Rezension: Ramona Blue – Julie Murphy

Inhalt/Klappentext:

Ramona war erst fünf Jahre alt, als der Hurrikan Katrina ihr Leben für immer veränderte. Seitdem scheint es, als habe sich die Welt gegen sie und ihre Familie verschworen. Mit ihrer außergewöhnlichen Größe von 1,80 Metern und ihren unverwechselbaren blauen Haaren, sind für Ramona drei Dinge sicher: Sie mag Mädchen, sie ist der totale Familienmensch, und sie weiß, dass sie für etwas Größeres bestimmt ist als für ein Leben in dem Wohnwagen in Eulogy, Mississippi, den die Familie ihr zu Hause nennt. Ramona jongliert mit mehreren Jobs, ihrer exzentrischen, unzuverlässigen Mutter und ihrem gutmeinenden, aber überforderten Vater, und ist so gezwungen, die Erwachsene in der Familie zu sein. Jetzt, mit ihrer schwangeren Schwester Hattie, wiegt die Verantwortung schwerer als je zuvor. Die Rückkehr ihres Jugendfreunds Freddie ist somit eine willkommene Ablenkung. Ramonas Freundschaft mit dem ehemaligen Wettkampfschwimmer geht genau da weiter, wo sie damals aufhörte, und bald hat er sie überredet, mit ihm im Becken ihre Bahnen zu ziehen. Als Ramona ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt, beginnen sich auch, ihre Gefühle für Freddie zu verändern, was sie so gar nicht erwartet hätte. Mit ihrer wachsenden Zuneigung für Freddie, die ihre sexuelle Identität in Frage stellt, beginnt Ramona sich zu fragen, ob sie vielleicht Mädchen und Jungs mag oder ob diese neue Anziehung womöglich gar nichts damit zu tun hat. Auf jeden Fall wird Ramona erkennen, dass sich das Leben und die Liebe meist ähnlich anfühlen wie das Wasser, durch das sie ihre Bahnen zieht – fließend und veränderlich.


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


Manchmal passiert es, dass, obwohl ich ein Buch gleich nach Erscheinen kaufe, es dann doch noch eine Weile auf meinem SUB liegt. Warum? Keine Ahnung. Ganz häufig greife ich dann trotzdem erst dann zu dem Buch, wenn es auch auf Deutsch erscheint, was vermutlich daran liegt, dass auf Instagram & Co. dann immer sehr intensiv die Werbetrommel gerührt wird. Ich beschwere mich nicht, wirklich nicht, denn ohne Instagram würden einige Bücher sicherlich noch heute auf meinem SUB schlummern, Ramona Blue von Julie Murphy zum Beispiel. Und bei Büchern wie diesem bin ich Instagram immer unglaublich dankbar, dass es mich dazu gebracht hat, es von meinem SUB zu befreien. Denn dieses Buch war absolute Spitze.

In Ramona Blue geht es um ein Mädchen, das gerade dabei ist, die eigene Sexualität zu entdecken. All die Zeit über war sie der Meinung, sie wäre lesbisch, aber dann beginnt sie all das in Frage zu stellen. Sexualität ist fließend, sie ist nicht festgefahren. Man muss sich nicht “labeln” lassen oder festlegen und genau das bringt dieses Buch ganz wunderbar zur Geltung. Es handelt sich nicht um eine Geschichte, in der ein Junge ein Mädchen von lesbisch in heterosexuell “umwandelt”. Ich finde es schade, dass einige Leser dies tatsächlich so aufgefasst haben. Vielmehr ist es ein Buch, das die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das sich selbst nicht ganz so sicher hinsichtlich ihrer Sexualität ist und die dabei ist herauszufinden, was sie wirklich möchte und wer sie eigentlich ist.

Doch neben dem Thema Sexualität geht es auch noch um so viel mehr. Auch auf dem Thema Familie liegt der Fokus. Ramona, unsere Protagonistin, führt ganz unterschiedliche Beziehungen zu ihren Familienmitgliedern, zu ihrer Mutter, ihrer Schwester, ihrem Vater und auf all diese Beziehungen wird in der Geschichte eingegangen.

