Rezension: Offline ist es nass, wenn’s regnet – Jessi Kirby

Stell dir vor, du öffnest an deinem 18. Geburtstag die Haustür und dort liegt ein Geschenk: ein riesiger Wanderrucksack, ein Paar Wanderschuhe und ein Trailtagebuch für den Yosemite Nationalpark. Würdest du loslaufen? 

Mari entscheidet sich genau dafür, obwohl sie noch nie mehr als zehn Schritte zu Fuß getan hat. Von heute auf morgen tauscht sie Smartphone und Social Media gegen schneebedeckte Berge, reißende Flüsse und Blasen an den Füßen, aber auch gegen Sonnenaufgänge wie aus dem Bilderbuch, warmherzige Begegnungen und mutige Entscheidungen – denn der Yosemite verändert jeden.


Vielen Dank an den Loewe Verlag, der mir das Buch kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat im Austausch gegen meine ehrliche Meinung. Auch hier bleibt meine Meinung unverfälscht. Nähere Informationen hierzu findet ihr HIER.


Diese Rezension enthält Spoiler. 

Offline ist es nass, wenn’s regnet von Jessi Kirby hat mich ganz unvermittelt getroffen – und zwar mitten ins Herz. Nicht nur die Autorin, sondern auch das Buch waren mir vollends neu, hatte ich noch nie davon gehört. Die Überraschungspost aus dem Loewe Verlag, die mich vor einigen Tagen erreichte, war mithin tatsächlich eine Überraschung. Die Post enthielt allerdings nicht nur das Buch, sondern auch die Herausforderung zu einer Challenge, auf die ich in dieser Rezension zunächst nicht näher eingehen möchte. Hierzu wird in Kürze noch ein separater Beitrag auf meinem Blog online gehen. 

Ich las den Klappentext nur flüchtig, fühlte mich aber sofort hingezogen zu Mari und ihrer Geschichte und fing noch am selben Abend an zu lesen und in die Geschichte einzutauchen. Das Ende vom Lied war, dass ich den ganzen Abend und die halbe Nacht in diesem Buch las; bis ich es irgendwann mit nur noch 60 Seiten übrig um drei Uhr nachts irgendwann zur Seite legte, um nicht völlig müde und verschlafen am nächsten Morgen auf der Arbeit zu erscheinen. 

Obwohl ich das Buch zur Seite gelegt hatte, schwirrten Mari und ihre Geschichte noch immer in meinem Kopf herum. Sie begleitete mich den ganzen Tag auf der Arbeit und zwar auf eine solch intensive Art und Weise, dass ich mich kaum auf meine Aufgaben konzentrieren konnte, sondern stets auf die Uhr blickte und hoffte, die Zeit würde ein wenig schneller verfliegen, sodass ich nach Hause fahren und endlich das Buch beenden könne. 

Ich bin ein unglaublich emotionaler Mensch, manche würden vielleicht zart-besaitet dazu sagen, oder auch sensibel, empfindlich oder mimosenhaft. Ich hingegen bezeichne mich selbst gerne einfach als einen sehr emphatischen und mitfühlenden Mensch; eine Eigenschaft, auf die ich wirklich sehr stolz bin, auch wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treibt. Das bedeutet also, dass es nicht selten vor kommt, dass ich bei einem Buch mal ein paar Tränen vergieße, manchmal mehr, manchmal weniger, doch noch nie ist es mir passiert, dass ich so oft bei einem Buch weinen musste, wie bei diesem hier. Ich war ein emotionales Wrack, von Seite eins an bis Ende und fühlte neben den Tränen, die mir über die Wangen liefen, auch die ganze Zeit dieses warme Kribbeln im Herzen, dass mir mehr als deutlich sagte, dass dies ein Buch ist, dass mich und mein Denken nachhaltig verändern wird. Ich weiß, das ist schon ziemlich groß gesprochen, dennoch entspricht es der Wahrheit. Dieses Buch hat mein Herz berührt; ist mir durch Mark und Bein gegangen und ich bin unendlich dankbar, dass ich es dank des Loewe Verlages lesen durfte, denn ohne diese Überraschungspost, wäre ich wohl niemals auf diesen in meinen Augen absolut großartigen Titel gestoßen. 

