Rezension: Someone Else – Laura Kneidl

Inhalt/Klappentext:

Ist ein Moment des Glücks wirklich den Preis unserer Freundschaft wert? Eigentlich könnten Cassie und Auri das perfekte Paar sein: Sie sind beste Freunde, wohnen zusammen und teilen ihr größtes Hobby – die Fantasyliteratur. Und obwohl Cassie das Gefühl hat, dass niemand auf der Welt sie besser kennt als Auri, scheinen die beiden manchmal Welten zu trennen. Während Auri Football spielt, viele Bekanntschaften hat und gern unter Menschen geht, zieht Cassie sich lieber von der Außenwelt zurück und pflegt einen kleinen, aber engen Freundeskreis. Doch je mehr Zeit vergeht und je stärker ihre Gefühle für Auri werden, desto größer ist ihre Angst, dass das, was sie und Auri verbindet, vielleicht nicht so stark ist wie das, was sie trennt …


Bei diesem Buch handelt es sich nicht um ein kostenfreies Rezensionsexemplar. Das Buch wurde von mir selbst gekauft.


Bereits in Someone New, ein Buch, das mir wirklich sehr gut gefallen hat, habe ich Auri und Cassie nicht nur kennen, sondern auch lieben gelernt. Ich muss gestehen, dass obwohl die beiden zwar aus mehreren Gründe gleich von Beginn an meine Aufmerksamkeit auf sich zogen, wie das Licht die Motten, es eine ganz konkrete Sache gibt, die es mir beinahe unmöglich macht, das Ganze noch irgendwie objektiv zu werten – zu groß war/ist die Freude einfach. Bei Auri und Cassie handelt es sich um ein sogenanntes interracial couple. Für all diejenigen, denen dieser Begriff nichts sagt: es handelt sich dabei um eine Beziehung zwischen Personen verschiedener Rassen. In Auri und Cassies Fall handelt es sich um ein schwarz weißes Pärchen. Auch ich lebe in einer sogenannten interracial Beziehung. Mein Freund ist afro-amerikanischer Abstammung und schwarz, ich bin weiß. Während es in Film und Fernsehen immer häufiger vorkommt, dass solche Paare im Fokus einer Handlung stehen, sind sie im Bereich Bücher noch nicht unbedingt Mainstream geworden. Wenn ich genauer darüber nachdenke, bezweifle ich sogar, jemals ein anderes Buch gelesen zu haben, in dem der Fokus auf der (Liebes-)geschichte eines schwarz/weißen Pärchens lag, was eigentlich wahnsinnig traurig ist. Während des Lesens dieses Buches ist mir erst wieder so richtig bewusst geworden, wie sehr mir eben schwarz/weiße Pärchen in Büchern fehlen. Während ich Auri und Cassie auf ihrer gemeinsamen Reise durch die Seiten begleitet habe, wurde mir klar, wie viel leichter es mir gefallen ist, mich in die Beziehung der beiden hineinzuversetzen und wie viele Parallelen es gibt zwischen ihrer und meiner eigenen Beziehung. Ich weiß nicht, ob Laura hier teilweise vielleicht sogar selbst aus Erfahrung spricht, doch meiner Meinung nach hat sie manche Dinge wirklich wahnsinnig gut eingefangen und zum Ausdruck gebracht und dafür danke ich ihr von ganzem Herzen.

Wie ihr seht, ist meine Begeisterung über Auri und Cassie als schwarz/weißes Pärchen, das im Mittelpunkt eines New Adult Mainstream Romans steht, immens, weshalb ich mich dazu entschieden hatte, zunächst noch mal eine Nacht über das Gelesene zu schlafen, bevor ich eine Rezension formuliere, die nur Schwärmereien zu den beiden enthält. Denn wenngleich ich das Buch mochte, wahnsinnig gerne mochte sogar, gab es auch ein paar wenige Aspekte, die mir eben nicht ganz so gut gefallen haben.

Ich habe nun schon des Öfteren gehört und auch gelesen, dass einigen anderen Lesern das Buch irgendwie zu „inhaltsleer“ sei, das kaum etwas zwischen den Seiten passiert. Vielleicht haben diese Stimmen auf gewisse Art und Weise recht, denn so richtig viel passiert tatsächlich nicht, aber um ehrlich zu sein mochte ich genau das. Diese Geschichte rund um Auri und Cassie ist wahnsinnig romantisch, liebevoll, unschuldig, nerdig und introvertiert und eben genau das hat mir gefallen. Ich mochte es wahnsinnig gerne, die beiden einfach nur in ihrem Alltag zu begleiten und Zeuge zu werden, wie sie sich stetig näher kamen, ihre Gefühle füreinander wuchsen und sich aus dieser wundervollen Freundschaft immer mehr entwickelte.

