Rezension: Illuminae. Die Illuminae-Akten_01 – Jay Kristoff u. Amie Kaufman

Es ist mal wieder so weit. Es folgt eine Rezension zu einem Buch, zu dem mir die Worte fehlen, weil ich mich kaum dazu im Stande sehe, diese Genialität in Worte zu fassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal tatsächlich die halbe Nacht wachgelegen und gelesen habe. Wer Schuld war? Jay Kristoff und Amie Kaufman.

„Dieses Buch definiert Lesen neu“, sagt der dtv Verlag über Illuminae, ein angeblich absolut episches Weltraumabenteuer, kaum vergleichbar mit anderen Jugendbüchern, da es so ganz anders ist, als das, was wir bisher kennen. Und das nicht ohne Grund. Wer schon mal einen Blick in das Buch geworfen hat, weiß wahrscheinlich, wovon ich spreche. Solltet ihr das noch nicht getan haben, freue ich mich einerseits zwar, dass ich doch nicht der letzte Mensch auf Erden bin, der das Buch endlich gelesen hat, frage mich andererseits gleichzeitig aber auch, worauf ihr eigentlich noch wartet.

Im Fokus steht ein Konflikt zwischen zwei rivalisierenden Großkonzernen. Auf der einen Seite steht die Illuminae Gruppe, auf der anderen BiTech. Dieser Konflikt spitzt sich so dramatisch zu, dass ein Planet nicht nur angegriffen, sondern förmlich zerstört wird. Nur eine kleine Gruppe von Menschen hat es letztendlich geschafft, sich auf drei Raumschiffe zu retten, die im All verschwinden und dort nach Sicherheit suchen. Als sehr kleine Flotte, bestehend aus nur drei Schiffen, und zwar der Alexander, der Hypatia und der Copernicus, gelingt ihnen die Flucht – vorerst. Die Drohung der Auslöschung durch die Verfolger von BiTech bleibt jedoch bestehen und zu allem Überfluss spielt auch noch die künstliche Intelligenz namens AIDAN auf der Alexander verrückt. Und dann, obwohl man schon fast glaubt, es könnte gar nicht mehr schlimmer werden, bricht auch noch ein bösartiges Virus an Board der Copernicus aus, der die Menschen in seelenlose Monster verwandelt. Der Kampf scheint so gut wie verloren und die Vernichtung der letzten Überlebenden von Kerenza unumgänglich, bis sich schließlich die beiden Protagonisten Kady und Ezra mit der Situation auseinanderzusetzen. Woran die Erwachsenen gescheitert sind, sind jetzt zwei Jugendliche dran, die Vernichtung zu verhindern. Und damit beginnt das wohl nervenaufreibendste Sci-Fi-Abenteuer unserer Zeit.

 

POSITIV

Wer hier einen durchstrukturierten Roman in Erzählform erwartet, wird gleich beim Aufschlagen der ersten paar Seiten überrascht sein. Es handelt sich bei diesem Schmuckstück aus einer Mischung von gehackten Dokumenten und Unterlagen, beinhaltend E-Mails, Chatverläufe, medizinische Berichte, Tagebucheinträge, Verhörprotokolle, Skizzen und Lagepläne, etc. pp. Nachdem es, neben den Fans der Bücher, auch viele gab die mir sagten, sie hätten große Schwierigkeiten gehabt, eben aufgrund dieser speziellen Form der Erzählweise, in die Geschichte hineinzufinden, stellte ich jedoch bereits nach den ersten paar Seiten fest, dass sich mir diese Problematik nicht stellte. Ich war von Anfang an in der Geschichte drin, hatte weder Schwierigkeiten Zusammenhänge zu verstehen, noch fiel es mir schwer, mich in die Charaktere hineinzuversetzen, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen oder mich unterhalten zu fühlen. Denn das war ich: unterhalten, beeindruckt, schockiert, verliebt, am Boden zerstört, freudestrahlend, tränennahe und alles, was man sich noch so an Emotionen vorstellen kann. Ich habe sie alle durchlebt und das in einer Zeitspanne von einigen Stunden und einem Umfang von knapp 600 Seiten.

