Rezension: Girlsplaining – Katja Klengel

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Inhalt/Klappentext:

Warum haben wir vor dem Wort „Vulva“ mehr Angst als vor „Voldemort“? Müssen wir uns wirklich für unsere Körperbehaarung schämen? Wieso werden im Schulunterricht hauptsächlich männliche Autoren gelesen? Und warum sind die Geschlechterrollen bei Kinderspielzeug in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stecken geblieben?

In „Girlsplaining“ geht Katja Klengel diesen Fragen auf den Grund und schildert mit Humor und schonungsloser Offenheit ihre persönlichen Erfahrungen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten – und was es für sie bedeutet, heute eine Frau zu sein. (Quelle)


Vielen Dank an den Reprodukt Verlag, der mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


Haben wir Frauen uns nicht schon alle mal gefragt, wieso gerade die Körper von Mädchen und Frauen offenbar gesellschaftlichen Normen zu entsprechen haben? Wieso für uns besondere Regeln gelten? Als mich der Verlag anschrieb und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, das Comic zu lesen, es zu rezensieren und auf meinem Blog vorzustellen, war mir klar, dass ich dieses Comic haben musste. Wir Frauen werden auch heute noch viel zu selten Ernst genommen, werden wie große Mysterien behandelt und in so vielerlei Hinsicht unter Druck gesetzt. In diesem autobiographischen Comic behandelt Katja Klengel genau das und noch viel mehr.

“Vielleicht mache ich einfach das, was ich denke und fühle.”

Menstruationsbeschwerden? Körperbehaarung? Vulva? “Frauensache” oder “Frauenprobleme” – so umschreibt insbesondere das männliche Geschlecht es immer wieder gerne. Wieso nennt niemand das Kind beim Namen? Unter anderem darum geht es in Katja Klengels Comic. Besonders die Sexualität, der Körper und das Leben der Frau im Allgemeinen, alltägliche Probleme, stehen im Mittelpunkt dieses Schmuckstücks. Thematisiert wird unter anderem die erste Periode, das erste Mal Sex, oberflächliche Erwartungen an das Geschlecht (Frauen/Mädchen interessieren sich immerhin nur für Mode und Make-Up habe ich Recht?), das Kinderkriegen, etc. pp. Erzählt wird all dies in einem herrlich selbstironischem und unglaublich humorvollen Ton. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund und spielt mit offenen Karten; sie legt die Fakten auf den Tisch.

In ihrem Comic spricht die Autorin diverse Tabus an und versucht, die Angst davor zu nehmen. Katja Klengel versucht dabei ganz gezielt über gesellschaftliche Fremdbestimmung aufzuklären, befasst sich mit Anforderungen, die von der Gesellschaft an die Frau gestellt werden, z. B. mit 30 heiraten und Kinder kriegen oder sich täglich die Beine rasieren. Bei dem letzteren Beispiel hinterfragt sie unter anderem auch das eigene Schamgefühl und spricht ganz offen über die weibliche sexuelle Lust, die nach wie vor noch viel zu häufig tabuisiert wird. Früher tat man sogar lange Zeit so, als würde die weibliche Lust nicht existieren; als gäbe es gar keine Vulva; die Angst davor, dieses Wort laut auszusprechen war damals viel zu groß. Sigmund Freud bezeichnete die Vulva einst sogar als “kastrierter Penis” und mithin als “minderwertig”. Vielen Dank auch Freud, warst du nicht eigentlich ein verdammt schlaues Kerlchen? Offenbar doch nicht so …

“Warum haben wir mehr Angst davor, Vulva als Voldemort zu sagen?”

Auch spricht sie ganz gezielt von dem Druck, der auf uns Frauen lastet, sobald wir ein bestimmtes Alter erreicht haben. Was, mit 30 noch nicht verheiratet und auch noch keine Kinder in Planung? Jetzt aber schnell, immerhin tickt die biologische Uhr. Bullshit. Davon mal ganz abgesehen, dass Frauen auch noch lange nach 30 in der Lage sind Kinder zu bekommen, gibt es eben auch Frauen, die schlicht kein Interesse daran haben, Mutter zu werden – so what? Auch diese Entscheidung muss man akzeptieren. Gerade dieses Kapitel lag mir persönlich sehr am Herzen, da die Autorin eigentlich all die Dinge angesprochen hat, die auch mich persönlich beschäftigen.

