Rezension: Red, White & Royal Blue – Casey McQuiston

Inhalt/Klappentext:

When his mother became President, Alex Claremont-Diaz was promptly cast as the American equivalent of a young royal. Handsome, charismatic, genius—his image is pure millennial-marketing gold for the White House. There’s only one problem: Alex has a beef with the actual prince, Henry, across the pond. And when the tabloids get hold of a photo involving an Alex-Henry altercation, U.S./British relations take a turn for the worse. Heads of family, state, and other handlers devise a plan for damage control: staging a truce between the two rivals. What at first begins as a fake, Instragramable friendship grows deeper, and more dangerous, than either Alex or Henry could have imagined. Soon Alex finds himself hurtling into a secret romance with a surprisingly unstuffy Henry that could derail the campaign and upend two nations and begs the question: Can love save the world after all? Where do we find the courage, and the power, to be the people we are meant to be? And how can we learn to let our true colors shine through?


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich – wie so häufig – durch die mal mehr und mal weniger wundervolle Bookstagram-Community. Lesen wollte ich es, seit dem ich die ersten sehr positiven Stimmen von Bloggern gelesen/gehört hatte, auf deren Empfehlungen ich mich bisher fast immer ausnahmslos verlassen konnte. Auf meinen SUB geschafft hat es das Buch allerdings erst zu Weihnachten, als ich es als hübsches Geschenk verpackt unter dem Weihnachtsbaum vorfand. Die Freude über das Buch war entsprechend groß und die Vorfreude, es bald zu lesen, fast noch größer. Im Rahmen der 20 für 20 Challenge habe ich dieses Buch also direkt mal auf meine Leseliste für das Jahr 2020 gepackt. Doch nicht nur das, ich habe mich dazu entschieden, es zu einem meiner ersten Reads in 2020 zu machen und ich bereue nichts. Auch wenn ich einen winzig kleinen Kritikpunkt habe, auf den ich später in meiner Rezension noch eingehen werde, so haben sich all diese wunderbaren Charaktere in Sekundenschnelle in mein Herz geschlichen. Ich liebe das Buch. Sehr sogar. Und zwar so richtig.

Wisst ihr, in all den Jahren des Buchbloggens; des Schreibens von Rezensionen, wird mir von Mal zu Mal deutlicher, dass es die positiven Rezensionen sind, die sich viel schwerer schreiben lassen. Während ich in negativen Rezensionen immer versuche, recht sachlich zu sein und meine Kritikpunkte nicht nur zu äußern, sondern auch anhand von Beispielen zu belegen, so fällt es mir wahnsinnig schwer, meine Begeisterung über ein Buch, dass ich wahnsinnig geliebt habe, in Worte zu fassen. Ich meine, wer liest schon gerne Rezensionen, die nur aus Herzen und Zuckerwatte besteht? Bei dieser Rezension handelt es sich nämlich um genau eine solche; um eine, die – wenn ich meinen Gedanken oder vielmehr meinem Herzen freien Lauf lassen würde – vermutlich aus nicht mehr bestehen würde als aus „awww“ und „ohh“. Doch, wie sonst auch, will ich natürlich versuchen, meine Begeisterung in Worte zu fassen, in richtige Worte meine ich. Und los geht’s.

Wisst ihr, was ich großartig finde? Wenn es Autoren schaffen, ihre Charaktere so zu schreiben und zu gestalten, dass man, auch wenn man sich aufgrund eigener (nicht vorhandener) Erfahrungen, nicht unbedingt in die Charaktere hineinversetzen kann, es dennoch schafft, sich zumindest so gut in die Personen hineinzufühlen, sodass man eine ganz konkrete Ahnung davon hat, was gerade in der Person vor sich geht.

Alex ist bisexuell. Ich bin es nicht. Ich habe daher keine Ahnung, wie es sich anfühlt, genau das herauszufinden; wie es sich anfühlt, wenn diese Erkenntnis einen in eine kleine Existenzkrise stürzt; wie es ist, sich zu outen. Aber aufgrund der authentischen Darstellung der Autorin habe ich zumindest ein Gefühl dafür bekommen, wie es sein könnte, wenn … Die Autorin behandelt das Thema zwar mit Fingerspitzengefühl, nimmt aber dennoch auch kein Blatt vor den Mund. Sie behandelt es so, wie man es behandeln sollte: nämlich „normal“ und das habe ich geliebt. Ich habe es so sehr geliebt. Wisst ihr, ich sage es zwar immer und immer wieder ABER unsere Welt ist nicht nur schwarz und weiß. Es gibt so unendlich viele Farbtöne, die sich in all uns widerspiegeln; so viele wunderschöne Farben, von denen viel zu viele selbst in unserer heutigen Zeit noch immer viel zu kurz kommen, doch nicht hier, nicht in diesem Buch. Das Buch hat mein Herz mit so viel Liebe und Hoffnung gefüllt; die Hoffnung auf eine bessere Welt, dass am Ende doch immer alles gut wird und dass da draußen so unglaublich viele Menschen sind, die sich für eine solche Welt einsetzen.

