Rezension: Leah on the Offbeat – Becky Albertalli

 

Inhalt/Klappentext:

Leah Burke—girl-band drummer, master of deadpan, and Simon Spier’s best friend from the award-winning Simon vs. the Homo Sapiens Agenda—takes center stage in this novel of first love and senior-year angst.

When it comes to drumming, Leah Burke is usually on beat—but real life isn’t always so rhythmic. An anomaly in her friend group, she’s the only child of a young, single mom, and her life is decidedly less privileged. She loves to draw but is too self-conscious to show it. And even though her mom knows she’s bisexual, she hasn’t mustered the courage to tell her friends—not even her openly gay BFF, Simon.

So Leah really doesn’t know what to do when her rock-solid friend group starts to fracture in unexpected ways. With prom and college on the horizon, tensions are running high. It’s hard for Leah to strike the right note while the people she loves are fighting—especially when she realizes she might love one of them more than she ever intended.


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


Als großer Becky Albertalli Fan war ihr neues Buch Leah on the Offbeat natürlich ein Muss. Ein Tag nachdem ich Love, Simon im Kino gesehen hatte, kam auch endlich meine Buchbestellung an. Ich war mir gar nicht bewusst, wie sehr ich all diese Charaktere vermisst hatte. Schon im Film wurde ich neuerlich daran erinnert, wie sehr mir Simon und seine Freunde ans Herz gewachsen waren und auch wenn Leah noch nie wirklich zu meinen absoluten Lieblingsfiguren gezählt hat, fühlte es sich an wie Nachhause kommen – schon als ich die erste Seite aufschlug und die ersten paar Zeilen las. Bereits auf der Buchmesse im letzten Jahr hatte ich die Ehre, mit Becky Albertalli sprechen zu dürfen und allein die Tatsache, dass ihr insbesondere auch Leahs Geschichte sehr am Herzen liegt, machte mich nur noch neugieriger und schürte natürlich ein kleines bisschen meine ohnehin schon recht hohen Erwartungen.

„I swear, people can’t wrap their minds around the concept of a fat girl who doesn’t diet. Is it that hard to believe I might actually like my body?“

Mit Leah on the Offbeat hat uns die Autorin die Möglichkeit gegeben, all die geliebten Charaktere aus Simon vs. The Homo Sapiens Agenda wiederzutreffen, was schön war, unglaublich schön sogar, doch so sehr ich diese Tatsache auch genossen habe, so ist es doch auch einer meiner größten Kritikpunkte.

Anfangs hat es sich einfach nicht angefühlt, wie ein Buch über Leah; in meinem Kopf ging es nicht hauptsächlich um Leah und in dem Buch offensichtlich auch nicht, denn in den ersten 150 Seiten scheint es fast so, als läge der Fokus nach wie vor auf all den andere Creekwood kids. Ich beschwere mich nicht darüber, ganz im Gegenteil. Als großer Fan von Simon, Bram und Abby habe ich mich zugegebenermaßen auch mehr auf die Szenen mit eben diesen drei Personen gefreut, statt auf die in denen es nur um Leah geht. Schade ist es dennoch, da Leah, obwohl ihr Name auf dem Cover steht, gerade in den ersten paar Kapiteln viel zu sehr in den Hintergrund rückt, wodurch man sie auch nicht richtig kennenlernen konnte, zumindest nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht wirkte sie auch genau deswegen auf mich teilweise sehr oberflächlich und vor allen Dingen nervig.

Es gab Momente, da habe ich sie geliebt, so sehr geliebt, dass ich sie am liebsten fest an mich gedrückt hätte. Dann gab es aber auch jene Momente, in denen ich sie weder verstanden habe, noch ihre Entscheidungen oder ihre Gedankengänge nachvollziehen konnte. Leah hat eine solch negative Einstellung dem Leben gegenüber, dass ich sie am liebsten an den Schultern gepackt, durchgerüttelt und ihr immer wieder gesagt hätte, dass das Leben gar nicht so negativ sein muss; dass sie diejenige ist, die alles schlecht macht. Sie tut sich einfach schwer damit, sich für andere zu freuen (die Ausnahme ist Simon) und steht allem Neuen skeptisch bzw. negativ gegenüber und wenn sie kurz davor ist, sich zu öffnen; wenn es fast so scheint, als würde all das gute Zureden ihrer Mutter und ihrer Freunde endlich Früchte tragen, macht sie die Schotten wieder dicht und versteckt sich hinter dieser unendlich hohen Mauer, die sie um sich herum gebaut hat, aus Angst verletzt zu werden.

