Wie Social Media mein Konsumverhalten verändert hat

Ich habe das letzte Wochenende damit verbracht, ein bisschen auszumisten, nicht nur meinen Kleiderschrank, sondern auch mein Bücherregal, wobei es mir schwerer gefallen ist, mich von irgendwelchen Büchern und angesammeltem Bookmerch zu trennen als von Kleidungsstücken, die ich ohnehin schon seit Jahren nicht mehr getragen habe.

Als ich vor meinem Bücherregal stand und die Massen an Büchern und Merchandise sah, schoss mir immer wieder dieselbe Frage in den Kopf: Wo zur Hölle kommt dieses ganze Zeug her?

Bin ich mir überhaupt noch bewusst darüber, was ich alles kaufe und wie viel Geld ich dafür ausgebe? Brauche ich tatsächlich fünfzig Duftkerzen, nur weil auf jedem Label was anderes steht? Brauche ich 100 Bücher im Regal, die ich noch nicht gelesen habe und wahrscheinlich ohnehin nie lesen werde?

Wie gerne erinnere ich mich an die Zeiten zurück, in denen ich mir ein Buch gekauft und es sofort gelesen habe. Ich war sehr sparsam, was das Bücherkaufen anging. Damals hatte ich noch keinen SUB (Stapel ungelesener Bücher), der ganze Regalbretter in Anspruch nimmt die schon drohen, einzubrechen. Mittlerweile habe ich die ungelesenen Bücher einfach unter die gelesenen gemischt; damit es nicht auffällt und ich nicht immerzu an diesen riesigen Berg von ungelesenen Bücher erinnert werde, von denen ich mindestens die Hälfte wahrscheinlich ohnehin nie lesen werde weil es immer wieder andere Bücher geben wird, die mich mehr interessieren. Interessen und Vorlieben ändern sich, das kennen wir alle, manchmal dauert es Jahre, manchmal aber auch nur Tage, bis man an einem Buch, dass eben noch unglaublich interessant erschien, das Interesse verliert. Dennoch habe ich sie gekauft; irgendwann einmal, wahrscheinlich aufgrund einer Kurzschlussreaktion. Ich hab das Buch gesehen, das Cover für wunderschön befunden, den Klappentext in die Kategorie „interessant, könnte mir gefallen“ einsortiert und schwupp landete es in meinem Warenkorb. Ein Klick später war das Buch gekauft und schon auf dem Weg zu mir.

Seit ich vor Jahren mit dem Bloggen angefangen habe, hat sich mein Konsumverhalten unglaublich verändert.

Erinnert ihr euch noch an die Zeiten mit Internet Modem, wo jede Minute Geld kostete und man daher von den Eltern immer nur die Erlaubnis hatte, eine halbe Stunde, maximal eine Stunde, im Internet zu surfen? Damals gab es noch keine Smartphones, geschweige denn Handys mit Internetzugriff und falls doch, hat man immer gleich vor Panik einen Herzinfarkt bekommen, wenn man versehentlich die Internetverbindung aktiviert hat.

Heutzutage sind wir immer und überall online, wenn nicht zu Hause mit dem PC, dann unterwegs mit unseren super schlauen Telefonen. Facebook, Instagram & Twitter begleiten uns immer. IMMER.

Damals war es noch die TV Werbung, die unser Konsumverhalten beeinflusste, oder Kataloge, die immer mal wieder ins Haus flatterten. Heute schaut sich kein Mensch mehr die ellenlangen TV Spots an. Wir rasten ja schon aus, wenn wir auf Youtube den Werbespot nicht überspringen können.

Die Welt dreht sich immer weiter und so auch wir – Social Media ist zu unserem alltäglichen Begleiter und einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil unseres Lebens geworden. Nicht, dass dies etwas Schlechtes sei. Allerdings stelle ich an mir immer häufiger fest, wie sehr man sich doch von Social Media beeinflussen lässt.

Werbung erreicht uns mittlerweile in allen möglichen Facetten, nicht nur im Fernsehen oder per Katalog.

Wenn PolandBananaBooks ein neues Buch in die Kamera hält, wird es direkt gekauft, weil Cover ist schön, Klappentext klingt gut und immerhin hat die liebe Christine es für gut befunden. Das nächste Jahreshighlight? Wer weiß. Schnell also in den Warenkorb, gekauft und dann doch nicht gelesen.

