Wie sich mein Rezensionsverhalten verändert hat + Eure Antworten auf meine Fragen

Ich habe mir in den letzten Tage und Wochen immer mal wieder die Frage gestellt, wie sich mein Verhalten als Bloggerin in den letzten Jahren verändert hat. Ich blogge schon seit über zehn Jahren. So richtig bewusst geworden ist mir dies erst, nachdem ich mir eben diese Fragen gestellt hatte. Meinen ersten Blog habe ich 2008/2009 eröffnet. Auch auf Youtube war ich seinerzeit sehr aktiv. Aktiver, als ich es heute bin. Zwischendurch machte ich dann mal eine etwas längere Pause, doch aufgehört, Rezensionen zu schreiben, habe ich nie. Ich habe sie eine Zeit lang eben nur nicht auf einem Blog veröffentlicht, sondern auf anderen Plattformen. Bis ich dann vor ungefähr 6 Jahren Instagram für mich entdeckte und neuerlich einen Blog startete.

Mein Verhalten als Bloggerin hat sich in den letzten Jahren zwar nicht immens, aber zumindest so viel verändert, dass ich eine solche Veränderung definitiv feststellen konnte. Hierzu konkret habe ich euch vor einigen Tagen auch in meiner Instagram Story ein paar Fragen gestellt. Aufgrund der vielen und vor allen Dingen interessanten Antworten, habe ich mir überlegt, diese in Form eines Blogbeitrages auszuwerten und mit euch zu teilen.

Vor einigen Jahren noch habe ich jedes gelesen Buch immer sofort rezensiert, sprich, nachdem ich die letzte Seite gelesen und den Buchdeckel wieder zugeschlagen hatte, setzte ich mich an den PC oder an mein Notebook und schrieb meine Gedanken zu dem Gelesenen auf. Früher fielen meine Rezensionen weit aus kürzer aus, als sie es heute tun, dennoch hatte ich immer das Bedürfnis, sofort meine Gedanken niederzuschreiben, was nicht gerade selten in einem absoluten Wirrwarr endete. Das stellt man natürlich immer erst im Nachhinein fest. Ich habe mir vor kurzem einige meiner alten Rezensionen durchgelesen und konnte nicht anders, als die Hände vor dem Kopf zusammenzuschlagen. Aber hey, wir entwickeln uns immerhin alle weiter, richtig? Und wenn ich mir meine Rezensionen von damals so ansehe, bin ich auch ziemlich froh drum, dass es so ist haha

In den letzten Jahren allerdings habe ich festgestellt, dass das Bedürfnis, immer sofort nachdem ich ein Buch beendet habe, eine Rezension zu verfassen, in den Hintergrund gerückt ist. Natürlich schreibe ich auch heute noch immer sehr gerne Rezensionen zu Büchern, doch leider lässt weder meine Lust, noch meine Zeit es zu, unmittelbar nach Beenden des Buches eine solche zu verfassen. Mittlerweile kann es schon einmal Tage dauern, bis ich eine Rezension schreibe.

Und während ich früher wirklich jedes einzelne gelesene Buch rezensiert habe, kommt es heute auch schon einmal vor, dass ich eben nicht jedes Buch rezensiere.

Und genau diese Fragen habe ich euch unter anderem in meiner Instagram Story gestellt:

Insgesamt abgestimmt haben 181 Blogger*innen, 52 stimmten dafür, dass sie ein Buch immer sofort rezensieren, nachdem sie es gelesen haben. 129 lassen sich mit dem Rezensieren etwas länger Zeit.

Auch erreichten mich Nachrichten von Bloggerkolleg*innen, die mich fragten, wie ich es handhabe, wenn ich ein paar Tage mit dem Rezensieren warte, ob ich bis dahin nicht schon alles vergessen hätte, etc. pp. Auch wenn mein Gedächtnis nicht immer das Beste ist, muss ich sagen, dass ich mir in Bezug auf Bücher wirklich sehr viel merken kann und dass es schon etwas mehr als ein paar Tage dauert, bis ich tatsächlich etwas vergessen habe. Ganz häufig mache ich mir aber auch einfach ein paar Notizen, immer mal wieder auch bereits während des Lesens, wenn mir etwas auffällt, das ich auf jeden Fall in meiner Rezension ansprechen möchte, entweder weil es mich positiv überrascht, oder mir eben negativ aufgestoßen ist.

Die zweite Frage war, ob ihr grundsätzlich jedes Buch rezensiert, das ihr lest. Hier haben 228 Blogger*innen abgestimmt. Während nur 31 für Ja stimmten, stimmten 197 für Nein.