Das Autorenduo hat mit diesem Werk eine absolut meisterhafte Arbeit abgeliefert und sich all die Lobeshymnen, die ihre Bahnen durch das World Wide Web ziehen, absolut verdient.

Obwohl wir hineingestoßen werden in eine absolut verstrickte und brutale Situation, ist es mir unfassbar leicht gefallen, eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Es brauchte nur wenige Seiten, bis ich sie in mein Herz geschlossen hatte. Trotz dessen, dass man „nur“ durch Tagebucheinträge, Chatverläufe, etc. pp. Einblicke in deren Leben, Gefühlssituation und Vergangenheit erhält, verfügte sowohl die Geschichte an sich, als auch die einzelnen Figuren über unglaublich viel Tiefgang. Von Beginn an hatte ich das Gefühl, sie zu kennen, mittendrin zu sein und dieses Abenteuer gemeinsam mit ihnen zu erleben.

Kady und Ezra, unsere beiden Protagonisten, könnten unterschiedlicher nicht sein. Beide sind sie selbstbewusst und entschlossen, allerdings habe ich Kady als eine Person kennengelernt, die gerne Risiken eingeht und nicht sonderlich viel Wert auf die Einhaltung irgendwelcher Regeln legt. Ezra hingegen ist sehr loyal und sieht sich und die Menschen, die ihm wichtig sind, lieber in Sicherheit, statt Risiken einzugehen. Allerdings gibt es noch etwas, was sie gemeinsam haben: wenn es drauf ankommt, würden sie ihr eigenes Leben für den jeweils anderen geben. Ezra geht in dieser Hinsicht allerdings etwas bedachter vor, während Kady schon fast fahrlässig mit ihrem Leben spielt, was sie auf der einen Seite war etwas naiv wirken lässt, aber gleichzeitig auch unglaublich lebensecht und liebenswert macht. Beide verfügen sie über Ecken und Kanten, die sie nicht nur zu irgendwelchen Figuren in einem Buch machen, sondern zu echten Menschen haben werden lassen; zu Freunden, zu Begleitern, zu Helden.

Obwohl ich mich hin und wieder ja gegen Liebesgeschichten in Jugendbüchern sträube, insbesondere wenn es um Bücher geht, die auch gut ohne eine solche auskommen würden, hatte ich in diesem Fall absolut kein Problem damit. Die unausgesprochene Liebe, die anfangs herrschte, fühlte sich einfach richtig an, authentisch irgendwie. Sie passte einfach in das Geschehen hinein. Es war nicht die Stimme eines Dritten, die von den Gefühlen der beiden berichtete, sondern es waren die Worte zwei junger Menschen, zwei Teenager, die im Angesichts des Todes auf doch recht dramatische Art und Weise versuchen, wieder zueinander zu finden.

Trotz des speziellen Erzählstils waren die Emotionen da, trotz dessen, dass Empfindungen und Gefühle in Dialogen teilweise einfach schwer darstellbar sind. Dennoch prasseln diese Emotionen förmlich auf einen ein, wie ein Regenschauer, der wie aus dem Nichts erscheint und die Welt in ein riesiges Meer verwandelt. Man hat kaum mehr Zeit zum Luftholen, man endet in einem Teufelskreis aus Herzrasen und Schnappatmung; man will mehr, braucht mehr.

Es ist mir so unglaublich leicht gefallen, mich in dieser Geschichte zu verlieren; mich zu verlieren zwischen den Welten und wiederzufinden, zwischen all den Sternen, die gestrahlt haben, dank der Hoffnung, die sich wie ein roter Faden durch das Buch gezogen hat, auch wenn man das Gefühl hatte, den Faden an manchen Stellen zu verlieren. Ich hatte das Gefühl, als würde er mir zwischen den Fingern hindurchgleiten, doch irgendwie schaffte ich es immer wieder, danach zu greifen, ihn festzuhalten und die Hoffnung nicht ersterben zu lassen … noch nicht.