Außerdem geht es auch ums Schwimmen. Viel zu selten gibt es Jugendbücher, in denen die Hauptfigur intensiv einen Sport betreibt und wo genau dieser Sport auch im Mittelpunkt steht. Es geht natürlich nicht ausschließlich ums Schwimmen, doch das Schwimmen ist ein großer und wichtiger Teil von Ramonas Leben und genau das merkt man auch. Irgendwie macht dieser Einblick in ihren stinknormalen Alltag sie greifbar und unglaublich echt.

Weiter spielt auch Freundschaft eine ganz wichtige Rolle und es geht auch darum, wie es ist, in eher ärmlichen Verhältnissen aufzuwachsen. Die Geschichte zeigt auch mal die Schattenseiten. Es wird uns eben kein perfektes Friede-Freude-Eierkuchen Leben vorgespielt und auch das macht die Geschichte unglaublich echt.

Und zu guter Letzt gibt es natürlich auch noch eine richtig schöne Portion Romantik. Denn plötzlich taucht da dieser Junge auf, der Ramona vollends den Kopf verdreht. War sie zuvor immer der Meinung, sich ausschließlich zu dem weiblichen Geschlecht hingezogen zu fühlen, merkt sie schnell, dass da mehr ist zwischen ihr und dem Jungen als nur Freundschaft und natürlich bringt sie das erst einmal ein wenig aus der Ruhe. Ramonas Gedanken und Gefühle wirken unglaublich authentisch. Wenn man erst einmal glaubt, sich einer Sache ganz sicher zu sein und dann jemand anderes daher kommt, der einem das Gegenteil beweist, kann einen das schon einmal aus der Bahn werfen, insbesondere wenn die eine Sache die fast schon einzige Konstanze im Leben gewesen zu sein scheint. Man hat das Gefühl, vielleicht nicht mehr man selbst zu sein; sich zu verändern, vielleicht sogar in eine Richtung, in die man sich gar nicht verändern möchte. All dies macht dieses Buch deutlich, aber auch, dass es okay ist, sich zu verändern; dass es okay ist, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen; dass es okay ist, seine “Meinung” zu ändern, egal ob es nun das Leben oder die eigene Sexualität betrifft. Gefühle sind unglaublich mächtig und manchmal sind sie einfach da und es gibt keine Erklärung dafür, wieso man genau so fühlt, wie man eben fühlt.

Es ist eine Geschichte, wie sie das wahre Leben nicht besser hätte schreiben können. Julie Murphy zeigt mit dieser Geschichte ganz deutlich, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern jede Menge knallbunte Farben, die dazwischen liegen und meiner Meinung nach gibt es einfach nichts schöneres auf dieser Welt. Wir müssen aufhören, in Schubladen zu denken; ständig irgendwelche Leute irgendwo rein zu stecken, wo sie eigentlich gar nicht rein gehören. Liebe gehört eben nicht in irgendeine Schublade, Liebe ist einfach, sie existiert, in so vielen Formen, Farben und Facetten.

Wisst ihr, ich persönlich glaube, dass man sich nicht in das Geschlecht verliebt, sondern in die Person und, obwohl ich mich selbst als Heterofrau bezeichne, würde ich niemals ausschließen, mich vielleicht irgendwann auch mal in eine Frau zu verlieben. Niemand weiß, was die Zukunft bereithält und wenn man einen Menschen erst einmal liebt, dann spielt das Geschlecht doch eigentlich keine große Rolle mehr, oder? Was oder wen auch immer man liebt, ich finde man sollte sich niemals dafür rechtfertigen müssen, sondern eben einfach lieben.

