Suchtfaktor 100 – Weshalb die spanische Netflix-Serie “Haus des Geldes” süchtig macht

 

(Quelle Titelbild)

Ebenso schwierig wie die Frage, welches Buch man als nächstes lesen soll ist die Frage, welche Fernsehserie man als nächstes binge-watchen soll. Noch schwieriger ist es da wohl, eine Fernsehserie zu finden, die sich auch lohnt, gebinge-watched zu werden. Es gibt tonnenweise Empfehlungen und dank Netflix und Amazon Prime auch eine riesige Auswahl an Fernsehserien aus den verschiedensten Genres. Doch ob sich unter all diesen Serienangeboten auch tatsächlich diese eine Serie befindet, die einen fesselt, unterhält, begeistert und einfach nicht mehr los lässt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Bei mir ist es öfter so, dass mich gerade die Serien, die von allen Seiten gehyped werden; mithin nicht nur gute Kritiken auf imdb.com etc. pp. haben, sondern die ganze Welt beschäftigen, nicht sonderlich begeistern können. Sei es nun Game of Thrones, Breaking Bad, Prison Break oder Ähnliches. Egal wie oft mir diese Serien empfohlen wurden und egal wie oft ich mein Glück mit ihnen versucht habe, das Gefühl, die Serie unbedingt weiterschauen zu müssen, kam bei mir einfach nicht auf. So sind es meist die Serien, die zwar überaus gute Bewertungen auf imdb.com haben, aber darüber hinaus sich noch an keinem zu großen Bekanntheitsgrad erfreuen dürfen, die mich bisher von Anfang an überzeugen, fesseln, unterhalten und absolut begeistern konnten.

Kein Wunder also, dass ich erst einmal skeptisch war, als ich plötzlich diesem ganzen Hype um die spanische Serie namens La casa de papel, zu Deutsch Haus des Geldes gegenüberstand und mir die Serie von allen Seiten empfohlen wurde. Auf den sozialen Netzwerken bekam ich immer wieder von meinen Followern erzählt, wie gut die Serie doch sei und dass ich sie mir endlich anschauen solle. Selbst auf der Arbeit war diese Serie ein Thema und in meinem Bekanntenkreis wurde auch immer häufiger davon gesprochen. Letztendlich war es mein Bruder, der nicht locker ließ und mir immer wieder sagte, ich solle die Serie doch endlich mal schauen. Ich wäre überrascht, wie gut sie sei.

In der Zeit in der Deutschland heimgesucht wurde von dieser unerträglichen Hitzewelle stellten unsere Chefs die Regelung auf, dass wir morgens um 6 Uhr früh anfangen dürften, um dann nachmittags um 15 Uhr schon frei zu machen, um so dem „Schlimmsten“ zu entgehen, da unsere Büros auch bedauerlicherweise nicht klimatisiert sind. Ich als nicht sonderlich großer Freund des Sommers und ohnehin Frühaufsteher habe mir das natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Als ich also vergangenen Montag schon um 15:30 Uhr zu Hause war, schlug ich meinem Freund vor, einfach mal die erste Folge zu schauen, um zu sehen, ob die Serie was für uns ist oder nicht. Gesagt getan. Als wir ins Bett gingen, hatten wir bereits die ersten sieben Folgen geschaut und das an einem Stück ohne Unterbrechung.

Diese Serie hat absoluten Suchtfaktor.

Ich kann gar nicht sagen, wo die Zeit auf einmal hin war. Beide saßen wir auf dem Sofa, unsere Gesichter klebten förmlich am Bildschirm des Fernsehers. Tellergroße Augen, offenstehender Mund – wir waren absolut begeistert. Doch nicht nur das, wir waren gefesselt und beeindruckt, fühlten uns unterhalten und bereuten mit jeder Folge ein bisschen mehr, die Serie nicht schon früher angefangen zu haben, nachdem wir sie von so vielen Seiten empfohlen bekommen haben.

An was mich die Serie ein bisschen erinnert? An die Ocean’s Filme. Vielleicht mag ich sie auch deshalb so sehr, da mich auch bereits die Filme endlos begeistern konnten, auch wenn die Ocean’s Filme bekanntlich mehr von Comedy geprägt sind, während ich Haus des Geldes eher als eine Mischung aus Krimi, Thriller und Mystery bezeichnen würde.

