Über Neid, Eifersucht und Missgunst in der Buchcommunity

Vorwort: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen etwas kritischeren Artikel gegenüber der Buch-/Bookstagramcommunity. Damit möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, ich würde mich in der Community nicht wohlfühlen, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich sehr wohl (mit Ausnahmen – aber die gibt es natürlich überall), ich habe wirklich wahnsinnig tolle und inspirierende Menschen über die Community kennengelernt und habe unfassbar viel dazu gelernt, nicht nur was Bücher betrifft, sondern das Leben, was ohne die Community vermutlich nicht der Fall gewesen wäre und dafür bin ich wahnsinnig dankbar. Jeden Tag. Doch so sehr ich diese Community liebe; so gerne ich mich in ihr aufhalte und so toll ich die (meisten) Menschen finde, gibt es hin und wieder eben doch auch schon mal Dinge, die mir negativ aufstoßen, was im Grunde ja auch völlig normal ist. Nichts ist perfekt. Und genau darüber möchte ich heute mit euch sprechen.


Neid, Eifersucht und Missgunst in der Buchcommunity wurden schon mehr als einmal angesprochen und diskutiert. Wisst ihr, ich habe diesen Artikel bereits vor einigen Monaten geschrieben, einfach, weil ich selbst in letzter Zeit immer mal wieder mit Missgunst innerhalb der Community konfrontiert wurde. Ich war mir nicht sicher, ob ich diesen Beitrag posten soll, einfach, weil schon so viel darüber geschrieben und diskutiert wurde und doch brennt es mir in den Fingern, meine Meinung hierzu zu äußern weil es mir – auf gut Deutsch gesagt – einfach tierisch auf die Nerven geht. Deshalb habe ich diesen Artikel aus der Versenkung geholt, habe ihn ein wenig abgeändert und aktualisiert und nun ist er hier, online und in der Welt. Denn nicht nur das mich dieses Thema nervt, es trübt auch ein wenig meine Freude an dem Ganzen und manchmal weiß ich einfach nicht, wie ich dem entgegenwirken kann, da ich das Gefühl habe, dass egal wie häufig diese Themen auch angesprochen und diskutiert werden, sich eben doch nicht wirklich etwas ändert.

Definition Missgunst:
„aus einer ablehnenden Haltung, Einstellung jemandem gegenüber entspringendes Gefühl, diesem bzw. dieser einen Erfolg, Vorteile o. Ä. nicht zu gönnen.

Definition Neid:
„Empfindung, Haltung, bei der jemand einem anderen einen Erfolg oder einen Besitz  nicht gönnt oder Gleiches besitzen möchte.“

Zunächst einmal: natürlich gibt es nicht nur destruktiven Neid. Konstruktiver Neid gilt als eine neutrale Emotion, der weder destruktive Gefühle, noch eben solche Handlungen nach sich zieht. Man sagt, dass das Eingeständnis konstruktiven Neides ein Zeichen für innere Größe ist. Diese Art von Neid kann, statt der negativen Auswirkungen, eben positive haben. Zum Beispiel handelt es sich dabei um eine wohlwollende bewusst geäußerte Anerkennung. Man hat nicht das Bedürfnis, die Ungleichzeit zu beseitigen, ganz im Gegenteil, man freut sich für die Person. Weiter kann konstruktiver Neid sehr motivierend und beflügelnd wirken, was zu einer erhöhten Leistung führt, wenn man zum Beispiel das Bedürfnis hat, dasselbe zu erlangen/erreichen wie die beneidete Person. Hier könnte man den Neid wohl vielmehr als Ehrgeiz bezeichnen.

Ich möchte gar nicht behaupten, dass nur destruktiver Neid in der Community herrscht, mit Sicherheit tut es das nicht. Auch ich selbst empfinde hier und da mal eben dieses Gefühl von Neid, allerdings kann ich sagen, dass ich aufgrund meiner ohnehin eher positiven Grundeinstellung, eben konstruktiven Neid empfinde und selten das Bedürfnis oder das Gefühl habe, einer Person etwas nicht zu gönnen; es ihr madig zu machen oder wegnehmen zu wollen.

