Wie mich das Reisen verändert

Reisen ist nicht gleich Reisen. Urlaub ist nicht gleich Reisen. Für mich sind Pauschalreisen keine Reisen. Reisen sind für mich keine komplett durchgeplante Pauschalurlaube in irgendwelchen Touristenvierteln mit festen Essenzeiten, bestimmten Touren und Aktionen. Ankommen, essen, am Pool liegen, einen Abstecher zum Strand machen und danach ab in die Koje. Ganz abgesehen davon, dass ich nichts mehr hasse, als mich bereits vorab entscheiden zu müssen, welche Touren ich in meinem Urlaubspaket mit buchen möchte, finde ich diesen festgefahrenen und völlig durchgeplanten Terminstress in einer Zeit, die man eigentlich entspannt angehen sollte, als eben genau das: stressig.

Urlaub ist Urlaub, Reisen ist was anderes.

Auch wenn ich unter Druck und Stress gut funktioniere, bedeutet das nicht, dass es mir gut tut. Nach Glück streben und wirklich glücklich sein sind zwei völlig verschiedene Dinge. Unglücklich werde ich dann, wenn ich das Gefühl habe, eingeengt zu sein. Ich brauche es einfach, dieses Gefühl von Freiheit. Ich möchte nicht zu viel planen, ich möchte mich nicht schon heute entscheiden müssen, was ich Morgen zu Abend esse. Ich lebe in den Tag hinein und genieße es. Ich versuche es zumindest.

“Ein guter Reisender hat keine festen Pläne und denkt nicht ans Ankommen.“

– Lao Tzu

Und genau das ist es, was mir das Reisen möglich macht. Diese Freiheit. Einfach Ich sein. Ohne Verpflichtungen, ohne nervtötenden und stressigen Alltag. Wenn ich reise, werfe ich alles über Board, alle Regeln, alle Erwartungen, die man an mich stellt, einfach alles. Ich mache das, was ich am liebsten mache: ich lebe. Und genau aus diesem Grund mag ich keine Pauschalreisen.

Ich möchte irgendwo ankommen und ein neues Abenteuer erleben; ich möchte Dinge erleben die zu Erinnerungen werden; Erinnerungen, die niemals vergehen. Ich möchte erleben und lernen und lieben; ich möchte meinen Horizont erweitern und mich nachhaltig bereichern lassen. Und meiner Meinung nach kann ich das nicht in einem 4 Sterne All-inclusive Pauschalurlaub irgendwo da, wo jeder hin fährt.

Ich reise seit ich 16 Jahre alt war; ich habe schon einiges gesehen, doch lange nicht genug.

Reisen gibt uns die einmalige Chance, unsere Sichtweisen zu ändern und unsere Einstellung zu überdenken, vielleicht sogar in Frage zu stellen, nicht nur was uns selbst betrifft, sondern das gesamte Weltgeschehen. Nur wer über den eigenen Tellerrand blickt, dem wird auffallen, dass es auch eine Realität außerhalb des eigenen Lebens gibt. Eine ganze Welt, die so riesig und unergründlich ist und so voller Überraschungen steckt, dass ein ganzes Leben nicht ausreicht, alles zu sehen, zu erkunden und schon gar nicht alles zu verstehen. Wir können es lediglich versuchen; versuchen so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln, sowohl positive als auch negative. Wir können versuchen, die Augen zu öffnen und nicht blind durch die Welt zu spazieren und den Kopf auch mal nach links und rechts zu drehen und eben nicht immer nur geradeaus oder auf den Boden zu starren.

“Wir reisen nicht, um dem Leben zu entfliehen, sondern damit uns das Leben nicht entflieht.“

– Anonymous

Tagtäglich meistern wir unser Leben und eigentlich ist das auch gar nicht so schwer, denn es läuft. Manchmal läuft es sogar richtig gut. Verlieren wir da noch einen Gedanken daran, dass Kinder in Bangladesch für einen Hungerslohn für unsere Kleider  arbeiten, Frauen in manchen Ländern noch immer kein Wahlrecht haben und unterdrückt werden, viele Menschen kaum genug Geld für etwas zu Essen haben und die Mehrzahl der hinterbliebenen Familien in Syrien nicht flüchten können? Wieso auch, unsere Welt ist immerhin vollkommen in Ordnung. Wir wachen morgens auf, frühstücken, gehen zur Arbeit, bekommen unser Gehalt, gehen abends lecker Essen und vielleicht auch noch ins Kino. Wir verschließen unsere Augen vor dem, was wirklich wichtig ist.