In dem Buch geht es um Mari, die mit über 500.000 Instagram Followern eine ziemlich bekannte Influencerin ist mit einer recht großen Fangemeinde. Instagram hat zwischenzeitlich einen so wichtigen Teil in ihrem Leben eingenommen, dass sie nur noch für das perfekte Foto lebt. Ihre Mahlzeiten sind bereits kalt, bevor sie mit dem essen beginnt, manchmal isst sie es gar nicht, sondern kippt es direkt in den Müll. Sie spielt ihren Fans eine Beziehung mit einem anderen berühmten Influencer vor, weil Pärchenshots eben mehr Likes und Follower bringen, und lebt ihr Leben praktisch nur noch hinter und vor ihrer Kamera. Doch dann passiert etwas, das ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Mari verliert ihre Cousine, Freundin und Seelenverwandte Bri, eine richtige Abenteurerin und Freigeist. Und obwohl sie in den letzten drei Jahren kaum noch Kontakt zueinander hatten, lebten sie beide doch völlig unterschiedliche Leben, trifft Mari dieser Verlust wie ein Schlag ins Gesicht. Schlagartig wird ihr klar, dass sie raus muss aus dieser Fake-Welt, die sie sich mit Hilfe ihres Influencer-Daseins kreiert hat. Und dann fasst sie einen Entschluss: sie möchte ihr Leben nicht mehr nur online leben, sondern auch offline. Sie löscht all ihre Social Media Kanäle und beginnt einen neuen Lebensabschnitt, ein paar Tage nach ihrem 18. Geburtstag, als plötzlich ein riesiges Paket vor ihrer Tür landet, das den Wanderrucksack ihrer Cousine enthält. Bevor Bri starb, hatte sie jede Menge Zeit damit verbracht, ihr nächstes Abenteuer zu planen, den John Muir Trail im Yosemite Nationalpark zu begehen. Aufgrund ihres tragischen Unfalls jedoch würde sie nie dazu kommen, sich diesen Traum zu erfüllen. An Bri’s Stelle macht sich also Mari schließlich auf den Weg. Anfangs völlig unerfahren, unbeholfen und sogar ein wenig hilflos gelangt sie schnell an ihre Grenzen. Doch das Abenteuer, das sie anfangs für Bri beginnt wird schnell zu ihrem ganz eigenen, persönlichen Abenteuer. 

Offline ist es nass, wenn’s regnet ist ein Buch über Selbstfindung. Es geht darum, aus unserer digitalen Welt auszubrechen und endlich das Leben wieder lieben zu lernen. Es geht um den puren Genuss von Freiheit; von Abenteuer und hat somit absolut meinen Geschmack getroffen. 

“Das Leben ist zu kurz um jeden Tag im gleichen Haus aufzuwachen, jeden Tag dieselben Leute zu sehen und immer das gleiche zu tun. Meine Zeit ist begrenzt und ich will keine Sekunde verschwenden. Ich will alles sehen und im Leben anderer etwas bewirken und ich will glücklich sein.”

