Was passiert ist …

Als ich mich eben auf mein Fahrrad gesetzt, in die Pedale getreten und den Wind durch meine Haare hab wehen lassen wusste ich: es geht mir besser. Kennt ihr dieses Gefühl kurz bevor man auf einer Achterbahn die Abfahrt runter fährt? Diese Mischung aus Vorfreude, Aufregung, Nervosität? Dieses Kribbeln im Bauch, das einem für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl gibt, schwerelos zu sein? So habe ich mich eben gefühlt. Glücklich irgendwie, auch wenn es momentan nicht unbedingt perfekt läuft.

Einige von euch haben vielleicht mitbekommen, dass ich mich in den letzten Wochen etwas zurückgezogen habe, einige vielleicht auch nicht. Und das ist okay. Viele Nachrichten haben mich erreicht, liebe, einfühlsame Nachrichten, aber auch neugierige Nachrichten. Bisher war ich einfach nicht bereit gewesen, darüber zu sprechen. Doch irgendetwas sagt mir, dass ich es jetzt bin.

Im Leben scheint nicht immer die Sonne. Manchmal regnet es, manchmal so sehr, dass man den Weg, der vor einem liegt, völlig aus den Augen verliert. Man verliert die Orientierung, verliert das Ziel aus den Augen und fühlt sich hilflos. Verloren sogar. Doch kein Regenschauer bleibt für immer. Irgendwann drängt sich die Sonne zwischen den dunklen Wolken hervor, kitzelt uns mit ihren warmen Strahlen an der Nase und vertreibt das Gefühl der Kälte; erfüllt uns wieder mit einem wunderbar wärmenden Gefühl.

Anfang Juni ist meine Beziehung in die Brüche gegangen. Ich werde hier gar nicht näher darauf eingehen, wie, warum, etc. pp. Es gibt einfach Dinge, die sind zu persönlich; zu privat. Fast 10 Jahre, ein Drittel meines Lebens, habe ich mit diesem einen Menschen verbracht und jetzt ist er weg. Ich glaube an Seelenverwandtschaft, an die große Liebe, glaube aber auch, dass man sie mehr als einmal im Leben finden kann. Die letzten fast 10 Jahre waren aufregend, wunderschön, voller Liebe, die Platz für Entwicklung ließ. Und das haben wir, wir haben uns weiterentwickelt, beide allerdings scheinbar in entgegengesetzte Richtungen. Viele Trennungen enden in einem regelrechten Rosenkrieg; gemeinsame Fotos werden gelöscht und die Jahre, die man miteinander verbracht hat, förmlich ausradiert. Genau das möchte ich nicht. Diese Zeit hat mir wahnsinnig viel bedeutet, sie hat mir unglaublich viel gezeigt; hat mich Dinge gelehrt, nicht nur über mich selbst, sondern auch über das Leben … und die Liebe. Ich möchte diese Jahre nicht ausradieren; möchte dieses Kapitel meines Lebens nicht einfach löschen; nicht die Seiten aus dem Buch meines Lebens herausreißen. Vielmehr bin ich dankbar. Dankbar für diese Zeit, für das, was wir hatten. Doch nicht jede Beziehung ist für die Ewigkeit bestimmt. Und das ist okay, auch wenn es weh tut. Und es tut verdammt weh.

So viel hat sich verändert. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie alleine gelebt und wohne jetzt alleine in dieser großen Wohnung, woran ich mich erst einmal gewöhnen muss. Ich muss endlich den Hintern hoch kriegen und lernen, zu kochen, damit ich nicht verhungere oder mich die nächsten Jahre nur von Tiefkühlfraß ernähre. Ich muss das Alleinsein wieder lernen, aber auch das ist okay. Denn eigentlich bin ich im Alleinsein echt gut. Das Gefühl, etwas verloren zu haben, hat mich in den letzten Wochen allerdings daran gehindert, dieses Alleinsein zu genießen.

Die letzten Wochen waren schwer. Verdammt schwer. Es heißt, Liebeskummer ist gleichzusetzen mit einem kalten Entzug. Liebe löst dasselbe in unserem Gehirn und in unserem Körper aus, wie Drogen es tun. Es kostet Kraft, Anstrengung und vor allem Zeit, so etwas zu verarbeiten. Doch auch das ist okay. Es muss weh tun. Dieser Schmerz ist ein Zeichen dafür, dass man lebt; dass man liebt. Wir müssen fühlen, um zu verarbeiten und das habe ich die letzten Wochen getan. Ich habe Wasserfälle geweint, habe jede Nacht versucht, gegen das Gedankenkarrussel in meinem Kopf anzukämpfen, das mich auch jetzt noch immer nicht wirklich schlafen lässt. Doch es wird besser. Es stimmt, wenn man sagt, Zeit heilt alle wunden.

Und auch wenn es immer mal wieder traurige Momente gibt; Momente, in denen der Schmerz so stark ist, dass er mich in die Knie zwingt, wird er von Tag zu Tag ein bisschen mehr von anderen Gefühlen übertüncht. Aufregung, Nervosität, Vorfreude auf den nächsten Lebensabschnitt aber auch von dem Gefühl von Freiheit. Alles ist so neu und trotz allem fühlt es sich gut an.

Ich glaube sogar, dass die aktuelle Coronazeit vielleicht gar nicht so schlecht ist, um all das wieder neu zu lernen; um mich selbst wieder zu finden. Ich habe Zeit mich nur auf mich zu konzentrieren; habe Gelegenheit – ohne irgendwelchen Druck von außen – das alles richtig, und ich meine wirklich richtig, zu verarbeiten. Und das werde ich. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, aber auch das ist okay.

Das Leben passiert eben. Es passiert einfach.

Ich danke jedenfalls jedem von euch, der mir geschrieben hat, einfach so, auch ohne zu wissen, was überhaupt los ist. Ihr habt mir wahnsinnig viel Kraft gegeben, mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und das Gefühl, dass da Menschen sind, die für einen da sind, hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin. Es hat mir gezeigt, dass es Menschen gibt, die einen auffangen, wenn man fällt und die einem auch wieder hoch helfen, wenn es nötig ist.

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