Zustimmen muss ich den Stimmen allerdings dahingehend, dass sich vieles einfach immerzu wiederholt hat. Im Grunde verläuft die Geschichte nach einem ganz bestimmten Muster ab: Die beiden kommen sich näher, entfernen sich wieder voneinander, gehen sich aus dem Weg, kommen sich wieder näher, entfernen sich voneinander, gehen sich aus dem Weg, kommen sich wieder näher … es ist das reinste Hin und Her. Der einzige Unterschied zwischen den verschiedenen Situationen ist einfach, dass es sachte anfängt und mit einem lauten KAWUMM endet.

Es gibt ein paar wenige Szenen, die eine lückenfüllende Wirkung auf mich hatten. Was mich auf der einen Seite überhaupt nicht gestört hat. Wie bereits erwähnt lag der Fokus hier nun einmal auf der zwischenmenschlichen Beziehung von Cassie und Auri. Was mich ein wenig störte waren die ständigen Wiederholungen und auch eben diese Szenen, die irgendwie ein wenig mehr Spannung versprachen, am Ende aber kaum eine Bedeutung hatten und irgendwie sinnlos erschienen, zumindest im Hinblick auf das Vorantreiben der Handlung.

So wird Cassie zum Beispiel immer mal wieder von ihrem geheimnisvollen Ex-Freund angerufen, dessen Anrufe sie zunächst „ignoriert“. Letztendlich nimmt sie dann aber doch einen der Anrufe entgegen und spricht mit ihm. Sie unterhalten sich kurz und das war es dann auch schon. So schnell wie dieser unbekannte Ex-Freund aufgetaucht war, so schnell war er auch wieder von der Bildfläche verschwunden, denn nachdem die beiden das Gespräch beendet hatten, hörte man nie wieder etwas von ihm. Dasselbe auch im Hinblick auf Hermine, Cassies Hündin, die auf tragische Weise stirbt. Cassie ist am Boden zerstört, sie heult sich bei Auri aus und dann nichts mehr. Es hat sich so angefühlt, als wären hier ein paar neue Handlungsstränge angebrochen, aber nie zu Ende geführt worden, was mich ein winziges bisschen gestört hat, wenn ich ehrlich bin. So zum Beispiel auch in Bezug auf Auris Footballkollegen, die zwar immer mal wieder da sind, aber gefühlt keinen richtigen Platz in der Handlung haben. Irgendwie sind sie nur da, um Auri zu verunsichern, ein paar dumme Sprüche rauszuhauen und somit nicht nur eine Basis für neue Streitereien, sondern auch für ein bisschen mehr Drama zu schaffen.

Im Rahmen dessen wurde die Geschichte dann aber auch auf einige wichtige Themen gelenkt, zum Beispiel darauf, den Mut zu haben, für sich selbst einzustehen oder auch Rassismus.

Man kann die Sache natürlich jetzt von zwei verschiedenen Seiten betrachten. Hat sich Laura zu wenig damit auseinandergesetzt, zu oberflächlich, hätte sie mehr darauf eingehen müssen, nachdem sie diese Thematik ein paar Mal angeschnitten hatte oder war es genau richtig so, wie sie es letztendlich gemacht hat? Ich tendiere zu Letzterem. Ich hatte während des Lesens nicht das Gefühl, dass Laura Kneidl einen gesellschaftskritischen Roman über Rassismus schreiben wollte. Sie wollte die Geschichte eines jungen Paares erzählen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und deren Unterschiede dann und wann auch schon mal die ein oder andere unschöne Reaktion von Menschen hervorrufen. Irgendwie fehlen mir die Worte, es richtig zu beschreiben, doch ich finde Laura hat hier genau das richtige Gleichgewicht gefunden. Sie macht aufmerksam auf Missstände, die in unserer Welt noch immer vorherrschen, vermeidet es als Nichtbetroffene aber dieses Thema aus Sicht einer/eines Betroffenen zu behandeln. Ich hoffe man versteht zumindest grundsätzlich mal, worauf ich hinaus möchte. Ich persönlich konnte mich und meinen Freund jedenfalls in einigen Situationen aus diesem Buch wiedererkennen und bin Laura wirklich dankbar dafür, dass sie mit ihrer Geschichte darauf aufmerksam macht.

Was mich in Someone Else allerdings auch ziemlich genervt hat ist die Tatsache, dass Auri und Cassie einfach nicht miteinander sprechen, zumindest dann nicht miteinander sprechen, wenn es darauf ankommt. Natürlich konnte ich insbesondere Cassies Unsicherheiten bis zu einem bestimmten Grat verstehen und nachvollziehen, doch ab einem bestimmten Punkt saß ich teilweise nur noch mit unverständlichem Kopfschütteln auf dem Sofa, weil – egal wie sehr ich Cassie mag – ich teilweise ihr Verhalten einfach nicht mehr nachvollziehen konnte, insbesondere wenn man überlegt, wie wahnsinnig liebevoll Auri mit ihr umgeht und wie „perfekt“ er einfach zu sein scheint. Aber nun gut, nur weil ich etwas nicht nachvollziehen kann, heißt dies ja nicht, dass es nicht tatsächlich so passieren könnte. Es führte dann allerdings dazu, dass mich Cassie zum Ende hin eben ein wenig nervte und ich Auri am liebsten an den Schulter gepackt und ihm gesagt hätte, dass er etwas Besseres verdient hat, als das, insbesondere nachdem, was er alles für Cassie getan hat.