Offline ist es nass, wenn’s regnet – Jessi Kirby

Es handelt sich um eine aufregende Abenteuergeschichte mit einem leicht emotionalen, traurigen, fast schon herzzerreißenden Beigeschmack. Der Tod von Bri zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, begleitet den Leser, wie er auch Mari auf ihrer Wanderung durch den Yosemite Nationalpark begleitet und hat in mir ein ganz merkwürdiges (nicht negatives) Gefühl ausgelöst. Obwohl ich mich jeden Tag selbst versuche daran zu erinnern, dass das Leben kurz ist; dass man jeden Augenblick bewusst erleben und genießen und nicht zu viel Zeit mit Dingen verbringen sollte, die einen negativ beeinflussen, vergisst man dies in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit doch auch schon mal. Maris Geschichte jedoch hat mir wieder einmal vor Augen gefühlt, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Und was ist am Ende wichtiger? Die Anzahl der Likes, die man auf ein Foto bekommen hat, oder die wundervollen Momente, die man in seinem Leben erlebt und Erinnerungen, die man dadurch geschaffen hat? Ich möchte mich irgendwann in hoffentlich erst 100 Jahren nicht daran erinnern, wie erfolgreich meine Fotos auf Instagram waren, sondern an die Momente, die mein Leben zu etwas ganz Besonderem gemacht haben. Dieser Gedanke entfällt einem in der heutigen Gesellschaft viel zu häufig, egal wie sehr wir uns auch bemühen, umso wichtiger ist es, dass wir immer wieder mit der Nase drauf gestoßen werden und Bücher wie diese sind dafür genau das Richtige und insbesondere auch im Jugendbuchbereich unglaublich wichtig. 

Auf ihrer Wanderung trifft Marie auf die verschiedensten Leute und bleibt schließlich bei einer Gruppe Jugendlicher hängen, der sie sich anschließt. Obwohl ich es auch als toll empfunden hätte, hätte Mari die gesamte Reise tatsächlich alleine verbracht, empfand ich ihr Zusammentreffen mit der kleinen Gruppe junger Leute sehr erfrischend, schloss ich sie allesamt gleich in mein Herz. Sie passten irgendwie in die Geschichte rein, bereicherten sie teilweise sogar ein bisschen und machten das Abenteuer noch ein wenig aufregender. Auch was die Romanze angeht muss ich sagen, dass die Autorin hier wirklich sehr gute Arbeit geleistet hat. Statt die Romanze in den Vordergrund zu stellen, wird sie nur zu einem unterschwelligen Teil der Geschichte; ein kleiner Nebenschauplatz eben. Der Fokus liegt nicht plötzlich auf der herannahenden Liebesgeschichte, sondern nach wie vor auf Mari, ihrem Vorhaben, ihrem Plan und ihrer Selbstfindung. Dieses Buch enthält meiner Meinung nach mithin die genau richtige Portion an Romantik, ohne, dass es die Geschichte an sich stören würde. 

Das Zusammenspiel der Charaktere ist einmalig; die Szenerie einfach bombastisch. Ich war noch nie im Yosemite Nationalpark, habe allerdings schon einige Dokumentationen und Fotos gesehen und mir auch Erzählungen Bekannter angehört, die tatsächlich schon dort auf Wanderschaft waren und kann sagen, dass sich mein Wunsch, einmal selbst dort zu wandern, durch dieses Buch nur noch verstärkt hat. Am liebsten wäre ich sofort in meine Wanderschuhe geschlüpft, hätte meinen Rucksack gepackt und den nächsten Flug nach Kalifornien gebucht. Wenn dieses Buch eins auslöst, dann ist es Fernweh. 

Es gibt nur einen Aspekt, der mich etwas gestört hat und zwar war dies die zum Ende hin immer mehr in Vergessenheit geratene Beziehung zwischen Mari und ihrer Mutter. Ich kann absolut verstehen, dass Mari Zeit für sich selbst brauchte und dass sie all das alleine durchziehen wollte, doch die Tatsache, dass die Mutter am Ende vollends aus den Augen verloren wurde, empfand ich als ein wenig schade, gerade weil Mari immer wieder im Laufe der Geschichte erwähnte, dass sie sich noch bei ihrer Mutter melden wird. Ihre Mutter ist zu Hause wahrscheinlich gestorben vor Angst. Meiner Meinung nach war es daher ein wenig rücksichtslos von Mari. Ich hätte nicht mal gewollt, dass sie ihr tagtäglich von ihren Abenteuern berichtet, doch so alle paar Tage ein kurzes „Hi Mom, ich bin noch am Leben“-Update wäre – wie ich finde – schon echt drin gewesen. Diesbezüglich war mir das Ende einfach zu abrupt; zu schnell, insbesondere nachdem die Autorin sich so viel Zeit gelassen hat, Maris und Bris Geschichte zu erzählen. 

