Rezension: Was bleibt, sind wir – Jill Santopolo

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Eine herzzerreißende Geschichte über wahre Liebe und verpasste Gelegenheiten …

 

Lucy und Gabe begegnen sich mit Anfang zwanzig in einem Shakespeare-Seminar, und diese Begegnung verändert ihr beider Leben für immer. Gemeinsam lernen sie die erste große Liebe kennen. Nur eines bedenken sie nicht: dass ihre Wünsche sie immer weiter auseinander treiben könnten. Lucy macht Karriere in New York, während Gabe als Fotograf um die Welt reist. Trotzdem können sie einander dreizehn Jahre lang nicht vergessen. Werden sie erneut zueinander finden? Ein einziger Augenblick könnte das entscheiden …

[Quelle: www.randomhouse.de]

 

Zunächst möchte ich mich bei Randomhouse und der lieben Duygu bedanken, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank dafür!

Diverse verschiedene Punkte waren es, weshalb ich zugesagt hatte, das Buch zu lesen und zu rezensieren und das obwohl meine Zeit momentan etwas begrenzt ist und ich eigentlich nicht mehr so viele Rezensionsexemplare annehmen wollten. Folgende Punkte konnten mich dann doch überzeugen:

  1. Das Cover
  2. Der Klappentext
  3. Die Buchempfehlung von Reese Witherspoon

Punkt drei war es auch, der mich letztlich veranlasst hat, das Buch bereits am vergangenen Wochenende zu lesen, obwohl ich es mir eigentlich erst für Ende Februar bereitgelegt hatte. Es gibt Menschen dort draußen, die haben bei mir doch einen recht hohen Stellenwert, seien es nun Bloggerkollegen/innen, Schauspieler, Sänger, etc. pp. Wenn eine solche Person von einem Buch schwärmt, dann ist es nicht selten der Fall, dass ich das Buch sofort kaufe bzw. unmittelbar lese, sollte ich es bereits zu Hause haben. So lief das Ganze dann auch mit Reese Witherspoon und ihrer Empfehlung zu Was bleibt, sind wir (englisch: The Light We Lost) ab. Und jetzt, nachdem ich das Buch gelesen und auch schon drüber geschlafen habe, fahren meine Gedanken irgendwie noch immer Achterbahn. Das Buch ist nach wie vor so präsent, dass es mir, sei es nun auf der Autofahrt zur Arbeit, oder zu Hause beim Abendessen, noch immer einen kalten Schauer über den Rücken jagt, wenn ich daran denke und die Geschichte im Geiste noch einmal durchspiele. Es gibt Bücher, bei denen tue ich mich unglaublich schwer, eine Rezension zu schreiben, weil ich einfach das Gefühl habe, ihnen mit meinen Worten nicht gerecht zu werden; nicht richtig ausdrücken zu können, auf welche intensive Art sie mich emotional berührt haben. Dieses hier ist eines davon.

! ACHTUNG, REZENSION KANN SPOILER ENTHALTEN !

 

POSITIV

Was mir als erstes positiv aufgefallen ist, ist der Schreibstil der Autorin, erzählt sie die Geschichte zwar in der Ich-Perspektive, allerdings nicht bloß an uns als Leser gerichtet, sondern richtet sie die Geschichte vielmehr im Namen unserer Protagonistin Lucy an einen Mann namens Gabe. Es fühlt sich manchmal an wie Tagebucheinträge, dann wiederum wie Briefe … gleichzeitig aber auch, als wären wir gerade bei einem sehr intimen und persönlichen Gespräch dabei. Es ist neu und anders und unglaublich gefühlvoll.

