The Hate U Give Bloggertreffen bei Randomhouse in München

 

[von links nach rechts: Tasmin, Steffi, Birte (Lektorin), Petra, meine Wenigkeit]

Happy Book Birthday The Hate U Give von Angie Thomas. Nach langer Zeit des Wartens erscheint The Hate U Give heute, am 24. Juli 2017 nun auch endlich in Deutschland. Um den deutschen Release bereits im Vorfeld schon einmal etwas zu feiern, hat Randomhouse zu einem kleinen exklusiven Bloggertreffen in München eingeladen, wo auch ich dabei sein durfte, gemeinsam mit drei weiteren Bloggerkolleginnen und zwar Tasmin von Tasmetu, Petra von Die Liebe zu den Büchern und Steffi von Nur Lesen ist schöner.

Gelesen habe ich das Buch bereits Anfang des Jahres, als es auf Englisch erschien und ich bereits Wochen auf den Release hingefiebert hatte. Ich hatte hohe Erwartungen; sehr hohe Erwartungen, die alle über die Maßen erfüllt wurden. Ich wusste also, wenn es zum deutschen Release irgendwelche Aktionen geben würde, würde ich unbedingt daran teilnehmen wollen. Kurz nachdem also bekannt wurde, dass der Randomhouse Verlag das Buch auf den deutschen Markt bringen würde, habe ich eine E-Mail an den Verlag gerichtet und gefragt, ob Aktionen wie Blogtouren oder Ähnliches geplant seien und ob Blogger gesucht werden würden, um daran teilzunehmen. Die Antwort fiel etwas anders aus als erwartet: ich wurde eingeladen nach München zu einem exklusiven Bloggertreffen um mit der Lektorin Birte, die das Buch entdeckt hat, persönlich zu sprechen, ihr Fragen zu stellen und den Verlag und seine Mitarbeiter aus Werbung und Presse hautnah und live zu erleben. Nachdem ich also fertig war mit freudigen Luftsprüngen, habe ich freudestrahlend zugesagt. Die fünfeinhalb Stunden nach München, die vor mir lagen, interessierten mich dabei kaum.

Worum es in dem Buch überhaupt geht? Hier ist die Kurzbeschreibung:

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen…

[Quelle: www.randomhouse.de]

Es gibt Bücher, die unglaublich wichtig und bedeutend sind, aufgrund der sozialen und politischen Themen, die sie behandeln; Themen, die meist totgeschwiegen werden und das obwohl man gerade über diese Themen sprechen S O L L T E. Und dann gibt es Bücher, die einfach nur unglaublich gut geschrieben sind, Bücher, die einen so sehr fesseln, dass man sie kaum mehr aus der Hand legen kann; Bücher, die uns unterhalten sollen; uns ablenken sollen von dem Alltag und uns ein paar schöne, aufregende Lesestunden bescheren. Diese Bücher behandeln selten wichtige Themen, trotzdem sind sie einfach gut, weil das gesamte Zusammenspiel von Stil, Plot und Charakteren eben einfach passt. Und manchmal – manchmal findet man unter all diesen Büchern ein Buch, dass eben beides ist: unglaublich wichtig und bedeutend und gleichzeitig so unfassbar gut, dass es dem Leser fast unmöglich ist, es aus der Hand zu legen. The Hate U Give von Angie Thomas ist eines dieser Bücher.

Es ist definitiv ein Buch, dass jeder einmal gelesen haben sollte; ein Buch, dass so wichtig ist, dass es meiner Meinung nach sogar bereits in Schulen als Schullektüre gelesen werden sollte. Angie Thomas hat eine solch laute Stimme, die gehört werden muss – von jedem! Umso glücklicher war ich, Teil dieses Bloggertreffens sein zu dürfen, um bereits vor dem deutschen Erscheinungstermin ein bisschen mit der Lektorin zu plaudern, was sie während des Lesens empfunden hat und vor allen Dingen, wieso sie wollte, dass das Buch unbedingt auch auf dem deutschen Markt erscheint. Denn wenn es eins ist, worauf ich unfassbar gespannt bin ist es die deutsche Übersetzung. Ich hoffe sehr, dass sie dem Original gerecht wird, aber nach den vielen Gesprächen, die ich im Verlag führen durfte, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie es wird.