D E R   P L O T

In Haus des Geldes (engl. Money Heist, spanisch: La casa de papel) die eigentlich ursprünglich wohl House of Paper heißen sollte, dann aber doch in Money Heist umbenannt wurde, um Verwechslungen mit der Serie House of Cards zu vermeiden, geht es um den größten Raub aller Zeiten.

Ein Mann, der lediglich Professor genannt wird, rekrutiert ein Team von 8 Personen, 8 Kriminelle mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die in ihrem Leben nichts mehr zu verlieren haben. Er trainiert sie fünf Monate lag und bereitet sie auf den von ihm bis ins kleinste Detail durchdachten Raub vor. Was sie stehlen möchten? Das ist ja das witzige, eigentlich haben sie gar nicht vor, etwas zu stehlen. Sie brechen in die Spanische Banknotendruckerei in Madrid ein, nicht – wie gesagt – um das dort vorhandene Geld zu stehlen, sondern um sich ihr Geld selbst zu drucken. Ihr Plan? So lange in der Druckerei zu verharren und die Polizei davon abzuhalten, das Gebäude zu stürmen, bis sie 2,4 Milliarden Euro gedruckt haben. Um dieses Ziel zu erreichen benötigen sie 11 Tage. 67 Personen werden von ihnen als Geiseln gehalten. Die Rettungsaktion wird unter der Leitung der Insepectora Raquel Murillo durchgeführt.

Der Grund, weshalb man förmlich am Fernseher klebt, ist die Tatsache, wie die Räuber mit ihren 67 Geiseln umgehen und wie der Professor der Polizei buchstäblich immer einen Schritt voraus ist und bereits vor 5 Monaten wusste, was passieren würde/könnte und für alles einen Plan hat. 25 Episoden lang, werden wir als Zuschauer in Staunen und Schrecken versetzt.

Die Serie ist in zwei Teile gegliedert. Teil 1 besteht aus 16 Folgen, Teil 2 aus 9 Episoden.

Wenn es um Bücher geht, nennen wir solch herausragende Werke „Page Turner“, was meiner Meinung nach auch auf diese Serie zutrifft. Eine Episode ist einfach nicht genug. Vielleicht ist man zu Beginn noch in dem Irrglauben, eine Folge pro Tag würde reichen, doch wenn man erst einmal angefangen hat, kann man einfach nicht mehr aufhören.

D I E   K O M P L E X I T Ä T   D E R
G E S C H I C H T E

Haus des Geldes bietet genug Raum, um tiefer in die Charaktere, ihre Beziehungen, ihre Gedanken, Emotionen und Motive, sowie in die Komplexität der Geschichte einzutauchen und zwar dadurch, dass dieser Raub auf die Länge von 25 Episoden ausgedehnt wird. Denn eigentlich, wenn man genau darüber nachdenkt, behandelt diese Serie keine neue Thematik und wirklich etwas Besonderes ist es auch nicht. Ein paar meisterhafte Kriminelle die einen der größten Raubüberfälle planen, angeführt von einem kriminellen Superhirn, einem Master Mind, sozusagen. Ein Plan, der nicht nur meisterhaft ist, sondern auch methodisch einwandfrei zu sein schein, sich in der Praxis allerdings doch als fehlerhaft erweist. Das hat es alles schon gegeben, man erinnere sich nur an – wie oben schon erwähnt – die Ocean’s Filme. Was Haus des Geldes allerdings anders macht ist die Tatsache, dass hier jedes Detail aus jedem nur erdenklichen Blickwinkel beleuchtet wird, ob es nun den Plot, die Charaktere oder das gesamte Geschehen betrifft. Die Serie lässt die Zuschauer an ihre moralischen Grenzen stoßen und wirft uns hinein in ein riesen großes Rätsel. Auf wessen Seite stehen wir? Wieso fühlen wir uns so sehr zu den eigentlich Bösen hingezogen? Wieso wünschen wir uns mit jeder Folge mehr, dass sie es schaffen? Ob da irgendetwas schief läuft? Nein, es beweist nur wieder einmal, dass die Welt und vor allen Dingen das Leben nicht einfach nur schwarz und weiß sind. Es gibt nicht nur Gut und Böse, es gibt auch etwas dazwischen und genau das zeigt uns diese Serie auf, und zwar auf eine solch geniale, abgedrehte, verrückte und faszinierende Art und Weise, dass es kein Wunder ist, dass wir unsere Augen kaum noch von dem Fernsehbildschirm los reißen können.