Ich habe mitgefiebert, wo es nur ging. Ich wurde Teil dieses Weltraumabenteuers, erlitt denselben Schmerz, den die Figuren zu spüren bekamen, ich versuchte aus denselben Ungereimtheiten schlau zu werden, die Rätsel zu lösen, die von Seite zu Seite irgendwie immer mehr zu werden schienen.

Das Besondere an diesem Buch ist einfach, dass ganz gleich wem man in diesem Buch begegnet und ganz egal, wie lange sie Teil dieser Geschichte sind, man sich irgendwie auf seltsame Art und Weise unmittelbar mit ihnen verbunden fühlt, selbst die KI (Künstliche Intelligenz) AIDEN hat in mir Gefühle ausgelöst, die ich anfangs nicht zuordnen konnte: Verärgerung, Hass, Wut, Mitleid, Traurigkeit, Unverständnis, Verständnis, Hoffnung, Freundschaft, Zuneigung.

Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit Loopings und Schrauben, wohin das Auge reichte. Ich wurde immer wieder aufs Neue mitgerissen, hatte kaum Gelegenheit, richtig durchzuatmen. Ich wurde herumgewirbelt, von einer Seite zur anderen geschleudert und in einem solchen Tempo vorangetrieben, dass es mir nicht nur Gänsehaut verursachte, sondern mir auch den Atem raubte.

Auch wenn ich nun doch einige Worte gefunden habe, lässt sich das Leseerlebnis, das Illuminae einem bietet, kaum beschreiben. Es geht um einen brutalen Kampf, der sich über mehr als nur eine Welt erstreckt, es geht um tausende von Menschenleben, die auf dem Spiel stehen. Es geht um eine ganz besondere Liebe, die Himmel und Hölle in Bewegung setzen kann. Es gibt jede Menge Action und auch Unterhaltung, Gefahren lauern hinter jeder Ecke. Es geht um Freundschaft und Loyalität, um Vertrauen und Verlust, doch vor allen Dingen geht es um das Leben und um wahre Helden.

Ich bin absolut begeistert von diesem Meisterwerk und kann nicht glauben, dass ich so lange gewartet habe, um es endlich zu lesen.

 

NEGATIV

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LOHNT SICH DAS BUCH?

Star Wars trifft auf The Walking Dead … ich finde, das beschreibt es irgendwie ziemlich gut. Dieses Buch ist mit seiner Dramatik, Action und auch den Horrorelementen einfach nur in seiner Genialität kaum noch zu übertreffen. Die Vermischung so vieler verschiedener Genres funktioniert unglaublich gut, auch wenn man vielleicht gerade dies anfangs in Frage stellt. Trotz der fehlenden durchgängigen Erzählform ist hier ein Schreibstil gegeben, der einen so einfach nicht los lässt, ganz abgesehen von dem großartigen Worldbuilding, das dafür sorgt, dass sich ein immens aufregender Film vor dem geistigen Auge abspielt.

Obwohl ich mit recht hohen Erwartungen an die Geschichte rangegangen bin, eben wegen all dieser Lobeshymen, wurde ich nicht enttäuscht; meine Erwartungen sogar noch überstiegen. Ich bin absolut begeistert von diesem Buch und kann es wirklich jedem nur ans Herz legen, besonders denen, die offen sind für neue Leseerfahrungen und aus ihrer Komfortszone heraus möchten, um Neues auszuprobieren. Dieses Buch ist schon jetzt ein absolutes Jahreshighlight für mich. Ganz großes Kino.

INFOS ZUM BUCH

 

Autor: Jay Kristoff und Amie Kaufman
Titel: Illuminae. Die Illuminae-Akten_01
Originaltitel: Illuminae. The Illuminae Files #1
Verlag: dtv Verlag
Seiten: 608
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2017
Preis: 19,95 [D] | 20,60 [A] Buch beim Verlag: Deutsch

 

 

KATEGORIE

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