Rezension: Niemalswelt – Marisha Pessl

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Inhalt/Klappentext:

Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee keinen ihrer Freunde mehr gesprochen. Als sich die fünf ein Jahr später in einem noblen Wochenendhaus an der Küste wiedertreffen, entgehen sie nachts nur knapp einem Autounfall. Unter Schock und vom Regen durchnässt kehren sie ins Haus zurück. Doch dann klopft ein geheimnisvoller Unbekannter an die Tür und eröffnet ihnen das Unfassbare: Der Unfall ist wirklich passiert und es gibt nur einen Überlebenden. Die Freunde sind in einer Zeitschleife zwischen Tod und Leben gefangen, in der sie dieselben elf Stunden immer wieder durchlaufen – bis sie sich geeinigt haben, wer von ihnen überlebt. Der Schlüssel zur Entscheidung scheint Jims Tod zu sein – in ihrer Verzweiflung beginnen die Freunde nachzuforschen, was wirklich mit ihm passiert ist, in jener Nacht, in der er in den Steinbruch stürzte. Und langsam wird klar, dass sie alle etwas zu verbergen haben …


Vielen Dank an den Carlsen Verlag, der mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


Diese Rezension enthält Spoiler.

CW: Tod, Mord, Selbstmord, Depression

Ich muss zugeben, ich war etwas skeptisch, als ich plötzlich überraschenderweise den neuesten Roman von Marisha Pessl in meinem Briefkasten vorfand. Nachdem mich Die Amerikanische Nacht von ihr leider nicht so ganz begeistern und überzeugen konnte, bin ich etwas vorsichtiger an dieses Buch heran gegangen, ohne allzu hohe Erwartungen zu haben. Um ehrlich zu sein, habe ich mir nicht einmal den Klappentext genau durchgelesen. Im Rahmen der Aktion #Lesewache, die vom Carlsen Verlag selbst auf Instagram und Twitter am 17. März 2019 veranstaltet wurde, habe ich das Buch sodann in einem Rutsch durchgelesen. Klingt vielversprechend oder? Ob es mir denn auch tatsächlich so gut gefallen hat, könnt ihr in meiner nachfolgenden Rezension nachlesen.

Bereits nach den ersten Seiten habe ich festgestellt, dass Niemalswelt zwar dieselbe mysteriöse und unheimliche Atmosphäre umgibt, wie auch Die Amerikanische Nacht, ansonsten die beiden Geschichten allerdings nicht sonderlich viel gemein haben. Erwartet hatte ich eine Art mysteriösen Teeniehorror mit einigen Sic-Fiction Elementen, bekommen habe ich eine übernatürliche Detektivgeschichte mit Zeitreiselementen und Sci-Fi-Aspekten, die unter anderem auch Themen wie Verlust, Depressionen, Selbstmord und Mord aufgreift. Das wohl Interessantest an der Geschichte ist die Tatsache, dass die Figuren in einer Zeitschleife gefangen sind und immer wieder dieselben 11 Stunden erleben, wodurch sie mithin auch nur diese 11 Stunden Zeit haben, auf des Rätsels Lösung zu kommen.

Die Autorin hat einen ganz wunderbar emotionalen und fast schon poetischen Schreibstil, der diese mystische, teilweise sogar bedrückende Atmosphäre untermalt. Ihre Wortwahl ist on Point, die Beschreibungen verschiedener Situationen und Gefühle ebenso. Einer der Hauptgründe, weshalb ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, war definitiv der wunderbare Schreibstil der Autorin, der irgendwie besonders ist.

Auf unserer Reise durch die Zeit, das Leben und den Tod begleiten wir fünf Freunde, die sich aufgrund eines tragischen Vorfalls irgendwie auseinander gelebt haben. Besonders getroffen hat es hierbei Bee, die ihre erste große Liebe durch vermeintlichen Selbstmord verloren hat. Bee ist schwer getroffen und leidet noch immer unter der Tatsache, dass nie richtig aufgeklärt werden konnte, wie Jim gestorben ist. Dass er Selbstmord begangen haben könnte, schließt Bee aus. Also macht sie sich auf den Weg zu ihren ehemals besten Freunden in der Hoffnung, der Lösung etwas näher zu kommen, als sich dann schließlich die nächste Tragödie ereignet. Diesmal trifft es allerdings nicht nur ihre Freunde, sondern auch sie steckt auf einmal mitten drin; steckt fest zwischen Leben und Tod und es gibt nur eine Möglichkeit, lebendig aus dieser Situation wieder raus zu kommen.

Die einzelnen Charaktere sind ganz wunderbar gezeichnet, mit Ecken und Kanten. Jeder von ihnen hat seine ganz spezielle Art und während des Verlaufs der Geschichte kommen immer wieder Geheimnisse ans Licht, die das Bild, das man bis dahin von der Person hatte, völlig umwerfen, was uns nur wieder einmal beweist, dass man einen Menschen eigentlich nie richtig kennt, ganz gleich wie nahe wir dieser Person auch zu stehen scheinen. Stück für Stück, wie ein Puzzle, das sich langsam zusammensetzt, werden diese Geheimnisse aufgedeckt und offenbaren nicht nur die wahre Persönlichkeit der Charaktere, sondern bringen uns auch immer näher an die Lösung des großen Rätsels heran: Jim’s Tod. Während die Freunde also versuchen, nicht nur einen Weg aus der Zeitschleife zu finden, sondern auch Jims Tod aufzuklären, entwickeln sie sich allesamt unglaublich weiter. Die Figuren wirken echt und real, insbesondere ihre Reaktionen und Handlungen waren – zumindest größtenteils – vollkommen nachvollziehbar. Alle von ihnen zeigen auch Schwäche; verlieren sich in ihren Zweifeln und sind kurz davor, aufzugeben, was sie nicht schwach, sondern vielmehr unglaublich sympathisch macht. Man kann sich auf so vielerlei Hinsicht mit den Figuren identifizieren, sei es nun ihre Ängste betreffend, ihre Zweifel, ihre Handlungen oder Gedanken oder gar ihre Vergangenheit.