Dieses Buch hat eine Intensität an sich, dass man bereits nach den ersten fünfzehn Seiten Herzklopfen, oder wohl eher Herzschmerz, verspürt. Man wird hineingeworfen in diese unglaublich emotionale Geschichte und hat nie die Gelegenheit, so richtig durchzuatmen. Lucy und Gabe lernen sich in ihrem letzten Jahr an der Columbia Universität in New York, in einem Shakespeare Seminar, kennen und zwar am 11. September 2001. Gemeinsam werden sie an diesem Tag Zeuge, wie sich die Welt innerhalb weniger Augenblicke dramatisch verändert. Dieses gemeinsame Erlebnis verbindet die beiden auf eine Art und Weise, wie sie sich zuvor noch nie zu einem anderen Menschen hingezogen gefühlt haben. Dies ist auch der Tag an dem sie sich selbst ein Versprechen geben: sie möchte in Ihrem Leben etwas tun, das Bedeutung hat, sie möchten mit ihrer Arbeit; mit ihrem ganzen Sein etwas bewirken.

Obgleich das Buch ein wenig an Cecelia Aherns Love, Rosie erinnert, von zwei Liebenden erzählt, die trotz ihrer unendlichen Liebe zueinander immer wieder die Chance verpassen, zusammen zu sein, ist es doch eine ganz andere Geschichte, nicht weniger herzzerreißend, doch wird sie gefüllt von einer viel düsteren, bedrückenden Atmosphäre.

Auch wenn Lucy und Gabe dasselbe Ziel verfolgen, im Leben etwas zu bewirken, den Menschen zu helfen, die Welt gar zu verändern, könnten ihre Träume nicht unterschiedlicher sein. Während Lucy glücklich ist mit ihrem Job, mit ihrem Leben in New York, fühlt sich Gabe irgendwie Fehl am Platz, hat er das Gefühl, seine Berufung noch nicht gefunden zu haben und in dieser Stadt auch niemals finden zu werden. Die Welt ruft nach ihm. Und so macht er sich auf den Weg in diverse Kriegsgebiete um von dort aus als journalistischer Fotograf davon zu berichten, wie die Menschen dort leben und welche Gefahr ihnen tagtäglich droht. Die Autorin schafft es dabei ganz geschickt, tatsächlich geschehene geschichtliche Ereignisse, wie z. B. eben der 11. September, die Wahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten oder auch den Tod von Bin Laden in die Geschichte mit einzubinden. All diese schrecklichen Ereignisse in Verbindung mit der unglaublich dramatischen Liebesgeschichte, die Lucy und Gabe verbindet, bleibt in dem Leser ein Gefühl der Hilflosigkeit zurück. Das Herz wird überrannt von so vielen verschiedenen Emotionen, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Man ist wütend, wütend auf Lucy, für all die (falschen) Entscheidungen die sie trifft; Entscheidungen, die sie tief in ihrem Herzen eigentlich nie treffen wollte. Man wird überrannt von dieser immensen Trauer, von der Hilflosigkeit, die sich nicht nur in ihrer Beziehung wiederspiegelt. Außerdem wird man an all diese schrecklichen Ereignisse in der Vergangenheit erinnert, die nicht nur unsere Geschichte, sondern auch uns Menschen in so vielerlei Hinsicht geprägt haben. Ich würde gerne sagen, dass es auch schöne Momente gibt; Momente, die einem zeigen, dass das Licht noch immer leuchtet, doch irgendwie war dem nicht so. Es hätte sie geben können, diese Momente, wäre da nicht diese Traurigkeit in Lucy gewesen. Ich bin mir sicher, dass sie auf die ein oder andere Art tatsächlich irgendwie glücklich war, allerdings konnte man ihre Reue so eindeutig spüren, dass es einem selbst das Herz fast zerrissen hat.

Diese Geschichte regt zum Nachdenken an. Das Leben ist kurz, viel zu kurz, lohnt es sich da tatsächlich, sich immer nur mit der zweiten Wahl zufrieden zu geben? Mit einen Job, den man zwar ganz okay findet, aber nicht liebt? Sollte man sich wirklich damit zufrieden geben, oder doch eher für das Beste im Leben kämpfen? Sollte man seine Träume hinten anstellen, nur weil es so gerade viel einfacher und bequemer ist, oder auch einfach mal Risiken eingehen?