Birte, Lektorin bei Randomhouse cbj/cbt Verlag, beantwortete mir die Frage, aus welchem Grund sie sich dazu entschlossen hat, das Buch ins Programm zu nehmen, ganz so, wie ich es erwartet hatte. Auch ihr war die Wichtigkeit des Buches gleich nach den ersten paar Seiten bewusst und obgleich viele Stimme behaupteten, das Buch sei für den deutschen Markt nicht gemacht, da es sich um ein rein amerikanisches Thema handelte, war sie anderer Meinung. Rassismus und Vorurteile ist nicht nur in Amerika ein aktuelles Thema. Auch wenn wir in Deutschland bzw. in Europa das Glück haben, dass Situationen wie solche nicht ganz so fatal enden, wie es in den USA ganz häufig der Fall ist, ist Rassismus auch bei uns vorhanden und aktueller denn je. Es heißt zwar immer, die Zeiten haben sich geändert, doch ganz so stimmt das nicht, man muss sich bloß mal ein bisschen intensiver mit dem Thema auseinandersetzen. Mein Freund, der ebenfalls schwarz ist zum Beispiel, hat teilweise mit eben solchen Problemen zu kämpfen, nur, dass man bei Auseinandersetzungen hier bei uns nicht gleich mit einer Waffe auf ihn zielt. Doch es gibt noch immer Clubs, die Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe nicht rein lassen, da Schwarze angeblich die sind, die immer Ärger machen, oder auch beim Fliegen wird er grundsätzlich gefilzt und darf sich vor versammelter Mannschaft fast nackig machen. Kommentare wie “Geh zurück in den Busch, wo du herkommst” sind zwar nicht an der Tagesordnung, kommen aber noch viel zu häufig vor. Noch heute, wenn wir einen Film schauen oder er dann tatsächlich mal ein Buch liest, freut er sich jedes Mal wie ein Honigkuchenpferd, wenn ein/e Schwarze/r eine Hauptrolle spielt. Freuen wir Weiße uns auch, wenn wir einen Weißen in einem Film sehen? Nein! Und das sind einfach Dinge, die sich ändern müssen; vielleicht sind es in den Augen mancher Menschen Kleinigkeiten; Dinge, wo man drüber stehen sollte, aber so fängt es an; mit den kleinen Dingen. Wenn man nicht von Anfang an was unternimmt, wird es sich nie ändern. Selbst die kleinsten und leisesten Stimmen können etwas bewirken; zum Beispiel in dem man Bücher wie The Hate U Give empfiehlt, darüber spricht, Artikel darüber teilt etc. pp.

Was mich ebenfalls interessierte war das Cover. Wir wissen es alle, wenn Bücher von deutschen Verlagen gekauft werden, wird ganz häufig ein anderes Cover verwandt. Auf meine Frage hin, wieso es bei diesem Buch bei dem selben Cover, wie dem Original geblieben ist, erklärte Birte, dass dieses Cover einfach so unfassbar aussagekräftig ist, gerade auch wegen des Titels, dessen Anfangsbuchstaben das Wort THUG ergeben, was in dem Buch ebenfalls eine Rolle spielt, dass sie es unbedingt beibehalten wollten. Birte erzählte auch, dass viele, insbesondere schwarze Mädchen aus den USA, über ihre sozialen Netzwerke mitteilen, wie glücklich sie darüber seien, dass endlich mal ein schwarzes Mädchen vorne auf einem Buchcover ist, was es in dieser Form noch fast nie gegeben hat. Recherchen haben ergeben, dass es nur ganz selten mal vor kommt, dass eine schwarze Person auf einem Buchcover ist; meist allerdings nur bei unbekannten, vielleicht sogar selbst publizierten Büchern von US-amerikanischen Autoren. Allein die Tatsache, dass sich so viele junge Mädchen nun auf diese Art und Weise in einem Buch repräsentiert fühlen, war es absolut Wert, dieses Cover beizubehalten. Auch haben vielen Fans sich über Twitter mit der Autorin in Verbindung gesetzt und ihr dafür gedankt, dass sie den Mut aufgebracht hat, ein solches Buch zu schreiben. Angie Thomas ist ein Vorbild für all diejenigen, insbesondere junge Mädchen und Frauen, die nie glaubten, in einer Welt wie der unseren wegen ihrer Hautfarbe erfolgreich werden zu können, auf welche Art und Weise auch immer. Angie Thomas hat es allen bewiesen und den Menschen Mut gemacht, sie nicht nur inspiriert sondern auch motiviert und das ist es, was dieses Buch so speziell, besonders und einzigartig macht.