“It’s like it doesn’t even matter if I like my body, because there’s always someone there to remind me I shouldn’t.”

Irgendwo kann ich all das auch verstehen, zumindest so ein bisschen. Ich kann ihre Unsicherheit verstehen, ihre Ängste, dennoch trieb mich ihre Sturheit fast in den Wahnsinn. Es scheint fast so, als wären all die Ratschläge, all die nett gemeinten Worte, förmlich an ihr abgeprallt; als wären sie zum einen Ohr rein und zum anderen direkt wieder raus, dabei bemüht sich insbesondere ihre Mutter so sehr, ihr zu helfen, ein bisschen mehr aus sich herauszukommen. Doch nicht nur ihre Mutter, auch ihre Freunde stehen die ganze Zeit hinter hier – no matter what – und sie scheint all das immerzu aus den Augen zu verlieren und gar nicht wertzuschätzen.

Sie ist teilweise so unglaublich unhöflich und behandelt ihre Freunde und vor allen Dingen auch ihre Mutter wie Müll. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie sich auch nur einmal für etwas, was sie gesagt oder getan hat, das jemand anderen verletzt hat, entschuldigt hat. Natürlich könnte man meinen, dass sie sich wegen all ihrer Ängste, wegen ihres geringen Selbstbewusstseins so verhält, allerdings entschuldigt all dies nicht, andere Menschen zu behandeln, als wären sie nichts Wert und sie am laufenden Band zu verletzen. Und es entschuldigt noch lange nicht, die Wut darüber, dass etwas nicht so funktioniert, wie man es möchte, an seinen Mitmenschen auszulassen.

Denn eigentlich … eigentlich ist Leah in meinen Augen ein sehr selbstbewusster Charakter. Sie ist nicht nur im Reinen mit sich selbst und ihrem Körper, sie ist auch unglaublich charakterstark.

Wie ihr seht bin ich, was Leah betrifft, ein bisschen im Zwiespalt. Ich mag sie, ich mag sie wirklich, besonders in den Momenten, in denen sie die Wahrheit ausspricht, die Wahrheit, die alle anderen nicht mutig genug sind, auszusprechen. Denn das muss man ihr lassen, sie steht ein für das, an das sie glaubt, sie setzt sich ein für ihre Mitmenschen und macht den Mund auf, wenn Jemandem Unrecht widerfährt. Doch manchmal habe ich sie einfach nicht verstanden; ich konnte absolut nicht verstehen oder auch nur im Geringsten nachvollziehen, was in ihr vorgeht. Sie ist und bleibt ein riesiges Rätsel für mich.

Was ihren Love Interest angeht muss ich sagen ICH BIN ABSOLUT BEGEISTERT.

Ich werde nicht verraten wer es ist, da ich Niemandem das Überraschungsmoment nehmen möchte, dennoch möchte ich hier nur ganz deutlich sagen, dass ich absolut begeistert bin von der romantischen Entwicklung, die diese Geschichte rund um Leah nimmt.

Dieses Buch hat so viel mehr zu bieten, als bloß eine mit Teenage Drama gefüllte High School Story. Es geht um Freundschaft und Loyalität und um Liebe, vor allen Dingen aber auch um Selbstfindung. Denn geht es nicht genau darum auf der High School? Wir können uns sicherlich alle noch sehr gut an unsere eigene Pubertät erinnern, an damals, als wir fast täglich in jemand anderes verknallt waren, uns unsicher fühlten, uns vielleicht sogar verstellten aus Angst, die anderen würden uns nicht mögen, wie wir um Anerkennung kämpften, wie wir unseren Träumen hinterherjagten … Dies ist eines der Bücher von denen ich wünschte, sie hätten schon existiert, als ich noch in diesem Alter war. Ich bin sicher, es hätte zur damaligen Zeit so vielen Menschen nicht nur die Augen geöffnet, sondern auch ihr Denken verändert und ihnen vielleicht sogar geholfen, ihre eigene Stärke und ihren Mut zu finden, die Person zu sein, die sie eben nun mal sind, ohne sich zu verstellen oder etwas vorzugeben, was man eigentlich gar nicht ist.