Wie bereits oben kurz erwähnt, habe ich früher tatsächlich jedes Buch, das ich gelesen habe, rezensiert. Damals kam es für mich aber zum Beispiel auch nicht in Frage, ein Buch abzubrechen, ganz gleich wie wenig es mir gefiel. Ich hasste das Gefühl zu wissen, ein Buch nicht beendet zu haben. Überhaupt mag ich es nicht, Dinge, die ich anfange, nicht auch zu Ende zu führen. In Bezug auf Bücher hat sich dies in den letzten Jahren glücklicherweise geändert. Ich habe einfach festgestellt, wie viel Lesezeit mir verloren geht, wenn ich mich mit Büchern beschäftige, die mir nicht gefallen; kostbare Lesezeit, die ich für Bücher nutzen könnte, die ich tatsächlich mag, insbesondere jetzt, nachdem die freie Zeit zum Lesen gefühlt täglich weniger wird.

Und genau dies brachte mich zu meiner dritten und letzten und gleichzeitig auch interessantesten Frage und zwar, sofern die vorherige Frage (ob jedes Buch, das man liest, rezensiert wird), mit Nein beantwortet wurde, wovon ihr es abhängig macht, ob ihr nun ein Buch rezensiert oder nicht. Hier kamen einige interessante Antworten bei raus, die ich gerne mit euch teilen und auch kurz kommentieren möchte.

„Ob es ein Rezensionsexemplar ist oder nicht.“

Die häufigste Antwort hierauf war, dass es davon abhängig gemacht wird, ob es ein Rezensionsexemplar ist oder nicht, woraus ich schließe, dass viele Blogger*innen nur dann ein Buch rezensieren, wenn sie es auch genau zu diesem Zweck vom Verlag oder vom Autor erhalten.

Ich muss gestehen, dass ich aus genau diesem Grund, nämlich der Verpflichtung, eine Rezension zu schreiben, eine gewisse Zeit lang keine Rezensionsexemplare mehr angenommen habe, da ich mich in einer bestimmten Phase meines Lebens hierdurch unter Druck gesetzt fühlte und irgendwie den Spaß daran verlor. Mittlerweile hat sich das auch wieder geändert, allerdings achte ich mittlerweile mehr darauf, welche Bücher ich als Rezensionsexemplare anfrage/annehme und welche nicht.

„Von meiner Freizeit. Das Hobby soll nicht in Stress übergehen.“ – „Von Zeit und Lust.“

Ebenso häufig wurden die Stichpunkte „Zeit“ und „Lust“ genannt. Für die meisten ist das Bloggen nach wie vor ein Hobby. Viele beantworteten die Frage daher damit, dass sie sich den Spaß am Bloggen nicht durch die Verpflichtung, ein Buch rezensieren zu müssen, kaputt machen lassen wollen, was uns wieder zum vorgenannten Thema der Rezensionsexemplare bringt.

Zeit ist auch bei mir ein großes Thema. Nachdem die Lesezeit, wie oben bereits erwähnt, gefühlt täglich weniger wird aufgrund Arbeit und sonstiger Verpflichtungen, die das Erwachsensein eben mit sich bringt, muss man sich selbst Prioritäten setzen. Deshalb frage ich mich manchmal, ob ich die nächste freie Stunde nun dafür nutzen möchte, ein Buch zu rezensieren, oder ob ich diese Stunde eben doch lieber in das Lesen eines Buches investiere. Aus eben diesem Grund zieht sich das Rezensieren bei mir auch immer ein wenig hin.

„Wenn es um wichtige Thematiken geht.“ – „Wenn ich glaube, etwas wichtiges dazu zu sagen zu haben.“

Viele machen das Rezensieren eines Buches auch davon abhängig, ob sie es als wichtig erachten, über das Buch zu sprechen, wenn das Buch z. B. wichtige Themen enthält, die entweder auf gute Art und Weise, oder eben auch auf eher nicht so gute Art und Weise behandelt werden. Dies finde ich sehr interessant und wichtig. Auch ich stelle bei meinem eigenen Rezensionsverhalten immer wieder fest, dass ich, wenn es in einem Buch um etwas wirklich „Wichtiges“ geht, eher dazu tendiere, die Rezension sofort zu schreiben und zu veröffentlichen, als bei anderen Büchern. Und gerade solche Rezensionen finde ich wahnsinnig wichtig. Niemand von uns ist perfekt; nicht jeder weiß über alles Bescheid, was bedeutet, dass uns manche Sachen auch einfach durchgehen, dass wir problematische Inhalte vielleicht nicht immer gleich wahrnehmen, eben weil wir nicht betroffen sind. Und wenn es dann Leute gibt, die uns in ihren Rezensionen eben mit der Nase genau drauf stoßen, finde ich das einfach großartig!