M E I S T E R H A F T E   C H A R A K T E R E

Die Charaktere der Serie sind nicht nur unglaublich vielfältig, sondern auch meisterhaft geschrieben, ist jeder auf seine eigene Art und Weise speziell und etwas Besonderes; manche komplexer als andere, aber dennoch sind die Geschichten der Figuren so gut durchdacht, dass man irgendwann das Gefühl hat, sie tatsächlich zu kennen. Hinzu kommt, dass sie einfach absolut grandios in der Serie eingesetzt werden. Da hätten wir zum Beispiel den Professor, ein mysteriöses, kriminelles Superhirn, ein absoluter Master Mind, den man in seinem unscheinbaren Tweed-Anzug, mit seinem freundlichen Lächeln und seinem schüchternen Auftreten einfach nur in die Arme nehmen und knuddeln möchte. Und dann hätten wir zum Beispiel noch den verabscheuungswürdigen und intriganten Berlin, der den Anführer innerhalb des Gebäudes spielt. Er hat nicht nur fragliche Ansichten was Frauen betrifft, sondern ist in seiner Komplexität einfach so genial, dass man, obwohl man ihn aus den tiefsten Tiefen seines Herzens hassen möchte, dennoch Sympathie für ihn empfindet. Zumindest manchmal. Und dann wäre da zum Beispiel noch Tokyo, eine Frau, die viel zu viele Risiken eingeht und am Ende Gefahr läuft, den gesamten Plan des Professors zu zerstören, oder Rio, das schwächste Glied der Truppe, der in seinen jungen Jahren noch viel zu naiv und hin und her gerissen ist.

Das ist nur eine Handvoll der verschiedenen Figuren, die diese Serie beherrschen und auf eine Art und Weise bereichern, wie man es sich gar nicht richtig vorstellen kann. Das Beste an der Serie ist, dass gleich viel Zeit in jeden der Figuren investiert wird, egal ob sie nun auf dem Bildschirm zu sehen sind oder nicht. Sämtliche der 8 Bankräuber sind ein konstanter und wichtiger Teil des Plots. Es ist nicht wie in anderen Serien, wo der eine eine größere Rolle spielt als der andere. Die Serie zeigt auf, inwiefern jeder Schritt, jede Handlung das Leben der 8 Personen beeinflusst bzw. beeinflussen würde.

Wie die Serie die einzelnen Charaktere einsetzt ist einfach absolut genial, egal ob die Person nun ein schreckliches Geheimnis hat, die Nerven und gleichzeitig das Vertrauen in seine Mittäter verliert, gefangen genommen wird, aufgibt, sich selbst und alles andere in Frage stellt, etc. pp. niemand ist vor sich selbst oder der Polizei sicher; wie acht unterschiedlich große Zeitbomben, die irgendwann zu explodieren drohen.

A B S O L U T E   S U C H T G E F A H R

Die Geschichte steckt voll von Überraschungen und Plot-Twists, was den Drang, immer weiterzuschauen und nachdem man eine Folge beendet hat, eine weitere zu beginnen, nur noch intensiviert, zumal in jeder Folge immer wieder neue Komplikationen auftreten und wir vor der Frage stehen: War es das jetzt? Ist es jetzt vorbei? Oder gehört auch das wieder zum Plan des Professors?

Zwischenzeitlich habe ich auch gelesen, dass eine dritte Staffel bereits bestätigt wurde, auf die wir uns wohl in 2019 freuen dürfen.

Sobald man anfängt die Serie zu schauen, ist es fast unmöglich, wieder damit aufzuhören. Ich würde daher auf jeden Fall vorschlagen, an einem Freitag oder Samstag mit der Serie anzufangen, denn an Arbeit und/oder Schlaf ist nicht zu denken. Alles was man möchte ist herausfinden, wie es weiter geht.

Haus des Geldes ist eine Serie, die einen nicht mehr los lässt; die so intensiv ist, dass man selbst auf der Arbeit darüber nachdenkt und die Träume beherrscht werden von irgendwelchen Raubüberfällen oder Ähnlichem. Die Serie ist so intensiv, dass man irgendwie selbst ein Teil davon wird. Und das Schlimmste ist einfach der moralische Abgrund, an dem man steht. Springen wir oder springen wir nicht? War das gerade moralisch vertretbar oder nicht? Auf welcher Seite stehen wir?

Diese Serie hat einen vollkommen im Griff.