Auch die Geschichte an sich ist unglaublich vielfältig und vor allen Dingen nachdenklich und einzigartig. Spannung wird von Seite zu Seite aufgebaut, nicht, weil hinter jeder Tür ein Monster lauert, sondern einfach, weil sich die Situation immer mehr zuspitzt und man als Leser wirklich keine Ahnung hat, wohin die Geschichte geht, da man die einzelnen Figuren wirklich unglaublich schlecht einschätzen kann. Alle von ihnen befinden sich am Rande ihrer Nerven, was natürlich ihrer Situation geschuldet ist und genau das ist es auch, was sie so unberechenbar macht.

Es gab einige Wendungen, die mich wirklich überrascht haben. Besonders der Twist am Ende war mehr als notwendig, da es sich ansonsten lediglich um ein 0-8-15 Ende gehandelt hätte. Am Ende bringt die Autorin mithin noch mal ein wenig Spannung und eine Überraschung mit rein, die der Geschichte noch mal den Extra-Kick verleihen.

Was mich ein wenig gestört hat ist die Tatsache, dass die Autorin – trotz ihres wunderbaren Schreibstils – sich zwischendurch immer mal wieder in ihren Worten verloren hat. Besonders am Ende hat sie meiner Meinung nach über viel zu viele Seiten die ganze Zeit nur “rum geschwafelt”, was auf mich den Eindruck machte, als hätte sie am Ende noch unbedingt so und so viele Seiten füllen wollen, um eine bestimmte Seitenzahl zu erreichen. Das Ende, insbesondere das letzte Kapitel, war hier einfach zu lang; vieles einfach zu nichtssagend. Dem Buch hätten hier definitiv ein paar Seiten weniger gut getan.

Auch hätte ich mir gewünscht, dass man den Wächter ein wenig mehr in der Geschichte mit integriert hätte. Zwar hat er die Geschichte begleitet wie ein Echo, das immer mal wieder nachgehallt hat, aber so richtig präsent war er dann irgendwie doch nicht, was mir ein wenig gefehlt hat.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Insgesamt hat mir das Buch unfassbar gut gefallen und bekommt von mir daher eine klare Leseempfehlung. Es ist ein wenig gruselig, mystisch, mysteriös – es geht darum, Rätsel zu lösen und auch Zeitreisen spielt eine große Rolle. Die Geschichte hat eine unglaublich bedrückende Atmosphäre und spielt sich in einem sehr düsteren Setting ab, was mir wahnsinnig gut gefallen hat. Mich konnte das Buch absolut unterhalten.


INFOS ZUM BUCH

Autor: Marisha Pessl
Titel: Niemalswelt
Originaltitel: Neverworld Wake
Verlag: Carlsen Verlag
Seiten: 384
Erscheinungsdatum: 22. März 2019
Preis: 18,00 [D]
Buch beim Verlag: KLICK*


KATEGORIE

Die Erklärung zu meinen Bewertungs-Kategorien kannst du HIER nachlesen.] 

WEITERE REZENSENTEN

Stellette Reads | Book Walk | Letterheart | Miss Foxy Reads

Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
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Comments

  1. Antworten

    Hey Ivy,

    ich bin ehrlich. Ich hab deinen Beitrag nur überflogen, aber auch nur weil ich das Buch sehnlichst erwarte und hoffe das es endlich ankommt. Ich hätte so gerne bei der Lesewache mitgemacht, aber nun ja war wohl nicht auserwählt haha. Schade Schokolade! Meine Erwartungen sind riesig, ich freue mich so.

    Liebste Grüße, Stella

    1. Antworten

      Ach nein wie schade, aber ich drück dir die Daumen, dass das Buch dann jetzt ganz schnell bei dir ankommt. Mir hat es wirklich richtig gut gefallen, was mich tatsächlich ein wenig überrascht hat 🙂 Ich hoffe, dass es dir auch zusagen wird 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

  2. Antworten

    Liebe Ivy,
    ich habe jetzt mal nur das Fazit gelesen, weil ich noch nicht ganz durch bin mit dem Buch – PC und PS4 fesseln mich aktuell viel zu sehr und ich komme kaum zum Lesen haha. Heute möchte ich aber endlich weiter lesen und es vielleicht sogar beenden.
    Ich finde die Thematik wahnsinnig spannend und ich mag die mysteriöse Atmosphäre und vor allem den Wächter sehr. <3

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Antworten

      Liebe Nicci,

      dann wünsche ich dir weiterhin auch noch ganz viel Spaß mit dem Buch. Ich mochte es ja wirklich sehr, zumindest was die Thematik angeht. Ich liebe Zeitreisen total und ich mochte auch dieses Mystische, fast schon Unheimliche total hihi 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

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