Mein Verständnis gegenüber dem destruktiven Neid hält sich mithin in Grenzen. Mir fehlt einfach jedes Verständnis dafür, anderen Menschen Ziele, die sie erreicht haben oder Dinge, die sie erlangen konnten (egal ob immateriell oder materiell) und die daraus resultierende Freude kaputt zu machen. Vielmehr bin ich persönlich ein Freund des Supports, der Unterstützung – zumindest dort, wo es einem persönlich auch möglich ist, insbesondere dann, wenn es um eine Leidenschaft geht, die wir alle gemeinsam haben; also im Prinzip etwas ist, das uns alle verbinden sollte, stattdessen entzweit es uns von Tag zu Tag ein Stückchen mehr und ich kann einfach nicht verstehen, warum?

Wir schaden uns selbst damit …

Natürlich sind all diese Gefühle menschlich. Manchmal nehmen wir das Empfinden eben solcher Emotionen vielleicht gar nicht richtig wahr, manchmal ist es uns vielleicht auch gar nicht bewusst, vielleicht wollen wir es uns auch einfach nicht eingestehen. Meist empfinden wir diese negativen Emotionen in Bereichen, in denen wir uns selbst unterlegen fühlen. Und ich finde, hier knüpft auch schon das eigentliche Problem an, nämlich, dass wir uns mit diesen negativen Emotionen eigentlich nur selbst schaden. Es wird im Leben immer so sein, dass wir – in welchen Bereichen auch immer, ob nun beruflich oder privat – auf Menschen treffen, die im Leben bereits dort stehen, wo wir uns selbst gerne sehen würden. Bezogen auf die Buchcommunity kann das natürlich vieles sein, z. B.

  • eine größere Follower-/Kommentar-/Likezahl
  • das Veröffentlichen eines Buches
  • beliebtere Beiträge auf dem Blog
  • mehr Rezensionsexemplare/Kooperationspartner
  • schönere/aufwendigere/besser Fotos
  • etc. pp.

Es wird immer jemanden geben, der erfolgreicher ist als man selbst, der in einem bestimmten Bereich einfach besser/talentierter ist. Der Fehler, den die meisten dabei machen ist, davon auszugehen, dass diesen Personen dieser Erfolg nicht zusteht, da ihnen „alles sowieso nur  in den Schoß fällt“ ohne wirklich was dafür zu tun. Egal wie erfolgreich jemand ist: in den allermeisten Fällen steckt unglaublich viel Arbeit dahinter, oftmals sogar Aufopferung, Leidenschaft, Schweiß und Blut. Natürlich mag es der ein oder andere einfacher haben, als andere. Und manchmal spielt eben doch auch das berühmte Glück eine Rolle. Doch das ist hier aktuell nicht Thema. Außerdem bezweifle ich, dass dies dann doch rechtfertigt, das Glück eines anderen “kaputt zu machen”

Diese negativen Gedanken fangen irgendwann an, uns aufzufressen. Gedanklich überschwemmen wir uns selbst mit negativen Themen, statt uns mit Positiven Dingen zu beschäftigen, statt uns mithin auch einmal selbst wertzuschätzen, uns und unsere Arbeit. Statt uns einfach mal vor Augen zu führen, was wir selbst alles erreicht haben. Doch auch körperlich kann sich dies negativ auswirken, enden solche negativen Emotionen nicht selten in Symptomen wie Schlafmangel, Herzrasen und Magenproblemen.

Hinzu kommt, dass nur weil jemand “besser”, “reicher”, “schöner” etc. pp. (alles in Anführungszeichen, da meiner Meinung nach gerade “schöner” ein Begriff ist, den man an nichts festmachen kann und eher im Auge des Betrachters, mithin des Beurteilenden liegt. Von gesellschaftlichen Normen halte ich persönlich nichts.), dies nicht gleichzeitig bedeutet, dass es diesen Menschen auch automatisch besser geht. Erfolg, Ruhm und Reichtum können einen Menschen ebenso kaputt machen, wie das Gegenteil davon.