Doch neben diesen wichtigen Dingen; Themen, die angesprochen und zu etwas Großem gemacht werden, liebe ich die Charaktere auch einfach weil sie so sind, wie sie sind. Alex, unseren mehr als chaotischen Protagonisten, der redet, wie im der Mund gewachsen ist und der zurückhaltende Henry, der so ein großes Herz hat, dass es schon fast weh tut. Und weil dies etwas ist, was wir beide gemein haben, so ist es mir wahnsinnig leicht gefallen, eine Verbindung zu ihm aufzubauen, Henry, der einfach viel zu gut ist für diese Welt. Doch nicht nur unsere beiden Hauptfiguren haben es mir angetan, June und Nora, sind so ziemlich die coolsten und intelligentesten Nebencharaktere, und dazu auch noch wahnsinnig tolle und loyale Freunde, die mir bislang in einem YA Roman untergekommen sind. Und auch unter den erwachsenen Charakteren verstecken sich ein paar richtigen Juwelchen, Zahra, zum Beispiel, die ich bis ins Unermessliche gefeiert habe und natürlich auch Ellen, die Präsidentin herself. Alles was ich zu ihr sagen kann ist #Queen und ich denke, das spricht für sich selbst.

Aber wollt ihr wissen, was mir in Bezug auf die Charaktere am besten gefallen hat? SIE REDEN MITEINANDER. Jap, richtig gehört. Insbesondere meine ich hiermit Alex und Henry und ihre Beziehung. Ich hasse nichts mehr als wenn unnötiges Drama verursacht wird, nur weil die Personen nicht miteinander reden, weil sie ständig nur assumen, aber nichts wirklich wissen. Es ist zum Haare raufen. In diesem Buch nicht. Die Charaktere kommunizieren, sie sprechen miteinander und – Himmel – habe ich es gefeiert. Dieses Buch ist mithin das beste Beispiel dafür, dass man Drama auch anders schaffen kann, gutes Drama meine ich. Allein aus diesem Grund möchte ich dem Buch schon fünf Sterne geben.

Besonders gut gefallen haben mir auch die ständigen Neckereien zwischen Alex und Henry. Ich habe nichts gegen eine schnulzige Romanze, wirklich nicht, aber irgendwie erscheint mir dieses „Geschnulze“ oftmals viel zu unrealistisch. Henry und Alex haben mir genau das gegeben, was ich in den meisten Liebesgeschichten vermisse: Echtheit. Wenn man in einer Beziehung ist, schmiert man sich nicht die ganze Zeit irgendwelche romantischen Liebesfloskeln ums Maul, zumindest nicht in meiner. Ich nenne meinen Freund auch schon mal Depp, er bezeichnet mich als Tollpatsch, als „Loser“, wenn ich im Sport gegen ihn verliere, etc. pp. Manchmal kam ich mir richtig „blöd“ vor, wenn Freunde und Bekannte mich dafür „verurteilten“, wenn sie mit den Augen rollten und mich fragten, wieso wir uns gegenseitig „beschimpfen“. Ich liebe es, dass Alex und Henry genauso sind, dass sie sich necken und ärgern und hach … ich weiß, ich verfalle gerade wieder in Schwärmerei aber DANKE DANKE DANKE, dass in dieser Beziehung so unglaublich viel Echtheit und Wahrheit steckt.  Zumindest tut es das für mich.

Der Fokus mag auf Alex und Henry liegen, doch nicht so sehr, als das nicht auch noch für einen Plot unabhängig von ihrer Liebesgeschichte Platz wäre, denn, es geht um Politik. Um sehr viel Politik, es geht um die Royals in London und die Präsidentschaftswahl in den USA und ich fand es großartig. Ich will nicht sagen, dass ich wirklich alles 100 % verstanden habe, aber es war alles andere als langweilig, sondern vielmehr wahnsinnig spannend das Ganze mit zu verfolgen. Und ganz ehrlich? Können wir Ellen Claremont bitte als Präsidentin haben? Danke! In diesem Zusammenhang fand ich es auch super toll, dass nicht nur Themen wie Homosexualität oder Bisexualität in diesem Buch behandelt werden, sondern dass auch über die Benachteiligung von Frauen, sowie von POC, in der Politik gesprochen wurde. Ganz großes Kino.