Ich finde es wirklich unheimlich, wie digital unsere Welt zwischenzeitlich geworden ist. Manchmal sehne ich mich zurück in meine Kindheit, als Facebook & Co. noch Niemandem ein Begriff waren; als es noch kein WLAN gab, sondern bloß diese lahmen Modem, die immer einen riesen Krach veranstalteten, wenn man sich ins Internet einloggte, und als noch dieser verhängnisvolle Internet-Knopf am Handy immer eine Panikattacke verursachte, wenn man versehentlich drauf drückte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle um einiges glücklicher und befreiter wären, würden wir uns nicht so von Social Media & Co. abhängig machen und uns beeinflussen lassen; uns selbst unter Druck setzen, wie auch Mari es in ihrem Leben als Influencerin getan hat. Ich hoffe daher sehr, dass dieses Buch viele zum Nachdenken anregt und vielleicht sogar inspiriert, selbst einmal einen Gang runter zu schalten. Natürlich muss jeder für sich selbst wissen, was einen glücklich macht, wenn es 1.000 Likes auf einem Instagram Foto sind, ist das eben so, allerdings frage ich mich, ob das auf Dauer wirklich gesund sein kann und wirklich glücklich  macht. 

LOHNT SICH DAS BUCH?

Absolut. Es ist eines dieser Bücher, das ich am liebsten jedem in die Hand drücken möchte. Insbesondere denjenigen, die sich einfach viel zu sehr unter Druck setzen was Instagram & Co. angeht, kann ich das Buch nur ans Herz legen. Doch nicht nur deswegen ist es das Buch Wert, gelesen zu werden, sondern auch aufgrund der unglaublich emotionalen und berührenden Geschichte von Mari & Bri und auch wegen der unglaublich schönen Szenerie, die sich einem bietet und dem Fernweh, das dieses Buch auslöst. Auch wenn es ein paar wenige Dinge gab, die mich nicht zu 100 % überzeugen konnte, zähle ich das Buch dennoch zu meinen Herzensbüchern, denn es hat mich auf eine Weise berührt, wie es tatsächlich nur die wenigstens Bücher schaffen. Dieses Buch ist für mich etwas ganz Besonderes und ich hoffe wirklich sehr, dass es jeder, der dieses Buch liest, so empfinden wird. 

Ich bin übrigens auch so begeistert von der Autorin, dass ich mir umgehend auch all ihre anderen Bücher bestellt habe, auf die ich mich schon riesig freue. 


INFOS ZUM BUCH

Autor: Jessi Kirby
Titel: Offline ist es nass, wenn’s regnet
Originaltitel: The Other Side of Lost
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 336
Erscheinungsdatum: 14. Januar 2019
Preis: 11,99 [D]
Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

[Die Erklärung zu meinen Bewertungs-Kategorien kannst du HIER nachlesen.]

WEITERE REZENSENTEN

Tintenhain | Stellette Reads


Der Beitrag wurde durch die Bereitstellung des kostenlosen Rezensionsexemplares gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
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Comments

  1. Antworten

    Hallo Ivy,

    es ist toll, von deiner Begeisterung zu lesen. Ich wusste zwar von der letzten Buchmesse, dass dieses Buch jetzt erscheint, hätte es aber wohl eher nicht gelesen. Daher war es als Überraschungspost doch ganz gut. Es wäre sonst wohl an mir vorbei gegangen.

    Deine Rezension werde ich die Tage gern verlinken.

    Liebe Grüße,
    Mona

    1. Antworten

      Liebe Mona,

      ich hatte das Buch wirklich überhaupt nicht auf dem Schirm und bin daher umso glücklicher, dass mir der Verlag es zugeschickt hat – ich hätte sonst ein ganz wundervolles Leseerlebnis verpasst!

      Ganz liebe Grüße
      Ivy

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