Wenn Zoella einen neuen aufregenden Haul oder was auch immer filmt, weil die Produkte ja tatsächlich so gut sind (und nicht, weil sie dafür bezahlt wird) dann kaufen wir uns natürlich diese Produkte, immerhin sind sie das Geld Wert und natürlich ist man nur dann so richtig cool, wenn man auch dieselben Produkte nutzt wie sie.

Natürlich ist das alles nicht schlimm. Natürlich kann man Zoellas Beautyprodukte nachkaufen.

Aber brauchen wir das Zeug alles tatsächlich?

Hätten wir auch ohne Youtube & Co. zu diesen Produkten gegriffen?

Es ist ganz normal: wir eifern eben jenen nach, die wir verehren.

Natürlich ist man eher zum Kauf eines Produktes verführt, wenn jemand es bewirbt, den man mag; zu dem man aufsieht, sei es nun ein Youtuber, ein Blogger, ein Bookstagramer/Instagramer oder ein Star, wie zum Beispiel Justin Bieber etc. pp.

Und so tappe auch ich immer wieder in diese Konsumfalle, werde nicht nur zum Verpackungsopfer (was, da sind süße Katzen drauf? Mit Weihnachtsmütze auch noch? Oh Gott, das brauche ich. Das muss ich haben. Was da drin ist? Ähm ja, keine Ahnung, aber die Verpackung ist süß.)

Wenn eine/r meiner Lieblingsbookstagramer/-Blogger ein Buch in die Kamera hält und schwärmt, wie gut es doch sei, kommt es eher selten vor, dass ich es nicht kaufe. Wenn sie von irgendwelchen andern Produkten schwärmen oder irgendwelche Schnäppchendeals anpreisen, wie zum Beispiel “Hey, heute gibt’s 15 % Rabatt auf englische Bücher bei Thalia, schlagt zu” oder “Bei EMP ist gerade der neueste Harry Potter Funko Pop im Angebot, beeilt euch, bevor er weg ist!” Jap, auch ich gebe zu, dass ich so schon sehr oft zum Geldausgeben verleitet wurde, obwohl ich eigentlich gar nicht vor hatte, etwas zu kaufen. Man denkt man würde Geld sparen, weil es gerade so günstig ist, doch am Ende hat man kein Geld gespart, sondern einfach nur wieder welches ausgegeben, weil man ursprünglich ja eigentlich gar nicht vor hatte, etwas zu kaufen.

Wieso lassen wir uns immer wieder so beeinflussen? Sind wir tatsächlich so manipulierbar? Bin ich so manipulierbar? Wahrscheinlich erfreuen wir uns einfach ein bisschen zu sehr an dem Gedanken, eben genau dasselbe Parfüm zu benutzen, das Jennifer Lawrence in ihrem neuesten Werbespot beworben hat oder dasselbe Buch zu lesen, das Emma Watson gerade auf ihrem Instagram Account abfotografiert hat.

Ich versuche mein Konsumverhalten gezielt mehr in den Griff zu bekommen. Brauche ich wirklich jedes Buch, das auf Instagram gepostet wird? Nein. Möchte ich es? Ja. Das sind zwei total unterschiedliche Dinge. Ich möchte auch ein Penthouse direkt am Central Park in New York. Kaufe ich es mir? Nein, weil es einfach zu teuer ist. Der Unterschied liegt eben darin begründet, dass Bücher nicht viel kosten, zumindest nicht im Vergleich zu anderen Dingen. Es tut also nicht weh, wenn ich mir hier und da mal ein Buch für 15 EUR kaufe. Dennoch summiert sich das Ganze auf Dauer und ehe man sich versieht, hat man in einem Monat so viel Geld für Bücher, Merchandise und Ähnliches ausgegeben, dass man sich davon auch locker ein Flugticket nach New York hätte kaufen können, was mich meinem Traum vom Penthouse am Central Park zum Beispiel einen – wenn auch nur winzigen Schritt – näher gebracht hätte.

Es ist wie es ist. Social Media ist da, begleitet uns auf Schritt und Tritt und wir werden es wahrscheinlich niemals schaffen, uns ganz der Beeinflussung durch Social Media zu entziehen. Dafür müssten wir Social Media wahrscheinlich ganz aufgeben, doch wer macht das schon? Kaum jemand. Ich ganz sicher nicht.