Lucy macht dies mit ihrer Geschichte sehr deutlich, lebt sie zwar scheinbar ein zufriedenes und glückliches Leben, hört sie über all die Jahre allerdings nie auf sich zu fragen, „was wäre wenn …?“, was wäre wenn sie damals mit Gabe mitgegangen wäre? Was, wenn sie doch Nein zu Darren gesagt hätte? Was, wenn sie niemals Kinder bekommen hätte? Wäre sie dann vielleicht mehr gereist? Hätte ihre Liebe zu Gabe dann vielleicht doch eine Chance gehabt?

Lucy tut mir einfach nur Leid. Außerdem hat sie mich unglaublich wütend gemacht. Sie wusste, was sie wollte, hat ihre eigenen Bedürfnisse aber immer hinten angestellt, immer. Sie hätte nur hier und da ein paar Dinge anders machen müssen, nur ein paar wenige Entscheidungen, die sie hätte anders treffen sollen, dann wäre ihr Leben ganz anders verlaufen; dann wäre ihrer beider Leben vielleicht ganz anders verlaufen.

Diese Geschichte ist eine unglaublich intensive und starke Geschichte, die dem Leser zeigt, wie hingebungsvoll ein Mensch in der Lage ist, zu lieben, aber auch welche Zerstörungskraft die Liebe eigentlich hat und dass es meist die nicht gewagten Risiken sind, die man am Ende bereut.

NEGATIV

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Gedanken an dieser Stelle überhaupt richtig sind, da es weniger mit dem Buch an sich zu tun hat, sondern mehr mit den Gefühlen und Empfindungen, die manche Dinge in mir ausgelöst haben.

Manchmal fiel es mir einfach schwer, mich mit Lucy zu identifizieren. Auf der einen Seite war sie eine solch starke, lebensfrohe und selbstbewusste Frau, die sich ihrer Sache so sicher war; die dann doch irgendwie genau zu der Frau geworden ist, die sie nie sein wollte. Ich konnte einige ihrer Entscheidungen nicht nachvollziehen, hätte sie so gerne an den Schultern gepackt und mal richtig durchgeschüttelt. Auch wenn sie doch irgendwie glücklich geworden ist, war sie manchmal eben nicht mehr diese starke Frau. Leid getan hat mir ebenfalls, dass sie Darren nie eine richtige Chance gegeben hat. Sie hat sich ihm unfair gegenüber verhalten und seine Liebe ausgenutzt, hat sie doch irgendwie immer nur einen Lückenbüßer gesucht für den Mann, den sie immer wollte, aber nie haben konnte.

Ebenfalls war das Buch tatsächlich ein kleines bisschen vorhersehbar, was vielleicht etwas an Spannung genommen hat, aber auch den Zusammenbruch am Ende vielleicht etwas gedämpft hat.

LOHNT SICH DAS BUCH?

Es gibt selten Bücher, die einen emotional so umhauen, die einen überrollen mit so vielen unterschiedlichen Empfindungen, dass man kaum mehr weiß wo oben und unten, wo vorne und hinten ist. Dieses Buch ist so mächtig und intensiv und macht einen gleichzeitig so wütend und traurig. Es gibt Bücher, die traurig sind und einem Herz und Seele zerreißen, dennoch einen Funken Hoffnung in sich tragen. Und dann gibt es Bücher wie diese, die diesen Funken Hoffnung von Anfang an bereits verloren haben. Hoffnungslosigkeit. Das trifft es ziemlich genau, wenn ich an dieses Buch denke. Es ist ein Buch, an das ich noch sehr lange denken werden; ein Buch, dass mich so sehr berührt hat, dass ich es so schnell nicht mehr vergessen werde.

INFOS ZUM BUCH

 

Autor: Jill Santopolo
Titel: Was bleibt, sind wir
Originaltitel: The Light We Lost
Verlag: Heyne Verlag (Randomhouse)
Seiten: 384
Erscheinungsdatum: 12. Februar 2018
Preis: € 12,99 [D] | € 13,40 [A] | CHF 18,90
Buch bei Heyne: Deutsch

KATEGORIE

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