Zum Schreibstil muss ich sagen, dass ich ein paar Seiten brauchte, um damit warm zu werden, was vermutlich an dem Wortschatz der Autorin liegt. Ich spreche fließend Englisch. Bereits in der Schule gehörte es zu meinen Lieblingsfächern, seit ich 14 bin schaue ich sämtliche Filme und Serien auf Englisch und spätestens seit meinem Auslandsjahr in den USA kann ich sagen, dass ich ziemlich fit bin, was die englische Sprache angeht und ich normalerweise keinerlei Probleme habe, ein Buch auf Englisch zu lesen. Doch in diesem Buch gab es mehr als einmal ein Wort, das ich noch nie zuvor in meinem Leben gehört habe und das ich tatsächlich nachschlagen musste, weil ich absolut keine Ahnung hatte, was es bedeutet, so z. B. „croquembouche“ oder „chambrays“. Wie man sieht, lernt man immer dazu und ich finde es fantastisch.

Zwischendrin erhält man dann auch immer wieder Einblicke in E-Mail Korrespondenz zwischen Alex und Henry, was nicht nur die Geschichte etwas auflockert, sondern dafür sorgt, dass man sich nur noch mehr in die beiden verliebt und zwar unsterblich verliebt. Diese kleinen aber feinen, ganz oft mit romantischen Zitaten bestückten, E-Mails waren für mich definitiv ein Highlight.

So, zum Abschluss kommen wir aber noch zu dem winzig kleinen Kritikpunkt, den ich in Bezug auf das Buch habe. Vorweg möchte ich sagen, dass dies das Buch für mich in keiner Weise schlecht macht, wirklich nicht, ich möchte es nur gesagt haben, da mich so etwas allgemein in Liebesromanen stört und mitunter zum Beispiel einer der Hauptgründe ist, weshalb ich mit dem New Adult Genre nicht wirklich was anfangen kann. Und zwar geht es um die Sexszenen. Es. waren. einfach. zu. viele. Zumindest am Anfang, zu viel und zu ausführlich. Ich verstehe einfach nicht, wieso immer häufiger Szenen, die gut und gerne aus einem Porno stammen könnten, in Bücher mit eingebaut werden. Ich mag es lieber, wenn auch noch etwas meiner eigenen Fantasie überlassen bleibt. Ein Pluspunkt hier allerdings: Alex und Henry werfen sich während des Aktes keine Kommentare an den Kopf, die regelrecht zum fremdschämen sind. Wenn das der Fall gewesen wäre, glaube ich, hätte es das Buch einen Stern gekostet, in dem Fall aber nicht. Die Sexszenen waren wirklich toll geschrieben; es war nicht so, als das es schlecht war, es war mir einfach nur zu viel und zu ausführlich. Ich gehöre einfach zum Typ „… und dann traten sie ins Zimmer und schlossen die Tür hinter sich.“ Aber hey, das ist bloß meine persönliche Einstellung.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Absolut. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr sich dieses Buch lohnt und ganz ehrlich? Ich hoffe so sehr auf eine Verfilmung. Diese Story würde auch unheimlich gut als Film funktionieren, da bin ich mir sicher. Dieses Buch ist authentisch, einfühlsam, liebevoll geschrieben, sexy, frech – dieses Buch hat meiner Meinung nach einfach alles, allen voran allerdings großartige Charaktere, von denen ich kaum genug bekommen konnte. Ich könnte mich nicht einmal entscheiden, wenn mich jemand fragen würde, welcher Charakter mein liebster ist. Ich kann dieses Buch wirklich jedem nur ans Herz legen. Lest es. Liebt es. Hyped es, tragt es in die Welt hinaus und sorgt dafür, das alle es mitbekommen (auch Hollywood). Bitteschön. Dankeschön. Over and out.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Casey McQuiston
Titel: Red, White & Royal Blue
Verlag: St. Martin’s Griffin
Seiten: 421
Erscheinungsdatum: 14. Mai 2019
Preis: 12,99 [D] 

TIPP: Am 01.04.2020 erscheint das Buch auf Deutsch unter dem Titel “Royal Blue” im DroemerKnaur Verlag.


KATEGORIE

[Die Erklärung zu meinen Bewertungs-Kategorien kannst du HIER nachlesen.] 


WEITERE REZENSENTEN

Glimrende

Solltest du auch eine Rezension zu diesem Titel geschrieben haben, verlinke sie mir gerne in den Kommentaren.

Der Beitrag wurde nicht gesponsert. Fotos: IvyBooknerd / / Die Rechte an den Covern und Klappentexten unterliegen dem jeweiligen Verlag & Designer.

PIN IT ON PINTEREST

Loading Likes...