„Unbekannte Autoren/Bücher rezensiere ich eher, als bekannte/gehypte Bücher.“

Und dann gibt es auch noch die Blogger*innen, die das Rezensieren eines Buches davon abhängig machen, ob es sich um eine/n bekannte/n Autor/in bzw. Buch handelt oder nicht. Viele antworteten, dass sie eher dazu tendieren, unbekannte Bücher zu rezensieren; auch Bücher von Selfpublisher Autoren, eben Bücher, zu denen es noch kaum bis gar keine Meinungen gibt. Einige haben hier unter anderem das Beispiel Harry Potter angeführt, dass sie diese Bücher zum Beispiel nicht rezensieren, da es schon gefühlt eine Millionen Menschen vor ihnen getan haben. Tatsächlich habe auch ich noch keines der Harry Potter Bücher rezensiert und muss auch diesem Punkt daher zustimmen. Die ganze Welt kennt Harry Potter, jeder weiß worum es geht, gefühlt jeder hat zumindest entweder die Bücher gelesen oder die Filme gesehen. Wieso also noch eine Rezension, die nicht unbedingt etwas Neues aussagt?

„Ob ich genug Worte für eine Rezension finde.“

Wieder andere meinten, sie machen es davon abhängig, ob sie überhaupt etwas zu dem Buch zu sagen haben. Das Gefühl kenne ich tatsächlich auch. Manchmal liest man ein Buch, das weder richtig gut, noch wirklich schlecht ist. Ein Buch, dessen Geschichte man einfach so hat vor sich hin plätschern lassen, das aber irgendwie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Selbst wenn es einem gefallen hat, fehlen einem manchmal einfach die Worte, um darüber zu sprechen, einfach, weil es nichts gibt, worüber man sprechen möchte. So geht es mir zwar nicht häufig, aber manchmal, deshalb kann ich diesen Punkt sehr gut nachempfinden. Man rezensiert „nach Gefühl“, den Ausdruck finde ich sehr passend und diese Einstellung mag ich, da ich selbst auch ungerne nichtssagende Rezensionen lese, die nicht unbedingt nützlich bei der Entscheidungsfindung sind, ob ich das Buch nun selbst lesen möchte, oder eben nicht.

„Ob es mir gefallen hat. Bücher, die mir nicht gefallen haben, rezensiere ich grundsätzlich nicht.“

Ein paar wenige haben geantwortet, dass sie Bücher nur dann rezensieren, wenn es ihnen gefallen hat. Diesem Punkt kann ich persönlich leider nicht zustimmen, denn wenn wir alle so denken würden und Bücher nur dann rezensieren und bewerten würden, wenn sie uns gefallen haben, so gäbe es keinerlei kritische Rezensionen; nichts, Woran man sich orientierten könnte, sondern ausschließlich immer dieselben Lobeshymnen auf immer dieselben Bücher. Ich persönlich empfinde negative Rezensionen als sehr wichtig. Natürlich sollte man immer darauf achten, wie man eine solche verfasst. Die Kritik sollte konstruktiv sein; sie sollte meiner Meinung nach aber nicht unter den Teppich gekehrt werden. Ich frage mich, ob es vielleicht auch daran liegt, dass viele etwaig „Angst“ haben, ihre negative Meinung öffentlich zu machen. Hiermit hatte ich mich bereits in einem gesonderten Beitrag DER FLUCH DER NEGATIVEN REZENSIONEN beschäftigt.


Alles in allem muss ich sagen, dass ich aktuell doch recht zufrieden mit meiner Vorgehensweise bin. Ich fühle mich weder unter Druck gesetzt, noch habe ich das Gefühl „zu wenig zu tun“. Der Hauptgrund, weshalb ich noch immer Bücher rezensiere ist einfach der Spaß, den es mir bringt und auch der Austausch mit anderen lesebegeisterten Menschen als Konsequenz dessen. Das Diskutieren/Sprechen/Fangirlen über Bücher gehört mit zu meinen liebsten Beschäftigungen. Wenn man mich ließe, könnte ich den ganzen Tag nichts anderes tun. Und da ich möchte, dass es so bleibt, ist es mir persönlich sehr wichtig, mich nicht zu übernehmen und nicht zu viele Verpflichtungen einzugehen, die mir am Ende dann doch den Spaß an der Freude nehmen.

Ich fand es wahnsinnig interessant, auch mal einen Einblick in das „Bloggerleben“ anderer Blogger*innen zu erhalten und danke euch daher sehr, dass ihr in meiner Story abgestimmt und meine Fragen beantwortet habt.

Und wie steht ihr zu dem Ganzen? Wie würdet ihr die vorgenannten Fragen beantworten? Hat sich euer Verhalten in Bezug auf das Schreiben von Rezensionen ebenfalls in den letzten Jahren verändert? Erzählt es mir gerne in den Kommentaren!

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