Besonders gut gefallen haben mir auch die popkulturellen Referenzen. Es war nicht schwer zu erkennen, dass Katja Klengel in meinem Alter ist, nimmt sie nicht nur Bezug auf Buffy und Prinzessin Fantaghiro, sondern schwärmt regelrecht von Sailor Moon. Besagte Referenzen nutzt sie dabei ganz gezielt, um Aussagen und Erzählungen bildhafter zu gestalten und die Botschaft zu intensivieren. Allerdings besteht hier die Möglichkeit, dass gerade jüngeres Publikum diverse Anspielungen nicht versteht und somit nicht nur ein Teil der Message, sondern auch einiges an Humor verloren geht, was wirklich sehr schade wäre.

Als schade empfunden habe ich ebenfalls die Tatsache, dass sich die Erzählungen beschränken auf weiße, cis-gender Erfahrungen, was vermutlich darin begründet liegt, dass dies ein autobiografischer Comic ist und die Autorin nunmal eben weiß und cis-gender ist, soweit so gut, immerhin berichtet sie hier von eigenen Erfahrungen und Empfindungen. Ich persönlich habe mich in vielen Dingen zu 100 % wieder erkannt, ob es POC bzw. trans-gender Personen ebenfalls so gehen wird, sei mal dahin gestellt. Beurteilen kann ich dies nicht, muss allerdings sagen, dass ich mir gerade in einem solch für das weibliche Geschlecht sehr wichtigem Comic etwas mehr Diversity gewünscht hätte.

LOHNT SICH DER COMIC?

Auf jeden Fall. Auch wenn ich mir etwas mehr Diversity gewünscht hätte und man auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren sollte, dass es sich hierbei um autobiografischen Erzählungen handelt, mithin um persönliche Erfahrungen der Autorin die nicht unbedingt auf alle Frauen zutreffen, bin ich mir sicher, dass sich viele Frauen in diesem Comic wieder erkennen werden; dass sie sich selbst in Katja Klengel, ihren Gedanken, ihren Ängsten und ihren Entscheidungen wiederfinden und das ein oder andere Mal sogar über sich selbst schmunzeln werden, wenn ihnen ihr Verhalten bewusst wird. Mir ist es ebenso ergangen. Die Zeichnungen sind absolut genial und gerade die popkulturellen Referenzen peppen das Comic so richtig auf. Mich konnte das Comic nicht nur begeistern, sondern auch unglaublich unterhalten. Von mir bekommt das Comic auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung.

 

INFOS ZUM COMIC?

Autor: Katja Klengel
Titel: Girlsplaining
Verlag: Reprodukt
Seiten: 160
Erscheinungsdatum: 12.09.2018
Preis: 18,00 [D]
Buch beim Verlag: KLICK

 

KATEGORIE

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WEITERE REZENSENTEN

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3 Comments

  • Liebe Ivy,
    schön, dass dir das Comic auch so gut gefallen hat 🙂
    Ich habe es gemeinsam mit Jill gelesen und wir mussten oft richtig lachen, es war wirklich unterhaltsam und einfach schonungslos ehrlich. Zwischendurch musste ich mir selber an den Kopf packen, weil man selber ja auch manchmal irgendwie beknackt ist, was mache Themen betrifft, Dinge komisch benennt, oder sich von der Gesellschaft verrückt machen lässt.

    Das mit der Diversity ist mir nicht so aufgefallen aber es ist halt, wie du schon sagst, ein autobiografisches Buch. Dennoch würde ich mir da auch mehr wünschen, generell mehr Comics zu solchen Themen.

    Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass dieses Buch ganz viele Leser bekommen wird. Meine Rezension folgt auch bald.

    Liebe Grüße,
    Nicci

  • Das Buch klingt wirklich gut, ich habe auch schon “Unerschrocken: Fünfzehn Porträts außergewöhnlicher Frauen” vom selben Verlag gelesen, das mir unglaublich gut gefallen hat. “Girlsplaining” steht auf jeden Fall auch auf meiner Leseliste! 🙂

    Falls dich meine Rezension zu Unerschrocken interessiert, gibts die hier: https://an1097.wordpress.com/2018/09/22/buch-unerschrocken-fuenfzehn-portraets-aussergewoehnlicher-frauen/

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