Rezension: Insel – RAGNAR JÓNASSON

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Inhalt/Klappentext:

Vier Freunde auf einer entlegenen Insel, aber nur drei kehren zurück. Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und wird zu einer abgelegenen Insel geschickt. Was ist dort in dem Haus geschehen, das von der Bevölkerung als das isolierteste Haus Islands bezeichnet wird? Huldas Ermittlungen kreuzen Vergangenheit und Gegenwart – und plötzlich ist sie einem Mörder auf der Spur, der möglicherweise nicht nur ein Leben auf dem Gewissen hat …


Vielen Dank an den btb Verlag und das Bloggerportal, die mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


Der erste Teil der Hulda-Trilogie, die deshalb so anders und spannend ist, da sie rückwärts erzählt wird, konnte mich zwar nicht vollends vom Hocker reißen, hat mich aber insofern begeistert, als das ich es kaum abwarten konnte auch den zweiten Teil Insel endlich zu lesen, der zeitlich gesehen vorDunkel spielt. Ich finde das Konzept dieser Reihe nach wie vor wahnsinnig spannend und bin immer noch total begeistert davon, dass der Autor es geschafft hat, trotz dessen, dass wir im ersten Teil bereits erfahren, wie die gesamte Reihe endet (eben, weil die Geschichte rückwärts erzählt wird), mich so interessiert zu halten, dass ich auch den zweiten Teil, trotz ein paar Schwächen, nicht aus der Hand legen konnte.

In Insel zieht es den Leser zurück ins Jahr 1997 auf die isländische Insel Elliðaey, auf der eine junge Frau zu Tode kommt. Kriminalinspektorin Hulda Hermannsdóttir, die wir bereits im ersten Teil als eher unsympathische und in alten Mustern eingefahrene Protagonistin kennenlernen durften, erhält den Auftrag, in diesem Fall zu ermitteln. Während Hulda im ersten Teil für mich keine Sympathiefigur war, wirkt sie in diesem zweiten Band lange nicht so vom Leben gezeichnet, wie knapp 15 Jahre später. Man merkt ihr an, dass sie in diesem Teil um einiges jünger ist. Zwar hat sie auch schon bereits zu diesem Zeitpunkt mehrere Päckchen zu tragen, doch ist da noch immer ein kleiner Funke restlicher Lebensmut und vor allen Dingen Lebensfreude in ihrem Inneren verankert, was sie um einiges sympathischer wirken lässt.

Doch diesmal ist es nicht Hulda, die im Fokus der Geschichte steht, sondern es sind die vier Freunde Dagur, Benni, Alexandra und Klara, die ein tragisches Ereignis miteinander verbindet. Als vor zehn Jahren Dagurs Schwester in einer ländlichen Hütte ermordet wird, wird seine Familie auseinandergerissen. Als sich der Todestag ihrer verstorbenen Freundin dann nun zum zehnten Mal jährt, bringt Benni die Gruppe wieder zusammen und schlägt vor, ein gemeinsames Wochenende auf der Insel Elliðaey zu verbringen; in einer alten Hütte, die seiner Familie gehört. Es gibt nur ein Funkgerät und keine Möglichkeit, die Insel zu verlassen. Nur wenige Zeit später erhält die Polizei von Reykjavik einen Anruf. Eine junge Frau ist auf der Insel Elliðaey zu Tode gekommen. Hulda, die diese Gelegenheit gerne nutzt, um der Stadt zu entfliehen, übernimmt den Fall. Schnell stellt sich bei den Befragungen der verbliebenen drei Freunde heraus, dass scheinbar keiner von ihnen so wirklich die Wahrheit sagt. 

Beworben wird diese Reihe nach wie vor als Thriller; diverse Stimmen vergleichen den isländischen Autor sogar mitStephen King. Die Erwartungshaltung, so könnte man sagen, war also auch bei diesem zweiten Teil wieder recht hoch, obwohl ich wirklich ernsthaft versucht habe, meine Erwartungen nicht ganz so in die Höhe schießen zu lassen. Leider muss ich sagen, dass auch bei diesem zweiten Teil die typischen Merkmale eines Thrillers nicht erfüllt sind, sondern das Ganze eher einem ruhigen, nachdenklichen Krimi entspricht, der zwar ein gewisses Grad an Spannung aufbaut, aber nicht ganz so temporeich ist, wie anfangs erhofft.