Egal ob heterosexuell, homosexuell, bisexuell, egal ob schwarz oder weiß, egal ob dick oder dünn, egal ob trans oder cis – all das ist Normalität. Es gibt kein unnormal; vielleicht gibt es auch gar kein normal, es gibt nur uns und die Person, die wir sind, die wir sein wollen. Das ist es, was dieses Buch lehrt; es zeigt uns auf, wie es auch in unserer Welt sein sollte. Wie es immer sein sollte. Wie es hoffentlich irgendwann sein wird. Natürlich gibt es immer irgendwelche Idioten, die meinen, sich dämlich aufführen und anderen das Leben schwer machen zu müssen, doch die wird es immer geben, solange es Menschen gibt, die füreinander einstehen, um gegen diese abstrusen Einstellungen, die noch aus der Steinzeit zu stammen scheinen, anzukämpfen.

Dieses Buch ist ein ganz wundervolles Jugendbuch, das das Leben in allen seinen Facetten, Farben, Größen, Formen und Orientierungen feiert.

Becky Albertalli schreibt ihre Geschichten dem wahren Leben entsprechend und das macht sie einfach so wundervoll. Und auch wenn hier und da ein wenig Teenage Drama herrscht (das haben wir immerhin alle irgendwann mal mitgemacht) und ein paar Dinge vielleicht zu perfekt sind, sind gerade aufgrund der Vielfältigkeit der einzelnen Charaktere ihre Geschichten so absolut realitätsnah. Sie sind herzerwärmend schön, romantisch, liebevoll und ehrlich, humorvoll und einfach zum Dahinschmelzen.

Alles in allem hat mir das Buch wirklich unglaublich gut gefallen, was bedauerlicherweise allerdings weniger Leah zu verdanken ist, sondern vielmehr den anderen Figuren, die zwar eigentlich nur Nebenfiguren sind, aber doch zeitweise Leah in den Hintergrund drängen. Es war wahnsinnig schön, all die geliebten Figuren wiederzutreffen und noch ein bisschen länger an ihrem Leben teilzunehmen.

Die Seiten flogen nur so dahin und das breite Grinsen auf meinem Gesicht war unmöglich abzustellen. Es fühlte sich einfach gut an, dieses Buch zu lesen; es hat nicht nur Freude bereitet, sondern mir auch einige „awwww“ und „ohhh“ Momente beschert und ich hoffe wirklich inständig, dass es vielleicht sogar noch einen dritten Teil geben wird, in dem es dann um das dritte Mitglied der ursprünglichen Crew geht: Nick.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Ja! Das Buch lohnt sich und das nicht nur für die Love, Simon Fans, wenn für diese auch ganz besonders. Es ist ein Buch, dass vielleicht nicht die Welt verändern, sie aber doch ein kleines Stückchen besser machen wird; zumindest wird es (hoffentlich) dem ein oder anderen die Augen öffnen, sie sensibilisieren für Themen, denen sie vorher vielleicht aus dem Weg gegangen sind und sie zum Nachdenken anregen. Ich für meinen Teil bin froh, dass es Autoren wie Becky Albertalli gibt, die das Leben feiern und zwar in all seinen unterschiedlichen Facetten. Wenn man dieses Buch gelesen hat, möchte man es einfach nur die ganze Zeit fest an sich drücken und es umarmen, man möchte am liebsten gleich noch mal von vorne beginnen, weil man – sobald man die letzte Seite gelesen hat – all diese Figuren bereits schmerzlich vermisst.

INFOS ZU DEM BUCH

Autor: Becky Albertalli
Titel: Leah on the Offbeat
Verlag: HarperCollins
Seiten: 343
Erscheinungsdatum: 24. April 2018

 

KATEGORIE

 

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10 Cover
8 Handlung
8 Charaktere
8 Lovestory
10 Suchtfaktor
8.8
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4 Comments

  • Liebe Ivy, was für eine tolle Rezension! Ich möchte Love, Simon jetzt auch ganz bald lesen und habe versucht mich nicht allzu sehr zu spoilern aber was ich gehört habe macht mich extrem neugierig.

    Außerdem ist das Bild von dir ja mal Liebe hoch 10. <3

    Ich hoffe ich schaffe es bald Love, Simon zu lesen und den Film zu schauen und danach werde ich mir auch Leah noch mal ganz genau ansehen !

    Hab es schön, liebste Grüße Nessi

    • Danke dir liebe Nessi 🙂

      Ich mochte Love, Simon auch unheimlich – ein absolutes Herzensbuch von mir und eine ganz besondere Geschichte, wie ich finde <3

      Ich hoffe, dass dir Leah auch gefallen wird. Mich konnte es zwar nicht ganz so überzeugen, wie es Love, Simon geschafft hat, aber dennoch habe ich ihre Geschichte absolut genossen!

      Liebste Grüße
      Ivy

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