit die vergeht, sodass man sich noch ein wenig intensiver mit der Entwicklung der Charaktere im Rahmen der Trauerbewältigung hätte befassen können.

Mich persönlich hat das Buch wahnsinnig mitgenommen; es hat mein Herz berührt und hat mir gleichzeitig sowohl ein gutes, als auch ein ungutes Gefühl beschert. Ich hatte manchmal das Gefühl, während des Lesens zu ersticken, so bedrückend war die Atmosphäre stellenweise. Die Autorin schafft es einfach, genau die richtigen Worte zu finden und die Leser sprachlos zurückzulassen.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Dieses Buch erhält von mir eine klare Leseempfehlung, trotz bzw. vielleicht sogar gerade wegen dieser ernsten Themen, die darin behandelt werden, auch wenn ich sagen muss, dass ich persönlich eine entsprechende Triggerwarnung am Anfang des Buches als wichtig bzw. notwendig empfunden hätte. Girl running, Boy falling ist eine herzergreifende Geschichte, die fesselt und durchweg Gänsehaut beschert. Kate Gordon ist eine fantastische Autorin, die ihr Handwerk absolut beherrscht und nicht nur mit ihrer Geschichte begeistert, sondern auch mit ihrem wahnsinnig emotionalen und poetischen Schreibstil.

INFOS ZUM BUCH

Autor*in: Kate Gordon
Übersetzer*in: Sylke Hachmeister
Titel: Girl running, Boy falling
Verlag: Carlsen Verlag
Seiten: 240
Erscheinungsdatum: 02. Juli 2020
Preis: 16,00 [D] | 16,50 [A]
Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

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WEITERE REZENSENTEN

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Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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