Und genau diese Message beinhaltet dieses Buch; diese wunderbare und herzerwärmende Geschichte, die mich mitten ins Herz getroffen hat. Ihre Charaktere sind ganz wundervoll und ich habe den Verlauf der Geschichte, auch wenn nicht unbedingt ein spektakuläres Ereignis das nächste jagt, unglaublich genossen und ich mochte die Ruhe, die das Buch ausstrahlt. Das Leben ist nicht immer aufregend und manchmal ist es auch einfach schön, ein Buch zu lesen, dass einfach nur von dem Alltag eines jungen Mädchens handelt.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Ja, ja und noch mal ja. Für mich stellt dieses Buch ein absolutes Highlight dar. Ich hatte es innerhalb weniger Stunden beendet und war von Anfang an verliebt, nicht nur in die Charaktere oder in den ruhigen, leichten Schreibstil der Autorin, sondern auch in die Geschichte selbst. Diese Geschichte hat so viel zu sagen und ich hoffe sehr, dass noch viele Menschen ihr lauschen und hoffentlich auch verstehen werden, was die Autorin uns mit diesem Buch auf den Weg geben wollte.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Julie Murphy
Titel: Ramona Blue
Verlag: S. Fischer
Seiten: 400
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2019
Preis: 18,99 [D] | 19,60 [A]
Buch beim Verlag: KLICK

Gelesen habe ich den englischen Titel, vorstehend habe ich euch allerdings die bibliografischen Daten der deutschen Ausgabe aufgeführt.


KATEGORIE

[Die Erklärung zu meinen Bewertungs-Kategorien kannst du HIER nachlesen.] 

WEITERE REZENSENTEN

My Library of Dreams | Lovin Books

Solltest du auch eine Rezension zu diesem Titel geschrieben haben, verlinke sie mir gerne in den Kommentaren.

Der Beitrag wurde nicht gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern und den Klappentexten unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

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Willkommen! Mein Name ist Ivonne, aber alle nennen mich Ivy und ich bin reisebegeistertes Fangirl. Bücher, Filme und Serien beherrschen mein Leben. Wenn ich nicht gerade irgendwo in der realen Welt unterwegs bin, verbringe ich meine Zeit am liebsten auf dem Sofa mit Buch und Katze. Sollte ich dort nicht zu finden sein, bin ich wahrscheinlich gerade als Schattenjäger auf der Jagd nach irgendwelchen Dämonen, trinke in Stars Hollow bei Luke einen Kaffee oder mache gemeinsam mit Emma Swan Storybrooke unsicher.
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Comments

  1. Antworten

    Liebe Ivy,
    was für eine wunderschöne Rezension! Man konnte während dem Lesen richtig spüren wie sehr dich das Buch berührt hat und wie sehr du hinter all diesen Themen, die das Buch beinhaltet, stehst.
    Genau wie du bin ich der Meinung, dass es absolut gleichgültig ist, welches Geschlecht der Partner hat.
    Die Liebe fragt nicht nach dem Alter oder der Hauptfarbe, nach der Religion oder dem Geschlecht.
    Man verliebt sich doch meistens Hals über Kopf und sowieso ganz unerwartet und vor allen Dingen verliebt man sich in den Menschen, da sollte das Geschlecht und alles andere wirklich zweitrangig sein.
    ich hatte selber in meiner Pubertät eine, wenn auch sehr kurze, Beziehung mit einer Frau und ich habe es keine Sekunde bereut. Es war eine tolle Erfahrung und ich würde auch heute niemals ausschließen mich nochmal in eine Frau zu verlieben. Man weiß eben nie was das Leben so für einen bereithält. Dieses Schubladen-Denken, dieses Schwarz-Weiß-Denken, dass müssten viele wirklich ganz dringend ausradieren und schlichtweg löschen, denn das tut doch wahrlich niemandem gut.

    Ganz liebe Grüße,
    Alina

    1. Antworten

      Liebe Alina,

      ich stimme dir absolut zu, ich hoffe auch, dass dieses Schubladen-Denken irgendwann ein Ende findet und nicht noch zusätzlich bestärkt wird. Es wird teilweise echt einfach nur nervig …

      Ich könnte mir vorstellen, dass dir das Buch dann auch echt gut gefallen würde 🙂 ich kann es jedenfalls sehr empfehlen!

      Liebste Grüße
      Ivy

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