Ich frage mich daher wirklich, wieso es einigen Menschen einfach so schwer fällt, sich für andere Menschen zu erfreuen, insbesondere in einer Zeit wie der heutigen, in der wir gefühlt nur mit negativen Nachrichten überflutet werden, in der Zusammenhalt ein Fremdwort zu sein scheint und kaum noch jemand Rücksicht nimmt oder Empathie empfindet. So scheint es zumindest, auch wenn es vielleicht nicht stimmt. Doch negative Stimmungen, wie sie eben manchmal in unserer Buchcommunity herrschen, bestätigen all dies.

Warum ich dazu komme, diesen Beitrag zu schreiben?

Aufgrund meiner Fortbildung und der damit einhergehenden Lernerei, die unglaublich viel meiner Freizeit in Anspruch genommen hat, habe ich in den letzten zwei Jahren kaum bis gar keine Rezensionsexemplare oder sonstige Kooperationsanfragen angenommen. Ich habe in den letzten zwei Jahren fast nur Ablehnungen erteilt. Und wenn ich mich dann doch dazu entschlossen habe, ein Rezensionsexemplar anzunehmen oder eine Zusammenarbeit mit einem Verlag oder einem anderen Unternehmen einzugehen, dies dann nur, weil ich wirklich Feuer und Flamme dafür war, meinem Zeitmangel zum Trotz.

Und in eben diesen Fällen erreichten mich kurz darauf Nachrichtigen, die mir nicht nur die Freude an dieser akribisch geplanten und vorbereiteten Kooperation nahmen, auf die ich bereits Wochen hingefiebert hatte, sondern auch Selbstzweifel in mir säten und mir teilweise sogar ein schlechtes Gewissen verursachten.

„Ich frage mich echt, warum der Verlag dich dafür ausgewählt hat und nicht mich!“

„Ich bin echt enttäuscht, dass ich nicht gefragt wurde. Ich hätte das sicher genauso gut gemacht.“

„Die haben dich sicher nur genommen, weil du mehr Follower hast.“
(Was ein bisschen lachhaft ist, da ich – seit ich meinen alten Account mit knapp 30K Followern aufgegeben und auf Instagram einen Neustart gewagt habe – schon lange nicht mehr zu den „großen“ Accounts, sondern eher zu den kleineren Accounts gehöre)

„Klar ist das toll für dich, aber ich hätte es auch cool gefunden, wenn man mich auch gefragt hätte.“

Zunächst fühlt sich das an, wie ein Schlag ins Gesicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige von uns bereits solche Nachrichten erhalten haben. Nachrichten wie diese können eine wahnsinnig zerstörerische und zerschmetternde Wirkung haben, insbesondere dann, wenn man zuvor das Gefühl hatte, was richtig tolles zu tun; wenn die Freude so groß war, dass man es kaum erwarten konnte, sie mit jemandem zu teilen. Gerade in unserer Community bietet sich ja eben das so wunderbar an, brennen wir doch meist alle ohnehin für dieselben Themen. 

Ich finde es grenzt nicht nur an Unverschämtheit, sondern auch an Dreistigkeit überhaupt solche Nachrichten zu versenden. Was bringt einem das? Was hat man überhaupt davon, wenn man nicht nur das gute Gefühl eines anderen kaputt macht, sondern auch sich selbst mit immer diesen negativen Gedanken schadet?

Wisst ihr über welche Nachrichten ich mich gefreut hätte? Solche:

„Ahh wie toll, ich freu mich für dich.“

„Mega genial, dass die dich ausgewählt haben. Du als riesen Fan bist genau der/die Richtige dafür.“

„Richtig coole Aktion, ich bin gespannt auf das, was noch kommt.“

„Ich bin auch ein riesen Fan und kann deine Freude echt nachempfinden. Ich würde vermutlich ausrasten an deiner Stelle.“

Das sind ein paar meiner eigenen Nachrichten, die ich schon mal an Bloggerkolleg*innen versandt habe.