Was Auri angeht, war ich bereits in Teil 1 ein bisschen verliebt in ihn, doch in Someone Else war es dann ganz um mich geschehen und ich habe mich ständig dabei erwischt, wie ich aus dem Schmachten und Träumen gar nicht mehr herausgekommen bin. Trotz der mal mehr, mal weniger großen Steine, die den beiden in den Weg gelegt wurden, finde ich sie als Paar einfach nur traumhaft und ich konnte einfach nicht genug von ihnen bekommen.

Im Zusammenhang mit den beiden hat es mir natürlich auch unendlich gefallen, dass das Thema Cosplay und LARP noch mal intensiver aufgegriffen und ein wenig näher beleuchtet wurde. Mein Nerd-Herz kam aus dem Schlagen gar nicht mehr raus. Dieses Buch lässt wirklich jedes Nerd-Herz höher schlagen und zwar so richtig. Doch nicht nur mein Nerd-Herz kam auf seine Kosten. Mein introvertiertes Ich konnte sich zum Großteil unglaublich gut mit Cassie identifizieren. Natürlich stimme ich nicht in allen Punkten mit ihr überein, ich zum Beispiel liebe die Natur und Zeit in ihr zu verbringen und auch Sport mache ich bisweilen ganz gerne (nicht immer, aber immer öfter), doch ich empfand es als unglaublich erfrischend, auch mal ein solch introvertiertes Buch zu lesen, was uns wieder zum Anfang meiner Rezension bringt und dazu, dass eigentlich gar nicht so viel passiert, ich aber eben genau das so wahnsinnig gerne mochte.

Unglaublich gut gefallen hat mir auch die Tatsache, dass wir auch auf altbekannte Gesichter wieder treffen, so natürlich nicht nur Micah und Julian aus Someone New, sondern auch Luca und April aus der Berühre mich. Nicht Duologie. Sehr hervorgestochen hat hier meiner Meinung nach auch die Entwicklung der einzelnen Charaktere. Es machte mir den Anschein, als hätte Laura auf die Charakterentwicklung ganz besonders viel Wert gelegt, was ihr auch absolut gelungen ist. Ich habe jeden der Charaktere in mein Herz geschlossen, noch mehr als ohnehin schon und war heilfroh, dass es auch in diesem zweiten Teil keine Eifersüchteleien, die irgendwelches künstliches Drama verursacht haben, oder aber Zickenkriege zwischen angeblichen Freundinnen gegeben hat. Cassies und Micahs Freundeskreis ist einfach etwas ganz Besonderes und ich hätte nun wirklich nichts dagegen, selbst Teil davon zu sein.

Zu Lauras Schreibstil kann ich nur sagen, dass er irgendwie süchtig macht. Das Buch hat über 400 Seiten und doch habe ich es fast in einem Rutsch durchgelesen (mit einer kleinen Pause, es war nachts und ich musste schlafen haha) Vermutlich lag es auch ein wenig an Auri und Cassie und meiner wahnsinnig großen Liebe zu den beiden, doch Laura schreibt wirklich so wunderschön, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Zumindest geht es mir jedes Mal wieder aufs Neue so. Auch was die romantischen Szenen betrifft, habe ich mich die ganze Zeit so gefühlt, als würde ich auf Wolke 7 schweben. Man fühlte sich irgendwie gleich so happy, so berauscht und es war einfach toll.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Wie ihr seht, hatte ich auch ein paar Kritikpunkte, doch sind dies irgendwie alles Dinge, die ziemlich weit in den Hintergrund gerückt sind, einfach weil mir das Buch ansonsten wirklich so wahnsinnig gut gefallen hat und das soll schon was heißen, immerhin stehen New Adult und ich eigentlich auf Kriegsfuß. Ich bin wahnsinnig begeistert von dem Schreibstil und fand es so schön, Auri und Cassie in ihrem alltäglichen Leben zu begleiten – es hat einfach so wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich bin unfassbar verliebt in die beiden. Von mir bekommt das Buch eine klare Leseempfehlung. Auch wenn es mich nicht zu 100 % überzeugen konnte, so konnte es doch mein Herz berühren, und zwar so richtig. Ich freue mich schon jetzt auf den dritten Teil der Reihe und hoffe dann auch im nächsten Band noch einmal auf Auri und Cassie zu treffen, die definitiv zu einem meiner absoluten Lieblingsbuchpaare geworden sind. Und obwohl ich den ein oder anderen Kritikpunkt habe, wurde das Buch zu einem Herzensbuch, einfach, weil es sich anfühlt wie eins.

INFOS ZUM BUCH

Autor: Laura Kneidl
Titel: Someone Else
Verlag: LYX
Seiten: 415
Erscheinungsdatum: 27. Januar 2020
Preis: 12,90 [D] 
Buch beim Verlag: KLICK


KATEGORIE

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