Mit dem leicht trüben Island und der weit abgelegenen, einsamen Insel hat sich der Autor für einen für diese Geschichte perfekt geeigneten Schauplatz entschieden, der für die richtige Atmosphäre und Grundstimmung sorgt. Im Gegensatz zum ersten Teil bekommen die Nebencharaktere hier auch etwas mehr Farbe, vielleicht auch aus dem Grund, weil diesmal der Fokus gefühlt eben nicht auf Hulda liegt, sondern eben auf den vier Freunden. Wir erhalten einen Einblick in die Vergangenheit, bekommen immer wieder Fetzen der Geschichte vor die Füße geworfen, was für den vorgenannten Spannungsbogen sorgt. Denn auch in diesem zweiten Teil ist es so, dass der Leser nicht nur einem, sondern gleich mehreren Handlungssträngen folgt; Handlungssträngen, die in unterschiedlichen Zeiten spielen, aber doch irgendwie miteinander zusammenhängen.

So erfahren wir – wie von mir nach dem ersten Teil erhofft – auch ein bisschen mehr über Hulda und ihrer Vergangenheit. Diesbezüglich baut der Autor sogar noch einen richtig guten Twist mit ein, der mir persönlich sehr gefallen und mich absolut überrascht, wenngleich er mich auch ein wenig traurig gestimmt hat. Doch auch was die Grundstory angeht, der Tod zweier Frauen innerhalb von 10 Jahren aus demselben Freundeskreis, hat der Autor ein paar Twists und Turns auf Lager. Geheimnisse aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart werden enthüllt. Das Spannendste an alledem sind meiner Meinung nach allerdings die Beziehungen der verschiedenen Charaktere, die für die gewisse Portion Komplexität sorgen. 

Dennoch, und das zu sagen fällt mir wirklich nicht leicht, konnte mich auch dieser zweite Teil nicht vollends überzeugen. Obwohl das Setting und die Atmosphäre konstant großartig sind und auch die Charaktere für das gewisse Extra sorgen, Spannung stets vorhanden ist und man als Leser ständig den Drang verspürt, weiterlesen zu wollen, so fehlte mir doch ein bisschen Tempo in der Handlung. Und trotz der Wendungen haben mich die Twists leider nicht ganz so vom Stuhl gehauen, wie ich es mir erhofft hatte, wurden einige Tatsachen zum Ende hin doch immer offensichtlicher und vorhersehbarer.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Obwohl mich auch dieser zweite Band der Hulda-Trilogie nicht vollends von sich überzeugen konnte, so möchte ich dennoch eine Leseempfehlung für das Buch aussprechen. Bevor man mit dieser Reihe startet, sollte man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass man hier keinen typischen Thriller erwarten kann. Vielleicht macht auch gerade diese Tatsache das Buch so reizvoll. Es ist ein ruhiger, mysteriöser Krimi in einem großartigen Setting mit einer komplexen Protagonistin die bereits ein gewisses Alter erreicht hat und somit über mehr Lebenserfahrung verfügt, als Protagonisten aus vergleichbaren Kriminalromanen. Ich hatte meinen Spaß mit dem Buch, konnte es, nachdem ich erst einmal ein paar Kapitel gelesen hatte und wieder richtig drin war in der Story, kaum aus der Hand legen und freue mich jetzt natürlich auch darauf, bald den letzten Band der Reihe zu lesen.

INFOS ZUM BUCH

Autor*in: Ragnar Jónasson
Übersetzer*in: Kristian Lutze
Titel: Insel
Originaltitel: DRUNGI
Verlag: btb Verlag
Seiten: 384
Erscheinungsdatum: 13. Juli 2020
Preis: 15,00 [D] | 15,50 [A]Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

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