Das Reisen jedoch, das verändert uns. Allerdings nur, wenn wir uns auch mal außerhalb vorgenannter Pauschalreisen auf Abenteuer begeben und Länder besuchen, die nicht als zusätzliches deutsches Bundesland gelten. Es gibt einfach Dinge, die lernt man weder zu Hause, noch in der Schule, in der Uni oder auf der Arbeit – manches davon steht noch nicht einmal im Internet. Gut, vielleicht schon, aber der Lerneffekt bleibt aus, denn manche Dinge muss man einfach gesehen; muss man erlebt haben, um sie zu verstehen. Oft passiert es ganz unbemerkt; meist sind es ganz unerwartete Ereignisse und Erlebnisse, die einen auf eine Art und Weise beeinflussen, wie man es niemals für möglich gehalten hätte.

“Man muss reisen, um zu lernen.“

– Mark Twain

Sowas passiert nur dann, wenn man die heimischen Gefilde verlässt und die Welt auf sich wirken lässt. Man lernt nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst so viel besser kennen.

Wenn man nur zwei Wochen am Strand liegen und entspannen möchte, dann ist ein Pauschalurlaub wohl die perfekte Wahl. Wenn man allerdings nachhaltig etwas in sich selbst bewirken möchte; sich besser kennen lernen und womöglich sogar an die eigenen Grenzen bringen möchte, dann braucht es mehr als einen schnellen Besuch im Reisebüro.

Ich liebe es neue Menschen kennenzulernen, Menschen aus Kulturen, die meiner eigenen völlig fremd sind. Ich beobachte sie unheimlich gerne, höre ihnen zu und lasse mich von ihren Geschichten und ihren Leben, die so ganz anders sind als mein eigenes, mitreißen.

“Zu reisen bedeutet sich zu entwickeln.“

– Pierre Bernardo

Ich möchte auf meinen Reisen nicht nur neue Dinge sehen, ich möchte auch etwas erleben. Das Leben ist ein riesiges Abenteuer, man muss sich nur trauen, die Angst zur Seite schieben und auch mal Herausforderungen annehmen. Nur wer die üblichen Touristenpfade auch mal verlässt, wird Land und Leute richtig kennenlernen und einen Ort erleben, wie Einheimische ihn erleben. Einfach mal den Stadtplan zur Seite legen und laufen … nichts planen, einfach drauf los laufen; sich einfach treiben lassen und so tun als könnte man die Welt erobern.

Einfach raus in die Freiheit – frei sein wie ein Vogel. Unser Leben lang verbringen wir damit, irgendwelchen anderen Leuten zu gefallen und gesellschaftlichen Normen zu entsprechen und ihnen gerecht zu werden. Heiraten mit Anfang 30, jede Menge Kinder und ein Einfamilienhaus? Eine Diät nach der anderen, nur um dem Frauenbild zu entsprechen, dass die Gesellschaft hat? Wir versuchen perfekt zu sein, ohne Ecken und Kanten, dabei ist es doch gerade das, was uns einzigartig macht. Wir lassen uns viel zu sehr beeinflussen; viel zu stark kontrollieren – von unserem Gegenüber, den Medien, der Gesellschaft. Das Reisen lenkt die Sichtweise auf das Wesentliche, auf das, was wirklich wichtig ist. Weil es uns Dinge sehen lässt, die wir sonst ausblenden; weil es uns Dinge fühlen lässt, die wir sonst ignorieren oder gar nicht erst wahrnehmen.

Reisen verändert uns. Der Austausch mit anderen Kulturen verändert nicht nur uns als Mensch, sondern auch unsere Sichtweisen, unsere Ansichten und unsere Meinungen, vielleicht sogar unsre Träume. Das Reisen bereichert uns mit all seinen Eindrücken und Erlebnissen, es formt uns.

Die Welt ruft nach uns, manchmal jedoch sind die Alltagsgeräusche um uns herum so laut, dass wir die leise Stimme nicht hören, vielleicht – angetrieben von unserer Angst – wollen wir sie auch gar nicht hören. Doch irgendwann, irgendwann wird sie lauter, diese Stimme, die unseren Namen ruft und dann gibt es kein Entkommen mehr. Wenn man erst mal Blut geleckt hat, gibt es kein Zurück mehr.

“Zu reisen ist zu leben.“

– Hans Christian Andersen

Geht raus in die Welt, greift nach der Freiheit, lasst euch treiben und schwimmt auch mal gegen den Strom.

Für mich bedeutet Reisen die Welt. Ich liebe das Reisen. Ihr auch?

Lasst es uns gemeinsam füllen, das schwarze Loch in unserem Inneren, das uns förmlich auffrisst und nach mehr verlangt.

 


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