Es ist ja auch nicht nur schlecht, Produkte zu empfehlen und andere zum Kauf zu bewegen. Immerhin möchte man die Bücher, die man wirklich mag, unter die Leute bringen und somit nicht nur den Verlag, sondern auch den/die Autor/in und eventuell sogar die ein oder andere kleine Buchhandlung vor Ort unterstützen. Und natürlich gibt es auch andere Produkte, die man tatsächlich bewirbt, weil man sie liebt; weil man sie immer nutzt und nicht nur, weil man Geld dafür bekommt. Man sollte vielleicht nur darauf achten, dass das Ganze nicht ausartet und man sich nicht irgendwann in einer Wohnung voll Krempel wiederfindet.

Deshalb kaufe ich auch zum Beispiel keine Buchboxen mehr. Jedes Mal, wenn ein neues Thema verkündet wird, bin ich kurz versucht, die Box zu bestellen. Letzten Endes ist aber doch nur Krimskram drin, das im ersten Moment zwar süß ist und worüber man sich freut und was sich teilweise echt gut macht auf Fotos doch am Ende liegt es doch nur in irgendeiner Schublade.

Obwohl ich bereits seit längerem versuche, mein Kaufverhalten mehr in den Griff zu bekommen und nicht gleich zum großen bösen A zu hüpfen, wenn jemand irgendetwas tolles bewirbt, das ich auf jeden Fall haben muss, weil ich denke, dass ich es brauche, obwohl das eigentlich gar nicht der Fall ist, kaufe ich meiner Meinung nach dennoch nach wie vor viel zu viel. Ich werde noch viel zu oft schwach, lasse mich viel zu häufig von Leuten beeinflussen, die ich gerne mag; zu denen ich aufsehe, die ich gar bewundere.

Mein Konsumverhalten hat sich seit Social Media wirklich sehr verändert; sehr stark verändert sogar. Mein Bücherregal platzt aus allen Nähten, ebenso auch mein Kleiderschrank, überall stehen Funko Pops herum, die ich mal total süß fand, die mich jetzt aber teilweise echt einfach nur noch nerven, ganz zu schweigen von den tonnenweisen Kerzen, die ich da rum stehen habe, von denen ich die Hälfte noch nicht einmal angezündet habe.

Einfach mal richtig ausmisten, das ist ein tolles Gefühl. Alte Sachen weg werfen, Ordnung schaffen und in ein nicht mehr ganz so überladenes zu Hause kommen. In meinem Kleiderschrank ist jetzt zum Beispiel wieder richtig viel Platz. Ich habe bestimmt 15 gelbe Säcke mit Klamotten, Handtaschen, Schals, Schuhen, etc. pp. aussortiert und es fühlt sich einfach verdammt gut an.

Wie man dem Ganzen entgehen kann? Indem man sich ein Ziel setzt. Mein Ziel ist grundsätzlich immer New York oder sonstige Reiseziele. Wenn ich kurz davor bin, wieder etwas zu kaufen, weil es angepriesen wurde im Internet, dann halte ich einen Moment inne und erinnere mich daran, dass ich – auch wenn es in diesem einen konkreten Fall vielleicht nur 20 EUR sind – die genauso gut in meine Spardose stecken könnte für meine nächste Reise, statt mir das nächste Buch zu kaufen, das zwar schön aussieht und gut klingt, am Ende aber trotzdem erst mal Monate im Regal steht, bis es gelesen wird (falls es überhaupt gelesen wird) Und es hilft. Mir zumindest. Eine Zeit lang habe ich sogar kleine Zettel in der Wohnung verteilt, an die Haustür, an den Kühlschrank geklebt auf denen stand “Spar dein Geld für New York” und das hat geholfen. Ich möchte keine Zahlen nennen, aber so viel Geld gespart wie 2015 hatte ich glaube ich noch nie in meinem Leben. Davon hätte ich wahrscheinlich zwei oder drei Mal nach New York fliegen können, inklusive Unterkunft und Begleitperson.

Wie steht ihr zu dem Ganzen? Geht es euch ähnlich? Hat Social Media auch euer Konsumverhalten verändert oder seid ihr da nicht so leicht zu beeinflussen? Schafft ihr es, ein gesundes Gleichgewicht zu halten oder landet auch einfach alles, was ihr seht und von dem ihr hört, gleich in eurem Warenkorb?


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