Mit am spannendsten war die Antwort auf die Frage, wie das Ganze so abläuft; was passiert, wenn man ein Buch entdeckt hat und man es unbedingt in das eigene Verlagsprogramm aufnehmen möchte. Die deutschen Verlage erhalten von den englischen Verlagen Vorschauen, Titel, die sich in den USA bereits vor Erscheinen an besonderer Aufmerksamkeit erfreuen. Dann heißt es erst einmal, suchen und finden. Welche Bücher sind für den deutschen Büchermarkt gemacht? Welche Geschichten überzeugen, welche eher nicht? Danach läuft das Ganze dann in etwa ab wie bei einer Auktion. Die Verlage bieten gegeneinander, was sich bei The Hate U Give als schwierig herausstellte, da sage und schreibe 13 Verlage (was nach Auskunft von Birte ganz selten vor kommt) Interesse an dem Buch hatten. Hier kommt es dann natürlich darauf an, das beste Angebot zu unterbreiten, was in dem Fall von dem cbt-Verlag stammte. Dann wird das Buch übersetzt, lektoriert, die Werbetrommel wird gerührt, die Verlage kümmern sich darum, dass in der Presse darüber berichtet wird; Leseexemplare werden an Journalisten versandt, Zeitschriften werden angeschrieben/angesprochen, ob sie nicht über die Bücher berichten möchten etc. pp. Und irgendwann ist es dann soweit, das Buch ist fertig, die ersten Stimmen existieren, Artikel werden geschrieben und plötzlich liegt das gute Stück in so gut wie allen Buchhandlungen bereit, um gekauft zu werden.

Ob die Lektorin schon einmal das Glück hatte, die Autorin selbst zu treffen, verneinte sie. Allerdings wird Angie Thomas im Herbst auf Deutschlandtour gehen. Im Septemer wird sie auch in Frankfurt sein und ich kann den Kartenvorverkauf schon jetzt kaum erwarten. Dort hofft dann auch Birte, ein paar Augenblicke Zeit zu bekommen, sich mit der Autorin zu unterhalten.

Die Meinungen zu dem Buch waren alle fast identisch. Eine Aussage, die mir wirklich sehr ans Herz ging war, dass einigen Leuten erst beim Diskutieren dieses Buches bewusst wurde, wie weiß sie sind – wie weiß wir doch alle sind. Manchmal haben wir einfach diesen Tunnelblick, wir schauen nicht nach links und rechts, sondern nur stur geradeaus und so ist es auch mit der Welt und den Menschen um uns herum. Was uns nicht betrifft, interessiert uns nicht, doch das sollte es. Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß und genau das schafft es Angie Thomas in ihrem Debütroman zu verdeutlichen, denn auch ihr Roman, die Charaktere und die Geschichte sind nicht bloß schwarz und weiß; es existieren so viele Grauzonen, hell und dunkel, dass einem womöglich erst bzw. hoffentlich während des Lesens bewusst wird, wie blind man eigentlich durch die Welt läuft. Nur weil bestimmte Themen einen nicht betreffen, heißt das nicht, dass man sich dafür nicht einsetzen und stark machen kann oder sollte. Denn genau das sollten wir tun, heterosexuelle Menschen können sich ebenso für die Rechte von Homosexuellen, Transgender, etc. pp. einsetzen, wie Weiße sich für die Rechte von Schwarzen einsetzen können. Es tut nicht weh und kostet meist auch nicht viel.

Ich hoffe sehr, dass dieses Buch für viele als “Eye-opener” fungieren wird und sich die Leute endlich einmal ein paar mehr Gedanken über die Welt und das, was in ihr geschieht, machen; dass sie Dinge hinterfragen; Erkenntnisse sammeln und kämpfen; sich stark machen, auch wenn es vielleicht mal nicht um das eigene Recht geht.

Bücher sind eine absolut geniale Waffe. Sie lehren uns Dinge; sie unterhalten nicht nur, sondern thematisieren auch politische und soziale Aspekte, bringen diese Themen den Leuten näher und versuchen damit, etwas in den Menschen zu bewirken. Und genau das sollten wir zulassen. Lasst euch belehren, lasst euch inspirieren und motivieren; berichtet von Büchern wie diesen, erzählt euren Familien und Freuden davon, pflastert eure sozialen Netzwerke damit zu, lest das Buch in der Öffentlichkeit – denn selbst Aktionen wie solche, die noch so klein und unwichtig erscheinen, können etwas bewirken.

Das erinnert mich an einen Tag im Fitness Studio, als ich gerade auf dem Laufband war und The Hate U Give dabei las. Eine schwarze ältere Dame kam auf mich zu, mit einem solch breiten Grinsen im Gesicht, als wäre gerade Weihnachten. Sie schaute mich an und sagte: “Es ist schön zu sehen, dass so viele junge Leute Bücher wie dieses lesen.” Dann nickte sie mir zu und ging wieder ihrer Wege. Aus diesem Grund ist es wichtig, solche Bücher zu lesen und sie zu verbreiten.

Auch an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an Leonie, Birte, Sebastian und Andrea für die Einladung, die tollen Gespräche, das Buch natürlich und die Führung durch das Verlagshaus. Es hat mir riesig viel Spaß gemacht und die fünfeinhalb Stunden Fahrt nach München haben sich dafür auf jeden Fall gelohnt!

Kaufen könnt ihr das Buch HIER!


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