Natürlich kann es immer mal sein, dass Unmut aufkommt, wenn man sieht, dass eine andere Person genau das gerade durchlebt oder bereits erreicht hat, was man sich selbst seit langer Zeit wünscht. Aber gibt einem dies das Recht, dieser anderen Person das kaputt machen zu wollen? Nein!

Vorgenannte negative Nachrichten haben mich sogar teilweise soweit gebracht, dass ich angefangen habe, mich zu rechtfertigen. Ich nahm die Verlage/Unternehmen in Schutz, weil ich eben nicht wollte, dass es so aussieht, als hätte mich der Verlag/das Unternehmen bevorzugt. „Das Unternehmen hat nicht mich angesprochen. Es war meine Idee, ich habe dort angefragt, die fanden die Idee super und so kam die Zusammenarbeit zustande.“ Vielleicht ist das auch eines meiner „Probleme“, die ich habe, selbst nicht unbedingt gut mit Wertschätzung oder Lob umgehen zu können, wenn sie von anderen kommt. Aber ganz ehrlich? Von nichts, kommt nichts. Wenn man ewig darauf wartet, dass man angesprochen wird; dass Unternehmen auf einen zukommen, wird vielleicht nie etwas draus. Wie sollen Verlage/Unternehmen auf einen selbst aufmerksam werden bei der Masse an Bloggern und Influencern? Es schadet nicht, das „Schicksal“ auch einfach mal selbst in die Hand zu nehmen. Was kann schon großartig passieren? Man bekommt höchstes eine Absage und dann? Dann versucht man es eben weiter und immer weiter – die anderen, die so oft beneidet werden, tun meist genau dasselbe bzw. haben nichts anderes getan.

Nachrichten wie eben diese rufen in mir auch immer wieder ein Gefühl der Enttäuschung hervor. Enttäuschung gegenüber der Community, gegenüber Bloggerkolleg*innen. Und irgendwie hat das Ganze seither für mich immer einen ziemlich bitteren Beigeschmack und manchmal verzichte ich sogar darauf, irgendwelche tollen Neuigkeiten zu teilen, teile sie dann lieber in meinem privaten Umfeld mit Freunden und Familie, weil ich genau weiß, dass ich dort mit Unterstützung, Mitgefühl und Freude rechnen kann, während ich in der Buchcommunity immer damit rechnen muss, dass es da irgendwo ein paar Menschen gibt, die mir das kaputt machen wollen – aus welchen Gründen auch immer. Ich sage auch gar nicht, dass jedes Mal tatsächlich ein boshafter Gedanke dahinter steckt. Manchmal möchte man seinem Unmut auch vielleicht einfach nur Luft machen, tut es dann aber leider auf eine unschöne Art und Weise.

Ich wünsche mir wirklich sehr, dass sich dies ändert, zum positiven ändert, irgendwann in der Zukunft und wir Menschen es schaffen, uns gegenseitig einfach ein bisschen mehr zu unterstützen und Freude füreinander zu empfinden.

Ich möchte mit diesem Beitrag auch niemanden persönlich angreifen. Im Endeffekt entscheidet ja jeder selbst, wie er/sie lebt und leben möchte, sprich wie er/sie auf entsprechende Situationen reagiert etc. pp. und wenn jemand eben das Bedürfnis hat, so zu reagieren, dann soll er/sie das eben tun. Ich frage mich halt nur, ob dies wirklich Sinn macht, da man nicht nur anderen, sondern auch sich selbst schadet. Ob das wirklich das Wahre ist?

Wisst ihr, ich persönlich finde ja, es gibt nichts Schöneres als einem Menschen dabei zuzusehen, wie er vor ehrlicher Freude und Glück fast zerspringt. Da wir das ohnehin schon fast verlernt haben, wäre es doch schön, wenn wir alle gemeinsam ein wenig dazu beitragen, uns die Fähigkeit, sich füreinander zu freuen und uns etwas zu gönnen, zu erhalten, findet ihr nicht?

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Berichtet mir gerne davon in den Kommentaren.

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