Wenn ihr die Serie noch immer nicht geschaut habt; wenn ihr euch noch immer fragt, ob die Serie etwas für euch ist, mache ich euch das jetzt einfach mal total leicht: JA JA JA. Egal ob ihr auf Krimiserien steht oder nicht, diese Serie wird euch so sehr fesseln, dass ihr euch sogar einen Tag freinehmen möchtet, um sie weiterzuschauen.

Wenn ich eine Serie empfehlen würde, dann definitiv Haus des Geldes. Sie ist neu, innovativ, spannend, action- und ereignisreich, mysteriös und interessant, vielfältig, unerbittlich und klug.

Auch wenn ihr euch unsicher seid, gebt der Serie zumindest eine Chance. Schaut euch die erste Folge an und trefft dann eure Entscheidung.

(Quelle Fotos)

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8 Comments

  • Liebe ivy,

    Mir wurde die Serie auch schon empfohlen habe sie aber bisher nicht angesehen. Es scheint als müsste ich das jetzt dringend nach holen. Danke für das erklären und auseinander nehmen- es war sehr spannend und hat fexintic bewirkt das ich diese Serie gucken will.

    Hast du ganz toll geschrieben.

    Liebste Grüße, xoxo Nessi <3

    • Liebe Nessi,

      das freut mich aber sehr hihi schön, dass dir der Beitrag gefällt und du nun auch Lust hast, die Serie zu schauen. ich kann sie dir wirklich nur ans Herz legen, die Serie ist absolut genial. Wir haben beide Staffeln innerhalb von 3,5 Tagen geschaut. Richtig richtig gut!

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,
    ich habe deinen Beitrag nun nur überflogen, weil ich auch bei Serien vorher am besten nichts wissen will, zumindest nix genaues, hihi. 🙂
    Aber alleine deine gelungene Einleitung, dein Fazit und vor allem die Überschriften konnten mich neugierig machen. Ich werde in den nächsten Tagen auf jeden Fall mal reinschauen und habe etwas Angst, dass ich mir dann wirklich dafür frei nehmen will 😀

    Liebe Grüße,
    Nicci

    • Liebe Nicci,

      na dann bin ich mal gespannt und hoffe, dass dir die Serie ebenso gut gefällt 🙂 ich kenne bisher tatsächlich erst eine Person, die sie nicht mochte, aber diese Person mag generell solche Serien eigentlich eher weniger. Ich hoffe, dass du auch zu denjenigen gehörst, die die Serie lieben werden hihi <3

      Ganz viel Spaß damit!

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,
    wie schön du die Serie dargestellt hast. Ich habe die Serie auch geliebt und den ersten Teil relativ kurz nach dem Erscheinen direkt weggesuchtet. Bei dem zweiten Teil erging es mir ähnlich. Ich kann dir in den genannten Punkten auch nur zustimmen. Jede Folge ist so unglaublich gut aufgebaut und man kann einfach nicht aufhören. Die Folgen enden mit solch fiesen Cliffhangern, dass man bereit ist, den ganzen Tag auf dem Sofa zu verbringen, um noch eine weitere Folge und dann noch eine weitere Folge zu gucken 😀
    Ich hab vor kurzem gehört, dass es auch einen dritten Teil geben soll 🙂
    Alles Liebe,
    Janika

    • Liebe Janika,

      awww yay, das freut mich, dass dir die Serie auch so gut gefallen hat 🙂 das mit den Cliffhangern stimmt, die waren echt böse. Man konnte ja eigentlich gar nicht aufhören zu schauen 😀 und wie du sagst, für die Serie ist man gerne den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen geblieben haha

      Ich freue mich echt riesig auf Teil 3 und ich bin so gespannt, wie es weiter geht und was sich die Serienmacher diesmal überlegt haben 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

  • Liebe Ivy,

    was für ein toller und ausführlicher Beitrag!
    Ich kann mich nur anschließen – wir sind auch von der Serie gar nciht mehr losgekommen.
    Die Charaktere sind alle auf ihre Art meisterhaft, auch wenn mir ein paar ziemlich auf den Kecks gegangen sind 😀

    Liebste Grüße <3 Jill

    • Liebe Jill,

      ohja die Serie ist eigentlich total schlimm haha wir haben Tage lang nichts anderes gemacht und ich war deswegen auch immer super lange wach und morgens total müde 😀 😀

      Ich freu mich schon so auf den dritten Teil 😀

      Liebste Grüße
      Ivy

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